Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo (1978)

Klamauk, Satire & jede Menge Gags

Moderator: jogiwan

Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo

Beitragvon dr. freudstein » 7. Aug 2013, 23:05

egal. auch wenn meine "Reviews" nicht wirklich prägend sind, so sind sie halt eine Momentaufnahme bereits gesichteter Filme für mich. Besser krieg ich es nicht hin, sorry.

SIE NANNTEN IHN MÜCKE
TV Rip, digital


Bud Spencer mal solo ohne Terence Hill - und es funktioniert.
Erstmalig sah ich diesen Streifen wohl ab 1982, denn der Vater (Baggerfahrer, HB Raucher) hatte eine stattliche Video 2000 Sammlung mit überwiegend Bud Spencer/Terence Hill Filmen, die ich mit seinem Sohn rauf und runter sah. Das mit dem Rauchen haben wir zwar auch mal kurzmalig angenommen, schnell aber als schlechte Idee verworfen. Wir hatten viel mehr Spass mit den Prügel-Slapstick als mit dem Rauchen.

Nun, viele Jahrzehnte danach, überkamen mich doch Zweifel. Nicht wegen dem Rauchen, dieses fing ich leider kurz vor 30 wieder an, aber ob dieser Film mir noch mal wieder Spass bringen würde??? Ergebnis: ja hat er absolut, hab schon fast wieder Lust zur Zweitsichtung nach diesem historischem Revival.

Mücke, im Original eigentlich DER BULLDOZER soll hier ein italienisches Footballteam aufbauen und gegen die Kontrahenten von dem amerikanischen Footballteam zum Sieg führen. Da ihm die Paella nach Rezept, der Motor im Arsch ist seines Fischkutters, nicht so gelingt und er eigentlich noch eine Revanche auszutragen hat mit dem Footballtrainer einer US Armee (kein anderer als Raimund Harmstorf) lässt er sich breit schlagen (breite Figur hat er tatsächlich), denn schliesslich kratzen diese an seiner italienischen Ehre. Diese US Amisoldaten zerschlagen in regelmässigen Abständen seine örtlichen Kneipen, denn nur dort gibt es Omelettes mit gerade einmal nur 20 Eiern, die auch zerschlagen werden wollen. Natürlich ohne Zwiebeln, um den Magen zu schonen. Eine der Running Gags, der mir bis heute behaftet blieb ebenso die klappernden Türen "Vorsicht an den Türen", aber das war aus einem anderem Film. Manche Szenenfetzen kamen einem in den Sinn, aber diese stammten wohl aus DER BOMBER (1982), wo es um dem Aufbau einer Boxerkarriere ging, die allerdings gründlich in die Hose ging. Inhaltsgleich, aber deutlich peinlicher.

Der plappernde Papagei darf hier natürlich auch nicht fehlen "Scheiss Amis". Eine professionelle Footballmannschaft gegen blutige Anfänger, die wie für Italiener üblich, vorwiegend aus Taschendieben besteht, soll gegen diese Profis bestehen, gleichwohl aber, so findet Mücke vom falschen Weg abkommen und sich lieber auf das bevorstehende Match konzentrieren sollen. Hartes Training und Nikotinverzicht ist angesagt, aber damit können sich die wenigstens mit abfinden. Einige Anekdoten zu anderen Filmen aus der Hitfabrik finden hier Erwähnung, wie z.B. an NOBODY (mit Terence Hill) beim Kartenspiel. Auch hier finden sich viele billige und doofe Gags, für die sich Rainer Brandt verantwortlich zeichnete, die aber heute nicht mehr so ganz funktionieren (bitte nicht in einem Organspendeausweis eintragen lassen, diese Nieren sind untauglich), aber dennoch nicht zu peinlich wirken.

Ja, Italiener sind alles Taschendiebe, aber aus ihnen kann auch eine akzeptable Footballmannshaft werden unter der Regie von MÜCKE, dem Ex-Profi. Natürlich wird aus dem Spiel enttäuschender Ernst, aber wie eigentlich vorhersehbar, treten die eigentlichen Kontrahenten, die noch eine alte Rechnung zu begleichen haben, den Kampf gegeneinander an. Das Ergebnis ist geübten Cineastisten von Anfang an klar, aber dennoch ein kurzweiliger, wenn auch vorhersehbarer Spass. Dürfen Trainer überhaupt im Spiel mitwirken? Einige Fehler gibt es auch, manche Nummern sind mehrfach vertreten...

Neben dem schon einprägsamen Score bekommt man hier noch ein eigenes Spencer Lied serviert.
Was will uns dieser Film sagen? Das Sport aus Kleinkriminellen bessere Menschen macht, die nicht, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, stehlen müssen, lieber via Sport zum Erfolg gelangen? Ich denke, keines von beiden, denn an erster Linie stand hier der Unterhaltungswert und mit diesem wurde man bestens bedient, auch wenn man nicht unbedingt auf Komödien steht.

Wie also sollte dieser BUD SPENCER Film am besten genossen werden?
Als ein Film mit BUD SPENCER?
Als Rainer Brandt Film?
Im Kino unter Einfluss von einigen Bierchen?
Als Fan von leichter Unterhaltung?
An einem verregneten Sonntagnachmittag
oder gar als Betthupferl?

Nun, ich denke, von jedem etwas sollte dabei sein, um seinen Spass hiermit zu haben. Möglicherweise sind meine Punktevergabe noch zu niedrig angesiedelt. Bei entsprechender Laune geht da noch mehr

7/10
dr. freudstein
 
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Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo

Beitragvon buxtebrawler » 31. Mai 2014, 21:08

„Football ist kein Murmelspiel!“

Nach drei von vier „Plattfuß“-Filmen stand Bud Spencer („Das Krokodil und sein Nilpferd“) im Jahre 1978 erneut ohne Terence Hill für eine seiner Haudrauf-Komödien vor der Kamera, diesmal der Michele Lupos („Arizona Colt“), der im Anschluss noch vier weitere Filme mit Spencer in der Hauptrolle drehen sollte. Die im Militär- und Kleinkriminellen-Milieu und sich mit American Football auseinandersetzende, italienisch-deutsch produzierte Action-Komödie „Sie nannten ihn Mücke“ wurde ein großer Erfolg und zählt unter Fans zu den favorisierten Solo-Auftritten Spencers.

Im italienischen Neapel herrscht Rivalität zwischen den dort stationierten US-Militärs um Sergeant Kempfer (Raimund Harmstorf, „Der Seewolf“) und der einheimischen Bevölkerung. Man misst sich im Armdrücken und in Kneipenschlägereien. Seebär und Ex-Football-Spieler Mücke (Bud Spencer) will eigentlich in erster Linie seine Ruhe haben und als Fischer arbeiten, doch als das Teleskop eines US-U-Boots sein Schiff durchrammt, benötigt er ein Ersatzteil von den Amerikanern. Kempfer verweigert ihm dies, weil er ihm noch immer krumm nimmt, sich aus dem Football-Sport zurückgezogen zu haben. Nach einer weiteren Kneipenschlägerei fordern die Amis die frechen italienischen Kleinkriminellen zu einem Football-Match heraus: Wenn den Italienern auch nur ein Punkt gelingt, gilt das Spiel für sie als gewonnen. Mücke lässt sich breitschlagen und trainiert den Haufen...

„Das ist kein Spiel, das ist ein Massaker!“

Nach einem humoristisch gelungenen Einstand, der den Unfall mit Mückes Kutter zeigt, folgt direkt die erste Kneipenszene, in der sich Kempfer & Co. im Armdrücken mit den Einheimischen messen. Als sich Mücke einmischt und gegen Kempfer gewinnt, folgt die obligatorische Massenschlägerei. Seinen ersten Bezug zum Football-Sport stellt „Sie nannten ihn Mücke“ her, als er Kempfer als Trainer der US-Militärmannschaft zeigt. Kaum hat Mücke sein Omelette aus 20 Eiern verspeist, nimmt er nach einem fingierten Treffen der einheimischen Rotzlöffel die Kneipe ein weiteres Mal auseinander und es im Alleingang mit der Armee auf. Im Anschluss steht er als Trainer fest und rekrutiert sein Team u.a. beim örtlichen Hehler, den er nach flinken potentiellen Spielern befragt. Diese witzige Herangehensweise kolportiert die Aussage, dass sportliche Ertüchtigung das Potential habe, jugendliche Kleinkriminelle von der Straße zu holen. Wie in manch Sportfilm geht es fortan um den Aufbau eines Außenseiters, der im finalen großen Duell den Sieg holen soll – allerdings in Bud-Spencer-Manier. Das bedeutet viele Slapstick-Einlagen, gegenseitiges Gestichel (bei dem Mückes Schützlinge nicht immer allzu gut wegkommen, so beklauen sie ihren Gegner während eines freundlichen Besuchs Kempfers, der Mitbringsel dabei hat und lobende Worte findet, und zapfen ihm Benzin aus dem Tank) und eine weitere Massenschlägerei, nachdem Mücke Falschspielertricks entlarvt hat – erneut rasant und humoristisch inszeniert, spätestens hier nun aber mit zu vielen albernen Gags versehen.

Wesentlich ernsthafter geht es im Mittelteil zu, wenn Mücke als Eigenbrötler, aber auch altersweiser und väterlicher Freund auftreten muss, um die Mannschaft zusammenzuhalten. Einer seiner Spieler wird abtrünnig, einen miesen Schlägertypen rehabilitiert er fürs Team, doch die anderen haben plötzlich keinen rechten Bock mehr. Diese Entwicklung geht reichlich holterdipolter und generell verliert der Film nie Zeit, seine Geschichte voranzutreiben, wirkt manchmal fast schon hektisch. Als Mücke seine Jungs wieder alle zusammen hat, geht es flugs ins Finale und die alles entscheidende Partie wurde wirklich witzig umgesetzt. Die „Rangers“ beginnen schließlich, unfair zu spielen und das Match mündet in – natürlich – eine Schlägerei. Als Mücke sich jedoch kurzerhand selbst einwechselt, wird die vordergründige Aussage des Films endgültig ad absurdum geführt, denn mitnichten gelang es, aus Straßenjungs leistungsfähige Sportler zu machen, die sich ihren Ehrenpunkt holen. Und wie es dann eben so ist, wechselt sich Kempfer ebenfalls ein und so kommt es zum finalen Duell zwischen beiden Streithähnen. Schade, dass „Sie nannten ihn Mücke“ seine Linie letztlich doch nur wieder für fragwürdigen Schlägerhumor und volle Fokussierung auf Spencer aufgibt und damit irgendwie verschwendet wirkt.

Der Soundtrack besteht in erster Linie aus der immer gleichen, aber schönen „Oliver Onions“-Melodie, allerdings trällert Mücke auch ein Liedchen zusammen mit seiner Mannschaft. In Urlaubsstimmung versetzen die schönen sommerlichen Bilder, das Training am Strand etc. und tragen zum Wohlfühlfaktor des zwar vielversprechend und frech beginnenden, überraschend Besatzer-kritischen Films bei, der letztlich leider dann doch wieder zur Schläger- und Sprücheklopfer-Revue abflacht. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass aus dem im Original „Bulldozer“ genannten Mann in der deutschen Fassung „Mücke“ wurde.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo

Beitragvon ugo-piazza » 1. Jun 2014, 17:28

buxtebrawler hat geschrieben: Bemerkenswert finde ich allerdings, dass aus dem im Original „Bulldozer“ genannten Mann in der deutschen Fassung „Mücke“ wurde.


In der Tat. :D

"You can see a mountain, here comes Bulldozer!"

Ich mag den eigentlich ganz gerne, ist auch mein meistgesehener Film von Spencer oder Hill.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo

Beitragvon Onkel Joe » 1. Jun 2014, 17:42

Da hat auch Rainer Brandt ganz ordentlich seine Finger mit im Spiel gehabt ;). Ich glaube Drehbuch, Idee als auch Synchro geht auf seine Kappe und die Mücke rockt einfach das HAUS!!
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Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo

Beitragvon Onkel Joe » 25. Dez 2015, 11:18

Lief gerade auf Kabel 1 und das war natürlich ein herrlicher Einstieg in den ersten Weihnachtsfeiertag!
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Re: Sie nannten ihn Mücke - Michele Lupo (1978)

Beitragvon Kampfgigant » 20. Apr 2016, 23:37

Bei der Neuauflage der DVD von Universum kann man entscheiden, ob man den Film in der Kinofassung oder als Langfassung (die bisher fehlenden Szenen haben deutsche Untertitel) anschauen möchte. Wer den Film mag, wird auch Spaß an der Langfassung haben. Buddys Besuche beim Barbier fand ich sehr lustig, und andere Prügelszenen sind auch länger.
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