Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

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Moderator: jogiwan

Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon Onkel Joe » 10. Aug 2017, 14:44

italostrikesback hat geschrieben:Gespickt wird das ganze von tollen Schauspielerinnen, wie Margaret Lee, Rosalba Neri und obendrauf noch Klaus Kinski, dessen zurückhaltendes Spiel eine für ihn ganz besonders seltene Qualität hat, weil seine Rolle sehr zurückgenommen ist und er mit feiner Mimimik, Körperhaltung und Bewegung eine große Wirkung erziehlt.
Zusätzlich bekommt man ein paar sehr schön inszenierte Morde, einen Hauch von Splatter, Spannung, sowie Gothic Horror und moderne 70er Optik serviert.
Als wäre das noch nicht genug, gibt es einige Sexzenen, die zwischen ziemlich scharf und unfreiwilliger Komik pendeln aber sich jeder Zeit bestens ins loungige 70er Jahre Schmuddel Vergnügen einfügen und trotzdem bewegt sich der Film auf hohem handwerklichen Niveau.
Dann wird noch etwas gegen die damaligen Konventionen verstoßen, in dem es lesbische Krankenschwestern und nymphomane Patientinnen, inzestiöse Bruder, Schwester Verhältnisse gibt und als wäre das noch nicht genug, die ein oder andere Schamlippe in die Kamera blitzt, nebst einem echten Orangenhaut Hintern, welchen die farbige Darstellering schamlos in die Kamera hält, während sie ins Schaumbad steigt. :mrgreen:


Das ganze gibt es dann farbecht als 35mm Kopie bei uns auf dem Forentreffen zu bewundern.
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon karlAbundzu » 10. Aug 2017, 15:41

... und wantscheinlich fachkundigt angesagt ;)
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon ugo-piazza » 10. Aug 2017, 16:43

italostrikesback hat geschrieben:von der Logik ist es auch nicht weit her


Mittelalterliches Folterwerkzeug in einer psychiatrischen Klinik? Du könntest recht haben... :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon Onkel Joe » 10. Aug 2017, 17:01

ugo-piazza hat geschrieben:
italostrikesback hat geschrieben:von der Logik ist es auch nicht weit her


Mittelalterliches Folterwerkzeug in einer psychiatrischen Klinik? Du könntest recht haben... :D



Ich liebe diesen Film... :mrgreen: .
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon Arkadin » 11. Aug 2017, 10:42

karlAbundzu hat geschrieben:... und wantscheinlich fachkundigt angesagt ;)


Naja, ich weiß nicht... 8-)
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon jogiwan » 15. Okt 2017, 19:33

Der Auftakt des diesjährigen Forentreffen im Münchner Werkstattkino stand nur vermeintlich im Zeichen der Tierwelt und führte uns nach einer fachkundigen Einführung unserer werten Bremer Jungs in ein etwas seltsames Sanatorium, in dem sich Wahnsinn, Mord, Cricket-Spiel und Nymphomanie die Klinke in die Hand geben. Dabei konnte Fernando Di Leos Streifen bei mir nicht so wirklich punkten und die sehr minimale Krimihandlung dient ja nur als loser Aufhänger um den Zuschauer jede Menge Fummelszenen vor die Linse zu knallen: Mädchen mit Junge, Mädchen mit Mädchen, Junge mit „Eiserner Jungfrau“ – jede nur erdenkliche Kombination ist im „Schloss der blauen Vögel“ denkbar und so ist es auch wenig verwunderlich, dass man sich rasch wahlweise sabbernd oder delirierend im Kinosaal wiederfindet. Irgendwie war ich dennoch nicht so wirklich begeistert und auf eine gute Szene kommen mindestens zwei bis drei schlechte und jede Menge Füllmaterial und abseits von hübschen Mädels in diversen Posen, bietet das alles auch nur wenig Substanz und ist als Giallo eigentlich auch gänzlich unbrauchbar. Vereinzelt war im Kino und in geselliger Runde auch für Heiterkeit gesorgt, wenn z.B. nach „der Musik der Heimat“ getanzt wird und am Ende noch rasch die Polizei auf dilettantische Weise auf Ermittlung geht - insgesamt konnte mich das Werk bei der Erstsichtung nicht so wirklich überzeugen und bei aller Liebe zu Sleaze und Handschuhmördern fand ich das alles bestenfalls unterdurchschnittlich bis völlig lahm. Mir wurde aber mehrfach und glaubhaft versichert, dass „Das Schloss der blauen Vögel“ bzw. der „Schnarcher“ durchaus das Potential eines „Schläfers“ hat und der Film auch mit jeder Sichtung wachsen und an Größe gewinnen soll. Das bleibt zwar noch zu beweisen und das Werk wurde danach auch durchaus kontrovers diskutiert, aber selbst eine Giallo-Graupe ist immer noch ein Giallo und auf großer Leinwand und in netter Runde ein dennoch sehr schönes und einmaliges Erlebnis, dass man auch auf keinen Fall missen möchte.
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon Arkadin » 17. Okt 2017, 23:30

Hatte ich weitaus besser in Erinnerung, als er dann jetzt war. Aber ein Platz in meinem Herzen hat er trotzdem, trotz - oder wegen seiner Schwächen. Die Rosalba ist wirklich eine Wucht und ich mag sie mittleweile sogar lieber als die hier doch etwas blasse Margaret Lee, in die ich mich bei der ersten Sichtung vor oh so vielen Jahren etwas verliebt hatte. Kinski ist Kinski und daher immer sehenswert. Nette Ideen wechselten sich mit kruden Pausenfüllern ab, wunderbar atmosphärische Aufnahmen des von mir über alle Maße geschätzen Kameramanns Franco Villa, mit lustlos dahintergschludertem. Kein wirklich guter Film, aber irgendwie mag ich den. Warum auch (Rosalba!) immer.
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Re: Das Schloss der blauen Vögel - Fernando Di Leo (1971)

Beitragvon karlAbundzu » 18. Okt 2017, 10:07

Ein Sanatorium voller Frauen mit verschiedenen Problemen, Selbstmordgefahr, Depression, Nymphomanie (Vielleicht auch nur das Problem, im trauten Heim als Hausfrau nicht richtig zu funktionieren und von ihrem Mann hier abgeschoben zu werden). Und in Ärzte, die tagsüber in weißen Kitteln, abends in Anzügen herumlaufen und deren Therapie darin besteht, die Frauen Croquet nach undurchschaubaren Regeln spielen zu lassen, abends zu einer Partie Schach oder Mühle herauszufordern, oder für ihr sexuelles Wohlbefinden zu sorgen. Dumm nur, dass sich hier ein Serienmörder eingenistet hat, der nicht nur die ausgestellten Mittelalterwaffen gerne und ausgiebig nutzt, sondern sich auch in den vielfältigen Geheimgängen auskennt. Irgendwann kommt dann doch mal die Polizei, leider nicht Heinz Drache und Eddi Arendt, sondern Schlapphut und der eigentlich aus guten Gründen versteckte Bruder von Harry Klein, die auch nicht so recht ermitteln wollen. Aber es ermittelt sich von selbst, und am Ende werden wir mit einer Edgar Wallace- oder Scooby Doo Auflösung überrascht.
Eine Konsalik – Verfilmung wohl eher so gar nicht (Obwohl nach Marcos Einführungsteil ich diesen Roman noch umso mehr lesen will), eine sehr fremdartige Mischung aus atmosphärischen, fiesen Bildern, Giallo-Morden, nackter schöner Haut, amateurhaftes und einfach nur Unglaubliches.
Der Cast besticht durch ausgesucht schöne Frauen, Kinski, der die ganze Zeit ein wenig neben sich steht, und Stichwortgeber.
Wenn man sich intensiver auf so etwas vorbereitet, hat man ja ein bisschen mehr Spaß, weil man ja auch so guckt, ob das gesagte so durchgängig stimmt, bzw. wiederzufinden ist. Und der Blick wandert ein wenig mehr.
Insgesamt macht der Film doch Spaß, ist nicht so ernst zu nehmen, und wirkt wie ein Flickwerk.
Außerdem wird er für mich immer mit einer inzwischen verschwundenen Neuköllner Kneipe und einem peinlichen Erlebnis zu tun haben.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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