Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon jogiwan » 26. Okt 2015, 09:41

Auch die Zweitsichtung auf DVD hat natürlich begeistert und Giuliano Montaldo hat mit seinem 1967 gedrehten Heist-Movie einfach einen absoluten „Top Job“ hingelegt, der auch zweimal kurz hintereinander großen Spaß bereitet. Tolle Darsteller, schöne Locations und ein spannender Einbruch in Echtzeit machen den Streifen auch zu einem kurzweiligen Vergnügen, bei dem man auch keine seiner 120 Minuten missen möchte. Warum der Kinderchor und die Szenen mit der Brasilianerin in der Kinofassung gefehlt haben ist wohl wirklich nicht nachvollziehbar und auch die Szene mit den zwei Schlüsselbünden ist eigentlich unverzichtbar, aber auf DVD ist ja zum Glück alles enthalten. Ein wunderbarer Film!
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon buxtebrawler » 4. Dez 2015, 16:22

Als Startschuss der Heist Movies, jenem Krimi-Subgenre, das den Fokus statt auf die polizeilichen oder detektivischen Ermittlungsarbeiten auf die Ganoven richtet, die einen großen Coup planen und durchführen, gilt der französische „Rififi“ aus dem Jahre 1955. Zwölf Jahre später, 1967, bereicherte der italienische Regisseur Giuliano Montaldo („Sacco und Vanzetti“) diese Filmgattung um seinen in italienisch-deutsch-spanischer Koproduktion realisierten „Top Job“, der sich zunächst wie ein Heist-Destillat liest, entledigte er seinen Film doch nahezu sämtlicher sonst gern einmal mit dem Subgenre einhergehenden komödiantischer und Buddy-Movie-Elemente.

Der jüngst pensionierte Professor James Anders (Edward G. Robinson, „Abenteuer des Kardinal Braun“) unterrichtete drei Jahrzehnte lang an einer Schule im brasilianischen Rio. Dort beobachtete er, wie das gegenüberliegende Gebäude zweimal jährlich zur kurzzeitigen Zwischenstation für millionenschwere Edelsteine wurde. Lediglich wenn die Lieferung mit dem Carnaval do Rio zusammenfällt, verweilen die teuren Stücke etwas länger im hermetisch abgeriegelten Tresor. Diese Gelegenheit bietet sich nur alle Jubeljahre – und nun ist es wieder soweit. Anders fliegt nach New York zu seinem alten Jugendfreund Mark Milford (Adolfo Celi, „Die Klette“), den er seit 42 Jahren nicht mehr gesehen hat und der in dieser Zeit zu einer geachteten Unterweltgröße aufgestiegen ist. Zusammen planen sie einen großangelegten Coup: den Raub der Diamanten. Zu diesem Zwecke stellen Sie ein Team aus vier Spezialisten zusammen: Militär-Captain Erich Weiss (Klaus Kinski, „Nosferatu“) als Leiter vor Ort und Mann fürs Grobe, Techniker Agostino Rossi (Riccardo Cucciolla, „Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!“) und Butler sowie Safeknacker Gregg (George Rigaud, „Das Geheimnis der blutigen Lilie“) für Einbruch und Tresoröffnung. Eine besondere, weil ungewöhnliche Rolle wird Playboy Jean-Paul Audry (Robert Hoffmann, „Neues vom Hexer“) zuteil: Er soll die Bankangestellte Mary Ann (Janet Leigh, „Psycho“) verführen, um ihren Schlüssel abzuluchsen – doch ausgerechnet dies erweist sich als schwieriger als zunächst angenommen…

„Das Mädchen ist nicht gerade hübsch!“ (Unverschämtheiten ggü. Janet Leigh…)

Montaldo lässt Professor Anders noch von seinen Schülern mit einer Gesangseinlage verabschieden (aus unerfindlichen Gründen fehlt diese Szene in der deutschen Kinofassung), bevor er in die USA fliegt und die Kamera tolle Bilder des New Yorker Großstadt-Panoramas einfängt. Durch zahlreiche zeitgenössische Leuchtreklamen führt es ihn auf dem Weg zu Milfords mondänen Luxusanwesen, welcher nach einem kurzen Plausch auf seine eindrucksvolle, peinlich genau nach Berufsgruppen sortierte Gangsterkartei hinter einer Bücherwand zurückgreift und vier Personen heraussucht, die den Anforderungen entsprechen. Die Handlung verlagert sich nun gen Rio und verzückt den Zuschauer mit reichlich Lokalkolorit: sonnigen Stränden, fußballbegeisterten Kindern, schönen Frauen und reichlich Exotik, dazu immer wieder zum Schwelgen verleitende Landschaftsaufnahmen. Die Männer erfahren ihre Charakterisierung und nehmen ihre Arbeit auf, wobei sich die Handlung zunächst vornehmlich auf Schönling Jean-Paul konzentriert. Dieser provoziert einen Auffahrunfall mit Mary Ann, um sie auf diesem Wege kennenzulernen. Um den Schaden zu begleichen, besucht er sie mit einem Scheck und bringt gleich einen Blumenstrauß mit. Doch der Charmeur beißt auf Granit, Mary Ann ziert sich wie eine alte Jungfer. Er probiert’s weiter und überhäuft sie mit Blumen, bis sie endlich ein Rendezvous miteinander haben.

„Das ist keine Frau, das ist ein Eisblock!“

Die anderen inspizieren derweil die Kanalisation und präparieren sie. Gregg erläutert detailliert die Kunst des Tresorknackens und simuliert seinen Plan minutiös, übt und probiert aus. „Eine böse Überraschung – sie haben einen Grand Slam 70!“, heißt es schließlich, und schon ist die abweisende Mary Ann längste Zeit das einzige Problem gewesen. Untereinander kriselt es ebenfalls, Jean-Paul wird von Erich aufgrund seines vermeintlich leichten Jobs nicht für voll genommen es kommt zu offenen Konflikten. Jean-Paul will gar aussteigen, doch Erich verprügelt ihn – hier hat der bis hierhin sehr kontrolliert wirkende Kinskerich Gelegenheit, sein aufbrausendes Temperament zu bezeugen. Endlich jedoch bekommt Jean-Paul den begehrten Schlüssel, doch die Zeit wird knapp und der Karneval tobt bereits durch die Straßen. Ca. die Hälfte des Films ging für die Vorbereitungen drauf und obwohl eigentlich klar gewesen sein sollte, dass es auf den Diamantenraub hinausläuft, machte er es gewitzt spannend, ob es überhaupt so weit kommen würde.

Der Coup wird indes das Herzstück des Films und das in einem Detailreichtum, wie es 1967 möglicherweise noch nicht dagewesen war. Konnte man bisher nur erahnen, wie genau der Coup vonstattengehen soll und wurde dadurch neugierig, wird er jetzt quasi in Echtzeit in allen Einzelheiten gezeigt: Auf abenteuerliche Weise gelangt der Schlüssel zu Erich und geht es durch Tunnel und per Seilwinde von einem Gebäude ins andere, gilt es, Panzertüren und Lichtschranken zu überwinden und sekundengenau das Wachpersonal abzupassen – denn tatsächlich kommt „Top Job“ lange Zeit ohne Gewaltanwendung gegen Außenstehende aus. Stattdessen wird mit Profi-Einbruchsequipment gearbeitet und nur das Allernötigste gesprochen, im weiteren Verlauf wird die Stille sogar zur Bedingung für den Erfolg. Als wäre die Stimmung nicht schon angespannt genug, passieren immer wieder kleine Pannen, die die Nerven weiter aufreiben. Die lateinamerikanischen Klänge des Karnevals sorgen für fiebrige Atmosphäre und als faszinierend erweist sich schließlich, wie exakt dieser zusammengewürfelte Haufen, der mehr als einmal vor der Implosion stand, geplant und durchgeführt hat.

Menschliche Schwächen wie Habgier und Egotrips jedoch bedeuten nach einer rapiden Verfolgungsjagd inkl. Explosion und Toten im Anschluss an den Coup das Ende jeglicher Professionalität und die alte Parole „Jeder gegen jeden“ erlangt ihre Gültigkeit zurück, doch das ist lediglich die erste von gleich mehreren überraschenden Wendungen, die das Finale bereithält – und deren letzte die deutsche Kinofassung dem Zuschauer leider ebenso vorenthielt wie Agostinos Begeisterung für eine brasilianische Schönheit.

Trotz seiner Überlänge unterhält „Top Job“ über die gesamte Distanz prächtig; zunächst mit den komplexen Vorbereitungen des Coups, im Anschluss mit dessen fulminanter Durchführung und schließlich mit seinem mehrere Haken schlagenden und einen desillusionierenden Einblick in kalkulierbaren menschlichen Egoismus offenbarenden Ausklang – der indes durchaus schwarzhumorig aufgefasst werden darf, schließlich handelte es sich bei der Bande, der man fast zwei Stunden lang zugeschaut hat, um keine klassischen Sympathieträger, wenngleich Agostino mit seinem verletzlichen und sensiblen, weniger abgeklärten Wesen durchaus Empathie auslöste und Gregg als Gentleman der alten Schule Sympathien errang. Die hochkarätige internationale Besetzung interagiert in ihren unterschiedlichsten Rollen vorzüglich miteinander und trägt entschieden zum Funktionieren des Films bei, sind es doch der Umgang untereinander und das gegenseitige Aufeinanderangewiesensein, was derart viel Konfliktpotential bietet, dass die Teilhabe daran auch ohne millionenschweren Hintergrund bereits gefesselt hätte. Maestro Ennio Morricone arbeitet mit Kindergesang, folkloristischen Rhythmen und Klängen etc., die dem Film perfekt zu Gesicht stehen und ihn mit viel Respekt und Verständnis für den südamerikanischen Drehort und dessen Kultur stimmungsvoll veredeln. Großes Kino, toller Film!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon jogiwan » 5. Jun 2016, 17:43

Forentreffen-Kinofeeling für zuhause bzw. für alle, die die Koch-DVD seinerzeit nicht bekommen haben: "Top Job" a.k.a. "Diamantenraub in Rio" erscheint am 22.07.2016 nochmals von Filmjuwelen:

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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon Onkel Joe » 5. Jun 2016, 18:34

jogiwan hat geschrieben:Forentreffen-Kinofeeling für zuhause bzw. für alle, die die Koch-DVD seinerzeit nicht bekommen haben: "Top Job" a.k.a. "Diamantenraub in Rio" erscheint am 22.07.2016 nochmals von Filmjuwelen:

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Schön das der nun nochmals aufgelegt wird, das hat dieser Film verdient!
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon ugo-piazza » 13. Aug 2016, 23:10

"Top Job" gehört ja zu den TV-Erinnerungen meiner frühen Jahre, und wer könnte schon jemals diesen Einbruch vergessen. Trotzdem entfleuchte der Film im Laufe der Zeit meinem Gedächtnis und meinem Gesichtsfeld, und so realisierte ich kaum, dass Koch Media den Film herausbrachte, bis die DVD nur noch zu Mondpreisen erhältlich war. Schiete seggt Fiete! Die Kinoaufführung zu Wien ließ verschüttete Erinnerungen zurückkehren, da trifft es sich gut, dass pünktlich zu den Olympischen Spielen in Rio eine Neuauflage von Filmjuwelen herausgebracht wurde.

Und was soll ich sagen? Signore Montaldo hat wahrlich einen TOP JOB abgeliefert. Man hält mit den Atem an, wenn beim Knacken des Grand Slam 70 kein Laut von sich gegeben werden darf. Man freut sich, wenn Robert Hoffmann doch noch zum Date mit Janet Leigh. Man schmunzelt, wenn Hoffmann den Schlüssel einem Polizisten in die Hand drückt, damit er ihn an Kinski übergibt, wie der Film so einige humorige Einsprengsel hat. Dass zum Schluss hin einige Gangster auf der Strecke bleiben, ist bedauerlich, zeigte der Film bis dato ja gewaltlose Straftaten. Den allerletzten Twist kannte ich bisher noch gar nicht, passt er aber hervorragend zum Film.

Ein all-time-classic, verdientermaßen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon Onkel Joe » 8. Dez 2016, 15:00

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Gestern das Vinyl zu "Top Job" bekommen!
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon Deewani » 9. Dez 2016, 17:18

Die LP hatte ich auch mal. Aber wieder zurückgeschickt. Zu wenig Laufzeit, schlechte Pressqualität und die zweite Seite besteht NUR aus der brasilianischen Karnevalsmusik. Nur das Hauptthema auf der ersten Seite ist wirklich hörenswert.
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon Onkel Joe » 9. Dez 2016, 17:21

Deewani hat geschrieben:Die LP hatte ich auch mal. Aber wieder zurückgeschickt. Zu wenig Laufzeit, schlechte Pressqualität und die zweite Seite besteht NUR aus der brasilianischen Karnevalsmusik. Nur das Hauptthema auf der ersten Seite ist wirklich hörenswert.


War nicht so teuer und bei mir bleibt sie in der Sammlung ;) .
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon sergio petroni » 9. Dez 2016, 18:32

Deewani hat geschrieben:Die LP hatte ich auch mal. Aber wieder zurückgeschickt. Zu wenig Laufzeit, schlechte Pressqualität und die zweite Seite besteht NUR aus der brasilianischen Karnevalsmusik. Nur das Hauptthema auf der ersten Seite ist wirklich hörenswert.


Alleine das Hauptthema ist doch schon ein Kaufgrund ;)
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Top Job - Giuliano Montaldo (1967)

Beitragvon Onkel Joe » 21. Apr 2017, 12:42

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George Hilton, Giuliano Montaldo und ganz rechts Carlotta Bolognini (Tochter von Manolo Bolognini).
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