Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

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Moderator: jogiwan

Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 13. Apr 2017, 19:03

UFO - ES ist hier

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Eine fünfköpfige Gruppe von jungen Filmstudenten ist gerade dabei, im Kölner Zoo eine Reportage zu drehen, als sie Zeuge werden, wie die Tiere unruhig werden, zum Himmel starren und dort ein seltsames Objekt vom Himmel fällt. Vom eigenen Ehrgeiz und Neugier angestachelt beschließen die drei Burschen und die beiden Mädchen den eigentlichen Plan zu kippen und sich auf die Suche nach dem abgestürzten Objekt zu machen um statt lahmer Interviews lieber aufsehenerregende Bilder eines Absturzes zu filmen, die man später eventuell sogar an die Medien verkaufen kann. Tatsächlich finden die fünf Studenten nach stundenlanger Fahrt ins Ungewisse in einem abgelegenen Waldstück an der Grenze zu Belgien Spuren, die auf einen Absturz hinweisen, doch als die Stelle jedoch näher begutachtet wird, mehren sich die Vorzeichen, dass hier statt Satellit oder Drohne nichts Menschliches vom Himmel gefallen ist…

„Found Footage“ die Drünfzigste, dieses Mal in Form von Videomaterial aus der Kamera von Filmstudenten, die zufällig Zeuge von einem Absturz eines Himmelskörpers werden, der sich wenig später als feindseliger Alien-Organismus entpuppt. Hätte ich im Vorfeld gewusst, dass sich Regisseur Daniele Grieco auch für die unsäglich lahme BWP-Kopie „Die Präsenz“ verantwortlich zeichnet, wäre der deutsche Genre-Beitrag „UFO – ES ist hier“ wohl eher nicht so schnell im Player gelandet. Doch zu meiner Überraschung ist der 2016 entstandene Streifen eigentlich sehr solide ausgefallen und überrascht mit durchaus stimmigen Drehorten, natürlichen Darstellern und ein paar nette Ekel-Effekte, die zwar sparsam, aber durchaus effektiv eingesetzt werden. Klar gibt es im Mittelteil auch mal ein paar Durchhänger und auch das Finale hätte für meinen Geschmack etwas knackiger ausfallen können, aber aus der Ecke hat man schon wesentlich lahmere Sachen gesehen, als diesen niedrig budgetierten Streifen aus deutschen Landen, der durchaus auch mit regionalem Charme und mit eigenen Ideen punkten kann. Wer diese Art von Filme mag, kommt jedenfalls durchaus auf seine Kosten und einen Vertreter präsentiert, der sich auch nicht hinter seinen internationalen Kollegen verstecken muss.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 14. Apr 2017, 19:30

Cry Baby

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Im Rahmen der Musikfilm-Donnerstage ist „Cry Baby“ nun nochmals im Player gelandet und obwohl ich John Waters und sein Output sehr schätze ist der Streifen über den Rockabilly-Clan mitsamt Auflehnung gegen die spießige Gesellschaft schon eine wenig gehaltvolle Sache, bei der mich auch die Musik so überhaupt nicht anspricht. Sicherlich lässt sich der spaßige Streifen gut gucken, aber wenn man seine restlichen Filme heranzieht, ist „Cry Baby“ schon sein kommerziellstes und oberflächlichstes Ding, das den beißenden Spott seiner restlichen Filme fast zur Gänze vermissen lässt. Hier gibt es eher eine Parodie auf porentief-reine und jungendfreie Musikfilme der Fünfziger mit kleineren Seitenhieben auf die Gesellschaft, einem tollem Cast und einen vermeintlichen „Bad Guy“, der sich ins Herz einer jungen Frau singt und dabei mit Vorurteilen und einer Spießergang aufräumt. Hier stimmen zwar die Figuren, die Darsteller und auch die Settings, aber herausgekommen ist dennoch nur ein „mainstreamiger“ Musikfilm, der es dank Studio-Vorgabe allen recht machen will. Herausgekommen ist zwar eine sympathische Sache, die auch half seinen Regisseur und Hauptdarsteller bekannt zu machen, aber auf meiner persönlichen Waters-Rangliste rangiert der Streifen trotzdem nur auf dem letzten Platz.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 15. Apr 2017, 19:25

Don't Breathe

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Eigentlich ganz einfach gestrickter, aber ungemein effektiver Thriller über drei Jugendliche, die auf der Suche nach einem besseren Leben einen blinden Mann ausrauben wollen, der sich jedoch nur als vermeintlich leichtes Opfer entpuppt. Mehr gibt es zum Inhalt auch nicht zu sagen und Fede Alvarez macht aus der überschaubaren Grundkonstellation ein hübsch funktionales und noch schöner fotografiertes Spannungskino in Quasi-Echtzeit, dem auch bis zum Ende nicht die Ideen ausgehen. Zwar wäre meines Erachtens nicht jede Wendung unbedingt notwendig gewesen, aber darüber kann man ja gerne hinwegsehen, wenn man so derart mit angespannten Nerven förmlich in den Sessel gedrückt wird. Ein paar fiese Schreckmomente gibt es auch, sodass die Sichtung ja nicht gerade unter die Kategorie „Wohlfühl-Erlebnis“ geht. Hier ist das andere Ende des Spektrums angesagt bzw. 85 Minuten Hochspannung und ich finde es super, dass es der Streifen im Gegensatz zum über-hypten „Evil Dead“-Remake auch gar nicht nötig hat, dafür die Gore-Keule aus dem Keller zu holen – dort lauern ja auch bereits ganz andere Dinge…
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 16. Apr 2017, 19:17

österliche Nekro-Double: ;)

Nekromantik

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Robert arbeitet bei einem Reinigungsunternehmen, das nach Todesfällen aufräumt und ist dadurch tagtäglich mit unschönen Dingen konfrontiert. Doch das kommt dem introvertierten Mann sogar entgegen, da er und seine Freundin Betty eine morbide Vorliebe für Leichen und deren Teile haben. Als Robert eines Tages einen Leichnam aus der Firma entwendet und mit in die gemeinsame Wohnung nimmt, beginnt eine unselige Dreiecksbeziehung, die jedoch endet, als Robert seinen Job verliert. Betty verlässt ihn mit der verwesenden Leiche um anderswo glücklich zu werden und auch seine Versuche mit viel Alkohol, Sex und Gewalt Zerstreuung zu finden, schlagen fehl. Als er am Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist, entschließt er sich zu einem drastischen Schritt um in einem Akt der totalen Leidenschaft seine große Liebe wieder zurückzugewinnen.

Jörg Buttgereits kontroverser Low-Budget-Streifen „Nekromantik“ polarisiert ja schon seit seinem Erscheinen im Jahr 1987 das Publikum und anhand des Themas und der zeigefreudigen Darstellung liegt es auf der Hand, dass es sich hier um keinen Film für die breite Masse handelt. Bei Bildern von sexuellen Akten mit verwesenden Leichen und dem Schlachten eines Kaninchens wird schon ein guter Magen verlangt und dennoch ist „Nekromantik“ eine dieser wenigen filmischen Herausforderungen, der man sich durchaus stellen mag. Was man bei den drastischen Bildern, manchem nicht ganz so gelungenen Moment zu Beginn und den herben Spezialeffekten ja leicht übersieht ist die durchaus interessante Herangehensweise an ein absolutes Tabu-Thema, ein tiefschwarzer Humor und künstlerisch spannend gestaltete und entrückte Momente, in denen ein morbider Geist beschworen wird. Klar geht es hier in erster Linie um den Tabubruch und die damit verbundene Aufmerksamkeit, aber Jörg Buttgereit ist kein Amateur-Filmer aus der Fremdschäm-Ecke, sondern durchaus ein guter Mann, der auch weiß was er tut. Das ist aber auch dem Zuschauer angeraten, aber wenn ein berüchtigter Titel wie „Nekromantik“ im Player landet, dann kann man wohl jeder erahnen, dass hier kein handelsüblicher Horrorstreifen zu erwarten ist.

Nekromantik 2

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Nach dem Selbstmord des nekrophilen Robert wird dessen Leichnam von der Krankenschwester Monika ausgegraben, die dieselbe fragwürdige Leidenschaft für tote Körper ihr Eigen nennt. Sie nimmt den verwesenden Körper mit nach Hause, reinigt ihn und lebt mit ihm fortan wie in einer Beziehung zusammen. Als Monika eines Tages von dem Mark angesprochen wird und so etwas wie eine neue Liebesgeschichte entsteht, ahnt der Synchronsprecher jedoch nichts von der Vorliebe seines Dates. Als Mark nach einer gemeinsam verbrachten Nacht im Kühlschrank von Monika ein Teil von Roberts konserviertem Körper findet, kommt es zum ersten Bruch und auch der Versuch, sich wieder mit ihr zu versöhnen, bleibt nicht ohne tragische Konsequenzen…

Der 1991 entstandene „Nekromantik 2“ ist ja auch deswegen unrühmlich bekannt, da eine Vorstellung des Streifens im Münchner Werkstattkino – der Platz unseres diesjährigen Forentreffens – unterbrochen werden musste und die Filmkopie quasi aus dem Projektor beschlagnahmt wurde. Im Gegensatz zum ersten Teil entstand um den Nachfolger auch eine entbehrliche Kontroverse zum Thema Gewaltdarstellung und Jörg Buttgereit und sein Streifen wurden zum Ziel von deutschen Zensoren. Durch die besseren Produktionsbedingungen wirkt der Nachfolger des Underground-Streifen über das Tabu-Thema Nekrophilie auch weniger entrückt als der Vorgänger und ist auch ein herbes Stück Underground-Kino, dass dem Zuschauer so einiges abverlangt. Dennoch ist „Nekromantik 2“ kein handelsüblicher Horrorstreifen mit Gewaltdarstellungen am laufenden Band, sondern eher ein etwas experimentelles, eher unaufgeregt erzähltes Drama mit drastischen Bildern und schöner Piano-Musik über eine junge Frau und ihre Vorliebe zu toten Körpern, die naturgemäß in einer Tragödie enden. Ein guter Magen ist aber auch hier wieder Voraussetzung und wie schon im Vorgängen gesellen sich zu den gelungenen FX auch Tiersnuff in Form eines Autopsie-Videos, dass seine Wirkung ebenfalls nicht verfehlt. Ein herber Trip in die Abgründe von Sex und Gewalt, bei der man sich aber auch gut vorstellen kann, wie sich sein sympathischer Macher angesichts entsetzter Blicke des Publikums auch schelmisch ins Fäustchen lacht.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 17. Apr 2017, 19:09

Blue Ruin

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Für seine 16er-Freigabe eigentlich recht herber Thriller des „Green Room“-Regisseurs Jeremy, der hier kurzerhand das Genre des Rache-Thrillers neu definiert bzw. den Zuschauer mit einer interessanten Hauptfigur überrascht. Statt dem coolen und eiskalten Rächer ist hier mit Dwight eine Person am Werk, der man so etwas wohl normalerweise eher nicht zutrauen würde und natürlich läuft in der emotionalen Ausnahmesituation die ganze Sache auch nicht so wie geplant. Es dauert im Falle von "Blue Ruin" ja auch nicht lange bis zum ersten Mord, doch danach ist die Geschichte noch nicht fertig erzählt und die Spirale der Gewalt dreht sich in weiterer Folge munter weiter. Dabei wird die ganze Geschichte sehr nüchtern erzählt und auch die Gewalt ist hier nicht „cool“, sondern dreckig und ziemlich schmerzhaft. Nebenher besticht der Film durch schön fotografierte Bilder, authentische Figuren, gute Darsteller und eine unaufgeregte Herangehensweise, die immer wieder durch sauspannende Momente und unerwarteten Wendungen durchbrochen wird. Herausgekommen ist ein moderner und auf seine wichtigen Bestandteile reduzierter Thriller zwischen Action, Road-Movie und Drama ohne viel Schnickschnack, der den Zuschauer auch so richtig packt, überrascht und plättet. Alles richtig gemacht!

Scouts vs. Zombies - Handbuch zur Zombie-Apokalypse

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Ben, Carter und Augie sind die letzten verbliebenen Mitglieder einer örtlichen Pfadfindergruppe und vor allem Ben und Carter sind gedanklich eher bei ihrer Libido, als bei den praktischen Übungen in Wald und Wiesen. Als die beiden eines Tages zu einer Party eingeladen werden, lassen sie daher mit schlechten Gewissen ihren Freund Augie im Pfadfinderlager zurück, der an diesem Abend ein wichtiges Auszeichen verliehen bekommen soll. Doch der Abend verläuft ohnehin nicht wie geplant und statt Party und Alkohol steht plötzlich die Zombie-Apokalypse am Programm, von der die Stadt überraschend heimgesucht wird. Im Verlauf des turbulenten Abends müssen Ben und Carter daher nicht nur wieder das Vertrauen ihres Kumpels erlangen, sondern sich auch gegen Herrscharen von Untoten erwehren und ihre Mädchen von der Party retten, wobei sich hier das angeeignete Pfadfinderwissen als durchaus hilfreich entpuppt…

Turbulente und augenzwinkernde Mischung aus Zombie-Komödie und „Coming-of-Age“-Streifen aus der Kategorie Fun-Splatter und Party-Film, der eigentlich recht gelungen ist. Zwar ist der Humor in „Scouts vs Zombies - Handbuch zur Zombie-Apokalypse“ schon etwas zotig und nicht immer ganz geschmackssicher, aber die jugendlichen Helden in dem Streifen sind sympathisch bzw. haben das Herz am richtigen Fleck und auch eine gesunde Härte wird immer wieder durch humorvolle Momente kompensiert, was auch die eher niedrige Freigabe erklärt, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Der Film hält sich ja auch nicht lange auf mit Erklärungen, sondern konzentriert sich eher auf die drei Pfadfinder, die sich in einer schicksalshaften Nacht zwischen Freundschaft und Loyalität bzw. dem Ernst des Lebens mit „Sex, Drugs und Alcohol“ entscheiden müssen. Dabei erreicht „Scouts vs. Zombies“ zwar nicht die Klasse von „Shaun of the Dead“ hat aber ein paar sehr nette Ideen, viele Lacher und bleibt auch bis zum Finale durchgehend ziemlich spaßig. Alles in allem schon ein netter und überraschend unterhaltsamer Untoten-Streifen für zwischendurch, der Fans von Fun-Splatter auch nicht enttäuschen sollte.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 20. Apr 2017, 20:35

Escalofrio - Satan's Blood

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jogiwan hat geschrieben:Sympathischer, effektiver und auch sehr freizügiger B-Grusler aus spanischen Landen, der mit der Geschichte über ein nettes Pärchen das in die Hände von Satansjüngern fällt, durchaus zu überzeugen vermag. Irgendwo zwischen "Rosemarys Baby" und "The perfume of the Lady in Black" kocht Regisseur Carlos Puerto sein eigenes Okkult-Süppchen, das mir persönlich sehr gut gemundet hat. "Satan's Blood" ist zwar eher ruhig, wird aber mit zunehmender Laufzeit immer spannender. Die Auflösung mag zwar etwas wirr anmuten, passt aber sehr gut zu dem überdurchschnittlichen Film und das Ende passt auch super zu dem tollen Film. Mit Spanien-Bonus gerne 7-8/10 Punkten.


Auch knapp sieben Jahre später ist „Schock – Satan’s Blood“ ja noch immer ein netter, obskurer und vor allem ziemlich freizügiger Grusler aus Spanien über ein junges Pärchen, dass an einem Wochenende von scheinbar Bekannten angesprochen und in ein Haus eingeladen werden, in dem sich danach bald seltsame Dinge ereignen. Dabei ist der Streifen anfänglich eher ruhig und unaufgeregt erzählt, ehe er mit zunehmender Laufzeit immer schräger wird. Herzstück des Streifens ist dabei eine längere Szene in der Mitte, in der sich Sex und entrückter Wahnsinn die Klinke in die Hand geben und auch das Ende weiß natürlich ebenfalls sehr gut zu gefallen. Als Fan von europäischen Werken kommt man an diesem schönen Streifen jedenfalls nicht vorbei und auch die Qualität der neuen Scheibe aus dem Hause Ostalgica kann man wohl als sehr gut bezeichnen. Zwar gab es im Vorfeld ein paar Querelen über die Rechte und man muss leider abseits von drei Trailern auf jeglichen Bonus leider verzichten, obwohl es diesen gegeben hätte, aber die Klasse des Films lässt dieses rasch vergessen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 21. Apr 2017, 20:25

Nudist Colony of the Dead

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„Nudist Colony of the Dead“ ist leider eine sehr zwiespältige Sache und so absolut großartig die Idee zu dem Streifen auch sein mag, so mau und unausgegoren präsentiert sich letzten Endes der Streifen dem Zuschauer. Technisch ist hier alles auf einem sehr geringen Niveau, was mich persönlich ja nicht so stören würde, aber das lahme Drehbuch verzettelt sich ständig auch noch in irgendwelchen Nebensächlichkeiten bzw. billigen und pubertären Witzen und die Nudisten- und Zombie-Sache wird ja auch nur am Rande gestreift. Stattdessen gibt es in dem Grusical vorwiegend ähm… jugendliche Figuren im Bibelcamp, die nervige Dinge labern und sich auf einmal mit Nudisten-Zombies auseinandersetzen müssen, die ihrerseits mit konservativen Gläubigen aus der Vergangenheit noch eine Rechnung offen haben. Dazwischen gibt es ein paar Songs, die mich auch nicht vom Hocker gerissen haben und ehe man sich versieht, ist die ganze Sache auch schon wieder vorbei, ohne nennenswerten Eindruck hinterlassen zu haben. Klar zählt „Nudist Colony of the Dead“ sicher zu den seltsamsten Genre-Beiträgen aller Zeiten, aber er ist leider auch weit davon entfernt ein Guter zu sein. Mit etwas mehr Einsatz, Budget und einer richtigen Geschichte wäre vermutlich ein herrlicher Streifen daraus geworden, aber so ist das leider statt sympathischem Genre-Kuriosum nur ein amateurhafter Low-Budget-Flick mit etwas Musik, untoten Nudisten, nervigen Figuren und lahmen Witzen.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 22. Apr 2017, 19:32

Lights Out

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Rebecca ist eine junge, äußerlich selbstbewusste Frau mit Bindungsängsten, die eines Tages mit den mysteriösen Erlebnissen ihres kleinen Bruders Billy selbst von der eigenen Vergangenheit eingeholt wird. Dieser fürchtet sich auf einmal in der Dunkelheit, schläft tagsüber im Unterricht ein und spricht von einer furchtbaren Gestalt, die nachts im Haus der Mutter herumschleicht und jegliches Licht meidet. Diese Gestalt war es auch, die Rebecca veranlasste, das Elternhaus und ihre psychisch labile Mutter Hals über Kopf zu verlassen um ihr eigenes Leben zu führen. Als sie beschließt ihrem Bruder zu helfen und diesen ein paar Tage bei sich wohnen lässt, häufen sich seltsame Ereignisse in der Dunkelheit und Rebecca bleibt nichts anderes über, als sich neuerlich ihrer Vergangenheit und somit auch ihren tiefsten Ängsten zu stellen, was auch für Außenstehende nicht ohne Folgen bleibt.

Recht hübsch aussehender und funktionaler Horrorfilm von David F. Sandberg, der mit seinem gleichnamigen Kurzfilm ja bereits 2013 für einiges Aufsehen und erschreckte Gesichter sorgte. Der Langfilm nimmt die Idee des Monsters im Dunkeln und bastelt darum aber eine etwas weniger originelle Geschichte um ein Wesen, das sich im Umfeld einer psychisch labilen Mutter bewegt und auf alles feindselig reagiert, was in deren Nähe kommt. Dabei bietet „Lights Out“ neben durchaus sympathischen Figuren auch gleich eine ganze Handvoll knackiger Schreckmomente, die sich aber im Verlauf des Streifens jedoch etwas zu oft wiederholen und dadurch auch etwas abnutzen. Das Unwohlsein in der Dunkelheit kennt ja jeder und Herr Sandberg nutzt diese Urangst des Menschen um den Zuschauer gleich mehrfach die Nackenhaare aufstellen zu lassen. Die etwas vorhersehbare Geschichte fand ich aber weniger originell und anstatt das Grauen auf subtile Weise zu kreieren geht das Ende dann auch in Richtung Hui-Bui-Geisterbahnfahrt, was man in US-amerikanischen Geisterhaus-, Puppenhorror und Besessenheitsfilmen einfach auch schon zu oft gesehen hat. Was bleibt ist ein netter Genre-Streifen für die breite Masse, der durchaus seine Momente hat und sich auch in Punkto Gewalt angenehm zurückhält, aber insgesamt und abseits von seiner Grundidee auch etwas zu beliebig und wenig nachhaltig wirkt.

Tanz der Teufel

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Mit dem Genre-Klassiker „Tanz der Teufel“ hat wohl jeder hier seine ganz eigene Geschichte und meine erste Begegnung war in Form einer abgenudelten VHS-Kopie, die einem am Schulhof als „schrecklichster Horrorfilm aller Zeiten“ in die Hand gedrückt wurde. Was seinerzeit ja noch als unrühmliche Low-Budget-Splattergranate abgefeiert wurde, ist mittlerweile anerkanntes, vielfach kopiertes und unbestrittenes Popkulturgut mit FSK16-Freigabe und die neue Blu-Ray-Disc biete auch in Punkto Bildqualität keinerlei Kritikpunkte. Der Streifen sah nie besser aus und offenbart auch die Kreativität der Macher, die hier aus beschränkten Mitteln auch das Maximum herausholen. So ist schon die mit bedrohlichen Klängen unterlegte Kamerafahrt über den See aus denen unheimliche Rauchschwaden und Blubberbläschen aufsteigen herrlich unheimlich und was danach folgt ist ein wahres Feuerwerk aus Geschmodder, Terror und tiefschwarzen Humor, über das man hier auch nicht mehr viel Worte verlieren muss. Die unrühmliche deutsche Zensur hat mittlerweile ja auch Frieden mit dem Werk geschlossen und so kann im Jahre 2017 und knapp 36 Jahre nach Entstehung dieses Klassikers auch jeder und absolut jeder zufrieden sein.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 23. Apr 2017, 20:20

Butti-Triple:

Schramm

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In dem 1993 entstandenen Underground-Werk „Schramm“ entführt uns der Berliner Regisseur Jörg Buttgereit in die Welt eines Serienmörders, der nach außen hin scheinbar ein biederes Leben als Taxifahrer, Einzelgänger und freundlich-besorgter Nachbar führt. In dem eher experimentellen Werk werden jedoch nicht die schockierenden Taten des Mörders thematisiert, sondern seine eigene, ganz bizarre Gedankengänge, die aus Paranoia und wiederkehrenden Gewaltfantasien bestehen, in dem der Mann seine Taten immer wieder durchlebt und die ihn auch zu selbstverstümmelnden Taten treiben. Dabei ist „Schramm“ auch kein Werk, das versucht irgendwelche Sympathien für seine traurige Figur zu generieren oder die Morde „cool“ wirken zu lassen, sondern die nüchternen Bilder bleiben auf Distanz, abstoßend und offenbaren ein verpfuschtes Leben, das irgendwann endgültig den Halt verloren hat. Hauptdarsteller und „Mutter“-Drummer Florian Körner von Gustorf wirkt einerseits sympathisch, schrullig, introvertiert und im nächsten Moment zu allem bereit und ist wohl auch die ideale Besetzung für einen derartigen Streifen, der sich wie auch alle anderen polarisierenden Werke von Buttgereit eher an eine Zuschauerschicht richtet, die diese herben Bilder und Inhalte auch aushalten kann.

Der Todesking

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„Das ist der Todesking – er macht, dass die Menschen nicht mehr leben wollen“ spricht ein junges Mädchen in die Kamera und zeigt auf eine selbstgezeichnete Figur, nachdem der Zuschauer in dem Episodenwerk Zeuge von sieben (Selbst-)Morden geworden ist. Dabei wird das Tabuthema Suizid auf sehr interessante Weise angegangen und neben der hier bereits erwähnten und bedrückenden Autobahnbrücken-Szene, gibt es in den 1989 entstandenen Streifen zu meiner Überraschung auch eine „Found Footage“-Episode (!!!) über eine Amokläuferin, die ein Metal-Konzert auf brutale Weise beendet. Auch der Rest überzeugt durch Trost- und Hoffnungslosigkeit, die hier von den grobkörnigen Bildern und dem elegischen Soundtrack noch zusätzlich unterstützt werden. Lose miteinander verbunden zeigt „Der Todesking“ zwischen den mit Wochentagen betitelten Episoden von verzweifelten Menschen Szenen einer verwesenden Leiche, die ebenfalls gut getrickst wurde. Ich war jedenfalls ziemlich überrascht, wie vielschichtig hier zu Werke gegangen wird und im Gegensatz zu seinen beiden „Nekromantik“-Teilen ist „Der Todesking“ ja fast schon zurückhaltend und mit seiner Thematik dennoch nicht minder verstörend. Eine Anthologie über den Freitod muss dann wohl genauso aussehen – entsprechende Distanz des Zuschauers vorausgesetzt. Hut ab!

Corpse Fucking Art

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„Corpse Fucking Art“ ist eine einstündige Dokumentation zu den Dreharbeiten zu Jörg Buttgereits „Nekromantik 1 & 2“ und „Der Todesking“ in denen die Entstehung der Werke gezeigt wird. Nach den Trailern zur Einleitung gibt es „Behind the Scenes“-Momente, sowie Einblicke in die Entstehung der Effekte, die mit Radio-Interviews mit dem Regisseur Jörg Buttgereit, seinen Produzent Manfred O. Jelinski und Autor Frank Rodenkirchen unterlegt sind. Neben teils drastischen Bildern gibt es auch einen kleinen Einblick in die Geschichte der Zensur, wie z.B. die berühmten Ereignisse im Münchner Werkstattkino bei der Aufführung von "Nekromantik 2" und dem eifrigen Bestreben diese unbequemen Filme zu verbieten.

Spannende und interessante Dokumentation über das Schaffen von Buttgereit, dass hier einen Blick hinter die Kulissen von drei berüchtigten Low-Budget-Produktionen in chronologischer Reihenfolge präsentiert. Dabei mag es für den Zuschauer doch überraschend wirken, wie humorvoll es hinter den Kulissen bzw. bei den Dreharbeiten zu den Filmen zu „Nekromantik“ und „Der Todesking“ zugegangen ist. Beginnend mit den Trailer gibt es jeden Menge unkommentierter „Behind the Scenes“-Momente, die mit unterschiedlichen Radio-Interviews unterlegt sind, bei denen die jeweiligen Interviewer wohl teils auch nicht so recht wussten, wie sie das Gesehene eigentlich einordnen sollen. Ebenfalls spannend der Einblick in die Welt der Effektkünstler bzw. mit wie viel Herzblut die Macher hier frisch und fröhlich ans Werk gegangen sind und einem beschränkten Budget zum Trotz Großartiges und Grausiges geschaffen haben und wie uneitel die Darsteller bei der Sache dabei waren. Am Ende der einstündigen Doku wird dann auch noch kurz die Zensur und die Beschlagnahme der Filmrolle zu „Nekromantik 2“ im Münchner Werkstattkino, auf die Buttgereit und Konsorten naturgemäß nicht gut zu sprechen ist. Vielleicht hätte man auch mehr auf die Intention der Macher eingehen sollen, aber auch so ist „Corpse Fucking Art“ ein hübscher Einblick in die Welt deutschen Undergroundkinos und ein würdiger Abschluss meiner kleinen Buttgereit-Retrospektive.
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Re: Friedhof ohne Kreuze - das Jess Rollin-Tribute-Filmtagebuch

Beitragvon jogiwan » 24. Apr 2017, 20:28

Die toten Augen des Dr. Dracula

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jogiwan hat geschrieben:"Operazione paura" ist Mario Bavas erdfarbener Trip in die Welt des klassischen Grusels mit viel Nebel, Spinnweben und einem heldenhaften Giacomo Rossi-Stuart, der in einem abgelegenen Ort einem düsteren Fluch auf die Pelle rückt. Die recht flotte Geschichte orientiert sich an den Geschichten eines Edgar Allen Poe und auch die Inszenierung wirkt auf die sympathischste Weise altbacken und ist trotzdem überraschend effektiv ausgefallen. Die Darsteller inklusive Erica Blanc spielen sich die Seele aus dem Leib, die Settings sind wunderbar stimmig und am Ende bietet "Die toten Augen des Dr. Dracula" ja gleich ein paar beeindruckende Momente, bei denen Bava sein Regie-Talent auch voll ausspielen kann. Spontan würde mich auch gar nichts einfallen, was ich an diesem absolut empfehlenswerten Streifen bemängeln könnte und besser gehts in Punkto Gothic Horror dann eigentlich gar nicht!


Auch die Sichtung der neuen Blu-Ray-Disc bestätigt diese Eindrücke neuerlich. Überraschend düsterer und doch so bunter Streifen - super! :nick:
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