Blutdurst - Rod Hardy

Moderator: jogiwan

Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon buxtebrawler » 3. Feb 2012, 00:45

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Originaltitel: Thirst

Herstellungsland: Australien / 1979

Regie: Rod Hardy

Darsteller: Chantal Contouri, Shirley Cameron, Max Phipps, Henry Silva, Rod Mullinar, David Hemmings, Rosie Sturgess, Robert Thompson, Walter Pym, Amanda Muggleton, Lulu Pinkus, Chris Milne u. A.

Eine junge, sympathische Karrierefrau gerät in die teuflischen Fänge eines modernen, weltweiten Vampir- Syndikats. In einer gigantischen, als Forschungsklinik getarnten Blutbank wird sie einer systematischen, ausgeklügelten Gehirnwäsche unterzogen. Mit aller Gewalt soll sie daran glauben, die natürliche Erbin jener Verschworenen zu sein, die ihre Lebenskraft aus menschlichem Blut gewinnen.


Quelle: www.ofdb.de
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Re: Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon buxtebrawler » 3. Feb 2012, 00:45

Regisseur Rod Hardy, der in erster Linie für TV-Serien tätig war, überraschte mich mit seinem modernen Vampirfilm „Thirst“, einer australischen Produktion aus dem Jahre 1979. Kate Davis wird jäh aus ihrem Alltag gerissen, als eine aus Vampiren bestehende Geheimgesellschaft auf sie aufmerksam wird, da sie eine Nachfahrin der blutrünstigen Gräfin Bathory sein soll. Man dringt in ihr Privatleben ein und konfrontiert sie immer wieder mit menschlichem Blut, um an ihre verborgenen Gelüste zu appellieren und entführt sie gar in ein absonderliches Camp, dem eine Art Blutfabrik angeschlossen ist. Dort werden Menschen wie Vieh gehalten denen das Blut abgezapft, aufbereitet und den Mitgliedern des elitären Bundes als Nahrung zur Verfügung gestellt – keimfrei, pasteurisiert und homogenisiert.

„Thirst“ benutzt das klassische Vampir-Thema lediglich als Aufhänger für seine moderne Adaption und zeigt eine von der Öffentlichkeit unbemerkt agierende Blutindustrie, in der gutsituierte Vampire gezielt Menschen unterjochen, ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Leben aussaugen und auf der Suche nach jungen, neuen Mitgliedern sind. Wie apathisches Melkvieh erscheinen ihre Opfer, die dem einzigen Zweck dienen, ihren Herren wertvollen Lebenssaft zu „spenden“ und sie damit am Leben zu erhalten. Hardy zeigt den verzweifelten Kampf Kates gegen eine übermächtige Kaste, eine elitäre Dynastie, die tief in den Machtstrukturen der Gesellschaft verwurzelt ist. Durch beständigen Psychoterror soll sie gefügig gemacht werden, um sich der gemeinsamen Sache unterzuordnen.

Von Gothic-Horror oder Blutsauger-Romantik fehlt jede Spur in diesem innovativen Genrefilm. Bewusst modernistisch und mit einer vollkommen ironiefreien Ernsthaftigkeit setzt er sein Konzept um, das wie eine finstere Parabel auf die Industriegesellschaft wirkt. Die Härte des Films entsteht aus seiner unnachgiebigen Konsequenz, nicht aus blutigen Effekten, über die er selbstverständlich auch verfügt. Die Konditionierung Kates hin zum vollwertigen Mitglied der speziellen Gesellschaft ist beschlossene Sache, lediglich die Mittel werden zwischen dem liberalen Dr. Fraser (David Hemmings, „Profondo Rosso“) und der bärbeißigen Mrs. Barker (Shirley Cameron) diskutiert – was bereits zu handfesten Konflikten führt. Beinahe, als würden sich zwei oppositionelle Parteien streiten, die dennoch das gleiche Endziel anstreben.

Dabei bedient sich „Thirst“ der Stilmittel wirkungsvoller Paranoia-Psycho-Thriller, indem er seinem Opfer keinen sicheren Rückzugsort gönnt und seine Peiniger allgegenwärtig und übermächtig erscheinen lässt. Chantal Contouri bemüht sich dabei redlich um eine nachvollziehbare Darstellung ihrer unwirtlichen Situation, lässt es aber etwas an Nachhaltigkeit vermissen. Mrs. Barker und Dr. Fraser stehlen ihr derweil die Show, handelt es sich doch zudem aufgrund der mangelnden Charakterisierung Kates um die interessanteren Figuren. Dafür wirkt sie aber sympathisch und vor allem hilflos genug, um die Empathie des Zuschauers zu gewinnen. Mit Henry Silva („Der Teufel führt Regie“) wurde gar eine kleinere Nebenrolle memorabel besetzt. Die größte Stärke ist neben der kreativen Idee die Dramaturgie des Films, die die Spannungsschraube bis zum Schluss angezogen hält, Realität und Paranoia auch für den Zuschauer ineinander verschwimmen lässt und zum rasanten Ende hin einen Plottwist nach dem anderen bereithält. Stärker herausgearbeitet hätte werden dürfen, was genau der Blutkonsum bedeutet und weshalb Kate auf ihn nicht angewiesen ist.

Ein intelligenter Genrebeitrag aus „Down Under“ mit Ecken und Kanten, keinesfalls perfekt und letztlich auch nicht alle Fragen beantwortend, aber auf relativ hohem Niveau und mit diversen Alleinstellungsmerkmalen gesegnet, die ihn auch heutzutage nicht nur für Genrefans interessant machen, zumal die Faszination für Vampirthemen nach wie vor ungebrochen scheint. Wer modernen, entromantisierten Vampiren, denen offensichtlich weder Knoblauch, noch Sonnenlicht oder Kruzifixe etwas anhaben können, in einem klinischen, kalten Umfeld, das sich dann doch gar nicht so sehr von unserem Alltag unterscheidet, etwas abgewinnen kann, sollte „Thirst“ eine Chance einräumen – einen höheren Bekanntheitsgrad hätte dieser feine Film jedenfalls verdient.
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Re: Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon Nello Pazzafini » 3. Feb 2012, 00:55

Absolut gelungener Film, leider sehr unbekannt und unterschätzt, allein durch Silva und Hemmings ein Pflichtfilm, ich mag den Grundtenor des Films sehr und wahrscheinlich auch durch seine Herkunft sehr eigenständig.
Muss ich bald wieder mal gucken, so aus der Erinnerung kriegt der sicher 8 Blutkonserven von mir :D :thup:
hier die alte Vauhass

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Re: Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon ugo-piazza » 3. Feb 2012, 09:56

Huch, noch nie von dem Film gehört, klingt aber interesting.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon horror1966 » 12. Aug 2013, 21:00

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Blutdurst
(Thirst)
mit Chantal Contouri, Shirley Cameron, Max Phipps, Henry Silva, Rod Mullinar, David Hemmings, Rosie Sturgess, Robert Thompson, Walter Pym, Amanda Muggleton, Lulu Pinkus, Chris Milne, Jacqui Gordon
Regie: Rod Hardy
Drehbuch: John Pinkney
Kamera: Vincent Monton
Musik: Brian May
juristisch geprüft
Australien / 1979

Die junge Kate Davis gerät unverschuldet in die teuflischen Fänge eines ominösen Vampir-Syndikats. Doch den überwiegend kultivierten Mitgliedern des Clans geht es keineswegs um das frische Blut der hübschen Kate. Sie sehen in ihr die letzte Nachfahrin der legendären Blutgräfin "Bathordy" und wollen sie daher für die Interessen ihres Clans gewinnen. Als sie sich weigert, wird sie in der gigantischen, als Forschungsklinik getarnten "Menschenfarm", in der unschuldigen Opfern auf industrielle Art das Blut entzogen wird, einer systematischen und ausgeklügelten Gehirnwäsche unterzogen. Mit letzter Kraft kann sie dem Wahnsinn entfliehen...doch sie kommt nicht weit...


Dunkle Schlösser, charismatische Blutsauger, eine düstere Atmosphäre, Holzpflöcke und ein silbernes Kreuz sind normalerweise die Zutaten für den klassischen Vampirfilm. Von all diesen Dingen sollte man sich schon vor der Ansicht dieses innovativen Horror-Thrillers aus Australien verabschieden, denn "Blutdurst" bedient sich der Thematik lediglich als Aufhänger für eine Geschichte der Neuzeit, die man schon fast als visionär bezeichnen kann. Regisseur Rod Hardy, der zuvor lediglich für diverse TV-Serien verantwortlich zeichnete, stellt mit vorliegendem Werk sein Spielfilm-Debüt vor und hat damit auch sogleich einen äußerst bemerkenswerten Genre-Beitrag abgeliefert. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die hübsche Kate (Chantal Contouri), die anscheinend eine direkte Nachfahrin der berühmten Blutgräfin Bathordy ist und dieser Aspekt ruft eine Vereinigung von Menschen auf den Plan, die in einer Art Forschungsklinik regelrecht Vampire züchtet. So soll auch die junge Frau konditioniert werden, um den unweigerlichen Blutdurst in ihr wach zu rufen, wobei sich die Wahl der Mittel um dieses Ziel zu erreichen, äußerst vielfältig gestaltet. Von verbaler Überzeugungskraft bis hin zu einer echten Gehirnwäsche wird hier nichts ausgelassen, um die junge Kate zu überzeugen, so das sie selbst zu der Erkenntnis kommt, das in ihrem Inneren ein echter Blutsauger schlummert.

Das gesamte Szenario hinterlässt dabei einen fast schon stinknormalen Eindruck, beinhaltet aber auf der anderen Seite diverse Passagen, die der Geschichte schon einen leichten SCI/FI Einschlag verleihen. Dies kommt besonders immer dann wieder zur Geltung, wenn man sich innerhalb der "Menschenfarm" befindet und den etlichen Experimenten beiwohnt, die hier am Menschen vorgenommen werden um bestimmte ziele zu erreichen. Insbesondere die wie apathisch erscheinenden Blutopfer hinterlassen dabei einen geistesabwesenden Eindruck und wirken wie ferngesteuert. Kaum ansprechbar laufen die leblos wirkenden Körper durch die Anlage, kaum fähig einen klaren Gedanken zu fassen. Gelegentlich bekommt man sogar diverse Führungen durch die Einrichtung geboten und kann sich dabei des Gefühls nicht erwehren, das man sich auf einer Art Jahrmarkt befindet, auf dem die Zuschauer sensationelle Kreaturen begutachten. Es ist schon eine seltsame Menschen-Schau, die beim Zuschauer ein starkes Gefühl der Beklemmung hervorruft, das übrigens auch durchgehend die Grundstimmung des Szenarios bestimmt. Von der üblichen Vampir-Atmosphäre ist an dieser Stelle herzlich wenig zu verspüren, wobei dies keinesfalls als negativer Kritikpunkt aufzufassen ist, denn "Blutdurst" überzeugt durch seine ganz eigene-und extrem außergewöhnliche Stimmung, die dem Betrachter phasenweise kalte Schauer über den Rücken jagen kann und dabei ein starkes Unbehagen verursacht.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes treten visionsartige Passagen in den Vordergrund, denn nachdem sämtliche normale Mittel nicht bei Kate gefruchtet haben, um auch in ihr die Erkenntnis reifen zu lassen, das sie wirklich eine Nachfahrin der Blutgräfin ist, greift das Ärzte-Team zum Mittel der Gehirnwäsche. So wird die junge Frau immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen es auch für den Zuschauer nicht gerade leicht ist, die Grenze zwischen Vision und Realität zu ziehen. Gerade diese Einstellungen verleihen dem Ganzen etwas nahezu Fantastisches und werten das bis dahin schon äußerst gute Gesamtbild noch einmal zusätzlich auf. Hier weicht der Vampirfilm einem waschechten Psycho-Thriller und diese Gratwanderung macht das Geschehen noch einmal interessanter, als es bisher schon erschien. Man merkt also ganz eindeutig, das diese australische Produktion wohl einen der außergewöhnlichsten Genre-Beiträge überhaupt darstellt, denn in dieser Form hat wohl bisher noch niemand die vorliegende Thematik ins Bild gesetzt. Nun mag das eventuell nicht jeden Geschmack treffen, doch nimmt der Film von Rod Hardy schon eine absolute Ausnahmestellung ein.

Abschließend kann man also festhalten, das mit "Blutdurst" ein gänzlich ungewöhnlicher Vampirfilm vorliegt, der äußerst innovativ-und teilweise fast schon visionär gestaltet wurde. Auch für die Darsteller-Riege konnte man für diese mit 750.000 AUD budgetierte Produktion auch diverse bekannte Gesichter verpflichten, denn insbesondere mit David Hemmings oder auch Henry Silva sind bekannte Darsteller an Bord, die man auch aus etlichen italienischen Filmen her kennt. Ganz generell kann man sich über das dargebotene Schauspiel der Akteure keinesfalls beschweren, wobei vor allem Hauptdarstellerin Chantal Contouri durch Spielfreude und Überzeugungskraft glänzen kann. So ist die Verwandlung der jungen Frau in jeder einzelnen Nuance perfekt für den Zuschauer nachzuvollziehen und verursacht einem dabei schon so manch gepflegte Gänsehaut. Wer also einmal einen vollkommen abweichenden Beitrag zur Vampir-Thematik sehen möchte, ist mit diesem Film aller bestens bedient und bekommt außergewöhnliche Genre-Kost serviert.


Fazit:


Mit "Blutdurst" hat Rod Hardy ein wirklich beeindruckendes Langfilm-Debüt abgeliefert, das auch nach über drei Jahrzehnten immer wieder zu begeistern weiß. Das Werk hebt sich dabei durch seine innovativen Ideen sehr wohlwollend von üblichen Vampirfilmen ab und bietet ein Seh-Vergnügen, in dem eine Menge an Klasse steckt.


8/10
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Re: Blutdurst - Rod Hardy

Beitragvon buxtebrawler » 23. Jan 2017, 14:56

Erscheint voraussichtlich am 02.02.2017 bei Schröder Media auf Blu-ray:

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