Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 5. Mai 2017, 19:59

Spice World

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Die oftmals arg gescholtene Musikfilm-Komödie „Spice World“ hat ja jetzt auch schon wieder 20 Jahre auf dem Buckel und egal, wie man zu den Spice Girls, ihrer Musik und den Skandälchen nach der Auflösung steht – ganz kommt man an diesem pop(sch)kulturellen Phänomen aus den Neunzigern ja ohnehin nicht vorbei. Der kunterbunte Streifen ist auch eine ganz unterhaltsame Sache, nimmt sich zum Glück auch selber nicht sehr ernst und präsentiert in seinem episodenhaften Verlauf fünf sympathische Mädels und jede Menge Gaststars von Meat Loaf, Elton John bis hin zu Elvis Costello. „Spice World“ lässt auch kaum ein Klischee aus, dass über die Band so im Umlauf ist und nimmt diese auch hübsch auf die Schippe. Klar ist der Film dabei auch auf ein sehr junges Fan-Publikum zugeschnitten und bietet auch viel Musik, die man sich zuhause sonst wohl auch nicht freiwillig anhören möchte, aber im Kontext eines unterhaltsamen und spaßigen Musikfilms passt das alles ganz gut. Obwohl das Drehbuch dabei sehr viele unterschiedliche Ideen vereint und dabei auch sicher nicht jeder Gag zündet ist der Streifen recht flott und ironisch erzählt, und Langeweile kommt ebenfalls keine auf. Auch die Musik der Mädels ist unaufdringlich in die ganze Sache integriert und so ist „Spice World“ auch entgegen der weitläufigen Meinungen und dem gehässigen Wunsch von ach so anspruchsvollen Film- und Musikfans eine durchaus solide Sache, die auch erfolgreich in den Kinos lief.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 6. Mai 2017, 19:54

Diva

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Großartige Mischung aus Action, Musikfilm, Zeitgeist-Drama und einer Prise Mystery über einen jungen Postboten und Opern-Fan, der bei dem Versuch seinem Idol nahe zu sein, ins Fadenkreuz gleich mehrerer Gruppierungen gerät. Dabei lebt „Diva“ auch davon, dass man lange nicht weiß, warum das überhaupt der Fall ist und nach einen längeren und eher ruhigen Auftakt ist man auch schon mitten drin im Geschehen. Dabei überzeugt der Streifen nicht nur durch seine originelle Story, sondern auch eine temporeiche Verfolgungsjagd durch die Pariser Metro und einem hübschen Finale, in dem dann auch alle Handlungsstränge zusammengeführt werden. „Diva“ besticht aber auch durch hübsche, teils sehr extravagante Bilder die rasant aneinander geschnitten sind und einer gelungenen Ausstattung, die den Streifen von Jean-Jacques Beineix auch heutzutage noch sehr stylisch und modern wirken lässt. So paradox es auch klingt ist „Diva“ der nahezu perfekte Genre-Film, der dennoch in keine Schublade passt und seine Fühler auch in alle Richtungen ausstreckt. Fast könnte man böse sein, dass mir das Teil nicht schon früher empfohlen wurde und dennoch ist die Freude groß, dass dieser „Leider-anscheinend-immer-noch“-Geheimtipp es nun doch endlich in meinen Player geschafft und mich 110 Minuten begeistert hat.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 7. Mai 2017, 19:22

Wenzel Storch Doubles:

Sommer der Liebe

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Oleander, genannt Oli ist ein alternder Hippie, der als bewusstseinserweiternder Gelehrter durch die Welt reist, sich der Nächstenliebe verschrieben hat und seinen Lebensunterhalt mit kleineren Arbeiten verdient. Als er eines Tages in einem Kloster von zwei Nonnen um eine Schlafgelegenheit bittet, ist das der Beginn einer wundersamen Wandlung. Aus dem baufälligen Gebäude wird durch Olis Hilfe eine Disco, die schon bald von Langhaarigen gestürmt wird. Die Nonnen verlassen daraufhin das Kloster um ihrerseits den Sinn des Lebens zu suchen und auch Oleander erlebt am Ende seines aufregenden Lebens angekommen in einem „Sommer der Liebe“ nochmals einen zweiten Frühling.

Bei Wenzel Storch weiß der Zuschauer ja schon im Vorfeld, dass es sich um Deutschlands unkonventionellsten Regisseur handelt, der mit wenig Budget und dafür umso mehr Herzblut und Fantasie seine unverwechselbar chaotischen Filme realisiert, die sich auch gänzlich einem Massenpublikum verweigern. „Sommer der Liebe“ ist auch ein herrlich grotesker, farbenfroher und unkonventionelles Portrait schlaghosentragende Individuen und Jürgen Höhne in der Rolle des Hippie-Gurus, der durchs Land zieht um die Menschen einander näher zu bringen. Dabei ist die Collagen-hafte und nicht immer geschmackssichere Geschichte vielseitig interpretierbar und Herr Storch vermengt in seinem zweiten Spielfilm die vielseitigen und unberechenbaren Ideen seiner Handlung mit viel Musik animierte Sequenzen mit Stop-Motion, bietet dabei herrlich absurde Momente und lässt dazu seine aufgeschlossenen Laiendarsteller voller Freude durch Sperrmüllkulissen tanzen. Als Zuschauer ist das wahlweise ein Füllhorn der Glückseligkeit, oder eine Qual und jegliche Bewertungen daher denkbar und auch legitim. Ich gehöre zum Glück zu der Gruppe von Menschen, die sich an solchen originellen Beiträgen der Filmgeschichte sehr erfreuen können und so war auch die lang herbeigesehnte Sichtung dieses leider nur noch schwer zu bekommenden, deutschen Underground-Streifens ein wunderbar einzigartiges Ereignis, dass im Wenzel-Double auch nur noch von seinem meines Erachtens noch liebenswerteren „Die Reise ins Glück“ getoppt wird.

Die Reise ins Glück

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Nach Wenzel Storchs „Sommer der Liebe“ dauerte es zwölf Jahre bis sein bisheriges Meisterwerk „Die Reise ins Glück“ erscheinen sollte und die Zeit wurde wohl wieder dazu genutzt um die Sperrmüllhalden dieser Welt nach verwertbaren Requisiten abzuklappern. Herausgekommen ist ein vor Fantasie überbordender Streifen über den herzensguten Kapitän eines Schneckenschiffes, der mit seiner Familie die Welt bereist um den Menschen aus den verschiedenen Ecken der Erde Gutes zu tun. Dabei ist „Die Reise ins Glück“ nicht minder durchgeknallt als „Sommer der Liebe“ bietet aber dazu noch die bessere Geschichte in der auch alles seinen Platz hat. Von sprechenden Tieren und bösen Propaganda-Ministers, explodierenden Köpfen bis hin zu Zeitreisen ist hier auch alles vertreten und macht „Die Reise in Glück“ zu einem knallbunten und vollkommen einzigartigen Trip in die Gedankenwelt des Wenzel Storchs, der sich hier seinen Ruf als unkonventionellster Regisseur Deutschlands zementiert. Was hier auf den Zuschauer wartet lässt sich auch kaum in Worte fassen und zählt zu den schönsten Erfahrungen, die ich im Laufe meiner langjährigen Leidenschaft zu Filmen erleben durfte. Wie Wenzel Storch so einen Trip wie „Die Reise ins Glück“ noch toppen möchte ist zwar fraglich, aber dennoch kann ich es kaum erwarten, irgendwann einmal die Antwort auf diese Frage zu erfahren.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 8. Mai 2017, 20:06

Ghost Movie 2

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Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen aus der Kamera des jungen Malcolm, der nach den dämonischen Ereignissen aus Teil 1 eine Ersatzfamilie findet und im frisch bezogenen Eigenheim neuerlich von boshaften Geistern und sexsüchtigen Puppen heimgesucht wird. Nachdem bereits Filme wie „Paranormal Activity“ und „Blair Witch Projekt“ durch den Kakao gezogen worden, sind dieses Mal so Werke wie „Conjuring“, „Annabelle“ und „Sinister“ an der Reihe, die im bewährten Handkamera-Stil eingefangen werden. Leider verkommt der Spoof „Ghost Movie 2“ aber zu einer total zotigen Angelegenheit in der Hauptdarsteller Marlon Wayans alle fünf Minuten wie ein unzurechnungsfähiger Wilder herumkaspert und seinen verschwitzten Hintern in die Kamera hält. Daran wäre prinzipiell ja nix Falsches, wenn „Ghost Movie 2“ eben nur ansatzweise witzig, originell oder unterhaltsam wäre. Wer über Schwänze, Squirting, rassistische Klischees, Drogenkonsum und tollpatschige Dämonen lachen kann ist hier an der richtigen Adresse, aber wer einen Streifen sehen möchte, der sich auf halbwegs passable Art und Weise über das Genre lustig macht, sollte hier besser einen großen Bogen machen. Mit zunehmender Laufzeit verkommt die ganze Sache auch zu einer sehr nervigen Angelegenheit und das Drehbuch bringt die unterschiedlichen Ideen, Handlungsstränge und Cameos auch nicht unter einen annehmbaren Hut. Alles in allen ein sehr entbehrliche Spoof-Movie für Anspruchsbefreite, bei dem mich der erlösende Abspann noch am meisten begeistern konnte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 9. Mai 2017, 19:50

Storm Hunters

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„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen von Tornado-Jägern, Wissenschaftlern, Youtubern und Leutchen aus einer Stadt, die von einem Jahrhundert-Tornado heimgesucht wird. Dabei ist die Rahmengeschichte von „Storm Hunter“ ja eher ein laues Lüftchen bzw. zu vernachlässigen und präsentiert den üblichen Schmonz und Schmalz, den man in Katastrophenfilmen so präsentiert bekommt. Auch bei den Figuren hat sich wirklich niemand mit Ruhm bekleckert und dennoch ist der Streifen unterm Strich eine mehr als annehmbare Sache. Durch das Handkameradings ist man hier mitten drin im Geschehen und nach dem Motto „mittendrin statt nur dabei“ rummst und scheppert an allen Ecken und Enden, sodass es einem glatt die Sprache verschlägt. Die Effekte fand ich wirklich klasse gemacht und die lassen auch gerne darüber hinwegsehen, dass der Rest dieses modernen Katastrophenfilms im „Found Footage“-Look bestenfalls durchschnittlich ausgefallen ist. Auch über die Logik einzelner Ereignisse, die die packende Handlung vorantreiben, sollte man nicht genauer nachdenken und dennoch mach der extrem kurzweilige „Storm Hunter“ zumindest in Punkto Flurschaden keine Gefangenen. Regisseur Steven Quale setzt hier jedenfalls voll auf Windstärke 10, Reizüberflutung bzw. die volle Tornado-Dröhnung und am Ende bleibt jedenfalls außer erhöhtem Puls beim Zuschauer auch nicht mehr viel von der beschaulichen Kleinstadt übrig. So muss meines Erachtens zeitgemäßes Popcorn-Kino aussehen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 10. Mai 2017, 19:32

Bigfoot - Der Blutrausch einer Legende

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Sean ist der Kopf eines Fernsehteams, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Rahmen seiner Sendung sogenannte urbane Legenden und Mythen zu entlarven. Trotz kleinerer Probleme was Finanzierung und Crew anbelangt, landet er eines Tages mit seinem Team in einem abgelegenen Waldstück in der Nähe des „Lost Coast“ bei dem Jäger Drybeck, der behauptet im Besitz eines Bigfoot-Leichnams zu sein. Doch zu Beginn überwiegt die Skepsis und der Fährtensucher und die Leute aus der Großstadt kommen auf keinen grünen Zweig. In der ersten Nacht gibt es aber bereits unerklärliche Geräusche und Spuren, die eindeutig auf ein übergroßes und haariges Wesen hindeuten und während Sean noch immer noch an einen geschickt eingefädelten Trick glaubt, ist der Rest seines Teams aber weit weniger davon überzeugt und weitere, scheinbar unerklärliche Ereignisse, lassen auch nicht lange auf sich warten…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen eines Kamerateams, dass sich für ein paar Tage in die Wälder begibt um ein für alle Mal mit dem Bigfoot-Sasquatsch-Mythos aufzuräumen. „Bigfoot – Der Blutrausch einer Legende“ ist ja einer von vielen Found-Footage-Filmen über haarige Wesen im Wald, aber zumindest der mit dem blumigsten Titel in bester Siebziger-Titelschmiede-Produktion. Einen Blutrausch oder dergleichen sollte man sich ja nicht erwarten, aber dafür einen eigentlich recht soliden Beitrag, der dank netter Drehbuch-Ideen recht kurzweilig ausgefallen ist und gegen Ende auch versucht, seiner eher ausgelutschten Thematik noch einen neue Komponente hinzuzufügen. Ob das so gelungen ist, muss wohl jeder für sich entscheiden und das titelgebende Monster ist ja ebenfalls nur als kurzer Schatten oder Augenpaar im Dunkeln zu erkennen. Ein paar sympathischere Figuren hätten vielleicht auch nicht geschadet, aber ansonsten gibt es in dem 2012 entstandenen Werk nicht viel zu meckern und ich fand die ganze Bigfoot-Sause auch recht unterhaltsam.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 11. Mai 2017, 19:25

The Bigfoot Tapes

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Student Stephon plant eine Dokumentation über den legendären Bigfoot und fliegt daher mit seinem Bruder Davee und dessen Freundin Shy nach Siskyou County um dort vor Ort einen Mann zu suchen, der mit einem 911-Notruf wegen einer Bigfoot-Sichtung Aufsehen erregt hat. Obwohl die örtlichen Bevölkerung wenig hilfreich bis feindselig agiert, lassen sich die drei aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen und finden mit dem Einsiedler Sam auch den Mann, der behauptet, Bigfoot gesehen zu haben. Dieser entpuppt sich jedoch als religiöser Spinner bzw. wenig vertrauenserweckend und dennoch erklärt sich Sam bereit mit den drei in den Wald zu marschieren um Stephon die Stelle zu zeigen, in der sich die legendäre Kreatur aufhalten soll…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Aufnahmen aus der Kamera naiver Leutchen, die sich in Siskiyou County auf die Suche nach dem haarigen Wesen machen. Dabei zählt „The Bigfoot Tapes“ eindeutig zum Bodensatz des Genres und nervt den Zuschauer gleich mit einigen fatalen und dramaturgischen Fehlern. Die Figuren sind nervig, die Entwicklungen doof, die Handlungen nicht nachvollziehbar und die Kameraführung so gemacht, dass man nichts sieht oder nichts mitbekommt. Neben kleineren Anschlussfehlern, Overacting, Klischee-Keule und unpassenden Synchronstimmen nervt „The Bigfoot Tapes“ aber vor allem deswegen, dass von den Figuren das am Bildschirm ohnehin Offensichtliche ständig und gleich mehrfach kommentiert wird. Außerdem lassen Stephon und Co auch keine Gelegenheit ständig auf sich aufmerksam zu machen und so kommt es für die drei hoffnungsfrohen Camper in diesem Low-Budget-Rohrkrepierer auch ein bisschen anders als erwartet. Den titelgebenden Bigfoot bekommt man ebenfalls kaum zu Gesicht, Spannung kommt erst überhaupt keine auf und nicht einmal einzelne Schreckmomente haben sich in diese Grütze verirrt. Selbst für Found-Footage-Verhältnisse sehr entbehrlich!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 12. Mai 2017, 19:19

The Saddest Music in the World

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Der kanadische und winterliche Ort Winnipeg wird im Jahr 1933 inmitten der Weltwirtschaftskrise zum vierten Mal zur „Welthauptstadt des Kummers“ gewählt. Grund genug für die örtliche Brauerrei-Besitzerin Lady Helen Pont-Huntley nicht ganz uneigennützig einen Wettbewerb auszurichten, in dem die traurigste Musik der Welt bestimmt und der vortragende Musiker ein großes Preisgeld gewinnen soll. Bald tummeln sich Künstler aus aller Welt in dem verschneiten Ort um sich musikalisch zu messen und auch die charakterlich sehr ungleichen Brüder Chester und Roderick finden sich ein um für unterschiedliche Länder anzutreten. Doch mit den beiden Brüdern und dessen Vater Fyodor verbindet auch Lady Pont-Huntley ein tieftrauriges Kapitel ihres Lebens, welches auf den Verlauf des obskures Bewerb nicht ohne Folgen bleibt.

Wunderbar schräger Film von Regisseur Guy Maddin, der hier unter dem Deckmantel eines etwas sonderbar ausgerichteten Musikwettbewerbs ein Panoptikum an skurrilen Figuren präsentiert, mit denen es das Leben nicht unbedingt gut gemeint hat. Doch statt einer Geschichte über trieftraurige Musik und trauernde Menschen ist „The Saddest Music in the World“ ein sehr origineller und schwarzhumoriges Drama mit viel Musik, der sich dem Zuschauer trotz seines Inhalts auch sehr ungewöhnlich, bunt und vielfältig präsentiert. Der Inhalt der 2003 gedrehten Musical-Dramödie wird vorwiegend mit grobkörnigen und auf alt getrimmten S/W-Bildern erzählt und nur in wenigen Momenten lässt Maddin auf dem Bildschirm Farben erstrahlen und erinnert dabei an alte Technicolor-Musicals mit glitzernden Requisiten und Stummfilme aus den Zwanzigern. Wer ungewöhnliche Streifen mag, die sich jeglichen Kategorisierung entziehen, kommt an Guy Maddins Streifen ja eigentlich nicht vorbei und auch mich hat „The Saddest Music in the World“ gestern wieder aufs Neue begeistert.

Interstella 5555

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Eine talentierte Musikgruppe einer entfernten Galaxie wird während eines Auftrittes im Auftrag eines skrupellosen Musikmanagers entführt. Auf der Erde werden die vier Musiker ihrer Identität beraubt, optisch dem heimischen Markt angepasst und die Truppe zur Gewinnmaximierung gnadenlos bis zur Erschöpfung getrieben. Während sich auch rasch die Erfolge rund um den Erdball einstellen und die Truppe bald körperlich am Ende ist, mach sich ein großer Fan der Truppe auf den Weg zur Erde, um die vierköpfige Truppe zu befreien und dem diabolischen Manager ein für alle Mal das Handwerk zu legen.

„Interstella 5555“ ist wohl nicht nur das erste bzw. einzige animierte House-Musical der Welt, sondern auch eine wunderbare Liebeserklärung an japanische Zeichentrick-Serien aus den Siebzigern. Die Kooperation von Daft Punk mit den Toei Animation Studios bzw. Leiji Matsumoto erinnert mit seinem Sci-Fi-Look auch stark an „Captain Future“ und auch die Geschichte über einen machtgierigen Musikmanager und eine intergalaktische Musiktruppe, die in seine Fänge gelangt, weiß zu begeistern. Statt Dialoge gibt es in dem einstündigen Film die Musik vom „Discovery“-Album, das seinerzeit ja auch millionenfach verkauft wurde und herausgekommen ist ein wunderbar oldskooliger, bunter und stimmiger Anime, der auch Leute begeistern dürfte, die sonst vielleicht nicht unbedingt etwas mit der Musik der französischen House-Act etwas anfangen können. Musikalische Scheuklappen abwerfen, die Lautstärke aufdrehen und mit unseren musikalischen Helden mitfiebern!
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 18. Mai 2017, 21:46

Verfluchtes Amsterdam

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jogiwan hat geschrieben:„Verfluchtes Amsterdam“ ist ja schon eine sehr unterhaltsame Sache, die Krimi-Spannung, Action, holländische Gelassenheit und Humor angenehm miteinander verbindet und als Auftakt und/oder Abschluss eines Amsterdam-Trips zum Pflichtprogramm gehört. Die Stadt, insbesondere „die Wallen“ haben sich seit 1987 zwar augenscheinlich etwas verändert, aber die meisten Locations kommen einen dann doch sehr bekannt vor. Dick Maas augenzwinkernde Hommage an die wunderbare Grachtenstadt hat ja gleich ein paar böse Momente und ist dennoch eine selbstironische Sache, bei der die eher mäßige Auflösung der Krimihandlung auch gar nicht so stört. Ich mag den Film immer noch sehr!


Gestern wieder im Player gelandet ist Dick Maas' humorvollen Grachten-Thriller auch bei wiederholter Sichtung noch immer eine sehr spaßige Angelegenheit und der ideale Abschluss eines jeden Amsterdam-Trips. :nick:
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 19. Mai 2017, 20:13

The Void

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Sherriff Carters sitzt während der Nachtschicht wie üblich in seinem Wagen und kommuniziert gegen die Langeweile mit dem Hauptquartier, als auf einmal ein verletzter junger Mann vor seinen Wagen taumelt, der vor zwei Männern die Flucht ergriffen hat. Als er diesen in ein nahegelegenes und vor der Schließung stehendes Krankenhaus bringt, in dem auch seine Ex-Frau Alison arbeitet, überschlagen sich rasch die Ereignisse. Im Krankenhaus geschieht ein grauenvoller Mord, während sich vor dem Gebäude Männer in weißen Roben und blanken Messern sammeln. Als sich auch noch die bewaffneten Männer auf der Suche nach dem Verletzten Zutritt verschaffen, eskaliert die Situation völlig und Carters und die restlichen Verbliebenen sehen sich bald mit Wesen konfrontiert, die direkt aus der Hölle stammen könnten…

Der kanadische Streifen „The Void“ ist eine leider etwas zwiespältige, aber dennoch nicht uninteressante Angelegenheit, die einerseits recht gut aussieht und einen unvorhersehbaren Ablauf bietet – auf der anderen Seite aber ganz schön durch zahlreiche Genre-Klassiker wildert und funktionale Elemente von „Assault – Anschlag bei Nacht“ und „Hellraiser“ bis hin zu „Das Ding aus einer anderen Welt“ und noch ca. fünfzig anderen Filmen wurde hier alles zu einem stark überladen wirkenden Cocktail vermengt, bei dem leider auch die Figurenzeichnung etwas auf der Strecke bleibt. Statt ein subtiles Grauen, die Ungewissheit und Belagerungsthematik zu nutzen, wird hier gleich von Beginn an auf Terror und Eskalation gesetzt, was dem Streifen jedoch nicht unbedingt gut tut und ihn nach dem fulminanten Auftakt auch relativ rasch auf der Stelle treten lässt. Auch wenn für die FSK16-Freigabe überraschend viel auf handgemachte Weise geschmoddert wird, kommt „The Void“ ab der Mitte nicht mehr so richtig vom Fleck und selbst das Finale, dass den Delirianer hier an einen großen Italo-Klassiker erinnern wird, konnte das Ruder nicht mehr gänzlich herumreißen. Die beiden Regisseure haben sich die Latte wohl selbst sehr hoch gelegt und scheitern etwas an dem Versuch die zu zahlreichen Elemente in neunzig Minuten harmonisch unter einen Hut zu bringen. Auch bei mir wollte der Funke letzten Endes nicht so richtig überspringen und selbst wenn „The Void“ für aktuelle Indie-Horror-Verhältnisse optisch ganz ordentlich ausgefallen ist, war mir das inhaltlich doch etwas zu unausgegoren. Freunde von Achtziger-Horror sollten dennoch einen Blick riskieren und sich diesen teils herben Genre-Happen auch nicht entgehen lassen.
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