Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Moderator: jogiwan

Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon horror1966 » 7. Dez 2010, 18:50

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Der Unsichtbare Dritte
(North by Northwest)
mit Cary Grant, Charles Manson, Martin Landau, Eva Marie Saint, Jessie Royce Landis, Leo G. Carroll, Josephine Hutchinson, Philip Ober, Adam Williams, Edward Platt, Robert Ellenstein, Les Tremayne, Philip Coolidge, Patrick McVey, Edward Binns
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Ernest Lehman
Kamera: Robert Burks
Musik: Bernard Herrmann
FSK 12
USA / 1959

Ein unbescholtener Werbefachmann gerät irrtümlich ins Fadenkreuz eines feindlichen Spionagerings. Gefährliche Profi-Killer hetzen ihn quer durch die USA. Schließlich kommt es auf dem Präsidenten-Denkmal am Mount Rushmore zu einem spektakulären Showdown.


So simpel und einfach sich die Inhaltsangabe dieses Agent-Thrillers auch anhört, so genial ist die hier erzählte Geschichte in Szene gesetzt worden. Erinnerungen an Hitchcock's früheres Werk "Die 39 Stufen" werden wach, in dem auch ein Unschuldiger durch ein ganzes land gejagt wurde, nur das es sich dort um Schottland handelte. "North by Northwest", so der Originaltitel dieses Hitchcock-Klassikers gilt nicht umsonst als eines der besten und unterhaltsamsten Werke des Meisterregisseurs, von dem sich auch viele später erscheinende Filme dieser Art inspirieren ließen. Hitchcock ist es nicht nur gelungen, eine tolle Geschichte enorm spannend in Szene zu setzen, er hat eine geniale Mischung aus Thriller, Krimi, Humor und einer Prise Liebesgeschichte zu kreieren, die wirklich ihresgleichen sucht. Von der ersten bis zur letzten Minute ist man insbesondere von der temporeichen Erzählweise der Story fasziniert, die in keiner einzelnen Passage auch nur annähernd langweilig erscheint und so ganzzeitig für extrem kurzweilige und abwechslungsreiche Unterhaltung sorgt, die man in dieser Form nicht alltäglich zu sehen bekommt.

So ist man dann auch ohne große Anlaufzeit inmitten einer rasanten Jagd durch die ganzen USA, die so fantastisch und kurzweilig dargestellt wird, das man kaum merkt, wie die über zwei Stunden Laufzeit dieses Films gnadenlos schnell an einem vorbeiziehen. Dabei ist es besonders hervorzuheben, das trotz der ernsten Thematik genügend Platz für sehr humorige Passagen bleibt. In erster Linie ist dafür der damalige Womanizer Cary Grant verantwortlich, der hier den Hauptcharakter Roger O. Thornhill auf eine so symphatische Art und Weise darstellt, das man ihn einfach liebgewinnen muss. Gerade in den Phasen des Films, in denen er sich in schier aussichtslosen Situationen befindet und auch um sein Leben fürchten muss, legt er einen fast umwerfenden Charme an den Tag und ist zu keiner Zeit um einen lockeren und witzigen Spruch verlegen. Der vorhandene Humor erweckt dabei aber zu keiner Zeit den Eindruck, das er auch nur im Entferntesten unpassend oder gar deplaciert wäre, alle Situationen sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt, so das hier wirklich ein Rädchen in das andere greift und so einen brillanten Gesamteindruck hinterlässt.

Aber nicht nur Cary Grant läuft zu absoluter Hochform auf und bietet Schauspiel der allerbesten Art, auch der Rest der Darstellerriege ist absolut perfekt ausgewählt und weiss durch überzeugendes Schauspiel den Zuschauer für sich zu gewinnen. So sieht man so bekannte Gesichter wie Charles Manson, Martin Landau oder auch die hübsche Eva Marie Saint, die die weibliche Hauptrolle spielt. "Der Unsichtbare Dritte" ist sogar bis in die kleinsten nebenrollen excellent besetzt, so das man sich ganz generell auf hervorragende darstellerische Leistungen freuen kann, was auch nicht unbedingt in vielen Filmen der Fall ist.

Es kommt eigentlich doch sehr selten vor, das man bei einem Film so rein gar nichts zum Meckern findet, aber hier trifft man auf einen der seltenen Fälle, wo negative Kritik absolut fehl am Platz wäre. In diesem Klassiker stimmt einfach alles, man bekommt von Anfang an einen brillanten dramaturgischen Spannungsaufbau geboten, der von einem extrem rasanten und temporeichen Erzählstil begleitet wird, der dafür verantwortlich zeichnet, das der Betrachter kaum einmal durchatmen kann, denn dafür lässt einem das durchgehend faszinierende Geschehen einfach keine Zeit. Hinzu kommt der genau richtig dosierte Humor, der diesem eigentlich sehr ernstgezeichneten Szenario genau die richtige Lockerheit verleiht, ohne das die Geschichte irgendwie albern wirken würde. Und abschließend ist dann noch die überragend agierende Darstellerriege zu nennen, die mitverantwortlich dafür ist, das man mit einem Filmerlebnis erster Klasse konfrontiert wird, das auch nach mittlerweile 50 Jahren rein gar nichts von seinem Reiz und Charme verloren hat.


Fazit:


"Der Unsichtbare Dritte" ist ganz sicher eines von Hitchcocks absoluten Meisterwerken, das auch wieder einmal aufzeigt, wie vielseitig dieser fantastische regisseur doch war. Denn ganz egal, ob Thriller, Drama, Horror oder Krimi, der Mann hatte ein Händchen für aussergewöhnlich gute Filme. Aussergewöhnlich gut sind hier auch die gewählten und teils sehr berühmten Schauplätze, so gewinnt man beispielsweise einen kurzen Einblick in das Gebäude der Vereinten Nationen und erlebt ein packendes Finale auf dem Mount Rushmore, das absolut zu begeistern weiss. Diesen Film kann man also ohne zu übertreiben als einen echten Klassiker der Filmgeschichte bezeichnen, den man sich immer wieder gern anschaut.


10/10
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon sergio petroni » 2. Mai 2013, 07:20

Zum ersten Mal nun auf DVD gesehen. Leider in meinen Augen nicht ganz so gut gealtert
wie manch anderer Hitchcock. Toll komponierte Einstellungen und eine vorzügliche Darstellerriege
sprechen für den Film. Die Szene mit der Doppeldeckerattacke auf Cary Grant war offensichtlich
Vorbild für manch anderen Regisseur. Hier leistet sich Hitchcock jedoch auch einen Patzer,
als er am Abend des gleichen Tages nach der Flugzeugattacke im Hotelzimmer von Ms. Saint eine
Zeitung zeigt, die in ihrer Schlagszeile auf den Doppeldeckerunfall eingeht.
Sehr gelungen ist auch wie die Umgebung der Black Hills um Mount Rushmore und das Nationaldenkmal
selbst im Finale in Szene gesetzt werden.
Für mich funktioniert das ganze jedoch insgesamt mehr als Krimikomödie denn als
Paranoiathriller. Von Hitchcock bevorzuge ich "Psycho", "Die Vögel" und "Frenzy" etwas mehr.
7/10

P.S.: Da dieser thread von horror1966 angelegt wurde, frage ich einfach mal so in den Raum:
Horror wo bist du? Vermisse die Lektüre Deiner Beiträge!
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon untot » 2. Mai 2013, 14:24

Hier muss ich mich dem Horror zu 100% anschließen, ich liebe diesen Film, für mich einer dieser mondänen, leicht unterkühlten Hollywood Produktionen von damals, die ich so sehr mag!
Ich liebe Cary Grant, sowas wie ihn gibt's ja heutzutage garnicht mehr.

10/10
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon Blap » 2. Mai 2013, 16:37

Immer wieder ein herrliches Filmerlebnis, garniert mit Spannung, Humor und prachtvollen Schauplätzen.

An dieser Stelle klarer Kauftipp für die sehr gute Blu-ray, die den Film endlich in angemessener Qualität für Heimanwender verfügbar macht. Obendrauf gibt es einen dicken Schlag Bonusmaterial. Wer noch immer zögert endlich einen BD-Player samt Glotze jenseits 60" (oder HD-Beamer + Leinwand) anzuschaffen, diese Auswertung sollte letzte Zweifel beseitigen!

Dicke 8/10 (sehr gut)
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon Theoretiker » 28. Jul 2013, 19:14

Dadurch, dass der geneigte Zuschauer in der ersten halben Stunde nie mehr weiß als der Hauptprotagonist, besteht gegenüber letzterem keinerlei Wissensvorsprung.

Obwohl das Gesehene eigentlich keinerlei Interpretationspielraum zulässt, entstehen bei Thornhill und anfangs auch beim Zuschauer gleichermaßen leichte Zweifel, ob das Geschehen tatsächlich so passiert ist.

Auch wenn die Geschichte eher konventionell ist, schafft es Hitchcock aufgrund dieser zwei Faktoren trotzdem, dem Zuschauer einen gewissen Suspense vorzugaukeln. Die Verwirrung ist dementsprechend groß, sodass die Spannung von Szene zu Szene ansteigt.

Hinzu kommt, dass es Thornhill gelingt, nicht nur seinen Häschern zu entkommen, sondern auch der Polizei. Neben dem Rätselraten, warum Thornhill Zielscheibe einer "unbekannten Macht" geworden ist, fiebert man mit ihm auf seiner Flucht und gleichzeitigen Suche nach den wahren Hintergründen mit.

So ist auch das, was in der ersten halben bis dreiviertel Stunde passiert, der beste Part des Films.

Ausgenommen zwei Szenen: Neben der berühmten "Maisfeldszene", in der Hitchcock beweist, dass man auch an völlig unschuldigen Orten und am helllichten Tag unerträgliche Spannung aufbauen kann, bleiben wohl die Szenen am Mount Rushmore bei jedem im Gedächtnis.

Auch wenn die SFX nicht als solche zu bezeichnen sind, ist deren Inszenierung ungemein "effektvoll".

Allein die Idee, den Mount Rushmore für eine Verfolgungsjagd zu nutzen, ist grandios, auch wenn es sicherlich dem einen oder anderen Amerikaner nicht gefallen haben dürfte, dass jemand auf den vier bekanntesten Präsidenten "herumkraxelt" und "Räuber und Gendarm" spielt.

Ein konstanter Storyfluss bleibt stets erhalten, dass Tempo ist angenehm und die gesamte Inszenierung kann auch aufgrund humoristischer Untertöne als geradezu "easy" bezeichnet werden.

Auch wenn Thornhill recht unfreiwillig die Rolle des Retters wichtiger staatlicher Geheimnisse übernimmt, so ist doch der Mix aus Thriller mit Actionelementen wohl der erste Schritt in die Richtung der heutigen actionlastigen Agententhriller. North by Northwest hat damit auch maßgeblich heutige Genres beeinflusst und hierfür die ersten Ideen geliefert.

Cary Grant überzeugt vollauf in seiner Rolle, gerade auch wegen des humoristischen Untertons dieses Films, auch wenn er das eine oder andere Mal leicht zum Overacting neigt, wofür er ja letztendlich auch bekannt geworden ist.

Eva Maria Saint halte ich für eine nicht so glückliche Besetzung, sie ist Grant nicht gewachsen und bleibt doch ein wenig blass. Da haben mir zB Tippi Hedren oder aber Kim Nowak in anderen Werken Hitchcocks doch besser gefallen und einfach ausdrucksstärkere Leistungen abgeliefert. Okay, es liegt vielleicht auch daran, dass sie mir als Typ nur wenig zusagt.

James Mason agiert gewohnt souverän und geradezu unterkühlt, so dass sein Spiel hervorragend zur Rolle passt.


Fazit:

Der Meister des Suspense liefert hier seinen wohl besten "lupenreinen" Thriller ab. Auch wenn er aufgrund der eher konventionellen Story vielleicht nicht ganz an "Psycho" oder "Die Vögel" heranreicht, gehört er doch imho zu Hitchcocks Top 5.

Absolut und uneingeschränkt empfehlenswert! 9/10
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon ugo-piazza » 20. Mär 2017, 21:09

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USA 1959

OT: North by northwest

D: Cary Grant, James Mason, Eva Marie Saint


Der Werbefachmann Roger Thornhill (Cary Grant) ahnt nichts Böses, als er plötzlich aus heiterem Himmel von Agenten entführt wird. Die Kidnapper unterliegen einem fatalen Irrtum: Sie glauben, Roger sei ein Spion namens George Kaplan. Der feindliche Agent Phillip Vandamm (James Mason) und sein Helfershelfer Leonard (Martin Landau) bekommen aus Thornhill jedoch nichts heraus, weil der überhaupt nicht weiß, um was es eigentlich geht. Nachdem sie den vermeintlichen Kaplan betrunken gemacht haben, setzen sie ihn in ein Auto, um ihn bei einem inszenierten Unfall zu töten. Doch die Polizei kann Thornhill vor dem Tod bewahren. Nur seine Geschichte glaubt ihm niemand, auch seine Mutter (Jessie Royce Landis) nicht, was angesichts mangelnder Beweise kein Wunder ist. So bleibt Thornhill nichts anderes übrig, als weiterhin zu flüchten... (filmstarts.de)


Hitchcocks klassisches Thema des unschuldig Verfolgten in der End-50er-Variante. Cary Grant ist grandios als möchtegernwichtiger Werbefuzzi "Tornhill" (das "th" kannte der Synchroautor nicht), der berechtigterweise Angst vor Flugzeugen hat, jede Kunstauktion sprengt und mit Ms. Saint nicht nur heilige Sachen macht. Der Film mischt Action und Humor in gutem Verhältnis, ansonsten hat Hitch sich hier (nicht nur beim Schluß am Mt. Rushmore) auch bei seinem 1943er "Saboteure" bedient, und der ist gewiss keine schlechte Vorlage. "North by Northwest" ist freilich eines der Highlights in Hitchcocks Schaffen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon Arkadin » 21. Mär 2017, 13:16

Der einzige Film, den ich mir sage und schreibe dreimal gekauft habe.

Nein... nicht weil ich ständig vergesse, dass ich den schon habe. ;)
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon Akasava_Teufel » 23. Mär 2017, 11:11

Habe den auch dreimal :lol:
Einzel DVD
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BD

Der Film ist schon sehr gut. Viele unvergessliche Szenen und ein klasse aufgelegter Cary Grant. Zwar nicht mein liebster Hitch aber sicher einer seiner besten
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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon buxtebrawler » 23. Mär 2017, 12:05

Ich hab' schon ewig die VHS herumstehen, muss demnächst mal gesichtet werden...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Der unsichtbare Dritte - Alfred Hitchcock

Beitragvon Blap » 23. Mär 2017, 12:12

buxtebrawler hat geschrieben:Ich hab' schon ewig die VHS herumstehen, muss demnächst mal gesichtet werden...


Dringend! Obschon VHS eher nicht das angemessene Medium für diesen Film ist. Egal, mach hin! :D
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