Wild Dogs - Mario Bava (1974)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Wild Dogs - Mario Bava (1974)

Beitragvon horror1966 » 18. Jun 2010, 23:06

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Wild Dogs
(Cani arrabbiati)
mit Ricardo Cucciolla, Don Backy, Lea Lander, Maurice Poli, George Eastman, Maria Fabbri, Erika Dario, Luigi Antonio Guerra, Francesco Ferrini, Emilio Bonucci, Pino Manzari, Ettore Manni
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Alessandro Perenzo
Kamera: Emilio Varriano / Mario Bava
Musik: Stelvio Cipriani
FSK 18
Italien / 1974

Nach einem blutigen Banküberfall flüchten die Täter quer durch die Stadt. Um ungesehen und ungehindert entkommen zu können, nehmen sie Geiseln und verschwinden in einem fremden Auto. Der Fahrer transportiert ein Kleinkind, daß dringend ärztliche Hilfe benötigt. Verfolgt von der Polizei beginnt ein gnadenloser Nervenkrieg zwischen den Geiseln und den brutalen Kriminellen. Die Situation spitzt sich immer mehr zu, denn die Gangster nutzen ihre Machtposition rücksichtslos aus.


Das Mario Bava nicht nur im Horror-Genre mit großartigen Filmen aufgewartet hat, sieht man ganz eindeutig im vorliegenden Ausflug in das Genre des Thrillers, denn "Wild Dogs" ist ein wirklich exzellenter Genre-Beitrag, der sich auch heute noch, nach mittlerweile fast 4 Jahrzehnten immer noch sehen lassen kann. Es ist sicher eher selten, das eine Geschichte, die sich bis auf ganz wenige Ausnahmen lediglich in einem Auto abspielt, eine so ungeheure Faszination auf den Zuschauer ausüben kann. Lediglich einige Minuten zu Beginn, einige kleinere Szenen während des Films und das knappe Ende finden nicht im Auto statt, woraus jetzt sicherlich nicht wenige Leute schon einmal die pure Langeweile herauslesen. Doch genau das Gegenteil ist hier der Fall, denn spannender und atmosphärischer als in vorliegender Geschichte kann es kaum zur Sache gehen.

Es ist fast kaum zu glauben, welche Intensität sich aus der gegebenen Situation zwischen den Ganoven und den Geiseln entfaltet, die dabei entstehende Dramatik und bedrückende Stimmung überträgt sich automatisch auch auf den Zuschauer, der immer mehr mit den Geiseln mitleidet. Denn auch, wenn der Chef der Bankräuber, der von allen nur Doktor genannt wird, anscheinend die Fäden in der Hand hält und größtenteils recht beherrscht wirkt, entpuppen sich doch seine beiden freunde als wahre Psychophaten mit einem ausgeprägten Hang zum Sadismus, den sie insbesondere der weiblichen geisel gegenüber verstärkt zum Ausdruck bringen. Ganz besonders tut sich hier George Eastman hervor, der seinen Part mit absoluter Bravour darstellt und seinem Charakter sehr viel glaubwürdigkeit und Authenzität verleiht. Doch ganz generell kann man das dargebotene Schauspiel als absolut gelungen bezeichnen, wobei in erster Linie gerade die "Bad Boys" extrem fies und scheinbar vollkommen emotionslos dargestellt werden, was der ganzen Szenerie noch zusätzlich einen extrem beklemmenden Anstrich verleiht.

Hier liegt mal wieder ein absolutes Paradebeispiel vor, wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand einen Film kreieren kann, der an Spannung und einer äusserst bedrohlichen Atmosphäre nur schwer zu überbieten ist und den Zuschauer richtiggehend in seinen Bann zieht. Denn sitzt man doch mit zunehmender Laufzeit fast selbst wie ein Nervenbündel vor dem Bildschirm und kann die teils atemraubende Spannung kaum noch aushalten. Und immer wenn man der Meinung ist, das sich die Lage nicht noch mehr zuspitzen kann, wird man schnell eines Besseren belehrt, denn Bava hat hier wirklich sämtliche Register gezogen, um den Betrachter in ein wahres Wechselbad der Gefühle zu stürzen, aus dem es bis zum Ende einfach kein Entkommen gibt. Und gerade dieses Ende hat es dann so wirklich in sich und liefert noch einmal eine Wendung, die in dieser Form nicht unbedingt vorhersehbar war. Die Karten werden vollkommen neu gemischt und nichts ist mehr so, wie man es im Prinzip erwartet hat. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um eine der genialsten Schlußsequenzen, die man hätte finden können und die dem gesamten geschehen eine extrem makabere Note verleiht.

Letztendlich hat Mario Bava mit "Wild Dogs" wirklich auf eine sehr beeindruckende Art und Weise unter Beweis gestellt, das sein riesiges Potential nicht nur im Horror-Genre sehr gut zur Geltung gekommen ist, denn auch das Genre des Thrillers hat mit vorliegendem Beitrag eine absolute Bereicherung erhalten, die sich kein wahrer Fan entgehen lassen sollte. Mit minimalstem Aufwand wurde eine äusserst spannende Geschichte in Szene gesetzt, die in erster Linie von ihren tollen Darstellern und einer fast einzigartigen Atmosphäre lebt, die sich immer mehr verdichtet, so das sie sogar für schweissnasse Hände beim Zuschauer sorgen kann, der sich der von ihr ausgehenden Faszination beim besten Willen nicht entziehen kann, selbst wenn er es wollte. Zu beeindruckend ist das Gesamtbild, das dieser Film erzeugt und das auch nachhaltig auf einen einwirkt, selbst wenn der Abspann schon längst zu Ende ist.


Fazit:


Es gibt genügend Menschen, die das Schaffen des Mario Bava nicht anerkennen, wobei sich mir die Gründe dafür nicht erschließen können. Denn wenn man einen Thriller wie "Wild Dogs" gesehen hat, dann müsste man im Prinzip vom Können dieses Mannes beeindruckt sein, der hier eine Perle des Genres geschaffen hat, die auch im Laufe der Jahre rein gar nichts von ihrer Faszination verloren hat und sich auch hinter heutigen Genre-Vertretern nicht zu verstecken braucht, sondern vielmehr ein Vorbild sein sollte, wie man mit wenigen Mitteln ein Maximum an Thrill-und Spannung herausholen kann.


9,5/10
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon Arkadin » 19. Jun 2010, 16:06

Ungewöhnlicher und im Bava-Oeuvre sehr aus dem Rahmen fallender, rauer und verschwitzter Film. Böse, böse.
Hat mir sehr gut gefallen und aus dem Gedächtnis heraus würde ich sogar 8/10 ziehen.
Sollte man gesehen haben, insbesondere die geniale und bitterböse Schluss-Pointe. Meine Kinnlade hat noch immer blaue Flecke vom herunterfallen :D
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon Ringo aka Angelface » 19. Jun 2010, 17:25

Das Ende hat mich damals wie harter Schlag in die Magengrube getroffen - ein echter Bava.
Sehr bedauerlich, ass er nie im Kino erschien und erst nach Jahrzehnten auf DVD veröffentlicht wurde. Ein sehr verstörender Film, hervorragend gespielt und ein absolutes MUSS für Italofreunde.
Für mich 9/10 Punkte!!!!
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon untot » 21. Sep 2010, 15:27

Sehr geiler Streifen, hab beim Gucken fast mein Sofakissen zernagt, vor Aufregung, spannend, schmutzig, sexistisch, aggressiv, gewalttätig, kurz genial.
Wild Dogs gehört zu meinen Lieblingsfilmen von Bava, der es hier einmal mehr verstanden hat eine Stimmung zu erzeugen, die ihresgleichen sucht, die Schauspieler machten ihre Sache durchwegs gut, allem voran natürlich George Eastman, ich bin ein großer Fan von ihm. :mrgreen:
Als Zuschauer ist man in einen, ich sag mal, leicht "genervten" Zustand versetzt, weil die Verbrecher dermaßen aufgedreht sind, das man nie weiß, was sie als nächstes tun werden, wie ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann, das macht denke ich den Reiz dieses Filmes aus.

8/10
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon dr. freudstein » 21. Sep 2010, 18:57

untot hat geschrieben:Sehr geiler Streifen, hab beim Gucken fast mein Sofakissen zernagt, Typisch Frau :mrgreen: vor Aufregung, spannend, schmutzig, sexistisch, aggressiv, gewalttätig, kurz genial. Absolut zutreffend!!!
Wild Dogs gehört zu meinen Lieblingsfilmen von Bava, der es hier einmal mehr verstanden hat eine Stimmung zu erzeugen, die ihresgleichen sucht, die Schauspieler machten ihre Sache durchwegs gut, allem voran natürlich George Eastman, ich bin ein großer Fan von ihm. :mrgreen: Weil er die "32" ist? War ja klar ;) :lol:
Als Zuschauer ist man in einen, ich sag mal, leicht "genervten" Zustand versetzt, weil die Verbrecher dermaßen aufgedreht sind, das man nie weiß, was sie als nächstes tun werden, wie ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann, das macht denke ich den Reiz dieses Filmes aus. :thup:

8/10


Und du bist sicher, daß Du nicht meine Frau werden willst? Ich suche noch eine, die meinen Filmgeschmack teilt, Mäuschen :oops: Excellent!!!! Ist halt nicht jede auf Dr. Schiwago und was es da alles gibt :mrgreen:
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon untot » 21. Sep 2010, 19:14

dr. freudstein hat geschrieben:
untot hat geschrieben:Sehr geiler Streifen, hab beim Gucken fast mein Sofakissen zernagt, Typisch Frau :mrgreen: vor Aufregung, spannend, schmutzig, sexistisch, aggressiv, gewalttätig, kurz genial. Absolut zutreffend!!!
Wild Dogs gehört zu meinen Lieblingsfilmen von Bava, der es hier einmal mehr verstanden hat eine Stimmung zu erzeugen, die ihresgleichen sucht, die Schauspieler machten ihre Sache durchwegs gut, allem voran natürlich George Eastman, ich bin ein großer Fan von ihm. :mrgreen: Weil er die "32" ist? War ja klar ;) :lol:
Als Zuschauer ist man in einen, ich sag mal, leicht "genervten" Zustand versetzt, weil die Verbrecher dermaßen aufgedreht sind, das man nie weiß, was sie als nächstes tun werden, wie ein Pulverfass, das jederzeit hochgehen kann, das macht denke ich den Reiz dieses Filmes aus. :thup:

8/10


Und du bist sicher, daß Du nicht meine Frau werden willst? Ich suche noch eine, die meinen Filmgeschmack teilt, Mäuschen :oops: Excellent!!!! Ist halt nicht jede auf Dr. Schiwago und was es da alles gibt :mrgreen:


Na ja, vielleicht führen die ja eines Tages die Bigamie wieder ein. :mrgreen:
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon markus » 14. Nov 2010, 23:10

Irgendwo habe ich mal gesehen das der unter Horror geführt wird und sehr gewöhnungsdürftig ist. Werde es mal checken
fight FASCISM!!!!!!!!!
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon untot » 14. Nov 2010, 23:56

markus hat geschrieben:Irgendwo habe ich mal gesehen das der unter Horror geführt wird und sehr gewöhnungsdürftig ist. Werde es mal checken


Gewöhnungsbedürftig stimmt, aber Horror ist das keiner, am besten riskierst Du einfach mal nen Blick, wirst's nicht bereuen glaub ich! ;)
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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon ugo-piazza » 15. Nov 2010, 01:18

untot hat geschrieben:
markus hat geschrieben:Irgendwo habe ich mal gesehen das der unter Horror geführt wird und sehr gewöhnungsdürftig ist. Werde es mal checken


Gewöhnungsbedürftig stimmt, aber Horror ist das keiner, am besten riskierst Du einfach mal nen Blick, wirst's nicht bereuen glaub ich! ;)


Hervorragender Film mit einem absolut überraschenden Ende. Superb!


Und der Freudstein spielt ja auch mit... :shock:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Wild Dogs - Mario Bava

Beitragvon Onkel Joe » 27. Jan 2013, 14:13

Ich weiß nicht ob das so zu 100% stimmt aber das Negativ des Films soll beim Produzent und Verleiher in einer ollen Kisten im Keller als Türstopper gedient haben.20 oder mehr Jahre sind die Leute daran Tag ein Tag aus vorbeigeflitzt ohne zu wissen was sich darin befindet.Irgendwann gab es mal das groß reinemachen bzw. eine groß angelegte Inventur.Da wurde der Film dann wiederentdeckt und endlich zu verwertung freigegeben.
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