Voyage of the Rock Aliens – James Fargo (Trash Coll. # 70)

Moderator: jogiwan

Re: Voyage of the Rock Aliens – James Fargo (Trash Coll. # 70)

Beitragvon buxtebrawler » 29. Nov 2016, 17:30

„Das fetzt ganz schön los, guter Sound!“

In den glorreichen ‘80ern ging vieles – eigentlich auch eine Science-Fiction-Musical-Komödie. Ausgerechnet „Voyage of the Rock Aliens“ aber, kunterbunt inszeniert von US-Regisseur James Fargo („Der Unerbittliche“), war wohl selbst Mitte des Jahrzehnts dem geschmacksverirrten Kino-Publikum zu viel des Guten:

Nachwuchs-Sängerin Dee Dee (Pia Zadora, „Der Bulle und das Flittchen“) träumt von einer eigenen Gesangskarriere, ist jedoch mit Frankie (Craig Sheffer, „Cabal – Die Brut der Nacht“) liiert, der selbst Sänger einer Band ist und so gar nichts von der künstlerischen Selbstverwirklichung seiner Herzdame hält, gar ausgesprochen cholerisch darauf reagiert. Eines Tages landet eine Gruppe Außerirdischer in der Kleinstadt. Sie heißen ABCD (Tom Nolan, „Ich glaub', ich steh' im Wald“), FGHI (Jeffrey Casey), JKLM (Gregory Bond), NOPQR (Craig Quiter) und STUVWXYZ (Patrick Byrnes), hüllen sich in rosarote Anzüge und sind verhaltensauffällig, sehen ansonsten aber „normal“ menschlich aus. Sie befinden sich auf der Suche nach dem Rock’n’Roll, gründen ebenfalls eine Combo und treten in direkte Konkurrenz zu Frankies Band – sowie zu ihm selbst, denn ABCD ist angetreten, Dee Dee ihren Kopf zu verdrehen. Dies gelingt recht schnell, denn Dee Dee bekommt dadurch die Gelegenheit, mit der Alien-Band zu singen. Auf einer Schulfeier soll diese zusammen mit Frankies Kapelle auftreten, doch mit Frankie ist alles andere als gut Kirschen essen und so versucht er sich in Sabotage. Und damit nicht genug: Die beiden Massenmörder „Der Schnaufer” (Wallace Merck, „Freitag der 13. - Jason lebt“) und „Sägen-Sam” (Michael Berryman, „Hügel der blutigen Augen“) konnten aus dem Gefängnis fliehen und mischen sich ebenso unters musikbegeisterte Volk wie ein riesiges Tentakelmonster, das dem vergifteten See entspringt...

„Früher wollte ich mal Nonne werden oder Bomberpilotin oder vielleicht sogar in die Politik gehen!“

Das klingt nicht nur seltsam, das ist es natürlich auch. Noch ziemlich zu Beginn dürfen Jermaine Jackson und Pia Zadora ihren Pop-Hit „When The Rain Begins To Start“ schmettern und dazu pathetisch und übertrieben durch ein Straßengang-Sujet posieren und tanzen, das bisweilen gar an Fantasy- oder Endzeit-Streifen gemahnt und als Musikvideo ausgekoppelt wurde. Im Anschluss ist Jackson dann nicht mehr zu sehen, Zadora in ihrer Rolle als Dee Dee dafür umso häufiger, bekleidet sie doch die Hauptrolle. Dabei ist sie nicht nur aufgrund ihrer geringen Körpergröße niedlich anzusehen und tanzsingt sich durch diverse richtig gute Songs zwischen Pop, Rock und Rockabilly – sowie jene alberne Rahmenhandlung um die Außerirdischen, die auch noch einen als Hydranten verkleideten Roboter mit sich führen und denen manch Panne passiert: Den einen zerfetzt es sogar in einer Bar im ‘50er-Jahre-Stil, wo ein beträchtlicher Teil des Films spielt.

(Achtung, Spoiler:) Michal Berryman biegt als irrer Ausbrecher mit Kettensäge um die Ecke und dreht mit seinem Psychokumpel auf der Fete durch, wo der „Battle of the Bands“ stattfindet: Frankies Band und die Außerirdischen spielen den gleichen Song – Frankie & Co. in einer Rockabilly-Version und die Aliens ihn bezeichnenderweise als spacigen ‘80er-Pop. Das mutierte Tentakel-Ungetüm taucht auf und Dee Dee ist schließlich drauf und dran, mit dem platinblonden Alien-Bandleader zu dessen Planeten aufzubrechen, macht letztlich jedoch einen Rückzieher, da sie dafür sämtliche Gefühle aufgeben müsste. Da Frankie mittlerweile der Gewalt abgeschworen hat, kommt sie wieder mit ihm zusammen und singt nun mit ihm „When The Rain Begins To Fall“, womit eine Brücke zum Filmbeginn geschlagen wird.

„Voyage of the Rock Aliens“ ist quietschbunt, ‘80er bis auf die Knochen, heillos übertrieben und mal karikierend/satirisch, mal unverhohlen trashig. Für ein geeichtes Publikum ist er damit heutzutage in der Retrospektive sicherlich mehr wert als er es seinerzeit für den Mainstream war und insgesamt schon ein Spaß, der zudem über ein pointiertes Timing verfügt, so dass er kaum langweilig wird. Er ist aber gleichzeitig ein Paradebeispiel für den Over-the-Top-Geist, der damals munter dazu animierte, so viel Unfug auf oberflächliche Weise zusammenzufassen, wie nur irgend möglich und damit zu Recht irritiert. Interessant ist u.a. der Rockabilly-Bezug, der damals ja eigentlich seinerseits retro war, sich jedoch tatsächlich immer wieder in der Pop-Kultur wiederfand. Unterm Strich ist Fargo meines Erachtens ein irrwitziges Zeitdokument gelungen, das Pia Zadora in einer Doppelrolle ihrer beiden Standbeine Gesang und Schauspiel in den Mittelpunkt rückt und mir als bewusst-verklärtem Fan des Jahrzehnts ein debiles Grinsen aufs Gesicht zaubert.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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