Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon bloody_moon » 28. Nov 2013, 18:01

weiss nicht, mir will der einfach nicht munden :evil:
ist für mich weit entfernt von einem ital. Giallo. Respekt aber.......
das man sich traut den Hauptdarsteller zur Mitte de Films über die Klinge springen zu lassen!
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Adalmar » 2. Nov 2014, 16:50

Lese gerade: Die Tochter des Regisseurs, Federica Mogherini, war vom 22. Februar bis zum 31. Oktober 2014 Außenministerin Italiens und wurde gestern "Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik". Ob sie auch einen gelben Pyjama ihr eigen nennt, ist mir nicht bekannt.
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Prisma » 17. Feb 2015, 15:50



BLUTIGER ZAHLTAG

● LA RAGAZZA DAL PIGIAMA GIALLO / LA CHICA DEL PIJAMA AMARILLO / BLUTIGER ZAHLTAG / THE PYAMA GIRL CASE (I|E|1977)
mit Ray Milland, Dalila di Lazzaro, Michele Placido, Howard Ross, Ramiro Oliveros, Rod Mullinar, Giacomo Assandri und Mel Ferrer
eine Produktion der Zodiac Produzioni | PICASA
ein Film von Flavio Mogherini


Bild Bild

»Dass sie vor ihrem Tod noch Geschlechtsverkehr hatte sagt mir nicht viel!«


In einem Autowrack am Strand findet man eine bis zur Unkenntlichkeit entstellte Frauenleiche die einen auffälligen gelben Pyjama trägt. Das Opfer wurde erschossen und ihr wurde zusätzlich der Schädel eingeschlagen bevor man versuchte sie zu verbrennen. Die Stadt ist in Aufruhr und die Polizei gerät unter immensen Druck, den Mörder so schnell wie möglich zu finden. Inspektor Ramsey (Ramiro Oliveros) von der Mordkommission scheint bislang im Dunkeln zu tappen, da das Motiv im Unklaren liegt. Der bereits pensionierte Inspektor Thompson (Ray Milland) bietet ihm seine Hilfe an und es scheint, dass er aufgrund seiner unorthodoxen Ermittlungen und der jahrelangen Erfahrung immer einen Schritt voraus ist. Als sich die verfolgte Spur tatsächlich als brandheiß herausstellt, wird es für den ehemaligen Inspektor sehr gefährlich. Vom Polizeiapparat ist jedoch keine Hilfe zu erwarten, da man bereits den mutmaßlichen Täter, einen altbekannten Voyeur (Giacomo Assandri), dingfest gemacht hat und des Mordes beschuldigt...

Flavio Mogherinis Film beginnt recht eigenartig mit einer Off-Stimme die erklärt, dass es sich um einen Fall nach wahren Begebenheiten handelt, der an Originalschauplätzen stattfindet. Der Zuschauer wird sich über die gesamte Spieldauer an diese Information erinnern, was eine große Verwirrung stiftet, weil man eigentlich keinen Realitätstransfer wahrnehmen kann und die Geschichte ziemlich inkohärent erzählt wirkt. Auf der anderen Seite beginnt "Blutiger Zahltag" aber auch richtig spektakulär als eine nicht zu identifizierende Leiche gefunden wird. Das Setting ist idyllisch, der harte Schock wurde über ein Kind gesetzt, was sich ja erfahrungsgemäß immer gut auszahlt um den Zuschauer zu beunruhigen. Nach wenigen Minuten zeigt sich außerdem, dass der Film von handwerklicher Seite bemerkenswerte Akzente in den Bereichen der Bildgestaltung und der Detail-Orientierung setzen wird, doch langsam aber sicher kippt das Ganze dem Empfinden nach um. Man bekommt den Eindruck, dass die Regie ausschließlich über die visuelle und akustische Wahrnehmung des Zuschauers zu punkten versucht, um die vermeintlich schwache Dramaturgie zu verschleiern. Aber bei diesem Verlauf sollte man sich selbst am wenigsten trauen! Des Weiteren lebt der Film von Riz Ortolanis überragender Musik die Stimmungen provoziert und geschilderten Emotionen greifbare Gesichter verleiht. Was die Besetzung angeht, so war der erste Blick relativ ernüchternd, doch es stellt sich umgehend heraus, dass wirklich alle Darsteller zu Höchstleistungen auflaufen und tiefe Charakterzeichnungen kreieren.

Das Geschehen ist angereichert mit einer bunten Mischung an unterschiedlichsten Personen, die quasi im gegenseitigen Einvernehmen nur hohe Widerstände zu Tage bringen. Ray Millands Rolle ist ein kleiner Seitenhieb an die Polizei und deren moderne Auffassungen und progressive Methoden, sein Zynismus bereichert das Geschehen ungemein doch es scheint, als laufe er einem Phantom hinterher. Seine gesammelten Indizien wirken daher wie ein Sack Reis, der gerade in China umgefallen ist. Die beiden Inspektoren Ramsey und Morris (sehr eingängig dargestellt von Ramiro Oliveros und Rod Mullinar), erwecken den Eindruck von auffälliger Inkompetenz, was aber auch wiederum nur an dem renitenten Ermittler a.D. liegt, der mit seiner Schnüffelnase überall zu sein scheint. Sympathiepunkte werden nur spärlich verteilt, so dass man jeden in den Kreis der Verdächtigen mit hinein denkt. Wo es auf Seiten der Polizei noch nachvollziehbar ist, warum die Personen im Geschehen auftauchen, hat man mit dem Rest der Cast wesentlich größere Probleme sie adäquat zuzuordnen, beziehungsweise wenn man ehrlich ist, tappt man genau wie die Polizei vollkommen im Dunkeln. So kristallisiert sich dem Anschein nach eine völlig überflüssige Nebenhandlung heraus, von der man meinen möchte, dass man sie sich auch getrost hätte sparen können. Ein von komplexen überlagerter italienischer Kellner namens Antonio, der Glenda, eine Art pathologische Hure heiratet, deren Probleme, Kämpfe und Schicksalsschläge, ja, es gibt mehrere Charaktere die nicht ins Geschehen hinein passen wollen. Auch Glendas ungemütlich wirkender Liebhaber oder der Professor, ein väterlich wirkender Freund von ihr stiften nichts als Ratlosigkeit. Aber es ist Vorsicht geboten und darüber hinaus eine immens hohe Konzentration erforderlich. Besonders hervorzuheben ist tatsächlich Dalila Di Lazzaro die mit ihrer Rolle der Glenda besondere Verwirrung stiftet, und die hervorragend spielt und noch besser aussieht.

Um ehrlich zu sein, bei mir stattete dieses Hick-Hack den beinahe kompletten Verlauf mit einer eigenartigen Langeweile aus und oft musste ich Szenen zurückgehen, da ich den Eindruck hatte, mir wäre etwas Wichtiges entgangen. War aber nicht so, der Film wurde aufmerksam verfolgt und es wurde offensichtlich nichts kapiert. So ein Verlauf wirkt in der Regel verärgernd und man hat den Impuls, die Regie als inkompetent abzustempeln und den Film in der Luft zu zerreißen. Selbst dass sich noch ein möglicher Twist verbergen könnte, war der abwegigste aller Gedanken. Doch dann wird das Finale mit beinahe widerwärtigen Szenen angebahnt und langsam aber sicher gehen einem die Augen auf. "La ragazza dal pigiama giallo" wagt einen überaus beeindruckenden Blick zurück nach vorn und definiert das Zusammenfügen eines Mosaiks auf perfide Art und Weise fast neu. Die Entschädigung für so viel empfundenen Leerlauf oder für fehlende Zusammenhänge ist enorm und ich möchte beinahe sagen, dass sich die Regie eines doch seltenen Stilmittels bedient hat, welches ich mal intelligente "Langeweile" nennen möchte. Das Finale offeriert schließlich zu viel sentimentale Tragik (und das sage ich nur, weil es mir eiskalt den Rücken herunter gelaufen ist, da in verheißungsvoller Manier Blumen sprechen durften). Begeisternd! Unterm Strich bleibt also nicht nur ein Film, der handwerklich gesehen hohe Qualitätsansprüche geltend gemacht hat, er hat glücklicherweise das Potential, den richtigen Nerv beim Zuschauer zu finden, da er nach komplett anderen Berührungspunkten sucht. Ob er das generell schafft, ist eine andere Frage. Mich hat diese Attacke an die Wahrnehmung rückwirkend jedenfalls sehr fasziniert und ich bin erleichtert, dass ich meiner Lust einfach abzuschalten nicht nachgegeben habe. Volltreffer!
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Arkadin » 17. Feb 2015, 20:41

Prisma hat geschrieben: Mich hat diese Attacke an die Wahrnehmung rückwirkend jedenfalls sehr fasziniert und ich bin erleichtert, dass ich meiner Lust einfach abzuschalten nicht nachgegeben habe. Volltreffer!


Ging mir ganz genauso. Ich habe mich zwischendurch auch gefragt, wer denn dieses scheinbar so schludrige Zeugs zu verantworten hat - und war dann am Ende auch ziemlich geplättet.
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Prisma » 17. Feb 2015, 21:54

Gerade bei diesem Beitrag hört man das eigentlich immer wieder. Da gehen die Meinungen nicht sehr weit auseinander. Rückblickend eine wirklich hoch interessante Strategie, die für mich dann auch vollkommen aufgegangen ist, weil das Puzzle so hervorragend und eindringlich zusammen gefügt wurde.
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon buxtebrawler » 13. Nov 2017, 23:37

Erscheint voraussichtlich am 15.12.2017 bei Film Art noch einmal auf DVD:

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Extras:
- Booklet von tenebrarum-Herausgeber Martin Beine
- Englischer Trailer
- Italienischer Trailer
- Featurette: "Der Giallo über den gelben Pyjama" mit Schauspieler Howard Ross

Quelle: https://ssl.ofdb.de/view.php?page=fassu ... &vid=82385
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Arkadin » 14. Nov 2017, 09:11

Ob sich filmArt hier einen Gefallen getan hat, den relativ kurz hinter der Koch-Veröffentlichung nochmal auf den Markt zu werfen? Das Gemaule im Netz ist zumindest recht groß. Vor allem da filmArt selbst schreibt, ihre Veröffentlichung befindet sich "auf Augenhöhe" mit der Koch-Scheibe. Ist also nicht besser. Sogar das Feature mit Howard Ross scheint identisch zu sein.
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon Onkel Joe » 14. Nov 2017, 11:07

Arkadin hat geschrieben:Ob sich filmArt hier einen Gefallen getan hat, den relativ kurz hinter der Koch-Veröffentlichung nochmal auf den Markt zu werfen? Das Gemaule im Netz ist zumindest recht groß. Vor allem da filmArt selbst schreibt, ihre Veröffentlichung befindet sich "auf Augenhöhe" mit der Koch-Scheibe. Ist also nicht besser. Sogar das Feature mit Howard Ross scheint identisch zu sein.


Relativ kurz?

Tatsächlich schon etwas mehr als 4 Jahre her und es wird wohl das selbe Ausgangsmaterial sein.
Was ich nicht schön finde ist das die wieder Scheibe auf Scheibe ankündigen aber nicht wirklich etwas passiert.
Bild
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Re: Blutiger Zahltag - Flavio Mogherini (1977)

Beitragvon buxtebrawler » 14. Nov 2017, 11:39

Arkadin hat geschrieben:Ob sich filmArt hier einen Gefallen getan hat, den relativ kurz hinter der Koch-Veröffentlichung nochmal auf den Markt zu werfen? Das Gemaule im Netz ist zumindest recht groß. Vor allem da filmArt selbst schreibt, ihre Veröffentlichung befindet sich "auf Augenhöhe" mit der Koch-Scheibe. Ist also nicht besser. Sogar das Feature mit Howard Ross scheint identisch zu sein.


Dafür wird er aber erstmals ungeschnitten und auf deutsch außerhalb einer Box erhältlich sein, oder?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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