Totaler Sperrbezirk - Richard Elfman (Trash Coll. #103)

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Totaler Sperrbezirk - Richard Elfman (Trash Coll. #103)

Beitragvon jogiwan » 17. Dez 2013, 18:40

Totaler Sperrbezirk

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Originaltitel: Forbidden Zone

Alternativtitel: Forbidden Zone - Totaler Sperrbezirk

Herstellungsland: USA / 1982

Regie: Richard Elfman

Darsteller: Hervé Villechaize, Susan Tyrrell, Marie-Pascale Elfman, Matthew Bright, Virginia Rose

Story:

Die total ausgeflippte Familie Hercules zieht in eine neue Behausung. Tochter Frenchy, die immer Bock auf Action hat, findet bald im Keller eine Tür zur Welt der 6. Dimension. Und was sie da erwartet, ist eine Schau, die einen vollkommen aus den Socken haut: Der immer scharfe Zwergenkönig ist ein richtiger Mackertyp, der gerne fremde Schnecken angräbt. Als er Frenchy sieht, rastet er total aus. Seine dauernd motzende Königin hat deshalb einen mächtigen Roches auf ihn. Die Prinzessin im Zwergenreich ist eine rattenscharfe Nymphomanin… (quelle: nervenhammer.de)
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Re: Totaler Sperrbezirk - Richard Elfman (Trash Coll. #103)

Beitragvon jogiwan » 9. Mär 2014, 16:25

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Die etwas seltsame Familie Hercules hat im Keller ihres Hauses eine Tür, die geradewegs in eine andere Dimension führt, wo der dauergeile Zwergen-König Fausto (Hervé Villechaize) seit Jahrhunderten mit seiner übellaunigen und sehr eifersüchtigen Gattin Doris (Susan Tyrrell) über ein wundersames Reich herrscht, welches auch ansonsten von allerlei seltsamen Figuren bevölkert ist. Obwohl Vater und Mutter Hercules daher nicht über diese Tür sprechen, erfährt die von ihrem französischen Schüleraustausch zurückgekehrte Tochter Frenchy (Marie Pascale Elfman) in der Schule von dieser Pforte in die sechste Dimension und nachdem sie erfahren hat, dass auch die Zwillingsschwester ihres Mitschülers Quetschkopf (Matthew Bright) dort gelandet ist, beschließt sie ebenfalls im Keller des Hauses nach der ominösen Türe Nachschau zu halten.

Ein kleines Missgeschick später landet Frenchy auch tatsächlich in der anderen Welt, wo sie mit einem schwungvollen Rumba-Titel begrüßt wird und wenig später von der eifersüchtigen Königin und ihrer nymphomanischen Tochter (Gisele Lindley) in eine Zelle gesperrt wird. Als der kleine König in ebendieser Zelle nach entsprechendem Nachschub für sein reges Sexualleben sehen möchte, trifft er auf Frenchy und ist von der jungen Frau so angetan, dass die eifersüchtige Doris und ihre Tochter fortan keine Gelegenheit auslassen, sich der verhassten Konkurrentin zu entledigen und sperren diese kurzerhand in ihre Folterkammer.

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Das Verschwinden von Frenchy bleibt natürlich ebenfalls nicht unbemerkt und ihr Bruder Flash (Phil Gordon) macht sich gemeinsam mit dem normalerweise am Küchentisch angeketteten Opa auf den Weg um seine Schwester aus der Gewalt des herrischen Despoten zu befreien. Der Trip ist jedoch abermals sehr turbulent und auf ihrer Reise in diese fremde Dimension treffen die Beiden neben allerlei sonderbaren Kreaturen auch auf die Ex-Königin (Viva), die von Doris aus dem Weg geräumt wurde und ebenfalls auf Rache sinnt. Als auch noch Vater Hercules und Quetschkopf in der „Forbidden Zone“ landen und auch noch der Teufel ein Wörtchen mitreden möchte, ist das Chaos endgültig perfekt.

Ich hab ja in meiner zweifelhaften Karriere als Trashfan ja schon so einiges gesehen, doch was Richard Elfman mit seinem 1982 gedrehten Streifen „Forbidden Zone“ dem Zuschauer zumutet, toppt wohl so ziemlich alles und ist ein auch ein zweifelsfrei sehr wilder und ungewöhnlicher Ritt in eine ominöse Parallel-Welt, in der etwaige Befindlichkeiten des Zuschauers wenig Rücksicht genommen wird. Der Trip zu dem Ort, der in der deutschen Fassung klangvoll als „Totaler Sperrbezirk“ angekündigt wird, entpuppt sich als Epizentrum des schlechten Geschmacks und der Film in der kolorierten Fassung als poppig-buntes Trash-Spektakel, das selbst die „Rocky-Horror-Picture-Show zu einem harmlosen Kindergeburtstag inklusive Pony-Reiten verkommen lässt.

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Die „Forbidden Zone“ ist ja ein Ort, der in der deutschen Fassung als „Aktionärsversammlung gestrandeter Existenzen“ bezeichnet wird und das ist eigentlich noch untertrieben. Wo sonst trifft man auf lebensgroße Frösche, kleinwüchsige Könige, nymphomanische Frauen, Drag-Queens und Männer in Jockstraps, die sich ein einer musikalischen Nummer-Revue mit loser Rahmenhandlung ein Stelldichein geben. Doch auch die reale Welt ist in „Totaler Sperrbezirk“ um nichts besser und präsentiert die dysfunktionale Familie ebenfalls sehr sonderbar und was bei den Kindern am Schulplan steht, muss man wohl ebenfalls gesehen haben.

Wie der Zuschauer in der interessanten Making-Of-Dokumentation erfährt, ist „Forbidden Zone“ dann auch die Zusammenfassung einiger Bühnenprogramme des Künstlerkollektivs und Musical-Theatergruppe namens „Mystic Knights of Oingo Boingo“, die unter dem Titel „Oingo Boingo“ in den Achtzigern und Neunzigern auch einige Alben abgeliefert haben und neben Richard Elfmans damaliger Gattin Marie Pascal Elfman, der im Film die Rolle der Frenchie auf den Leib geschrieben wurde auch sein Bruder Danny Elfman angehörte, der ja mittlerweile zu einem der bekanntesten und auch vielbeschäftigten Komponist für Soundtracks gehörte, der vor allem durch seine zahlreichen Arbeiten für Tim Burton bekannt ist.

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Wenig verwunderlich, dass daher auch Musik ein sehr wesentlicher Teil des Streifens ist und der Zuschauer wird im Verlauf von Charleston, über Rumba bis hin zu Ska-Punk mit einem turbulenten Genre-Mix konfrontiert, der mindestens genauso unorthodox wie der Inhalt des Films ausgefallen ist. Die wohl von „Alice im Wunderland“ inspirierte Geschichte tritt in „Forbidden Zone“ ja auch eher in den Hintergrund und dient auch lediglich als verbindendes Element für die zahlreichen Musical-Nummern und eine tiefergehende Charakterisierung findet in dem mit knapp 70 Minuten auch recht kurz ausgefallenen Streifen ebenfalls nicht statt.

Statt Spannung oder Substanz setzt man Elfman in dem über mehrere Jahre entstandenen Streifen „Totaler Sperrbezirk“ ja auch eher auf totale Reizüberflutung und bietet in dem ursprünglich in schwarz/weiß und auf 16mm gedrehten Werk, dass im Jahr 2008 nachkoloriert wurde, neben Pappkulissen und von John Muto animierten Szenen auf haufenweise bizarre Settings, skurrile Charaktere, Overacting und sogar ein bisschen Schmodder, der jedoch ebenfalls sehr augenzwinkernd in Szene gesetzt wurde, sodass der Streifen trotz seiner ein, zwei oder auch wesentlich mehr Geschmacklosigkeiten und nackter Hinterteile eine FSK16-Freigabe verpasst bekam.

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Das man „Totaler Sperrbezirk“ ohnehin nicht sonderlich ernstnehmen kann, sorgt auch die deutsche Synchro, die inklusive Erzähler komplett auf sinnfreien Klamauk gebürstet ist und die ansonsten eher anarchistische Grundstimmung der englischen Fassung in seinem bissigen Witz entschärft und seine Protagonisten Sprüche wie „mein Kaktus hat Nachtfrost“ und „deine Waschstrasse hat ein Leck“ in den Mund legt, die im Original nicht vorkommen. Meines Erachtens funktioniert „Forbidden Zone“ daher in der englischen Originalfassung auch wesentlich besser, da die überdrehte Mischung aus Dadaismus, überzeichneten Charakteren und skurrilen Entwicklungen inklusive geschmacklicher Entgleisungen diese Comedy-Synchro inklusive Kalauer am laufenden Band auch gar nicht nötig haben.

Darstellerisch darf man sich in dem trashigen Werk auch nicht zu viel erwarten und neben dem bereits erwähnten Overacting ist in dem Streifen, der sich größtenteils aus dem Umfeld der „Mystic Knights of Oingo Boingo“ zusammensetzt auch eher voller Körpereinsatz gefragt. Bekanntestes Gesicht ist dabei der kleinwüchsige und französische Schauspieler Hervé Villechaize, den der Zuschauer neben der Serie „Fantasy Island“ vor allem als Christopher Lees Auftragskiller in dem James Bond-Abenteuer „Der Mann mit dem goldenen Colt“ bekannt. Ihm zur Seite steht Susan Tyrrell, die man vor allem als resolute Großmutter aus John Waters` Cry Baby“ kennt, Danny Elfman gibt den Satan persönlich, Joe Spinell den Schläger, und auch Viva, ihres Zeichens Ex-Muse der Warhol-Factory ist in der Rolle der Ex-Königin zu sehen.

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Während „Forbidden Zone“ vor allem im englischsprachigen Raum schon längst Kult ist und auch regelmäßig in Listen mit den schrägsten Filmen aller Zeiten auftaucht, war Elfmans Streifen bislang eher nur einer kleinen Schar von Filmfreaks bekannt, die sich für abseitige Filme interessieren. Das ändert sich nun hoffentlich mit der wunderbaren Veröffentlichung von CMV-Laservision, die den Streifen passenderweise als Nummer 104 der Trash-Collection präsentiert, wo der sicherlich zu den absoluten Highlight des umfang- und abwechslungsreichen Programms zählt.

Neben den Hauptfilm in schwarz/weiß bzw. in der kolorierten Fassung aus dem Jahre 2008 in sehr guter Bildqualität bietet die Scheiben neben der deutschen Comedy-Synchro dankenswerterweise auch den englischen Originalton. Auch das Bonusmaterial kann sich mehr als sehen lassen und bietet die interessante Doku „A Look into Forbidden Zone“, die einige der Beteiligten Jahrzehnte später wieder vor der Kamera versammelt, sowie „Outtakes“ und „Entferne Szene“, was ja irgendwie dasselbe ist, sowie ein Musikvideo der Gruppe „Oingo Boingo“, Clips und Trailer, sowie ein für den japanischen Markt gedrehten Promoclip.

Unterm Strich bleibt ein wüstes Musical-Werk, bei dem wohl trotz eher kurzer Laufzeit kein Auge trocken bleibt und wahlweise in der deutschen Comedy-Fassung, wie auch in der etwas bissigeren Originalversion überraschend gut funktioniert und das über die Jahre auch wenig von seinem anarchistischen Charme verloren hat. Irgendwie ist „Forbidden Zone“ so etwas wie der böse, kleine Zwilling der „Rocky Horror Picture Show“, der das wesentlich kleinere Budget mit viel kreativen Ideen, schmissigen Songs, gutgelaunter Akteure und Geschmacklosigkeiten am laufenden Band auch mühelos zu überdecken vermag. „Totaler Sperrbezirk“ ist dann auch eines der ganz großen Highlight, der an Höhepunkten ohnehin nicht gerade armen „Trash Collection“ und ein herrlich infantiler Spaß mit viel Musik, der sicher noch oft im Player landen wird.

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Re: Totaler Sperrbezirk - Richard Elfman (Trash Coll. #103)

Beitragvon Arkadin » 10. Mär 2014, 10:57

Im Keller des Hauses der Familie Hercules gibt es eine geheimnisvolle Tür, die in die Sechste Dimension führt. In dieser regieren der zwergenhafte König Fausto (Hervé Villechaize) und seiner Domina-mäßigen Königin Doris (Susan Tyrrell). Nachdem die Tochter der Hercules, Frenchy (Marie-Pascale Elfman), von ihrem Klassenkameraden Squeezit (Matthew Bright) gehört hat, dass dieser in einer Vision gesehen habe, dass seine transsexuelle Schwester René (ebenfalls Matthew Bright) durch die Tür im Keller der Hercules in die sechste Dimension geraten ist, beschließt Frenchy einen kurzen Blick hinter die Tür zu wagen. Es kommt, wie es kommen muss. Frenchy gerät ebenfalls in die sechste Dimension und wird dort gefangen genommen. Nach und nach folgen ihr ihre Familienmitglieder, und was sie in der Sechsten Dimension erleben, sprengt jegliche Logik…

Holla, was ist das den? Es gibt viele Filme, denen das Prädikat „Kultfilm“ aufgedrückt wird. Aber „Forbidden Zone“ hat diesen Stempel mehr als verdient. Der erste Spielfilm von Richard Elfman sprüht nur so über vor verrückten Ideen, purem Wahnsinn und filmischen Extravaganzen. Obwohl wahrscheinlich nur aus Budgetgründen in schwarz-weiß gedreht, entpuppt sich diese Entscheidung als genau die richtige. „Forbidden Zone“ vereint Elemente des expressionistischen Stummfilms, des frühen Slapsticks und des Vaudeville, und mixt diese mit avantgardistischem Dada, Three-Stooges-Humor, Cartoons, Terry-Gilliam-Animationen, John-Waters-Geschmacklosigkeiten und Musicalelementen. Mal erinnert er an einen amoklaufenden Guy Maddin auf Ecstasy, dann wieder an die „Rocky Horror Picture Show“. Und inmitten des Wahnsinns schwingt eine in eine enges Lederkostüm gequetschte Susan Tyrrell die Peitsche, während.. als ihre Tochter barbusig durch die Gegend hüpft. „Forbidden Zone“s überbordender Einfallsreichtum und Mut einfach mal ohne Sinn und Verstand über die Stränge zu schlagen, lässt einen atemlos und trotz der kurzen Laufzeit von nur 70 Minuten auch etwas erschlagen zurück.

„Forbidden Zone“ ist ein Projekt, welches seine Wurzeln in der extravaganten Show der Musiktheater-Gruppe „The Mystic Knights of the Oingo Boingo“ hat. Einer avantgardistischen Musik-Theater-Truppe, die zeitweise bis zu 15 Mitglieder auf die Bühne brachte. Gegründet wurde sie 1972 von Richard Elfman und seinem jüngeren Bruder Danny. Die Band spielte Musik aus den Jahren 1890 bis 1950. Dies konnten Songs von Cab Calloway, russische Ballettmusik oder balinesische Volksmusik sein. Gespielt wurde auf selbstgebauten Instrumenten und in fantasievoller Kostümierung. Bereits 1976 begann sich Richard Elfman für Filmregie zu interessieren und übergab die Leitung der „Mystic Knights“ an seinen Bruder Danny. Jetzt begannen sie auch Singles aufzunehmen, zuvor hatten sie ausschließlich live performt. 1979 begann die Band sich unter Dannys Leitung in eine „echte“ Band zu verwandeln. Der Name wurde auf „Oingo Boingo“ verkürzt und von einer vielköpfigen Theatertruppe auf acht Mitglieder verkleinert. Bald schon stellte sich im Zuge der New Wave der erste Charterfolg ein. „Oingo Boingo“ wurde eine international erfolgreiche Musikgruppe und existierte bis 1995. Zu diesem Zeitpunkt war Danny Elfman bereits einer der berühmtesten und vielbeschäftigsten Filmkomponisten Hollywoods. Er schrieb für alle Tim-Burton-Filme die Musik und kooperierte häufig mit Sam Rami, für den er u.a. „Spider-Man“ vertonte. Zudem ist ihm das Titelthemen der TV-Serien „Die Simpsons“ und „Desperate Housewives“ zu verdanken.

Die Idee zu „Forbidden Zone“ hatte Richard Elfman, weil er die extravagante Bühnenshow der „Mystic Knights of the Oingo Boingo“ festhalten wollte und den ganzen Wahnsinn, den sie produzierten. Vergleicht man den Film mit den Videoaufnahmen der „Mystic Knights“-Show, die freundlicherweise in den Extras zu sehen sind, erkennt man einerseits, dass Elfman dieses Vorhaben geglückt ist und er andererseits die Schraube noch viel mehr anzog. Das Tohuwabohu der „Mystic Knights“ wurde noch mit filmischen Extravaganzen und genuinen Irrwitz angereichert, so dass der Film am Ende weit über eine bloße Hommage an die „Mystic Knights“ hinausgeht. Die Dreharbeiten erstreckten sich über drei Jahre. Zunächst war ein 16mm Film unter dem Titel „The Hercules Family“ mit 12 „Mystic Knights“-Nummern geplant. Zwei Nummern wurden gedreht (ebenfalls in den Extras zu finden), dann aber wurde das Projekt größer, es wurde auf 35mm gedreht und die bereits fertigen Szenen neu konzipiert, damit sie in den neuen Film, der jetzt „The Forbidden Zone“ hieß, passten. Die Dreharbeiten waren chaotisch und irgendwann halfen auch die Schauspieler mit, ihre Kostüme zu schneidern und Kulissen zu bauen.

Ein nicht unwichtiger Faktor für den Erfolg des Filmes ist, neben der Musik, auch die großartige Arbeit von Richard Elfmans damaliger Ehefrau Marie-Pascale Elfman, die nicht nur eine der Hauptrollen spielte, sondern auch für das Design der expressionistisch-naiven Kulissen zuständig war. Beim Casting wurde zunächst natürlich auf die Mitglieder der „Mystic Knights“ gesetzt. Dann wurden Verwandte und Bekannte dazu geholt. Ein besonderer Coup gelang mit der Besetzung von Hervé Villechaize, der berühmt wurde als Christopher Lees teuflischer Handlanger Nick Nack in dem James-Bond-Abenteuer „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und als Mr. Roarkes Assistent Tattoo in der in den USA enorm populären TV-Serie „Fantasy Island“. Villechaize war ein ehemalige Mitbewohner von „Forbidden Zone“s Co-Drehbuchautor und Darsteller des Squeezit, Matthew Bright und brachte noch seine Ex-Freundin Susan Tyrrell mit. Gerade Susan Tyrrell gibt dem Film noch zusätzlich Würze. Ihre hemmungslose und de Grenze zum Wahnsinn einige Male überschreitende Darstellung der Königin Doris sprengt förmlich den Bildschirm. Dass Frau Tyrrell auch im wahren Leben eine sehr explosive und extrovertierte Persönlichkeit war, kann man einerseits in den Extras bestaunen, andererseits in einem Interview mit John Waters, welches er vor einige Tagen „Spiegel Online“ im Rahmen seiner „This Filthy World“-Tour gegeben hat, nachlesen. Dort sagt er über Susan Tyrrell – die in seinem „Cry Baby“ eine ähnlich erinnerungswürdige Darstellung gab: „Die (war) zwar die ganze Zeit betrunken (…), (hat) aber trotzdem umwerfend gespielt (…)! Es war nur manchmal ein wenig irritierend, mit ihr zu reden, weil ihre Augäpfel die ganze Zeit wie wild hin- und herflackerten…”. Leider nahm es mit Frau Tyrrell ein trauriges Ende. Aufgrund einer seltenen Krankheit mussten ihr 2000 beide Beine amputiert werden, was sie aber nicht davon abhielt, noch bis zum ihrem frühen Tod 2012 weiter in Filmen aufzutreten.

Neben Villechaize und Tyrrell kann man noch die Ex-Warhol-Muse Viva als Ex-Königin und Joe „Maniac“ Spinell in einer deutlich von „Marnie“ inspirierten Szene als Squeezits betrunkener und gewalttätiger Vater sehen. Noch einmal deutlich hervorheben muss man aber die Gesang- und Tanzkünste von Marie-Pascale Elfman, dem heimlichen Star des Filmes. Generell spielt die Musik naturgemäß eine große Rolle in „Forbidden Zone“ und die Bandbreite reicht von Playback-Aufnahmen alter Jazz- und Swing-Standards, über die brillante Coverversion von „Minnie the Moocher“ von Danny Elfman bis in zum unvergesslichen Titelthema, welches von „Oingo Boingo“ eingespielt wurde und schon deren musikalische Ausrichtung am New Wave in den 80er Jahren deutlich macht. Dieses wilde Potpourri an Musikstilen passt hervorragend in einen Film, der insgesamt ausgesprochen zusammengewürfelt wirkt. Was in diesem speziellen Fall nicht negativ gemeint ist.

„Forbidden Zone“ ist Chaos und Wahnsinn pur. Ein expressionistisches Cartoon-Musical mit Monty-Pythonesquen Animationen, avantgardistischen Einfällen, schlechten Witzen und nackten Brüsten. Irgendwo zwischen aus dem Ruder gelaufenen Vorschultheater und Experimentalfilm. Das kann man lieben oder hassen. Kein Film für jedermann.

Die CMV-DVD ist sehr vorbildlich. Der Film wird in der bestmöglichen Qualität präsentiert. Neben der originalen schwarz-weiß-Version kann man auch eine kolorierte Fassung auswählen. Die Kolorierung wirkt – wie so häufig – etwas „unecht“, wurde aber so von Regisseur Richard Elfman durchgeführt, der den Film von vornherein gerne bunt gedreht hätte. Allerdings geht die Farbe zu Lasten der expressionistischen und an Stumm- und Slapstickfilme gemahnende Bildkomposition. Die Extras lassen keine Wünsche offen und sind hoch informativ. Insbesondere kann man hier sehr genau die Karriere Danny Elfmans verfolgen. Kernstück der Extras ist die 36-minütige Doku „”A Look into Forbidden Zone“ in der Richard Elfman seine damaligen Mitstreiter interviewt. Des Weiteren kann man sich 10 Minuten „Outtakes“ ansehen und 5-Minuten aus dem ursprünglichen 16mm „The Hercules Family“-Film. In einer 4-minütigen japanischen Promo tritt Richard Elfman als Zirkusdirektor auf und erzählt über die Entstehung des Filmes. Wenn man wissen möchte, wie es mit „Oingo Boingo“ weiterging, der kann sich ein Musikvideo der Gruppe von 1982 ansehen, welches Richard Elfman gedreht hat: „Private Life“. Und obendrauf gibt es noch einen Audiokommentar von Richard Elfman und Matthew Bright, der wie die meisten Extras von der US-amerikanischen „Fantoma“-DVD übernommen wurde. Super!

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/02/ ... dden-zone/
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Re: Totaler Sperrbezirk - Richard Elfman (Trash Coll. #103)

Beitragvon karlAbundzu » 15. Aug 2016, 09:26

Soll man was über die Handlung sagen, bringt das was? Eine typische amerikanische Familie zieht in ein Haus, im Keller ist eine Tür, die in die sechste Dimension führt, die Tochter geht hinein und gerät zwischen einen geilen kleinwüchsigen König und seiner Ehefrau. Nach und nach kommen andere, um sie zu retten.
Ein Film am Übergang von der Showtruppe THE MYSTIC KNIGHTS OF OINGO BOINGO zu der Wave-Band OINGO BOINGO. Während die Mystic Knights durchgeknallte Live-Shows mit viel Revuemusik der 20er und 30er machten, unter der Leitung von Richard Elfman, wollte sein Bruder und Komponist Danny Elfman mehr Richtung Ska und Wave Band. Richard hörte auf und widmete sich dem Filmgeschäft. Sein Debut sehen wie hier. Der Cast besteht hauptsächlich aus den Mystic Knights, die Musik ist einerseits von dem Devo-ähnlichen New Wave Sound als auch von den alten Revuenummern geprägt (Toller Auftritt Danny Elfman als Satan, der Minnie the Moocher singt), die Story ist einfach wahnsinnig, die Bauten herrlich Pappkulissen, so dass das auch an andere deutsche Zeitgenossen erinnert (Rainer Kirberg viel mir ein, und auch was so im TV und Videos von NDW Leuten wie Dorau viel mir ein, und auch ein Wenzel Storch ist nicht weit, was auch zur märchenhaften Story passt)
Das bringt ein ständig zum Lachen, lässt einen die Augen offenstehen und den Mund.
Toller Film und schönes Zeitdokument!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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