Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestro

Alles aus Italien was nicht in die anderen Threads gehört.

Moderator: jogiwan

Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestro

Beitragvon jogiwan » 5. Aug 2012, 16:10

Deported Women of the SS Special Section

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Originaltitel: Le Deportate della sezione speciale SS

Alternativitel: Special SS Women

Herstellungsland: Italien / 1976

Regie: Rino Di Silvestro

Darsteller: John Steiner, Lina Polito, Stefania D'Amario, Erna Schürer, Sara Sperati

Story:

Eine Gruppe Frauen wird mit einem Zug zu einem KZ irgendwo in Deutschland gebracht. Dort angekommen werden die sie sofort konfrontiert mit der menschenverachtenden Behandlung der Mitgefangenen und müssen bald am eigenen Leib Folter und Demütigung ertragen. Die Mißhandlungen unterliegen der Willkür der lesbischen und sadistischen Aufseherin. Oberkommandant Erner versucht indessen seine Jugendliebe Tanja zu erobern, diese befindet sich unter den Gefangenen und schmiedet bereits einen grausamen Racheplan...
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon ugo-piazza » 5. Aug 2012, 19:20

wat jibbet denn da releasetechnisch?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon Blap » 5. Aug 2012, 19:32

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Zehn Filme auf fünf DVDs. Scheint ein sehr interessantes Set von BCI zu sein, leider OOP.
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon jogiwan » 26. Aug 2012, 07:58

N.Ploitation-Filme glänzen ja selten durch ihre Geschmackssicherheit und auch "Deported Women of the SS Special Section" ist da keine Ausnahme. Rino Di Silvestros Ausflug in das Genre setzt seinen Schwerpunkt dann auch eher auf den weiblichen Körper, als die Gräuel des Krieges. Ausgiebige Körperpflege wird jedenfalls groß geschrieben die episodenhafte Handlung recht lose miteinander verknüpft. Neben ein bisschen Schmodder gibt es aber auch ein paar grandiose Momente, wenn zum Beispiel der abgewiesene Kommandant Erner nachdem er von seiner Jugendliebe abgewiesen wird, sich kurzerhand an seinem Wachmann mit dem Namen Dobermann sexuelle Befreiung verschafft.

Am Soundtrack von Stelvio Cipriani und darstellerisch gibts auch nicht viel zu meckern und neben einem tuntig agierenden John Steiner gibt es auch noch Erna Schürer und Solvi Stubing als deutsche Aufseherinnen zu sehen, die im gleichen Jahr auch in "Die Nacht der blanken Messer" zu sehen waren. Die restlichen Damen waren mir unbekannt, was auch daran liegt, dass von den meisten auch nicht der Kopf zu sehen ist. Die amerikansiche DVD hat zwar eine sehr schlechte Qualität und erinnert an eine farblose VHS, dafür wird aber neben Englisch immer wieder mal deutsch gesprochen. Insgesamt ein doch sehr sleaziger Vertreter, der zum Glück auf allzu geschmacksbefreite Momente und Archivaufnahmen verzichtet und so ingesamt auch eher harmlos bleibt. Wer gerne Bärchen guckt ist mit "Deported Women of the SS Special Section" aber sicherlich an der richtigen Adresse...
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon Blap » 26. Aug 2012, 13:09

Mhhmm... Ich habe die "Lethal Ladies" von BCI bestellt, ein Händler aus Gro0britannien hatte das Teil zum fairen Preis im Angebot.
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon jogiwan » 26. Aug 2012, 13:13

Ich hab die auch recht günstig bekommen, allerdings würde ich mir von der Quali nicht zuviel erwarten. Die "Deported" hat wirklich kein schönes Bild und auch das von "Mädchen im Knast" hat wohl schon bessere Tage erlebt. Trotzdem kann man die Filme gucken und eine bessere VÖ wirds wohl nicht so schnell geben...
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon Nello Pazzafini » 27. Aug 2012, 12:58

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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestr

Beitragvon Blap » 27. Aug 2012, 16:14

jogiwan hat geschrieben:Die "Deported" hat wirklich kein schönes Bild und auch das von "Mädchen im Knast" hat wohl schon bessere Tage erlebt. Trotzdem kann man die Filme gucken und eine bessere VÖ wirds wohl nicht so schnell geben...


Was solls, da muss man eben durch. Das Set hat ja noch ein paar andere Perlen an Bord. ...und bei den "Sister Fister" Sausen ist die Qualität sowieso egal, schliesslich zieren die Analis-DVDs mein Regal des Schreckens.

Edit: Stimmt ja gar nicht. "Sister Street Fucker" habe ich als Double Feature auf BD und den ersten Streifen zusätzlich von Anolis (DVD).
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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestro

Beitragvon jogiwan » 28. Apr 2014, 17:39

Anfang Juni bringt das Ami-Label Intervision den N-Ploitation-Streifen "Deported Women of the SS Special Section" unter dem etwas irreführenden Titel "Gestapo's last Orgy" auf DVD und hoffentlich in etwas besserer Qualität als die bisherige US-DVD!

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es geht aber um den hier: http://www.ofdb.de/film/18958,Deported- ... al-Section

und nicht (!) um den hier: http://www.ofdb.de/film/27450,Ultima-or ... Reich-L%27

anscheinend gibt es aber auch ein alternatives Artwork mit dem korrekten Titel... ich kenn mich jetzt nicht mehr aus... ;)

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Re: Deported Women of the SS Special Section - Rino Silvestro

Beitragvon Salvatore Baccaro » 17. Mär 2017, 16:39

Ratternd und schaukelnd fährt ein Zug durch die stockfinstere Nacht. In ihm wartet eine Gruppe verängstigter junger Frauen im Dämmerlicht einer einzigen Glühbirne darauf, an ihrem Bestimmungsort einzutreffen. Endlich scheint der Zielbahnhof erreicht. Nebelschwaden wabern in der Luft, und rohe Männer, von denen unsere Heldinnen in Empfang genommen werden. Per Auto-Konvoi geht es weiter durch die noch immer stockfinstere Nacht bis im Kegel der Wagenscheinwerfer das Gemäuer einer Burg zu erkennen ist. Schatten spielen auf den bedrohlichen Zinnen, und Frauen schälen sich aus der Dunkelheit, von denen unsere Heldinnen in Empfang genommen werden. Enge Treppenhäuser voller unebener Steinstufen geht es hinab zu den Kammern, die man für die Gäste bereits hergerichtet hat. Bevor sie einschlafen, wirft manche unserer Heldinnen noch einen verstohlenen Blick zu den vergitterten Fenstern, die kaum genug Mondlicht hereinlassen, dass man mehr als diffus erahnen kann wie unheimlich der Ort wirklich ist, an den es die wehrlosen Mädchen und uns als ihre ebenso wehrlosen Zuschauer verschlagen hat. Nein, damit habe ich nicht etwa den Auftakt eines beliebigen Gothic-Horrorfilms beschrieben, sondern stattdessen die ersten knapp zehn Minuten von Rino di Silvestros Naziploitation-Klassiker LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE SS aus dem Jahre 1976. Dass der aber tatsächlich nichts anderes ist als ein Gothic-Horrorfilm, der sich in einer Nazi-Uniform versteckt hat, möchte ich im Folgenden kurz beweisen.

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Natürlich, Rino di Silvestro kehrt für seinen Film einmal mehr alle Ingredienzien des Naziexploitationismus zusammen, das sich Mitte der 70er auf seinem kurzen, aber delirierenden Höhepunkt befindet. LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE SS ist weniger ein Spielfilm mit psychologisch ausgefeilten Figuren und einer klaren Handlung, die sich von einem Punkt A über einen Punkt B zu einem Punkt C bewegt, sondern ähnelt mehr einer Sammlung von Momentaufnahmen und Fragmenten, die letztlich lediglich schildern, was eine bestimmte Gruppe von Frauen in einem zum NS-Arbeitslager umfunktionierten Burg so alles erlebt und erduldet – und das wiederum hält sich, wie gesagt, streng an die einmal etablierten Grundparameter des Genres. Ausnahmslos handelt es sich bei unseren austauschbaren, gesichts- und geschichtslosen Heldinnen um politische Gefangene – schön zu erkennen an den roten Dreiecken ihrer Arbeitskleidung -, irgendwelche konkrete Hinweise auf den Nationalsozialistischen Umgang mit Anhängern einer bestimmten monotheistischen Religion sucht man, bis auf eine kleine Ausnahme, vergebens. Auch entsprechen unsere Heldinnen nahezu ausnahmslos dem gängigen westlichen Schönheitsideal für Frauen, und geizen nicht mit ihren Reizen, sondern bekommen vom Drehbuch mehr als genügend Gelegenheiten, sich bis auf die Haut auszuziehen, sei es nun, weil sie vom sadistischen Burgherrn gedemütigt, von lesbischen Wärterinnen zwischen deren Schenkel gedrängt oder zur Initiation einer ausgiebigen Schamrasur unterzogen werden. Während unsere Heldinnen wahlweise Martern ausgesetzt sind, romantische Liebesbeziehungen zu den wenigen männlichen Wachmännern knüpfen oder Pläne für den Ausbruch schmieden, verhalten sich auch die Figuren am andern Ende der Skala genauso wie man es von ihnen erwarten darf: Die Wärterinnen sind wandelnde Stiefel- und Uniform-Fetische, haben stets einen phallischen Knüppel in der Hand, und geilen genauso nach Lustseufzern wie nach Schmerzensschreien ihrer Opfer. Angeführt wird die Meute von einem gewissen Herr Erner, kongenial verkörpert von einem John Steiner, der es sich beim Dreh zur Selbstaufgabe gemacht zu haben scheint, einen der groteskesten SS-Offiziere der Filmgeschichte zu geben. In heißer Leidenschaft zu Häftling Tania entbrannt, die er schon zu Friedenszeiten umworben hat, weiß er nicht recht, soll er die Angebetete mit Gewalt in sein Bett zwingen oder mit Schmeichelworten, und tut schließlich abwechselnd beides. Zugleich aber verfolgt der effeminiert auftretende Erner homoerotische Praktiken mit seinem treuen Diener Dobermann, und ergötzt sich, in Nachfolge der Libertins von Pasolinis SALÓ, an solchen Spektakeln wie dem öffentlichen Geschlechtsverkehr zwischen einer Gefangenen und einem SS-Mann, mit dem sie unerlaubterweise in Liebesträumen geschwelgt hat. Im Grunde erschöpft sich die Handlung von LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE bereits in diesen wenigen skizzenhaft hingeworfenen Zeilen. Man sieht unsere Heldinnen so gut wie nie bei der Arbeit, dafür interessiert sich di Silvestro viel zu sehr dafür, ihre rasierten oder unrasierten Schambereich inflationär in Großaufnahmen zu zeigen, und sich an den zahllosen Nazi-Symbolen zu berauschen, die selbstzweckhaft beinahe jede Szene ausstaffieren.

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Bis hierhin könnte man LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE abhaken als recht typischen Naziploitation-Vertreter, der für den, der dieser Art von Frauenlagerfilmen etwas abgewinnen kann, genau die standardisierten Szenarien offeriert, die sein Publikum von ihm verlangt. Rino di Silvestro entscheidet sich jedoch für eine subversivere Taktik: Während er, was die Narration betrifft, eine Zutat nach der andern abspult, die ein Nazi-Exploiter besitzen muss, um als solcher zu gelten, verpackt er das Ganze in eine Ästhetik, die, wie gesagt, vollkommen dem gotischen Schauerfilm abgeguckt ist. Bläulich-violettes Licht versieht die Bilder mit Tupfer, die direkt aus der Zauberwerkstatt Mario Bavas herübergespritzt zu sein scheinen. An den Steinmauern vertreiben sich die Schatten die Zeit mit ausgelassenen Chiaroscuro-Spielen. Das Setting entspringt sowieso voll und ganz der Schauerromantik: Nicht das übliche schmutzige, vornehmlich aus Holzbarracken und Wachtürmen bestehende Lager irgendwo in Feld und Flur ist es, in dem di Silvestro seine deportierten Frauen unterbringt, sondern die Burg von Orsini-Odescalchi in Bracciano nahe Rom, deren Verliese, Festsäle und Geheimgänge freilich eine ganz andere Atmosphäre transportieren als die unterkühlten, nahezu klinisch nackten Räumlichkeiten in vergleichbaren Werken wie Bruno Matteis KZ9 – LAGER DI STERMINO (1977) oder Sergio Garrones SS LAGER 5 – L’INFERNO DELLE DONNE (1977). Gerade in Anbetracht des überbordenden NS-Inventars an Flaggen, Uniformen und Hitler-Gemälden kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, Silvestro habe das spirituelle Zentrum der SS, die Wewelsburg nahe Paderborn, im Auge gehabt, als er das Drehbuch vorliegenden Films verfasste – mit Herr Erner als Heinrich Himmler, der sich als okkulter Ordensgroßmeister auf Stühlen mit eingravierten Pentagrammen räkelt. Wie von selbst ergeben sich aus der Kulisse heraus übrigens auch die eine oder andere Szene, die problemlos in einen Gruselfilm integriert werden könnte, ohne dort negativ aufzufallen. Wenn Erners Dobermann zu bedrohlichen Paukenschlägen geschundene Frauenleichen durch die dunklen Burgflure schleppt, oder wenn während der Zugfahrt zu Beginn das Innere des Waggons, wo unsere Heldinnen sich ängstlich zusammenkauern, nur von der Glühbirne an der Decke spärlich und unruhig beleuchtet wird, oder wenn die Deportierten von den Herren und Herrinnen der Burg empfangen werden, als seien sie bei Christopher Lees Dracula persönlich geladen, dann sind das Momente, in denen die erwähnten Nazi-Insignien, die in schlechtem Deutsch gebrüllten Befehle des Wachpersonals (z.B. „Absitzen!“) und die ab und zu fallengelassenen Anspielungen darauf, dass die Russen schon ganz nahe seien, und das Reich bald einknicken würde, sich alle Mühe geben müssen, mich zu erinnern, dass ich mich nicht in den Katakomben von Bava, Margheriti oder Freda aufhalte, sondern in den Menschenmühlen bis zur Karikatur überzeichneter SS-Schergen.

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Interessanterweise agieren unsere Protagonisten und Antagonisten jedoch so, als seien sie sich des gotischen Ambientes um sie herum gar nicht bewusst. Nur einmal wird der Umstand, dass man sich in einer Burg befindet, thematisiert, und zwar von Dr. Schubert, einem unfreiwillig unter Erner praktizierenden Arzt, der eine wohl frei erfundene Anekdote aus der bewegenden Burggeschichte zum Besten gibt, als Tania bei ihm zur Behandlung vorbeischaut. Während die Kamera in einer dieser hübschen Fahrten, die man in LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE immer wieder findet, auf Rik Battaglias ernstes Gesicht zufährt, erzählt dieser zu sentimentaler Klaviermusik davon, dass vor etwa fünfhundert Jahren die Gegend von einem fürchterlichen Baron beherrscht worden sei. Dieser Wallenstein, der mit seinem Namensvetter aus dem Dreißigjährigen Krieg nicht identisch sein dürfte, habe die Bevölkerung so sehr tyrannisiert, dass sie schließlich Zuflucht in der Burg gesucht habe, die damals dem Geschlecht derer von Schulenberg gehört habe. Deshalb sei die Burg von Wallenstein belagert worden, doch dann, als er zum finalen Ansturm blies, habe man die Pforten offen vorgefunden, und das gesamte Gemäuer menschenleer. Schulenberg und seine Gäste seien, sagt Schubert, durch einen Geheimgang entwischt, der nach wie vor darauf warte, von Menschen, die ihr Leben retten wollen, benutzt zu werden, und damit sei sie, Tania, neben ihm die Einzige, die von seiner Existenz wisse. Dadurch wird das Gothic-Ambiente letztlich sogar zum architektonischen Rettungsanker unserer Heldinnen, die es allesamt, bis auf Tania, die zurückbleibt, um ein Hühnchen mit Herr Erner zu rupfen, das man gesehen haben sollte, um es zu glauben – nur so viel: Freuds vagina dentata wurde selten wohl derart wörtlich genommen wie hier -, am Ende in die ersehnte Freiheit schaffen.

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Was bleibt noch zu sagen über diesen eigentümlichen, irgendwie bezaubernden Film, der es schafft – ähnlich vielleicht wie Bavas I COLTELLI DEL VENDICATORE (1966), der ein Wikingerabenteuer im Stil eines Italo-Western erzählt -, zwei Genres zu vermählen, von denen man nicht mal in Erwägung gezogen hat, dass eine Hochzeit zwischen ihnen überhaupt möglich sein könnte. LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE ist, aus formaler Sicht, Nazi-Exploitation reinsten Fahrwassers – nicht ansatzweise so trashig wie Garrones LAGER SSADIS KASTRAT KOMMANDANTUR (1976) und nicht ansatzweise so eklig wie Canevaris L’ULTIMA ORGIA DEL III REICH (1977) -, aus ästhetischer Sicht jedoch ein visuelles Fest für jeden, der auch nur eine leichte Affinität für quietschende Türen, spinnwebenverhangene Flure oder sich im Sonnenuntergang vor einem finsteren Himmel abzeichnende Burgzinnen hat. Die bizarre Mischung aus, auf der einen Seite, tuntigem over-acting Steiners, Frauen, die man, da diese öfter gezeigt werden, eher an ihren Intimbereichen erkennt als an ihren Gesichtern und einer Überdosis an Bannern und Wimpeln des Dritten Reichs, und, auf der andern Seite, einer Ausleuchtung zum Niederknien, vorzüglichen Kamerafahrten und zwei weichzeichnerischen Flashback-Szenen, in denen unter ebenso superbem Handkamera-Einsatz locker die Grenze zum Irrealen überschritten wird, macht LE DEPORTATE DELLA SEZIONE SPECIALE für mich aus künstlerischer Perspektive zu einer der gelungensten Geschichtsstunden über die Sex-Geheimnisse des Nationalsozialismus made in Italy.

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