Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Moderator: jogiwan

Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Beitragvon Onkel Joe » 15. Feb 2017, 19:54

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Originaltitel: La Isla mínima
Herstellungsland: Spanien / 2014
Regie: Alberto Rodríguez

Darsteller: Raúl Arévalo, Nerea Barros, Jesús Carroza, Jesús Castro, Antonio de la Torre, Javier Gutiérrez, Salvador Reina, Manolo Solo und Juan Carlos Villanueva.

Story: Spaniens Süden, September 1980: Die beiden Ermittler Juan (Javier Gutiérrez) und Pedro (Raúl Arévalo) untersuchen im Marschland, im Delta des Guadalquivir den Fall von zwei verschwundenen Mädchen. Die minderjährigen Schwestern wollten weg aus der verarmten Gegend berichten ihre Mitschülerinnen. Doch nur wenige Tage später finden sich die grausam zugerichteten Leichen der jungen Frauen. Pedro und Juan beginnen, tiefer zu graben, doch so undurchdringlich wie die sie umgebende Natur geben sich auch die meisten Einheimischen.
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Re: Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Beitragvon Arkadin » 16. Feb 2017, 10:14

Ziemlich grandioser spanischer Thriller, der im Jahre 1980 spielt und bei dem neben der Thrillerhandlung (in einer abgelegenen Gegend in Südspanien treibt sich ein Mädchenmörder herum, der bereits vier Opfer auf dem Gewissen hat) auch immer der Schatten des Franco-Systems und der damals noch nicht ganz vollzogene Umbruch zur gerade einmal zwei Jahre alten Demokratie eine Rolle spielt. Die Darsteller sind durch die Bank weg sehr überzeugend und die Kameraarbeit teilweise überwältigend. Man spürt die Hitze und riecht das südspanische Sumpfland. Kann ich empfehlen.
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Re: Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Beitragvon sergio petroni » 16. Feb 2017, 11:36

Danke für die Vorstellung Arkadin,
das hört sich nach einer glasklaren Empfehlung für mich an......
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Beitragvon karlAbundzu » 18. Feb 2017, 13:24

ich schrieb damals nach der Sichtung auf dem fff
Andalusien, Anfang der 80er Jahre. Zwei Ermittler, eigentlich aus Madrid, müssen das Verschwinden zweier Mädchen aufklären und kommen in einem ländlichen Sumpf aus Kinderprostitution, Drogenhandel, Landflucht, Erpressung und Serienmord.
Allein die Eingangsszene zieht uns in eine spezielle Stimmung: ein Überflug über die surreal anmutende Flußdelta-Landschaft, die aus Farben und geometrischen Formen besteht, die eher an ein abstraktes Kunstwerk erinnern würde, wenn nicht auch immer Vögel durchs Bild fliegen würden oder man irgendwo ein Traktor oder ein kleines Haus entdecken würde. Dazu kommt ein Kameralicht, dass einem die heiße schwüle Atmosphäre dort förmlich körperlich spüren lässt. Ähnliches kennt man ja sonst nur aus Südstaaten-Hollywood-Filmen der 60er/70er Jahre.
Hier ermitteln nun zwei sehr unterschiedliche Kommissare. Der eine mit Frau und kleinem Kind zu Hause, der deswegen wieder dringend in Madrid arbeiten möchte, sich aber mit seiner kritisch-demokratischen Handlung unbeliebt gemacht hat. Also eine erfolgreiche Aufklärung des Falles nicht ganz uneigennützig braucht. Der andere mit einer düsteren Vergangenheit im Francoregime, wo er einer Art Killer-Einheit angehörte, der aber sehr klug ermittelt und auch ungewöhnliche Arten der Aufklärung verfolgt. Und einen starken Hang zur unnötigen Gewalt hat.
Der Fall, zu dem ich hier nicht viel verraten will, ist wirklich spannend, manchmal heftig und überraschend konstruiert, bekommt an den richtigen Stellen Drive. Höchst verständlich, dass die meisten Jugendlichen dort einfach nur weg wollen.
Die beiden Hauptdarsteller sind großartig besetzt, spielen zusammen sehr gut, zwischen Kumpelsein, Misstrauen beiderseits und mit ihren eigenen Problemen behaftet. Dazu bekommen sie einen Side-Kick in Form eines leicht tumben, aber bauernschlauen Wilderer als Ortskundigen, der eine gewisse Würze mit hineinbringt. Das ganze Ensemble sind eher einzigartige Charaktere, kaum dem Klischee anfällig.
Die Kameraarbeit wurde ja schon gelobt, auch ein sehr passender Score wurde eingearbeitet, der sowohl die Stimmung als auch die Handlung gut begleitet. Und der bei der tendenziell eher langsamen, vom Rhythmus meist gleichbleibenden Erzählweise trotzdem keine Langeweile aufkommen lässt, neben dem guten Drehbuch.
Leider fehlt mir die genauere Kenntnisse über die Zeit vom Ende des Franco-Regimes und der Beginn der Demokratie (oder aber sprachliche Kompetenz, bei den UT-Übersetzungen kann ja immer einiges verlorengehen), um viele politische Themen zu verstehen, oder auch manche Anspielungen richtig einzuordnen, vielleicht auch Handlungsstränge des eigentlichen Krimis/Thriller als politisches Bild zu deuten. Hinweise darauf gibt es meines Erachtens schon.
Die Jury vom spanischen Filmpreis Goya war auch begeistert und überhäufte den Film mit 10 Preisen.

Nach dem Film kam ich in ein sonniges St. Georg in einen Sumpf von Prostitution, Drogenhandel, Alkoholismus und schicken Cafes, die nach Gentrifizierung riechen.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Mörderland - Alberto Rodríguez (2014)

Beitragvon sergio petroni » 9. Aug 2017, 07:45

Spanien 1980, kurz nach Ende der Franco-Diktatur. Im Flußdelta des Guadalquivir
verschwinden zwei junge Mädchen. Aus Madrid werden die zwei unterschiedlichen
Ermittler Juan und Pedro in den Süden Spaniens geschickt, um der Sache auf den
Grund zu gehen. In der schwülen Atmosphäre stoßen die Zwei jedoch auf eine
Mauer des Schweigens. Erst nach und nach kommen Details der Geschichte
an's Tageslicht, während Juan und Pedro an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen.

Ein schwüler, undurchsichtiger Thriller aus Spaniens Süden. Gedreht im Retrolook
der 1980er. Die Handlung nimmt auch immer wieder Bezug zur kurz zuvor überwundenen
Diktatur ("Wir leben jetzt in einer Demokratie, die alten Methoden sind passe.").
Der sparsam eingesetzte Soundtrack paßt sich an die wunderbar eingefangene
karge Landschaft an.
Ein Film ganz nach meinem Geschmack.
8/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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