Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii (1967)

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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon Ringo aka Angelface » 5. Feb 2012, 19:37

Wo steht uncut? Laufzeit ca 109 Min. -> wäre die selbe Fassung wie bisher. Und das Arthaus eine andere Fassung bringt würde mich überraschen, falls doch bin ich der erste äh zweite :mrgreen: Käufer.
Let's wait and see :nick:
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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon untot » 5. Feb 2012, 20:16

Genau! :nick: :mrgreen:

Na der Standartspruch: "Diese deutsche Fassung wird voraussichtlich ungekürzt sein..." steht da! :opa:
Wer weiß, vielleicht stimmts ja sogar. :?
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Re: Der Tod ritt Dienstags

Beitragvon Die Kroete » 7. Feb 2012, 16:15

Onkel Joe hat geschrieben:Die Box habe ich für 13,- euro nun mal gekauft und die Quali von Der Tod ritt Dienstags ist gut, kann man empfehlen.Die anderen beiden aus dieser Kinowelt-Box sind nun so gar nicht mein ding, mag da jemand was von haben???


Die Box hab ich für den gleichen Preis gekauft und dieser neue Ned Kelly ist ja noch erträglich, aber den "Buffalo Bill" kannst de ungesehen in die Tonne klatschen. Bin ich nur für ume los geworden und selbst dann, wollte mich der Beschenkte noch dafür lynchen. :cry:

Möchte mal bloß wissen, was sich Kinowelt bei einer so idiotischen Zusammenstellung von Box, gedacht hatte?! :rambo:
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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon reggie » 7. Feb 2012, 17:38

Ringo aka Angelface hat geschrieben:Wo steht uncut? Laufzeit ca 109 Min. -> wäre die selbe Fassung wie bisher. Und das Arthaus eine andere Fassung bringt würde mich überraschen, falls doch bin ich der erste äh zweite :mrgreen: Käufer.
Let's wait and see :nick:



Nein werden sie nicht bringen, das geht leider aus rechtlichen Gründen nicht haben sie mir gesagt. Genaueres weiss ich nicht, hatte die mal angemailt....
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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon sid.vicious » 2. Mai 2012, 11:03

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Alternativer Titel: I giorni dell'ira
Produktionsland: Italien, BRD
Produktion: Henryk Chrosicki, Alfonso Sansone
Erscheinungsjahr: 1967
Regie: Tonino Valerii
Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Renzo Genta, Tonino Valerii
Kamera: Enzo Serafin
Schnitt: Franco Fraticelli
Musik: Riz Ortolani
Länge: ca. 95 Minuten
Freigabe: FSK 16
Darsteller:
Lee van Cleef: Frank Talby
Giuliano Gemma: Scott Mary
Walter Rilla: Murph Allen
Christa Linder: Gwen
Yvonne Sanson: Vivian Skill
Lukas Ammann: Richter Cutcher
Andrea Bosic: Abel Murray
Giorgio Gargiullo: Killer
Anna Orso: Eileen
José Calvo: Blind Bill
Ennio Balbo: Turner
Ferruccio Viotti: Sam Corbitt
Al Mulock: Wild Jack
Hans-Otto Alberty: Sam Corbitt
Benito Stefanelli: Owen White
Ricardo Palacios: Wirt der Cantina


Scott ist Vollwaise wird meist von den ehrenwerten Bürgern als Bastard beschimpft. Scott will seine Situation ändern, so dass das man endlich Respekt vor ihm hat. Dass er jegliche Drecksarbeit im Ort verrichtet hilft ihm bei diesem Unterfangen nicht weiter, aber als ein Fremder namens Frank Talby in der Stadt auftaucht sieht Scott die Chance seinen Demütigungen zu entkommen.

Tonino Valerii hat mit „Der Tod ritt Dienstags“ das geschaffen was ich persönlich als einer brillanten Western bezeichne. Aber nicht allein die subjektive Meinung kommt zu diesem Entschluss, sondern auch objektiv gesehen ist „Der Tod ritt Dienstags“ ein großartiger und intelligenter Genrebeitrag.

Eine Kleinstadt voller vorbildlicher Bürger wird von einem Fremden heimgesucht, der weiß was hinter den Fassaden der ehrenwerten Herrschaften steckt und dieses für sich ausnutzt. Vorbildliche Bürger die Dreck am Stecken haben ist ja nichts Neues innerhalb des Genres und ein durchaus beliebtes Thema, selbst Jack Arnold ging in ähnlicher Weise auf die Problematik innerhalb „No Name on the Bullet“ ein. Nein, es läuft auf keinen Vergleich hinaus bzw. es kann auf keinen Vergleich hinaus laufen, dazu sind die Filme zu unterschiedlich in ihrer Aussage.

Valerii geht in seinem Film sehr sozialkritisch vor. Er spielt auf Rassismus, Vorurteile und Faschismus an. Lässt hinter die feinen Fassaden blicken und zeigt wozu ein Mensch fähig ist um respektiert zu werden. Das der von ihm unterstützte Pol die gleiche Habgier zeigt wie der auf der sich sein Hass bezieht, ist vorprogrammiert. Diese tragenden Rollen innerhalb eines schon fast dramatische Züge und Wendungen annehmenden Western, werden von Lee Van Cleef und Giuliano Gemma absolut hervorragend verkörpert. In schauspielerischer Hinsicht gibt es bei „Der Tod ritt Dienstags“ absolut Nichts zu bemängeln. Valerii arbeitete zwei Jahre später übrigens erneut mit Gemma zusammen und zwar in dem ebenfalls hervorragenden Western „Blutiges Blei“. Das Gemma und Van Cleef allerdings nur einmal gemeinsam vor der Kamera standen, ist gerade auf Grund des sehr guten Gesamtbilds das die beiden Darsteller erzeugen äußerst schade.

Doch nun zurück zum Film. Dieser zeigt eine sehr gut aufgebaute Story und ist stets in der Lage seine Situationen brisant und spannend zu vermitteln. Dabei spielt Enzo Serafins Kameraarbeit eine große Rolle. Serafin zeigt viele Nahaufnahmen von Gesichtern und lässt vereinzelnd nicht nur im übertragenden Sinne den Staub und Dreck der Straße fressen. Ob Valerii wirklich zum Ende des Films jegliche Gewalt in Frage stellt, bleibt entscheidungsbezogen dem Zuschauer selber überlassen. Fakt ist, dass Menschen den Hass und die Gewalt herausfordern und dass ihre Abarten nicht allein durch den vorgehaltenen Spiegel verschwinden. Skrupellosigkeit und Gier sind einfach nur schlechte Begleiter und sie führen zwangsläufig in den Abgrund.

Letzte Lektion: Wenn du anfängst zu töten, dann kannst du nicht mehr aufhören. Fazit oder abschließende Lektion: Der Bastard ist meist der, der den anderen als einen solchen bezeichnet.

Ein sozialkritischer, spannender und exzellent gespielter Italo-Western, der sich ohne Zweifel die Bestnote verdient hat.

10/10
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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon buxtebrawler » 19. Dez 2012, 20:53

„Ein Wolf ist er schon immer gewesen – tollwütig habt ihr ihn gemacht!“

Regisseur Tonino Valeriis („Mein Name ist Nobody“) zweiter Spielfilm und zugleich zweiter Italo-Western „Der Tod ritt dienstags“ entstand im Jahre 1967 und ist der einzige Film, in dem die Genre-Ikonen Lee van Cleef („The Good, the Bad & the Ugly“) und Giuliano Gemma („Eine Pistole für Ringo“) aufeinandertreffen.

Der junge Scott (Giuliano Gemma) hat es nicht leicht in seinem Leben. Als Vollwaise unbekannter Eltern wird er von den Bewohnern seines Heimatorts als Fußabtreter benutzt, beschimpft, gedemütigt und zu niederen Arbeiten herangezogen. Mit Ausnahme seines alten Kumpels Murph, einem Stallburschen, macht sich jeder über ihn lustig, Eines Tages jedoch taucht der geheimnisvolle Frank Talby (Lee van Cleef) in der Stadt auf und sorgt ruckzuck dafür, dass man ihn respektiert. Fasziniert vom Durchsetzungsvermögen des Mannes mit dem flinken Abzug beschließt Scott, seiner Heimat Lebewohl zu sagen und sich Talby anzuschließen, um von ihm zu lernen. Er drängt sich ihm auf und Talby watscht ihn einige Male harsch ab. Nach einiger Zeit jedoch erkennt Talby Scotts Hartnäckigkeit an und bildet ihn (nicht nur) an der Waffe aus. Als Talby und Scott schließlich in die Stadt zurückkehren und diese unterjochen, regen sich bei Scott Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns…

Valeriis „Der Tod ritt dienstags“ entpuppt sich als intelligent und vielschichtig konstruierter Rachewestern, der sich deutlich von der Dutzendware des Genres abhebt und vielmehr mit anspruchsvolleren Vertretern des Genres wie Sollimas „Von Angesicht zu Angesicht“ gemein hat, aber auch bereits Parallelen zu Valeriis zusammen mit dem Meister des Genres, Sergio Leone, später gedrehten Welterfolg „Mein Name ist Nobody“ erkennen lässt. Es ist das Aufeinandertreffen zwei gegensätzlicher Charaktere, die in einer Art Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen und nach anfänglichen Schwierigkeiten zusammenarbeiten, sich jedoch nach charakterlicher Katharsis des „Abhängigen“ wieder entzweien. Und wie in so vielen Italo-Western der oberen Liga schwingt auch hier wieder eine gehörige Dosis Gesellschafts- und Kapitalismuskritik mit, die sich problemlos von den staubigen Westernkulissen eines vergangenen Jahrhunderts auf die Gegenwart übertragen lässt. Scott wächst in einem ihm feindlichen gesinnten Umfeld auf, wo grundsätzlich der Stärkste und Skrupelloseste das Sagen hat und Geld- und Machtgier das soziale Miteinander bestimmen. Diese Umstände machen aus Scott jemanden, der sich schließlich zur Wehr setzt in einem Ausmaß, dass den bürgerlichen Herren Hören und Sehen vergeht. Sie haben sich diese Entwicklung selbst zuzuschreiben, Scott ist das Produkt ihrer Menschenverachtung. Scott kostet seine Stunden des Sieges aus, erlangt seine wirkliche Reife jedoch nicht, wie zunächst von ihm angenommen, dadurch, dass er sich triumphierend und angsteinflößend über andere stellen kann, sondern erst, als er seinen inneren Idealen, seiner Menschlichkeit folgt und sich schließlich gegen seinen Mentor wendet, der, wie Scott feststellen muss, ihn letztlich nur zur Durchsetzung seiner eigenen egoistischen Ziele, seiner Raff- und Machtgier benutzt hat und damit nicht besser ist als Scotts ehemalige Peiniger.

Die Verführbarkeit Scotts durch jemanden, der seine eigenen Pläne mit ihm verfolgt, hat Valerii sehr gut und nachvollziehbar herausgearbeitet. Wer unterstützungsbedürftige Mitmenschen wie Dreck behandelt, darf sich nicht wundern, wenn sie sich irgendwann gegen einen richten und mit potenzierter Härte zurückschlagen, dabei übersehend, für welche Zwecke sie sich haben instrumentalisieren lassen. Diese Erkenntnis ist projizierbar auf den allgemeinen Umgang mit Minderheiten, Schwächeren, Unterprivilegierten, die nicht selten mangels gesellschaftlicher Unterstützung in den Armen verlockender Rattenfänger landen. Auch in vermeintlichen Underdogs schlummern oftmals ungeahnte Talente, wie die Stadtbewohner zu ihrem Leidwesen feststellen müssen, als Scott ihnen gekonnt die Bleikugeln um die Ohren und in die Wänste ballert. In Valeriis Film wird diese Entwicklung selbstverständlich mit ein wenig vom genreeigenen Pathos nachgezeichnet, der sie schlussendlich Scott mit der Frage nach der Loyalität zu einem – seinem einzigen – alten Freund konfrontiert.

Inhaltlich handelt es sich also um gehobene Genrekost der intelligenten Sorte und auch technisch wie handwerklich ist „Der Tod ritt dienstags“ über weite Strecken einwandfrei gelungen. Beide Hauptdarsteller agieren erstklassig; Gemma passt trotz seiner Zahnpasta-Model-Kauleiste mit seinem oft verzweifelten, entsetzten Gesichtsausdruck und seiner jugendliche Unbedarftheit und Reinheit ausstrahlenden Optik ideal in die Rolle des verspotteten Außenseiters, der über sich hinauswächst und schließlich Angst vor seiner eigenen Courage bekommt. Lee van Cleef ist ebenfalls der Mann für seine Rolle. Ihn umgibt eine mysteriöse Aura, die Valerii wunderbar herauszukitzeln und zu steigern, mit ihr zu spielen vermag und er wird zum wandelnden Symbol für den gerissenen, mit allen Wassern gewaschenen Gentleman und gleichzeitig harten Hund, der nicht leicht durchschaubar, doch über Leichen gehend knallhart seine Ziele verfolgt. Van Cleef fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle, die kleinste Regung seiner charakteristischen Mimik birgt mehr abgründige Emotion als jeder overactende Schmierenkomödiant. Die Kameraarbeit ist nicht auf epische Breite ausgelegt wie beispielsweise bei einem Leone, die typischen Großaufnahmen rauer, staubiger, verschwitzter Gesichter bekommt man aber natürlich auch hier. Riz Ortolanis Soundtrack steht wie üblich für Qualität und hilft der Entfaltung stimmiger Atmosphäre (Quentin Tarantino bediente sich für seine Filme auch bei diesem Score). Interessanterweise kam man auch noch ohne wilde Pferdestunts aus, die später in „Mein Name ist Nobody“ jedoch auf die Spitze getrieben wurden.

Leider bekommt „Der Tod ritt dienstags“ ausgerechnet beim Einläuten des Finales Timing-Probleme und lässt den Showdown dramaturgisch etwas sehr plötzlich geschehen. Es wirkt fast, als habe man überhastet den Film zu einem Ende bringen müssen. Das ist sehr schade, denn das große Potential der Geschichte gerade zu ihrer Klimax hin wird dadurch kaum ausgeschöpft. Viel mehr zu kritisieren habe ich allerdings nicht, so dass ich Valeriis Zweitwerk gern verdiente 7,5/10 Punkten attestiere. Im Übrigen hat mir „Der Tod ritt dienstags“, nachdem ich mit van Cleef bereits recht vertraut bin, Lust darauf gemacht, mehr von Gemma zu sehen. Ein Wiedersehen mit diesem Western-Sunnyboy wird nicht lange auf sich warten lassen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii

Beitragvon Adalmar » 24. Dez 2014, 01:03

Nachdem schon lange die DVD bei mir rumlag, habe ich diesen ansprechend besetzten Western auch mal geguckt. Klar im Mittelpunkt stand für mich hier die Entwicklung der Figur "Scott Mary", sehr sympathisch gespielt von Giuliano Gemma, der sich an einem gewohnt charismatischen Lee van Cleef reiben darf. Auch Walter Rilla kann als geläuterter alter Mentor Scotts die Sympathie des Zuschauers auf sich ziehen. Während die Action mitunter eher Genredurchschnitt bleibt, ist die Charakterzeichnung das überzeugendste Element in diesem Film. Sehr gut hat mir gefallen, wie im Finale die Lehren, die Scott während seiner Ausbildung verinnerlicht hat, wieder aufgegriffen wurden. Allgemein fand ich den Ausgang des Films gut gelöst.
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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii (1967)

Beitragvon buxtebrawler » 12. Mai 2017, 12:45

Filmjuwelen plant anscheinend eine "Der Tod ritt dienstags"-Blu-ray für Februar 2018 inkl. Booklet von Dominik Starck.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der Tod ritt Dienstags - Tonino Valerii (1967)

Beitragvon karlAbundzu » 1. Jun 2017, 14:55

DER TOD RITT DIENSTAGS, Arthouse DVD
Gemmas Entwicklung vom Scheißhausentleerer zum Gun Man. Der Vaterlose, aufgewachsen zwischen Huren, zwischen zwei Vaterfiguren. Lee van Cleef als finsterer Obergangster.
Und die beiden spielen das natürlich toll, van Cleef als älterer Revolverheld mit leichten Rissen und Brüchen, der sich aber nicht ändern kann. Und Gemma auf dem Weg aus einer Scheiße in die andere. Inklusive schönem Schlussbild.
Ausserdem auch toll in den Nebenrollen besetzt: Walter Rilla als anderer Vater, auch gut an der Waffe, aber auf der richtigen Seite des Gesetzes. Jose Calvo als Dorfpenner mit ein paar schönen Auftritten. Auch bei den ehrenwerten Bürgern der Stadt hat man einige bekannte Gesichter und die spielen diese schön schmierig, heuchlerisch, aber alle auf ihre Art unterschiedlich. Und Al Mulock sieht man ja auch immer gerne.
Auch auf der Habenseite der tolle Score von Riz Ortolani (Tarantino bedient sich hier ja für Kill Bill). Der neugebaute Saloon mit den riesigen goldenen Colts als Säulen und der Jugendstil-Einrichtung!
Von Anfang bis Ende gut gespielt, gut gefilmt und gut erzählt. Prima Western der die Themen Rache, Gier, Emanzipierung von autoritären Figuren und Gewalt behandelt.

Zur DVD: Das Bild ist ok, der Ton auf deutsch super. Der italienische ein wenig dumpfer, ich hab da ab und an reingeguckt, und gerade bei den Stellen ergeben sich kleien Unterschiede zu den Rollen: Billy (das Dorf-Unikum) hält
sich selbst für den besten Schützen bei der Flaschenszene, das gibt dem Ende noch einen anderen Drive. Und als Scott Mary in die Stadt zurückkommt ist die einzige die ihn einfach so begrüßt die Hure Gwen. Im deutschen hebt er nur tonlos die Hand, und es bleibt unklar, wen er grüßt. Nicht wichtig, aber da merkt man wieder, wie die Sprachen immer auch etwas ändern.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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