The Ugly - Scott Reynolds (1997)

Moderator: jogiwan

The Ugly - Scott Reynolds (1997)

Beitragvon horror1966 » 27. Mai 2013, 11:08

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The Ugly
(The Ugly)
mit Paolo Rotondo, Paul Glover, Christopher Graham, Darien Takle, Rebecca Hobbs, Roy Ward, Cath McWhirter, Carolyn Beaver, Caelem Pope, Jennifer Ward-Lealand, Finn Johnsen, Phillip Brown
Regie: Scott Reynolds
Drehbuch: Scott Reynolds
Kamera: Simon Raby
Musik: Victoria Kelly
FSK 18
Neuseeland / 1997

Dr. Karen Schumaker ist eine ehrgeizige und erfolgreiche Psychologin, die sich mit Gerichtsgutachten von geistesgestörten Kriminellen einen Nahmen gemacht hat. Simon Cartwright ist ein Serienkiller, seit fünf Jahren hinter den Gittern einer psychiatrischen Anstalt. Simon hat Karen um Hilfe gebeten. Sie soll den Behörden seine Heilung attestieren. Gegen den Widerstand des undurchsichtigen Anstaltsleiters, Dr. Marlowe, beginnen die beiden die Gespräche, von ihm durch eine Spiegelwand beobachtet. Schnell gelingt es Karen zu Simon vorzudringen. Sie hofft im Interview mit dem Serienkiller die Wahrheit herauszufinden. Warum hat er getötet und würde er es wieder tun? Karens Fragen wecken die längst besiegt geglaubten Dämonen aus Simons Vergangenheit. Ihrem anfänglichen Vertrauen, dem Glauben an Simons wahre Geschichte weichen allmählich Zweifel und langsam dringen Simons Obsessionen auch in ihre Welt ein. Karens Suche nach der Wahrheit verwandelt sich in ein tödliches Spiel, das Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen lässt.


Ich bin wirklich einigermaßen erstaunt, das dieses Langfilm-Debüt von Scott Reynolds aus dem Jahr 1997 doch teilweise eher negative Kritiken nach sich zieht, handelt es sich doch meiner Meinung nach um ein wirkliches Kleinod des Genres. "The Ugly" ist eine neuseeländische Produktion und bietet eine hervorstechende Mischung aus Horror-und Thriller, wobei man sich einmal mehr der Serienkiller-Thematik bedient, diese aber auf höchst effitziente-und intensive Weise ins Bild gesetzt hat. So beinhaltet die Geschichte von der ersten Minute an eine herrlich dichte Grundstimmung und die Location der Heilanstalt ist geradezu perfekt, um hier eine dreckig-siffige Atmosphäre zu schaffen, die beim Zuschauer größtenteils ein starkes Gefühl der Beklemmung auslöst, das wie ein bleierner Schleier auf den eigenen Schultern lastet. Im Fokus des Geschehens stehen die Gutachterin Dr. Karen Schumaker und der Serienkiller Simon Cartwright, der ein unabhängiges Gutachten über seinen Geisteszustand eingefordert hat. In der Folge entwickelt sich eine ganz eigene Beziehung zwischen den beiden vollkommen unterschiedlichen Charakteren, denn während Karen versucht die Beweggründe des Mörders zu erkennen, dringt dieser immer mehr in die Gedanken der jungen Frau ein, ohne das diese es zu Beginn vermuten würde.

In ständigen Rückblenden bekommt man nun die einzelnen Morde Simon's präsentiert, wobei sich in etlichen Passagen Realität und surreale Elemente miteinander vermischen, was ganz eindeutig eine der großen Stärken dieses Filmes ist. Die Wirkung auf einen selbst ist dabei ungeheuer intensiv und an diversen Stellen wird man erst durch gezielt eingesetzte Schockmomente dazu gebracht, das man zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Unterstützt durch das sehr gelungene Schauspiel der beiden Hauptfiguren taucht man immer tiefer in Simon's Welt ein, bekommt jedoch bis zum Ende keine wirkliche Antwort auf die Frage, aus welchen Motiven er die ganzen Morde begangen hat. Das mag manch einen eventuell etwas stören, doch gerade dieser Aspekt lässt genügend Freiraum für eigene Interpretationen, die man sich aufgrund der Ereignisse zusammen reimt. Etliche Andeutungen und insbesondere die Auszüge aus der Kindheit des jungen Mannes lassen einen dabei in eine bestimmte Richtung tendieren, doch eine wirkliche Bestätigung für die eigenen Vermutungen erhält man im Prinzip zu keiner Zeit. So gestaltet sich dann auch das Ende der Geschichte eher offen und mag für viele Leute ziemlich unbefriedigend erscheinen, doch mir selbst hat der Showdown ausnehmend gut gefallen, da der Film so noch lange im Gedächtnis hängen bleibt und nachdenklich stimmt.

Auch der vorhandene Härtegrad kann sich sehen lassen, offenbart das Szenario doch einige sehr blutige Szenen, wobei man ganz besonders auf die Farbe des Blutes achten sollte. Von der Farbe rot ist dort nämlich rein gar nichts zu sehen, der Lebenssaft des Menschen tritt hier viel eher extrem dunkel bis hin zu schwarz in Erscheinung. Nun mag es sein, das ich bei diesem Punkt ein wenig zuviel in die Ereignisse hinein interpretiere, doch für mich wird an diesem Punkt die Farbe von Simon's Seele dargestellt, die sich als abgrundtief böse-und schwarz entpuppt. Dabei traut man dem jungen Mann die ganzen Greueltaten überhaupt nicht zu, erscheint er doch rein optisch wie ein braver-und schüchterner Mann, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Lediglich seine Augen lassen des Öfteren den nackten Wahnsinn aufflackern und in diesen Momenten möchte man ihm auf keinen Fall über den Weg laufen, da er vollkommen unkontrollierbar aussieht. "The Ugly" vereint hier wirklich fast perfekt den Psycho-Thriller mit etlichen Horror-Elementen und ist in meinen Augen ein kleines Juwel des Genres, das aber leider nie die Aufmerksamkeit erhalten hat, die diesem Film im Prinzip zustehen sollte. So wird das Werk wohl immer ein Geheim-Tipp sein, den man sich aber auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen sollte.

Scott Reynolds hat hier wirklich alles richtig gemacht und mit "The Ugly" einen jederzeit fesselnden-und äußerst spannenden Psycho-Trip geschaffen, der den Zuschauer durchgehend in seinen absolut faszinierenden Bann zieht. Die Vermischung aus realen-und surrealen Momenten wurde dabei nahezu perfekt ins Bild gesetzt und entfacht eine fast schon sogartige Wirkung, so das man selbst ganz unwillkürlich in den Strudel der brutalen Ereignisse hineingezogen wird. Ein herrlicher Genre-Mix, der auch nach mehrmaliger Sichtung nichts von seinem Reiz-und seiner Faszination verliert und dabei immer wieder erstklassige Unterhaltung bietet, die allemal lohnenswert erscheint.


Fazit:


Auch wenn es sich hier eher um einen unscheinbaren-und unterschätzten Film handelt, ist der Inhalt der Geschichte absolut grandios. Spannung von der ersten bis zur letzten Minute und ein wahnsinnig intensiver Psycho-Trip sorgen so für Unterhaltung aus dem oberen Drittel, die man sich auch gern mehrmals zu Gemüte führen kann.


8/10
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Re: The Ugly - Scott Reynolds

Beitragvon buxtebrawler » 27. Mai 2013, 12:56

Den hab ich auch hier, war nach meiner Erstsichtung allerdings etwas enttäuscht:

Neuseeländischer Psycho-Thriller aus dem Jahre 1997, der überaschend überraschungs- und pointenlos einen Serienkiller charakterisiert und dabei etwas an "Psycho IV" erinnert. Das versucht er allerdings durch ein atmosphärisches Farbspiel und comichafte Überzeichnung der ebenso skurrilen wie unglaubwürdigen Nebencharaktere auszugleichen - was ihm aufgrund des blassen Hauptdarstellers nicht gelingt, dem man den Killer nicht so recht abnimmt... dennoch kein schlechter Film.

Sollte ich mir beizeiten noch einmal ansehen, glaub ich.
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Re: The Ugly - Scott Reynolds

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2017, 08:59

Der neuseeländische Regisseur Scott Reynolds ist mir ja als Geheimtipp empfohlen werden und dank netter Menschen hier im Forum, bin ich nun auch in den Genuss von „The Ugly“ aus dem Jahr 1997 gekommen. Prinzipiell kein schlechter Film über einen Serienmörders und einer selbstbewussten Psychologin, die etwas zu tief in die Psyche ihres Patienten eindringt und mich trotz gelungener Momente dennoch nicht so richtig begeistern konnte. Dabei ist der Streifen hübsch gemacht und mit geschickten Montagen verbindet Reynolds unterschiedliche Zeitebenen, die eine traurige Geschichte eines Außenseiters erzählen, der schließlich zum Mörder wird. Leider wirkt das gesamte Szenario aber etwas unausgegoren und angesichts der seltsamen Klinik mit seinem noch seltsameren Personal und anderer seltsam anmutender Umstände wartet man irgendwie die ganze Zeit auf einen Twist, der letzten Endes dann doch nicht kommt. Und so bleiben unterm Strich ein etwas wirr-erscheinendes Psychogramm eines Mörders und ein Film, der zwar irgendwie schön aussieht, aber inhaltlich weder Fisch noch Fleisch ist und seine präsentierte und spannungsfrei erzählte Geschichte die ganze Zeit so erscheinen lässt, dass man es als Zuschauer nicht so richtig einordnen vermag.
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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