La Orca Gefangen, geschändet, erniedrig - Eriprando Visconti

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

La Orca Gefangen, geschändet, erniedrig - Eriprando Visconti

Beitragvon sid.vicious » 8. Feb 2012, 16:49

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Alternativer Titel: La Orca
Produktionsland: Italien
Produktion: Marcello D'Amico
Erscheinungsjahr: 1976
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Roberto Gandus, Lisa Morpurgo
Kamera: Blasco Giurato
Schnitt: Franco Arcalli
Musik: Federico Monti Arduini, Luca di Silverio
Länge: ca. 99 Min.
Freigabe: ungeprüft
Darsteller:
Rena Niehaus
Michele Placido
Flavio Bucci
Bruno Corazzari
Livia Cerini
Piero Palermini
Otello Toso


Drei Männer aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten entführen ein Mädchen vor ihrer Schule. Sie bringen das Mädchen zu einem nahe gelegenen Bauernhof. Keiner der Männer hat Kontakt zu den Eltern des Mädchens. Die Kontaktaufnahme erfolgt von außerhalb.

Als bereits zwei Wochen verstrichen sind und man keine Meldung erhalten hat, beginnen die Männer nervös zu werden.

Was sich hinter einem reißerischen deutschen Titel verbirgt, ist eher das Gegenteil von dem was man erwartet. Eriprando Visconti verzichtet in seinem Film auf brutale Vergewaltigungen und Action und konzentriert sich eher auf ein Kammerspiel. Ein Kammerspiel in dem Michele und Alice zu den tragenden Figuren werden. Allerdings werden auch die anderen Figuren, sprich die beiden weiteren Entführer beleuchtet. Die soziale Stellung und die Kluft zwischen Arm und Reich. Genau der als zweites genannte Punkt ist ein zentrales Thema innerhalb des Spiels zwischen Michele und Alice. Ein naiver Mensch, der versucht Geld auf illegale Weise zu verdienen ohne zu wissen was er eigentlich tut und das wohlhabende Mädchen aus dem reichen Hause, das diese Naivität für sich auskostet um der „Herr der Situation“ zu werden.

Was bei „La Orca“ wichtig ist, ist das man sich unbedingt auf die tristen Räumlichkeiten einlässt. Nur so kann man Bezug zu dem Geschehen gewinnen. Sehr zu beachten sind hier auch diverse Kleinigkeiten, wie Alices Weg zur Toilette, welches ein erniedrigendes Gesamtbild darstellt. Sollte man dazu nicht in der Lage sein, so wird der Film einfach vorbeilaufen und am Ende ein gelangweiltes Ergebnis hinterlassen. Demnach muss man vorher wissen, auf was man sich bei „Lsa Orca“ einlässt. Es handelt sich um keinen Poliziesco mit Autojagden und Schießereien und auch um keine Entführung im Stile von „Milano odia“ in der Tomas Milian nach allen Regeln der Kunst wirbelt. „La Orca“ kommt sehr still daher und versucht Kritik an der Gesellschaft zu üben.

Die Rolle des Michele wird von Michele Placido verkörpert, den man als Corrado Cattani innerhalb der Serie „Allein gegen die Mafia“ noch in guter Erinnerung haben sollte. Alice wird von dem Oldenburger Fotomodel Rena Niehaus gespielt und Frau Niehaus macht ihre Sache als das Opfer… ist sie überhaupt das Opfer?... wirklich gut.

„La Orca“ war in Italien recht erfolgreich und ließ eine Fortsetzung unter dem Titel „Oedipus Orca“ (deutscher Titel: Wilde Früchte), ebenfalls mit Rena Niehaus folgen.

Fazit: Ein interessanter Film, der allerdings sensationshungrigen Actionliebhabern missfallen wird. Wer sich allerdings ein wenig in die Psyche der am Kammerspiel beteiligten Personen versetzen will, der wird Part Eins des zuvor geschrieben Satzes bestätigen können.


7/10
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Re: La Orca Gefangen, geschändet, erniedrig - Eriprando Visc

Beitragvon Nello Pazzafini » 12. Feb 2012, 14:27

schönes review! Mutig von Camera Obscura den zu bringen, wird vielen missfallen. Ich mag ihn, bin gespannt auf die DVD Sichtung, kenn bisher nur meine VHS Fassung.

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Re: La Orca Gefangen, geschändet, erniedrig - Eriprando Visc

Beitragvon reggie » 28. Mai 2012, 16:22

Nello Pazzafini hat geschrieben:schönes review! Mutig von Camera Obscura den zu bringen, wird vielen missfallen. Ich mag ihn, bin gespannt auf die DVD Sichtung, kenn bisher nur meine VHS Fassung.

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Mich wundert es ja das hier so wenig über den Film geschrieben wird....

Bissher hat der Film nur positive Stimmen bekommen, auch mir hat er sehr gut gefallen!!!

Na los leute Dvd kaufen und die Obskure IGCC untertstützen! :nick:
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Meine einschätzung nach erhalt der Dvd:

Gefangen? Ja!

Geschändet? Nein...

Erniedrigt? Joa? kann man sagen...

Der deutsche Verleih hat das natürlich total reisserisch aufgezogen, dabei ist der Film gar kein richtiger sleazer.
Die Syncro ist auf normalem Level , es fallen keine Kraftausdrücke und sie ist auch nicht flapsig oder so...
Es wird also eine Milionärstochter entführt, so etwas ob jetzt ne mädel oder nen Junge war gab es ja des öfteren im italienischen Kino. Meist wurde hierbei die Polizeiarbeit am meisten beleuchtet, zu gleichen Teilen wurden Eltern und Opfer mit eingebunden.
Hier liegt der Fokus auf der Entführung, dem Opfer, in dem gezeigt wird was das Opfer Rena Niehaus erleiden muss. Die Polizei spielt nur am rande ne rolle, Eltern gibts gar nicht zu sehen.
Drei Täter sind es die aber noch einen Auftraggeber haben der im Dunkeln bleibt. Bruno Corrazari, Michele Placido, Flavio Bucci. Corrazari mimt die Kontaktperson und liefert die Verpflegung an Placido und Bucci. Meistens ist Placido aber alleine im Versteck, weil Bucci eine Frau und ein krankes Kind zuhause hat und unerlaubt öfters verschwindet.
Corrazari wegen Glücksspiel in Focus der Polizei, wird bald vom Auftraggeber aus der Stadt verbannt..
Auch Bucci wird aufgelauert...
Placido bekommt Isoliert nichts von alldem mit..
Er verliebt sich so nach und nach in sein Opfer und diese in ihn. Es beginnt damitt das er in ihrer Handtasche Fotos von ihr und einer Yacht findet. Da erinnert er sich als er noch auf einem Fischkutter gearbeitet hat an ein Hübsches Mädchen nackig an ihnen Vorbeigesegelt ist. Das lässt ihm keine ruhe und er muss die Niehaus, die man mit Tabletten ruhig gestellt hat ausziehen und betrachten. Ist sie dieses Mädel???
Als er sie später ein zweites mal betrachtet, beginnt er ihr die Vagina zu streicheln was ihr sehr gefällt. (Boah das ist ja schon HC !) Jedenfalls sind sie vortan ein Liebespärchen und treiben es öfters mitteinander...(Sogar Placidos Lümmel gibts zusehen, der Herr hat echt alles mittgemacht :? )
Vorher hatte sie schon mittels eines Tricks sein Gesicht sehen können, normalerweise trägt er ne Maske, da sie ihn zu lieben scheint ist es egal...
Liebt sie ihn wirklich, oder tut sie es um einen angenehmen Aufenthalt zu haben?

Tja der Placido behandelt sie immer anständig und sie hat freiwillig Sex mit ihm. Nur das sie nicht allein aufs Klo darf und er ihr beim Pinkeln behilflich ist kann man als Erniedrigung sehen..
Das war auch ihr Glück das Placido ihr Aufpasser wurde, bei einem Corrazari oder Bucci wäre ihr es sicher übel ergangen :lol:
Placido ist auch kein richtiger Gangster ist da reingerutscht weil er das Geld brauchte...
Die Rückblenden wenn Placido sich an vergangene Tage erinnert sind genial und mit das beste am Film.
Sowie der Score, der echt bombig ist!
Die Darsteller sind alle spitze!
8/10 für diesen steilen Film.

Zur dvd, also die bekommt 10/10
Bildqualli ist Bombig, ab und an etwas rauschen im hintergrund was überhaupt nicht stört... Geschaut wurde mit Beamer, Leinwand 2m x1,15 und es sah echt toll aus!
Der Ton war klasklar, in der mitte gabs mal zwei kurze Textstellen die von einer schlechteren Quelle stammten, störte aber nicht.
Das erste Feature, Interview über die Familie Visconti hat mich eigentlich nicht so begeistert, etwas langatmig erzählt...
Das zweite von Bruschini (Gott hab ihn selig) war dagegen Spitze, schön neben seiner Koch Media Regenbogenreihe hat er gesetzten :mrgreen:
Genial dagegen echt der Audiokommentar oder sagen wir das Toninterview mit der Rena und dem Kessler. Was die Rena zu sagen hatte war super Invormativ und nicht irgendwelches belangloses zeugs. Sie ist keine die ihre alten Filme verteufelt...
Kesslers Stimme mag ich 8-)

Toll ihr Obscuren, weiter so!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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Re: La Orca Gefangen, geschändet, erniedrig - Eriprando Visconti

Beitragvon horror1966 » 4. Nov 2012, 18:48

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La Orca - Gefangen, geschändet, erniedrigt
(La Orca)
mit Rena Niehaus, Gabriele Ferzetti, Flavio Bucci, Carmen Scarpitta, Bruno Corazzari, Piero Faggioni, Piero Palermini, Michele Placido, Miguel Bose, Otello Toso, Jacopo Tecchi, Enzo Consoli
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Roberto Gandus / Lisa Morpurgo
Kamera: Blasco Giurato
Musik: Federico Monti Arduini
ungeprüft
Italien / Spanien / 1976

Am helllichten Tag wird die junge Alice auf ihrem Weg zur Schule von drei Männern in ein Auto gezerrt und auf einen abgelegenen Bauernhof verbracht. Das Motiv der Entführer ist klar: Geld. Bange Tage werden zu Wochen, doch die Eltern des Mädchens scheinen zu keiner Zahlung bereit. Alice muss handeln, und ganz auf sich allein gestellt beginnt sie ein verführerisches Spiel mit ihrem Aufpasser Michele. Als die ersten Grenzen überschritten werden, eskaliert die Situation zu einem gefährlichen Tanz, an dessen Ende bittere Konsequenzen stehen...


Nun dürfte gerade der deutsche Titel "Gefangen, geschändet, erniedrigt" bei vielen Leuten die Hoffnung auf einen reißerischen Thriller wecken, in dem es vor expliziten Gewaltdarstellungen nur so wimmelt, doch der Film von Eriprando Visconti bietet im Prinzip genau das Gegenteil. Anstelle einer actiongeladenen-und temporeichen Geschichte präsentiert sich vielmer eine Art Kammerspiel, das mit minimalen Mitteln eine maximale Wirkung beim Zuschauer erzielt. Durch seine eher ruhige-und bedachte Erzähl-Struktur entfaltet "La Orca" ein unglaublich starkes Gefühl der Beklemmung, das sich allein durch die Situation aufbaut, in der sich die Hauptfigur Alice befindet. Dabei verzichtet der Regisseur vollkommen auf visuelle Gewalt und setzt vielmehr auf einen Schauplatz, der von Beginn an Tristesse-und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt. In einem leerstehenden und abbruchreifen Haus wird die junge Frau von 3 Männern gefangen gehalten, wobei sich insbesondere zwischen ihr und ihrem Aufpasser Michele (Michele Placido) eine ganz besondere Beziehung entwickelt. Der junge Mann unterscheidet sich nämlich ganz gewaltig von seinen beiden Kumpanen, bei denen es sich ganz offensichtlich um Gewohnheits-Verbrecher handelt, denn Michele ist eher ein Typ, der lediglich aus akkuten Geldproblemen in diesen Entführungsfall geraten ist.

Der Großteil der Geschichte spielt sich in dem abbruchreifen Haus ab, wobei die beiden Hauptfiguren zumeist allein sind. Ziemlich schnell wird dem Betrachter klar, das sich zwischen den beiden etwas entwickeln wird, liegt doch die gante Zeit eine knisternde erotische Spannung über dem Geschehen, die sich nach einer gewissen Zeit auch entladen soll. Es ist jedoch keinesfalls so, das die junge Alice geschändet wird, denn sie vollzieht vollkommen freiwillig den Geschlechtsakt mit ihrem Bewacher, der dem Mädchen immer mehr verfällt. Gleichzeitig steht jedoch auch eine gewisse Erniedrigung im Raum, die sich immer wieder in den Szenen zu erkennen ist, in denen Michele die junge Frau unter strengster Bewachung auf die Toilette begleitet, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Selbst diese kleinen Passagen sind vollkommen ausreichend, um das Gefühl einer Demütigung zu suggerieren, ist Alice doch mit Handschellen gefesselt, so das Michele die üblichen Reinigungs-Arbeiten nach dem Toilettengang für sie übernehmen muss. Der Kontrast zwischen einer anscheinend aufkeimenden Liebesbeziehung und den erniedrigenden Szenen hinterlässt einen sehr zwiespältigen Eindruck beim Betrachter, den man phasenweise nur schwerlich einordnen kann. Entwickelt das Opfer hier wirklich echte Gefühle für ihren Bewacher, oder spielt sie ihm das alles nur vor, um ihn zum richtigen Zeitpunkt entscheidend zu manipulieren, damit sich eventuell eine Fluchtmöglichkeit bietet?

Das diese Frage durchaus ihre Berechtigung hat, wird einem ganz am Ende eindrucksvoll vor Augen geführt, denn die Konsequenzen der scheinbar aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden schlagen eine nahezu tragische Wendung ein. In der Zwischenzeit wird man jedoch mit einem grandiosen Kammerspiel konfrontiert, das sich fast ausschließlich auf die beiden Hauptfiguren bezieht. Die beiden anderen Entführer erscheinen eher sporadisch auf der Bildfläche und auch die Hintergründe über die Entführung bleiben eher im Dunkeln. In dieser Beziehung bekommt man lediglich einige kleine Brocken hingeworfen, die allerdings keine wirklichen Erklärungen über die Hintermänner des Ganzen offenbaren. Bis auf eher wenige Andeutungen wird dieser Aspekt der Geschichte fast gänzlich vernachlässigt, was ich persönlich aber sogar als Vorteil für das gewonnene Gesamtbild ansehe. Böse Zungen könnten nun behaupten, das die Szenerie dadurch etwas unvollständig erscheinen könnte und in gewisser Weise ist das wohl auch richtig, andererseits kann man sich aber ganz auf das Wesentliche konzentrieren und das ist nun einmal die außergewöhnliche Beziehung zwischen Alice und Michele.

Ganz generell ist hier das dargebotene Schauspiel zu loben, insbesondere Michele Placido und Rena Niehaus drücken diesem außergewöhnlichen Film ihren ganz persönlichen Stempel auf. Doch auch sämtliche anderen Rollen sind sehr gut besetzt, so das es bei diesem Punkt keinerlei Grund zur negativen Kritik gibt. "La Orca" ist sicherlich ein Werk das die Meinungen stark spalten wird und manch einer wird durch den deutschen Titel ganz bestimmt mit vollkommen falschen Erwartungen an dieses Werk herangehen. Wenn man sich jedoch auf das Geschehen und vor allem den tristen Schauplatz der Geschichte einlassen kann, wird man mit einem intensiven-und kraftvollen Szenario belohnt, das gänzlich ohne harte-und brutale Effekte auskommt und seine Kraft aus der Situation an sich bezieht, die absolut erstklassig ins Bild gesetzt wurde. Mit den bescheidendsten Mitteln wurde hier eine maximale Wirkung erzielt, so das sich letztendlich ein Film-Erlebnis präsentiert, das man unbedingt gesehen haben sollte.


Fazit:


Wenn man sich nicht vom deutschen Titel des Filmes in die irre führen lässt und sich auf ein eher ruhiges Kammerspiel einlassen kann, dann kann man mit "La Orca" überhaupt nichts falsch machen. Für mich persönlich handelt es sich um eine weitere Perle des italienischen Kinos, die dank Camera Obscura auch eine würdige DVD-Veröffentlichung erhalten hat.


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