Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Moderator: jogiwan

Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Beitragvon buxtebrawler » 17. Jan 2017, 17:47

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Originaltitel: Histoire d'O

Herstellungsland: Frankreich / Deutschland / Kanada

Regie: Just Jaeckin

Darsteller: Corinne Cléry, Udo Kier, Anthony Steel, Jean Gaven, Christiane Minazzoli, Martine Kelly, Jean-Pierre Andréani, Gabriel Cattand, Li Sellgren, Albane Navizet, Nadine Perles, Laure Moutoussamy u. A.

Die junge O, eine schöne und leidenschaftliche Frau, liebt Rene und folgt ihm eines Tages in das Schloß von Roissy. Rene und sein älterer Freund "erziehen" O, die sich freiwillig unterwirft, dort auf besondere Weise: Absoluter Sinnengenuß durch absoluten Gehorsam, höchste Lust durch unerträglichen Schmerz und bedingungslose Unterordnung. Gleichzeitig lernt sie nicht nur, Rene und seinem Freund jederzeit zur Verfügung zu stehen, sondern auch anderen Männern - sogar für körperliche Züchtigungen und Schläge. Wie auch alle anderen Mädchen im Schloß muß sie sich in immer raffiniertere Gewänder kleiden, um den anwesenden Herren mit Hingabe jederzeit sämtliche Wünsche zu erfüllen. Als O alles gelernt hat und weiß, nach welchen Gesetzen sie auch in Freiheit zu leben hat, verlässt sie das Schloß, um wieder wie früher als Modefotografin zu arbeiten. Und jetzt ist die Zeit gekommen, da Rene sie 'Sir Stephen' vorstellt, der ebenfalls dieser Gemeinschaft angehört. Nur seinetwegen - Sir Stephen's wegen - hat ihr vermeintlich Geliebter Rene sie dieser Prüfung unterzogen. Und zwischen beiden - O und Sir Stephen - bildet sich zögernd nicht nur eine neue Beziehung, sondern es entstehen auch neue Qualen...


Quelle: www.ofdb.de
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Re: Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Beitragvon buxtebrawler » 17. Jan 2017, 17:49

„Ich hab' es ertragen, ich hab' es ausgehalten - für dich!“

Nachdem der französische Modefotograf Just Jaeckin 1974 mit seiner „Emanuelle“-Verfilmung öffentlichkeitswirksam als Regisseur debütiert hatte, machte er sich nur ein Jahr später an die nächste filmische Umsetzung erotischer Literatur: Er knöpfte sich in französisch-deutsch-kanadischer Koproduktion Anne Desclos‘ „Geschichte der O“ vor und landete einen Skandalfilm, der sich um weiblichen Masochismus dreht – oder dies zumindest vorgibt.

„O fragte sich, warum sie trotz aller Qual so viel Süße empfand...“

Die attraktive junge O (Corinne Cléry, „Wenn Du krepierst - lebe ich“) ist eine submissive Masochistin, die sich von Ihrem Freund René (Udo Kier, „Hexen bis aufs Blut gequält“) ins Schloss „Roissy“ geleiten lässt, um sich in völliger Unterwerfung ausbilden zu lassen. Zusammen mit Gleichgesinnten lehrt er sie, sämtlichen männlichen Schlossbewohnern jederzeit in jeder Hinsicht zur Verfügung zu stehen und es über sich ergehen zu lassen, ausgepeitscht zu werden. O gibt sich alldem freiwillig hin und kehrt später in ihren Beruf der Modefotografin zurück. Daraufhin stellt René sie seinem väterlichen Bekannten Sir Stephen (Anthony Steel, „Winnetou - 2. Teil“) vor, dem sich O von nun an zu fügen hat.

Eine Erzählerin führt aus dem Off mit mutmaßlichen Zitaten aus der (mir unbekannten) literarischen Vorlage durch die marginale Handlung des Films, der sich mit Fug und Recht als Softporno bezeichnen lassen muss. Dies liegt darin begründet, dass es Jaeckin und Drehbuchautor Sébastien Japrisot bei aller Weichzeichner- und Hochglanzästhetik im prunkvollen Schlossambiente nicht zu verhehlen gelingt, dass es ihnen in erster Linie um Zurschaustellung weiblicher Nacktheit und fragwürdig ästhetisierte Vergewaltigungs- und Misshandlungsszenen geht. Eine psychologische Ebene wird leider ebenso ausgespart wie Details zu persönlichen Hintergründen der jungen Fotografin, die ihr Verhalten möglicherweise verständlicher gemacht hätten. So wenig ich mir anmaßen möchte, die ja offensichtlich von einer Frau stammenden literarische Vorlage als frauenfeindlich zu verurteilen, so wenig kann ich mich selbst in diese Phantasien aus weiblicher Unterwürfigkeit bzw. männlicher Ausnutzung derselben hineinversetzen.

Jaeckin und sein Team scheint das auch wenig zu interessieren, denn die filmische Aufarbeitung des Stoffs scheint doch in erster Linie Männerphantasien unhinterfragt zu bedienen, womit der Film, wollte er als ernstzunehmender, hintergründiger Beitrag zur Thematik ernstgenommen werden, problematisch wird: Welche Zielgruppe wird bedient, welche Rückschlüsse auf die Freiwilligkeit von Frauen werden suggeriert, welche Bedeutung wird Sexualität und Partnerschaft zugeschrieben – und inwieweit kann „Die Geschichte der O“ als exemplarisches Beispiel für devote Sexualität missverstanden werden, inwiefern legte es man es evtl. gar darauf an?

In seiner Inszenierung aus getragener Orchestermusik zu aufgesetzt elegantem Pomp-Ambiente wirkt „Die Geschichte der O“ derart unwirklich und kitschig, dass er als das Phantasieprodukt Softporno für die entsprechende Klientel sicherlich „funktioniert“. Während die Handlung nach Os „Initiation“ über ihre „Überlassung“ an Sir Stephen und ihrem anfänglichen Zögern noch eine Lesbenszene unterbringt, in der O eine Jacqueline (Li Sellgren, „Madame Claude und ihre Gazellen“) verführt und schließlich darin mündet, dass sie Intimpiercings bekommen soll und ihr ein Brandzeichen verpasst wird, schwankt man als Zuschauer zwischen einer nicht abzusprechenden Faszination für Jaeckins erotikfotografisches Verständnis, der Enttäuschung darüber, was er letztlich daraus macht und viel gepflegter Langeweile, denn dramaturgisch ist „Die Geschichte der O“ eine glatte Sechs.

Jaeckins Film bewegt sich damit stets zwischen den Polen visuell beeindruckend und kitschig, männlich-heterosexuell erotisch und abtörnend sowie inhaltlich mutig und zweifelhaft (um es einmal vorsichtig auszudrücken) und bleibt derart oberflächlich und optisch porentief rein, dass seine eigentliche Thematik in einem Pastellschleier aus Prätention, Naivität, Phantasie und bemühter Mystifizierung versinkt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Beitragvon jogiwan » 17. Jan 2017, 18:27

buxtebrawler hat geschrieben:„Ich hab' es ertragen, ich hab' es ausgehalten - für EUCH!“


:lol:

Über diesen Streifen habe ich auch noch nie etwas Positives gelesen... Wenn schon Sadomaso, dann doch bitte Radley Metzgers "The Image" aus dem Jahr 1975 - aber der ist halt auch ein bissl herb, wie es dem Thema geschuldet ist.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Beitragvon ugo-piazza » 17. Jan 2017, 20:44

jogiwan hat geschrieben:
buxtebrawler hat geschrieben:„Ich hab' es ertragen, ich hab' es ausgehalten - für EUCH!“


:lol:



:D

Aber es stimmt schon, dieser Film ist schon eine Qual. Ich wollte den wegen Madame Clery unbedingt mal sehen, musste aber rasch feststellen, dass ich mit dieser Masochismus-Geschichte überhaupt nichts anfangen konnte. Ich hab mich dann auch noch von Jaeckin mit seinem Schloßsetting etc. blenden lassen, so dass mir erst gegen Mitte des Films, wenn die Clery und Kier dann wieder in ihrem Fotostudio sind, überhaupt richtig bewusst wurde, dass die Handlung tatsächlich in der Gegenwart angesiedelt ist. :palm: Dass machte es für mich nun erst recht unmöglich, O's Verhalten zu verstehen. Hey, eine junge Frau, attraktiv und beruflich erfolgreich, lässt sich als "Besitzstück" verschachern? Sorry, da bin ich raus.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Geschichte der O - Just Jaeckin (1975)

Beitragvon buxtebrawler » 28. Aug 2017, 16:24

Erscheint voraussichtlich am 29.09.2017 bei Filmconfect noch einmal auf Blu-ray in verschiedenen Steelbooks:

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Cover A, limitiert auf 600 Exemplare

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Cover B, limitiert auf 600 Exemplare

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Cover C, limitiert auf 600 Exemplare

Extras:
Bonusfilm auf DVD: Geschichte der O - Untold Pleasures

Quelle: OFDb-Shop
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