Black Emmanuelle - Teil 2 - Joe D'Amato

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Re: Black Emmanuelle - Teil 2 - Joe D'Amato

Beitragvon Santini » 30. Nov 2013, 00:07

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Re: Black Emmanuelle - Teil 2 - Joe D'Amato

Beitragvon buxtebrawler » 7. Sep 2017, 10:11

Hier ein paar ursprünglich fürs Screenshot-Quiz angefertigte Screenshots:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

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Re: Black Emmanuelle - Teil 2 - Joe D'Amato

Beitragvon buxtebrawler » 16. Okt 2017, 16:55

„Emanuelle, habe ich dir schon mal gesagt, wie schön du bist?“

1976 hatte der umtriebige italienische Filmemacher Joe D’Amato den „Black Emanuelle“-Topoi vom Regisseur des ersten Teils, Bitto Albertini, übernommen. D’Amato hatte seinerzeit noch keinen seiner berüchtigten Horrorfilme gedreht, mit „Hemmungslos der Lust verfallen“ und „Foltergarten der Sinnlichkeit“ jedoch bereits Erfahrung im erotischen Bereich gesammelt. Er war es, der Laura Gemser in ihrer Paraderolle in Serie schickte.

„Es muss schön sein, eine harmonische Ehe zu führen!“

Die Reporterin Emanuelle (Laura Gemser) verschlägt es gemeinsam mit ihrem Bekannten, dem Archäologen Roberto (Gabriele Tinti), nach Thailand, wo sie eine Fotoreportage über den König anfertigen soll. Den Kontakt soll Prinz Sanit (Ivan Rassimov, „Mondo Cannibale“) vermitteln. Dieser findet schnell Gefallen an der attraktiven Frau, doch nicht nur mit ihm, auch mit der hübschen Masseurin Gee (Koike Mahoco, „The Snake God“) lässt sie sich auf erotische Abenteuer ein. Politische Unruhen verhindern jedoch das Treffen mit dem König und als Emanuelles Kamera und ihre Papiere gestohlen werden, wird es zunehmend ungemütlich. Sie sieht sich abzureisen gezwungen und landet in Marokko, wo sie den amerikanischen Konsul David (Venantino Venantini) und dessen noch unberührte, verunsicherte Tochter Debra (Debra Berger, „Parapsycho - Spektrum der Angst“) kennenlernt…

„Emanuelle ist sehr selbständig und sie macht auch immer das, wozu sie Lust hat.“

Das fröhliche gepfiffene und gesungene Titellied leitet zu einem Restaurantbesuch Emanuelles mit Roberto über, während dessen beide betonen, keine feste Bindung einzugehen. Alles andere hätte den Zuschauer sicherlich auch sehr gewundert, der sich in unmittelbarem Anschluss an der ersten Softsex-Szene erfreuen darf. Nicht nur die Darsteller wurden in teils anderen Rollen (Tinti, Venantini) aus dem ersten Teil übernommen, auch eine Sexszene mit kopulativen Zwischenschnitten industrieller Maschinen erinnert noch stark an Albertini, wurde diese Idee doch direkt von ihm übernommen. Fortan geht D’Amato jedoch eigene Wege – und erhöht die Schlagzahl:

Um als Fotografin möglichst nah an die Königsfamilie zu gelangen, sucht Emanuelle die Nähe des Prinzen und lässt sich wie in einer Hommage an Gemsers ikonische Nebenrolle in „Emmanuelle 2“ eine erotische Massage von Gee verabreichen. Im Anschluss vernascht sie den Hotelpagen, wobei sie von Roberto unterbrochen wird, der nun ebenfalls wieder in Emanuelles Nähe ist. Gemeinsam lernen sie ein ekelhaft harmonisches Touristenpaar für eine Fotosession kennen und besuchen eine Stripshow mit Kerzenwachseinlagen auf nackter Haut. Diese bringt die Handlung zwar nicht voran, doch lehnt der Film zum Zurücklehnen und Genießen ein, wenn er tatsächlich mehrere Striptease-Auftritte in aller Ausführlichkeit zeigt. Die zweite um den Golfball ist sogar recht explizit ausgefallen. Emanuelle und die anderen Gäste befummeln sich dazu unterm Tisch und niemand kann es ihnen verdenken.

„Wenigstens wissen wir jetzt, dass die Chinesinnen sie nicht quer sitzen haben!“

Beim Prinzen wird schließlich gemeinsam von der Rauschpfeife genascht und übereinander hergefallen. Der Prinz führt Emanuelle in die höhere Liebeskunst ein und irgendwem muss nach all diesen Momentan eingefallen sein, dass man ja nicht einfach Sexszene an Sexszene reihen können, weshalb D’Amato unpassenden Tiersnuff in Form eines Kampfes Mungo versus Schlange installiert. Auf diese Weise mit Teilen der Fauna bekanntgemacht, erfährt man, dass das ach so harmonische Paar Knatsch untereinander hatte und es Roberto in die Sahara zieht. Für Emanuelle kommt es indes knüppeldick: In ihr Hotelzimmer wurde eingebrochen, Kamera und Pass wurden entwendet. Doch es kommt noch schlimmer: Eine (im Original deutsch sprechende) Söldnergruppe des Königs lauert ihr auf und vergewaltigt sie. Damit sie es erträgt, erinnert sie sich an des Prinzen Worte, was diese Szene – vor allem mit der Konsequenz, dass Emanuelle dieses vermutlich jede andere Frau traumatisierende und schwerverletzende Verbrechen erstaunlich locker wegsteckt – jedoch kaum weniger fragwürdig erscheinen lässt. Deutlich mehr Empathie hätte dem Drehbuch an dieser Stelle gutgetan und man hätte diese Szene wohl besser ganz gestrichen – in dieser Form jedoch erweckt sie noch immer den unschönen Anschein, trotz nicht offen positiver Darstellung ein bestimmtes Publikum bedienen zu wollen und Vergewaltigungen zu relativieren. Mit Wohlwollen könnte diese Sequenz eventuell auch als Warnung an Zuschauerinnen verstanden werden, bei allem selbstbewussten, emanzipierten und sexuell aufgeschlossenem Auftreten vorsichtig zu bleiben.

Jedenfalls soll Emanuelle verschwinden und ihr Prinz wurde inhaftiert, der Vorwurf lautet auf Komplott gegen das Königshaus. Bei der Flughafenpolizei muss sie den Offizier mit Sex bestechen, um einen Passierschein zu erhalten. Am Flughafen trifft sie ihre Freundin Frances (Ely Galleani, „Baba Yaga“) wieder, man hat denselben Flug gebucht. Diesen nutzt man, um sich auf der Flugzeugtoilette miteinander zu vergnügen, was der Film leider nur kurz in Form der Initiation anreißt. In Casablanca sucht sie die US-Botschaft auf und lernt dort Debra kennen, die von Emanuelles Auftreten begeistert ist. Roberto, den sie bei seinen Ausgrabungen besucht, hat sich zwischenzeitlich überraschend mit seiner britischen Kollegin Janet verlobt. Dass Emanuelle sich darüber freut und dem jungen Glück gratuliert, beweist, dass sie tatsächlich keinerlei Besitzdenken kennt. Zu dritt teilt man sich schließlich ein Zelt und Roberto treibt es mit seiner Verlobten genau neben Emanuelle, bis er sie miteinbezieht. Später treffen sie auf berittene Beduinen, die ihre Show vor ihnen abziehen. Voller Abenteuerlust begleiten die Damen die Gruppe, in deren Quartier noch einmal gestrippt wird. Roberto stößt später hinzu und will nichts weiter wissen, wirkt dann doch etwas zerknirscht. Nicht lange und Janet löst die Verlobung auf, aber Roberto reagiert mit Gleichgültigkeit.

„Trägst du niemals einen Büstenhalter?“ – „Ich habe ihn verbrannt!“

Emanuelle trifft Debra wieder und bekommt ihre Ausrüstung zurück, gleichzeitig becirct Debras Vater David sie, dessen Schriftstellerkumpel Tommy (Chris Avram, „Ein Sommer voller Zärtlichkeit“) auch ständig in seiner Nähe ist. Ein gemeinsames Bad Emanuelles mit Debra lässt den Erotikfaktor weiter in die Höhe schnellen. Debra ist es auch, die Roberto und Emanuelle beim Sex beobachtet und dabei Hand an sich selbst legt. Als Roberto Debra grob dazuholt und behauptet, Lesben zu hassen, schmeißt Emanuelle ihn raus und gibt sich ganz Debra hin, was D’Amato jedoch erneut nur andeutet. Die Frauen haben sich ineinander verliebt und Tommy würde auch gern mal mit Emanuelle ins Bett, vielleicht beim nächsten Mal… Roberto hadert derweil mit der Situation, Emanuelle und er scheinen sich nun nachhaltig voneinander loszusagen. Am Ende heißt es jedoch, auch Abschied von Debra zu nehmen, da Emanuelle nach Paris muss. Das freche Früchtchen hatte doch tatsächlich die ganze Zeit Emanuelles Pass und rückt ihn erst jetzt heraus…

„Black Emanuelle - 2. Teil“ ist mit Sicherheit einer der gelungensten und stillvollsten Filme D’Amatos, wenngleich man einige Abstriche machen muss. Gegenüber dem unausgegorenen ersten Teil handelt es sich jedoch um einen gewaltigen Schritt nach vorn. Begleitet von Nico Fidencos Easy-Listening-Musik und fröhlichen bis schwelgerischen Klängen agiert die Kamera auf hohem Niveau und hat nichts gemein mit den Ruckelarien manch Billigheimers jener Zeit. Auch der Schnitt macht den Film rund und wirkt durchdacht, wenn auch manchmal etwas abrupt. Die eine oder andere Szene hätte gern weitergefasst sein dürfen. Die „Black Emanuelle“-Reihe wurde wesentlich feministischer angelegt und das französische Vorbild um Sylvia Kristel und so ist auch dieser erste Beitrag D’Amatos weit weniger chauvinistisch und sexistisch als ähnliche Genrevertreter. Dennoch ist er natürlich in erster Linie auf ein männliches Publikum ausgerichtet und verzichtet bei aller Darstellung weiblicher Scham auf jedwedes männliche Geschlechtsorgan vor der Kamera. Letztlich ist das inkonsequent und ungleichberechtigt, mehr Mut diesbzgl. hätte ihn eventuell einem noch größeren Publikum geöffnet. Doch auch in dieser Form vereint er derart viele unterschiedliche Frauentypen im Film, die allesamt ihre Erotikszenen bekommen, dass weit mehr Geschmäcker abgedeckt werden als lediglich den am südostasiatischen Typ, den Laura Gemser verkörpert. Unabhängig von ihrem Äußeren strotzt Emanuelle vor Selbstvertrauen, ist sie empathisch und intelligent sowie sexuell aufgeschlossen, selbstbestimmt und Grenzen zwischen Ethnien und Geschlechtern einreißend.

Für Debra wird sie zum Vorbild, liebevoll widmet sie sich der problembehafteten Jugendlichen und nimmt sie ein gutes Stück mit in ihre Welt, lässt sie partizipieren, ohne sie auszunutzen oder zu verderben. Dabei handelt es sich sozusagen um das krasse Gegenteil der sexuellen Initiation in Just Jaeckins „Emmanuelle“. Und bei allem bewahrt sich Emanuelle ihre Freiheit, was all ihre Begleiterinnen und Begleiter letztlich akzeptieren müssen – und akzeptieren. „Black Emanuelle - 2. Teil“ vermittelt nicht nur populäres „Urlaubs-Feeling“, sondern bringt auch einen – wenn auch exploitativen – politischen Aspekt ein, eine Art Blaupause für die wesentlich kruderen Strudel, in die Emanuelle in den weiteren Fortsetzungen geraten soll. Vielleicht war Emanuelle nie wieder so stark wie in dieser ersten Fortsetzung, die in erster Linie auf anmutige, ästhetische Erotik denn auf Schmuddel und Schockwirkung setzt. Bei D’Amato alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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