Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti (1980)

Söldner, Mutanten und Kriegshelden

Moderator: jogiwan

Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti

Beitragvon Blap » 13. Dez 2011, 00:14

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Grosse Hartbox Nr. 109 von X-Rated (Cover A)


Jäger der Apokalypse (Italien 1980, Originaltitel: L'ultimo cacciatore)

Die italienische Sicht auf den amerikanischen Albtraum

Captain Henry Morris (David Warbeck) wird mit einer brisanten Mission beauftragt. Irgendwo tief im Dschungel hat der Feind einen Radiosender installiert, der die Moral der US-Soldaten mehr und mehr der Zersetzung anheimfallen lässt. Bereits die "Anreise" zum Ausgangspunkt des Auftrages wird zum Höllenritt, die Hubschrauber geraten ins Visier der erbarmungslosen Widersacher. Als Morris schliesslich wieder Boden unter den Füßen hat, trifft er in der grünen Hölle auf einen kleinen Unterstüzungstrupp, aus dem sich bald George Washington (Tony King) und Carlos (Bobby Rhodes) als zuverlässigte Helferlein hervortun. Über die Anwesenheit der Journalistin Jane Foster (Tisa Farrow) ist Morris zunächst weniger begeistert, man arrangiert sich jedoch nach einer kurzen Anlaufzeit. Immer wieder geraten Morris und seine Mannschaft in Bedrängnis, ist die Mission zum Scheitern verurteilt...???

Wenn der von mir sehr geschätzte Antonio Margheriti auf dem Regiestuhl sitzt, dann wird dem Freund des gepflegten Eurokinos fast immer herrliche Unterhaltung geboten. Wir verdanken Margheriti stimmungsvolle Krimis (teils mit Mystery-Schlagseite), starke Western, bekloppten SF-Trash und vieles mehr. Hier ein minimaler Auszug aus seinem Schaffen, fünf Werke die mir ganz besonders am Herzen liegen:

• Sieben Jungfrauen für den Teufel (Nude... si muore, 1968)
• 7 Tote in den Augen der Katze (La morte negli occhi del gatto, 1973)
• Satan der Rache (E Dio disse a Caino, 1969)
• Einer gegen das Imperium (Il mondo di Yor, 1983)
• Kommando Leopard (1985)

"Jäger der Apokalypse" trägt den Originaltitel "L'ultimo cacciatore", die Übersetzung lautet "Die letzten Jäger". Von dem vielsagen Wort "Apokalypse" versprach sich der deutsche Vertrieb damals vermutlich mehr, immerhin flimmerte in den späten siebziger Jahren das bildgewaltige Epos "Apocalyse Now" von Francis Ford Coppola über die Leinwände der Nation. Tatsächlich bedient sich Antonio Margheriti hier und da bei Coppola, streut einige pseudo-dramatische Szenen ein, die dem Zuschauer so etwas wie Tiefgang vorgauklen sollen. Zu Beginn der Selbstmord eines durchgeknallen Kameraden der Hauptfigur, zum Finale ein mit bombastischen Klängen untermalter Hubschrauberangriff. Weitere Beispiele sind mühelos während der Sichtung erkennbar, eine Aufzählung wäre ermüdend, ich rate daher dringend zum Genuss der Sause! Keine Bange, zu einem verquasten "Anti-Kriegsfilm" wird Margheritis Beitrag zu diesem US-Trauma nie, viel zu reisserisch sind die Action-/Gewaltszenen angelegt, die Dialoge und Sprüche greifen mit Beigeisterung in die unteren Schubladen. Um es mit einem Wort/Satz aus dem aktuellen Sprachschatz des Filmfreundes zu beschreiben: "Jäger der Apokalypse" ist extrem "exploitativ" angelegt, bleibt stets ein wüster Reisser, mutiert nie zur ernsthaften Anprangerungsveranstaltung. Klartext: das Teil ist und bleibt zu 100% ein wunderbarer Exploitationfilm, Margheriti gehört zu den Meistern seines Fachs. Damit ist "eigentlich" genug gesagt. Wer sich nicht bereits angewidert abgewendet hat, der sollte sich schnellstmöglich eine geeignete DVD beschaffen und Spass haben!

Ich erlaube mir dennoch ein paar Zeilen zur Besetzung, die Damen und Herren vor der Kamera sollen nicht ungewürdigt bleiben. David Warbeck, jeder Freund des italienischen Horrorfilms erkennt ihn sofort, der gute Mann spielte in Lucio Fulcis Knüller "Die Geisterstadt der Zombies" (E tu vivrai nel terrore - L'aldilà, 1981) eine Hauptrolle, agiert dort an der Seite der sympathischen Catriona MacColl. Als kantiger und zielstrebiger US-Offizier macht Warbeck einen guten Job, dazu benötigt er keine Muskelfleischberge auf den Knochen, es geht auch ohne "Rambo-Look". Auch Tisa Farrow hatte unter der Anleitung von Lucio Fulci ihren grössten Momente, sie ist im grandiosen "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" (Zombi 2, 1979) am Start, dazu im unvergessenen "Man-Eater" (Antropophagus, 1980) des geschätzten Joe D'Amato. Dank Warbeck und Farrow sind die Hauptrollen folglich mit einem hohen und angenehmen Wiedererkunngswert ausgestattet, das dynamische Duo findet meine volle Zustimmung. Als Co-Helden fungieren Tony King und Bobby Rhodes, die mit ihren flott-dämlichen Sprüchen immer wieder für Schmunzler sorgen. Überhaupt gefällt mir sehr gut, dass man einem schwarzen Sergeant den Namen George Washington verpasst hat. Aus den Nebenfiguren ragt John Steiner hervor, er gibt den schrulligen Major Cash, der im Dschungel auf verlorem Posten einen Sauhaufen von abgewrackten und ausgebrannten Knalltüten befehligt. Die stets liebenswerte Froschfratze Luciano Pigozzi sehen wir als "Barmann", Massimo Vanni legt ein flottes Solo hin, getrieben durch feindliches Feuer. Damit genug, diverse Gesichtsruinen fülllen das Ensemble angemessen auf.

Antonio Margheriti versteht es sein Publikum zu unterhalten. "Jäger der Apokalypse" spult treffsicher sämtliche Klischees ab, das Ergebnis ist ein äusserst kurzweiliger und zeitweise angenehm räudiger Kriegsactioner. Die Action ist stilsicher inszeniert, Freunde rustikaler Momente kommen bei diversen Panschereien auf ihre Kosten. Bevor ich nun in endlose Beigeistungsstürme verfalle, gibt es abschliessend den Blick auf die mir vorliegende DVD-Auswertung. X-Rated hat ursprüglich eine gekürzte Fassung veröffentlicht, die zusätzlich durch ihr falsches Bildformat unangenehm auffiel. Mit der nachgereichten "Perfect 2.35 Uncut Edition" kann ich gut leben, lediglich die Kompression schwächelt ab und zu, insgesamt könnte das Bild eine Prise mehr Schärfe vertragen. Perfekt ist die Scheibe sicher nicht, insgesamt aber eine brauchbare und zufriedenstellende DVD zu einem unverzichtbaren Film!

7,5/10 (gut bis sehr gut - Tendenz steigend)

Lieblingszitat:

"Angenehmes Bad und gute Reise!"
"Arschloch!"


Zur Feier des Tages geht noch ein weiteres Zitat:

"Was schlagen Sie vor?"
"Ich schlage nichts vor, ich folge Befehlen."


(Ich habe bewusst zahme Beispiele gewählt. Die vollständige Wundertüte überschüttet den Zuschauer mit diversen Auswüchsen, herrlich!)
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Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti

Beitragvon purgatorio » 22. Nov 2012, 04:34

purgatorio hat geschrieben:JÄGER DER APOKALYPSE
whoahhh, kriegst den Kopp net zu! Was für eine Granate! Dreist aus diversen Hollywood-Klassikern und Erfolgsgaranten zusammengeklaut (besonders auffällig im Finale, als so viel wie nur irgendmöglich von APOKALYPSE NOW übernommen wurde) und durch die gut anzusehende Tatsache ergänzt, dass absolut alles die Fähigkeit besitzt explodieren zu können. JÄGER DER APOKALYPSE bietet tatsächlich ein brennendes Inferno vor grüner Kulisse und scheint die 90Min.-Fassung der Eröffnungssequenz von bereits oben benanntem APOKALYPSE NOW sein zu wollen. Herrlich und höchst unterhaltsam! Aber um Gottes Willen nicht Ernst nehmen! Denn hier wird wieder jeder Moral und Abseits von gutem Geschmack gemeuchelt, erschossen, erstochen und gesprengt... 6-7/10 :nick: :thup:


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Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti

Beitragvon Theoretiker » 15. Aug 2014, 20:19

Jäger der Apocalypse hat meinen Geschmack nicht wirklich getroffen, dafür war er mir zu langweilig.

Die Story ist zu zerfahren, die Exploitation-Tour durch den Dschungel ist zwar blutig, aber vorhersehbar und das Ende, na ja.

4/10
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Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 19. Aug 2014, 18:10

Ich bin eigentlich eine ziemliche Kriegsfilm-Hasserin; eines der wenigen Genres, die ich bisher nahezu völlig ignoriert habe.
"Jäger der Apokolaypse" mag ich aber sehr, sei es vor allem wegen der Darsteller. Abgesehen davon macht sich die "star video 2000"-Glasbox ausgesprochen schön in meinem Schrank. Deshalb souveräne

7/10
~ VORSICHT! Off Topic ~
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Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti

Beitragvon Onkel Joe » 20. Aug 2014, 07:03

FarfallaInsanguinata hat geschrieben:Deshalb souveräne 7/10


:nick:
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Re: Jäger der Apokalypse - Antonio Margheriti (1980)

Beitragvon karlAbundzu » 13. Feb 2017, 11:23

Ach ja, Marghereti, der mir viele Stunden nachmittags im Kino als Jugendlicher Spaß macht, wo ich meinen guilty pleasure, den Söldnerfilm, frönte. Sehr viel später fiel mir dann die Jäger der Apocalypse in die Hand und ich war begeistert. Nun, dank Mondo B endlich auf großer Leinwand. 35mm.
Die Geschichte um einen Kriegshelden wieder willen, der eigentlich seine persönliche Odyssee durch Vietnam zieht, um sich mit einer ehemaligen Freundin zu konfrontieren, eine Story um eine Dreiecksbeziehung, die sich in den Wirren des Vietnamkrieges und des Protestes dagegen neu definierte. Und ein Film über das „Im Krieg sein“. Und. Das alles exploitativ natürlich! Oder explodierend!
Klar, hier wurde bei Apocalyspe Now genau hingeschaut, den einen oder anderen Charakter angelehnt, einzelne Szenen kopiert, die allgemeinen Klischees bedient. Verrückte Offiziere, kiffende triebhafte Rekruten, lebensmüde Journalistin. Und das alles ziemlich rund und ohne Moral.
Famos besetzt: David Warbeck als Man on a Mission, die nur in einem enden kann. Tisa Farrow als ambitionierte aber lebensmüde Journalistin, hier stellvertretend für die gesamte US-Presse der Zeit. Und die beiden Mitreisenden und zeitlang Überlebenden einer kleinen „10 kleiner Negerlein“-Nebenstory Tony King und Bobby Rhodes sind für die coolen Sprüche und echtes Soldatenfeeling zuständig. Als durchgeknallter Offizier haben wir hier John Steiner, der macht das sehr gut, sein Wahnsinn gepaart mit einer hohen Moral. Luciano Pigozzi und Massimo Vanni haben auch ihre guten Momente!
Toller Film, auf großer Leinwand noch toller, guter Score (beim Micalizzi bediente sich Tarantino ja auch des öfteren), großer Cast, prima Synchro: Das volle Wohlfühlprogramm!!!!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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