Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60 (2017)

Moderator: jogiwan

Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60 (2017)

Beitragvon buxtebrawler » 19. Sep 2017, 14:44

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Originaltitel: Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60

Herstellungsland: Deutschland / 2017

Das 4-Stündige Doku Highlight auf VOX!
Falco - Er war Superstar - Eine Legende wird 60 zeigt alles rund um das Leben und den tragischen Tod des größten österreichischen Popstars, der je gelebt hat!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

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Re: Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60 (2017)

Beitragvon buxtebrawler » 19. Sep 2017, 14:46

„Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert because er hatte Flair…“

Johann „Hans“ Hölzel, geboren am 19.02.1957 in Wien, gelangte unter seinem Künstlernamen Falco zu Weltruhm und avancierte in den 1980ern zu einem der bedeutendsten Pop-Künstler und -Interpreten des deutschsprachigen Raums. Anlässlich seines 60. Geburtstags produzierte der Privatsender Vox in enger Zusammenarbeit mit Falco-Biograph Peter Lanz die fast dreieinhalbstündige Dokumentation „Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60“, nach den (mir noch unbekannten) Dokumentationen „Falco lebt!“ und „Falco – Hoch wie nie“ ein weiterer Versuch der Aufarbeitung des Lebens und Schaffens des viel zu früh verstorbenen Musikers.

Falco war der einzige Überlebende von Drillingen und begann bereits früh, sich für Musik zu interessieren und sein Talent zu entdecken. Er verfügte über ein sog. absolutes Gehör und erkor schließlich den E-Bass zu seinem Lieblingsinstrument. Seine musikalische Karriere begann er als Jazz-Bassist in West-Berlin. Nach seiner Rückkehr nach Wien trat er dem avantgardistischen „Ersten Wiener Musiktheater“ bei und erntete regionale Erfolge. Kurz darauf wechselte er jedoch zum chaotischen Anarcho-Kollektiv „Drahdiwaberl“ und unternahm parallel mit „Spinning Wheel“ erste eigene Gehversuche. Bei Drahdiwaberl konnte er 1980 mit „Ganz Wien“ ein eigenes Stück unterbringen, bei dem er den Lead-Gesang übernahm. Das eigentlich zur Überbrückung von Pausen gedachte Lied wurde ein Hit im Wiener Underground; der bissige Text setzte sich mit der Drogengeilheit der Wiener Bohème auseinander und wurde vom Rundfunk boykottiert. „Ganz Wien“ landete auch auf Falcos Debüt-Album, kann also als Geburtsstunde jenes Alter Egos Hölzels betrachtet werden.

Inspiriert von David Bowies Verwandlungskunst schuf er die Kunstfigur Falco, einen arroganten, frechen, eleganten und geschniegelten Dressman mit breitem Wiener Schmäh, der deutschen, österreichischen und englischen Sprechgesang mischt und auf einem New-Wave/Hip-Hop/Synthie-Pop-Crossover (später erweitert um Funk-Elemente und weitere Einflüsse) performt. Musikalisch war Falco mit seinem ersten Produzenten Robert Ponger nicht nur am Puls der Zeit, sondern innovativ: Falcos erster großer Hit, der ursprünglich lediglich als B-Seite vorgesehene „Der Kommissar“, war der erste kommerzielle erfolgreiche Rap-Song eines weißen Künstlers; Falco gilt seither als erster weißer Rapper und wurde seinerzeit in den USA als solcher vermarktet, wo ihn die aufkeimende Hip-Hop-Szene entdeckte. Sein Debütalbum „Einzelhaft“ wurde ein Erfolg; die Musik war urban, trendy und modern, aber nicht gefällig, zuweilen inhaltlich provokant.

Auf diese frühe Entwicklung Falcos inkl. der ersten Solo-Tournee geht der Film ebenso ein wie auf die schwierige zweite Albumproduktion „Junge Roemer“, die geprägt war von zahlreichenden Verzögerungen und ausufernden Kosten. Es wurde das erste deutschsprachige Album, das komplett verfilmt wurde, floppte jedoch im Vergleich zum Debüt – wenn es auch besonders im Nachhinein von Kritikern sehr geschätzt wird. „Kann es Liebe sein“ wurde im Anschluss als neuaufgenommenes Duett mit Désirée Nosbusch ausgekoppelt, bevor es zur überaus erfolgreichen Zusammenarbeit mit neuen Produzenten, den holländischen Bolland-Brüdern, kam. Gemeinsam entwickelte man Falcos größten Hit „Rock Me Amadeus“ vor dem Hintergrund des populären Kinofilms „Amadeus“. Der Song schoss derart durch die Decke, dass auch diese Doku ihn als Aufhänger nahm und eröffnend detailliert auf ihn und seine aufwändige Musikvideo-Produktion einging. Der Evergreen „Rock Me Amadeus“ avancierte zum ersten und einzigen deutschsprachigen Song, der es bis auf Platz 1 der US-Charts schaffte. Auf dem dazugehörigen Album „3“ befindet sich auch der Song „Jeanny“, der einen Skandal auslöste, weil Falco sich für ihn in die Rolle eines Triebtäters versetzt – eines von Falcos stärksten und berührendsten Stücken, das diese Dokumentation entsprechend herausstellt.

„Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60“ setzt sich aus vielen Originaltönen von Weggefährten zusammen, von seiner Ex-Frau Isabella Vitkovic, seiner vermeintlichen Tochter Katharina Bianca (die mit sieben Jahren erfuhr, dass Johann Hölzel nicht ihr biologischer Vater ist, was beide schockiert hat), seinen Produzenten, Plattenfirmenbossen, seinem Manager, ehemaligen Band- und Musikerkollegen (Udo Lindenberg, D. Nosbusch etc.), seinem Biographen Peter Lanz u.a., mal mehr, mal weniger aufschlussreich, da insbesondere das erste Drittel viel Hölzels Privatleben beleuchtet und dadurch starke boulevardeske Züge annimmt. Ein Sprecher kommentiert und verbindet Collagen aus zahlreichen Originalaufnahmen wie Interviews aus dem Archiv und Live-Auftritten, sogar Hölzels Mutter Maria kommt zu Wort und schließlich gar ein Falco-Imitator.

Nach Falcos viertem Album „Emotional“ und einer Japan-Tour war Falco ausgebrannt, eine US-Tour ließ er platzen und wechselte zum Produzentenduo Gunther Mende und Candy de Rouge. Das Ergebnis der Zusammenarbeit wurde von der Plattenfirma jedoch abgelehnt. Lediglich vier Songs wurden auf das 1988er Album „Wiener Blut“ übernommen, die übrigen wurden erneut bei den Bolland-Brüdern beauftragt. Falco war mittlerweile alkohol- und medikamentenabhängig und die Zusammenarbeit mit den Bollands endete im Streit, das Album blieb in Sachen Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück. Sogar die Tour zum Album wurde abgeblasen. Ein Duett mit Madonna war angedacht, doch Falco lehnte ab und sang „Body Next to Body“ lieber mit Brigitte Nielsen unter der Produktion Giorgio Moroders. Falcos Ehe ging in die Brüche und mit der nächsten Albumproduktion „Data De Groove“ war der Tiefpunkt erreicht.

Doch Falco rappelte sich auf, ging auf Weltreise und bekam seinen Alkoholismus in den Griff. Anfang der 1990er war er wieder topfit und arbeitete wieder mit den Bollands für sein Album „Nachtflug“ zusammen, das zum gelungenen Comeback inkl. Tour wurde. Ausgerechnet vor seinem großen Auftritt auf dem Donauinselfest wurde er zwar rückfällig, doch alles wurde gut: Das Konzert, bei dem sogar der Blitz einschlug (!), wurde zum legendärsten seiner Karriere. Anschließend ging Falco in sein selbstgewähltes Exil, die Dominikanische Republik, und veröffentlichte unter einem Pseudonym die damals zeitgemäße Techno-Nummer „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, die zum Hit wurde. In der „DomRep“ arbeitete er auch an seinem leider letzten Album, bis er nach einem Autounfall seinen Verletzungen erlag. Der Song „Out of the Dark“ befeuerte aufgrund seines Texts Gerüchte über seinen möglichen Suizid, dabei stammte es jedoch gar nicht aus Falcos Feder, sondern von Torsten Börger. Posthum wurde das letzte Album ein Riesenerfolg. Vor einer Art Epilog mit dem „Jeanny“ spielenden Bolland endet dieser Dokumentarfilm mit Bildern des Begräbnisses sowie der sargtragenden Rocker aus dem „Rock Me Amadeus“-Videoclip und hinterlässt bei mir eine Gänsehaut.

„Er war Superstar: Falco - Eine Legende wird 60“ ist eine spannende Reise in eine Zeit, in der Populärmusik noch nicht rein auf Gefälligkeit hin konzipiert wurde, sondern sich auf natürliche Weise aus verschiedenen Musikstilen Ende der 1970er, Anfang der 1980er entwickelt hatte, heutzutage unter dem Oberbegriff „‘80er-Pop“ zusammengefasst wird und noch weit davon entfernt war, was in den 1990ern an sinnentleerter Plastikmusik als Pop- und Dance-Sound verkauft wurde. Zugleich ist eine Art Portrait eines Künstlers gelungen, der – zusammen mit seinen Produzenten und anderen in die Entstehungsprozesse Involvierten – einer der Pioniere des „‘80er-Sounds“ war und auf ewig fest mit dieser musikalischen Epoche verbunden bleiben wird, der ganz oben und ziemlich weit unten, der streitbar, aber immer interessant und vor allem inspiriert, leidenschaftlich und ambitioniert war, der die lauten wie die leisen Töne beherrschte und möglicherweise mittels Unnahbarkeit und Exzessen seine sensible, verletzliche Seite zu kaschieren versuchte. Dieser Film macht große Lust darauf, sich eingehender mit Falcos musikalischem Erbe zu beschäftigen, es abseits der großen bekannten Hits zu entdecken oder wiederzuentdecken, es zu analysieren oder schlicht auf sich wirken zu lassen. Und zwar trotz oder gerade weil es dieser Film zugunsten einer stärkeren Gewichtung aufs Boulevardeske versäumt, auf die Inhalte der Alben über die Hits hinaus einzugehen. So zerreißt man sich beispielsweise über Falcos gespaltenes Frauenverhältnis, statt auch nur ansatzweise das „Emotional“-Album künstlerisch zu skizzieren oder einzuordnen. Angesichts der Spielzeit sollte man meinen, dass Zeit dafür eigentlich reichlich vorhanden gewesen wäre. Andererseits lebt gerade der Charakter Falco natürlich auch davon, dass man hinter die Kulissen schauen und herausfinden möchte, wie viel Falco in Johann Hölzel steckt und umgekehrt. Dennoch wäre mir eine etwas andere Gewichtung lieber gewesen. Nichtsdestotrotz ist dieser Film überaus sehenswert und dürfte für jeden von Belang sein, der popkulturell interessiert ist – egal, was er von Falco hält, ob er in den ‘80ern selbst dabei war oder sie nur vom Hörensagen kennt und ob er mit der Musik etwas anfangen kann. Übrig bleibt in jedem Fall die Frage, was Falco uns heutzutage noch zu sagen gehabt hätte…?

R.I.P., Johann „Falco“ Hölzel.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

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