Lady Terminator - H. Tjut Djalil (Trash Collection # 31)

Moderator: jogiwan

Re: Lady Terminator - H. Tjut Djalil (Trash Collection # 31)

Beitragvon buxtebrawler » 19. Aug 2017, 19:14

„Manchmal wäre es besser, die Vergangenheit bliebe nur Erinnerung, damit sich zwischen den Seiten des Buches, das die Zeit geschrieben hat, Staub sammelt.“

Ausländische Filmindustrien, die sich an westlichen Erfolgsfilmen orientieren, treiben mitunter seltsame Blüten. Einer der Höhepunkte in dieser Hinsicht dürfte der indonesische Okkult-Horror/Action-Mix und „Terminator“-Low-Budget-Rip-Off „Lady Terminator“ sein, den Regisseur H. Tjut Djalil („Mystics in Bali“) sein, der 1989 veröffentlicht wurde, munter Motive aus Camerons Sci-Fi-Action-Kracher mit indonesischer Mythologie kreuzt und sich seither in Trash-affinen Cineasten-Kreisen großer Beliebtheit erfreut:

„Was in diesem Buch alles verborgen ist, beschert Ihnen vielleicht ein schlimmeres Schicksal, als Sie es je vermuten.“ – „Und was... könnte das sein?“ – „Das Unergründliche!“

Eine sexbesessene indonesische Südseekönigin befördert auf der Suche nach Befriedigung einen ihrer Stecher nach dem anderen beim Sexualakt mittels eines aus ihrem Schoß schießenden Aals (oder einer Schlange oder was auch immer) ins Jenseits, bis sie an ihren Meister gerät: Dieser bündelt die tödliche Aal-Power in einen Dolch und gebietet der Königin, ihr schändliches Treiben aufzugeben. Diese reagiert recht zerknirscht und zieht es vor, ihr Reich auf den Meeresgrund zu verlegen, sich dort mit den Mächten des Bösen zu verbünden und schwört, sich 100 Jahre später an dessen Urenkelin zu rächen. Exakt 100 Jahre später reist die Anthropologie-Studentin Tania (Barbara Anne Constable) nach Indonesien, weil sie an ihrer Dissertation über eben diesen Mythos arbeitet. Sämtliche Warnungen der Einheimischen schlägt sie in den Wind und findet schließlich tatsächlich das ehemalige Schloss der Sex-Königin, wo jedoch deren böse Macht von ihr Besitz ergreift. Tania ist zum willenlosen Instrument des Bösen geworden und verschwendet keinen Gedanken mehr an ihre Abschlussarbeit, sondern kennt nur noch ein Ziel: Rache! Wer sich ihr in den Weg stellt, wird gnadenlos eliminiert, während sie besagter Urenkelin immer näher kommt: Es handelt sich um das Pop-Sternchen Erica (Claudia Angelique Rademaker), deren Freunde und Fans nun auch die längste Zeit sicher waren. Doch Erica kann sich mithilfe des Polizisten Max (Christopher J. Hart) zunächst in Sicherheit bringen, zumindest so lange, bis die Terminatorin in die Polizeistation eindringt und ein blutiges Massaker verursacht. Ericas Onkel Masabu ist mit dem Mythos vertraut, doch auch seine Macht ist begrenzt. Werden Erica und Max, die mittlerweile zarte amouröse Bande knüpfen, der Tötungsmaschine entkommen können?

„Ich bin keine Lady, ich bin Anthropologin!“

Bereits der Prolog hat es in sich: Nach eingangs erwähntem Zitat aus dem Off lernt man besagte Südseekönigin kennen, die in einer grotesken Sexszene ihren Partner zu Tode zu menstruieren scheint, weil sie wieder einmal keine Befriedigung erlangt. Tatsächlich hat der sagenumwobene Aal (oder Schlange oder was auch immer...) zugeschlagen, doch die gezeigte Blutfontäne lässt sich auch anders interpretieren. Erst, nachdem derjenige seines Amtes waltete, der ihr Einhalt gebot und damit den Fluch heraufbeschwor, wird die Handlung in die Gegenwart verlegt. Tania erscheint auf der Bildfläche, sucht zielstrebig einen Buchhändler und mit den dort erhaltenen Informationen das versunkene Schloss auf und wir werden Zeuge, wie die Böse Macht von ihr Besitz ergreift, indem der Aal (oder die Schlange oder...) vaginal in sie eindringt. Dem Meer entstiegen, zerbumst sie im besten Südseeköniginnen-Stil Einheimische, läuft zunächst oben ohne herum und zerblitzt ihr Hotelzimmer. Die Terminator-Rip-Off-Substanz des Films, der Camerons Science-Fiction-Anteil gegen den Südseeköniginnen-Mythos austauschte, kommt nun so richtig in Fahrt: Belederjackt wütet Tania bzw. das, was aus ihr geworden ist, auf der Suche nach Erica unkaputtbar durch die Stadt und ballert Leute ab. Vor einer zünftigen Schießerei mit den Bullen muss man einen Auftritt Ericas in einem Nachtclub über sich ergehen lassen, doch irgendwie haben alle ständig MGs dabei und Explosionen, Vorfolgungsjagden und wilde Schießereien bestimmen fortan die Szenerie.

„Verrückte Touristen!“

Eine der Spitzen dieser Gewaltorgie ist das vom großen Vorbild entlehnte Massaker in der Polizeistation, gegen das Arnies Original wie ein Sturm im Wasserglas wirkt. Auch Ericas zauseliger Onkel, der Lady T. mittels Magie zu bekämpfen versucht, muss dran glauben, bis die reichlich vorhersehbare Romanze zwischen dem US-Bullen und der Träller-Else kurz durchschnaufen lässt – schließlich braucht die Kriegsmaschine eine kurze Pause, um sich selbst ein Auge zu amputieren und wieder einzusetzen... Schon bald richtet sie jedoch wieder eine Unmenge an Kollateralschäden an, wird mit einem Raketenwerfer beschossen, kehrt verbrannt aus einem Flammeninferno zurück und schießt Flugzeuge und Menschen mit aus ihren Augen blitzenden Lasern ab.

„Lady Terminator“ ist ein Paradebeispiel für Resultate, die erzeugt werden, wenn findige Filmemacher versuchen, erfolgreiche Genre-Filme nicht nur zu kopieren, sondern zu übertrumpfen! Das bedeutet in diesem Fall: Mehr Gewalt, mehr Action, mehr Sex (die knackige Barbara Anne Constable zieht blank, von der kruden Hintergrundgeschichte ganz zu schweigen). Für den Trash-Faktor sorgen darüber hinaus die klischeehaften Charaktere, die schrägen Dialoge – wenn’s beim Polizisten um Leichen geht, geht’s beunruhigenderweise stets gleichzeitig ums Essen – und mitunter die technische Umsetzung: Hauereien und sonstige Actionszenen werden bisweilen beschleunigt wiedergegeben und von bereits im Entstehungsjahr überholt gewirkt habenden ’80er-Jahre-Computereffekten wird Gebrauch gemacht. Ansonsten ist „Lady Terminator“ aber überraschend gelungen, überzeugt nicht zuletzt mit grandioser ’80er-Ästhetik, gegen Ende schick-zerstörten Masken- und Make-up-Effekten sowie einer Hauptdarstellerin, deren böser Blick Schwarzeneggers Original in nichts nachsteht, darüber hinaus jedoch mit weiblichem Charme und Reizen punktet (schade und unverständlich, dass dies offenbar ihre einzige Rolle blieb). Der pathetische Sprecher, der in den Film einführt und schließlich wieder aus ihm entlässt, versieht „Lady Terminator“ mit einem zusätzlichen Ernst, der dem Film gut tut und gerade aus heutiger Sicht interessanter macht als manch augenzwinkernde, selbstironische Genre-Parodie aus dem Bereich des freiwilligen Trashs. „Lady Terminator“ rockt gewaltig, leistet sich keinerlei Hänger und wirkt durch sein kulturelles Crossover vertraut und bizarr zugleich. Da kann die erzählte Geschichte noch so sehr holpern, Logiklücken produzieren und verwirren – mir nicht ganz klar wurde beispielsweise die Bedeutung der ominösen Halskette...? –, den Spaßfaktor für Anhänger der etwas abseitigen Unterhaltung nimmt Tjut Djalils königlicher Südseeperle all dies nicht. Der Buchhändler zu Beginn hatte eben recht: Es bleibt unergründlich.

Bei einem Versuch objektiver Abwägung komme ich auf 6,5 von 10 Intimbereichsfischen (oder -schlangen oder was auch immer), für Genre-Fans jedoch ist ein Rendezvous mit Lady, Entschuldigung, Anthropologin Terminator ein feuchter Südseetraum.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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