Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

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Moderator: jogiwan

Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon buxtebrawler » 1. Aug 2011, 21:11

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Originaltitel: Imputazione di omicidio per uno studente

Herstellungsland: Italien / 1972

Regie: Mauro Bolognini

Darsteller: Massimo Ranieri, Martin Balsam, Valentina Cortese, Turi Ferro, Giuseppe Colizzi, Salvo Randone, Luigi Diberti, Petra Pauly, Mariano Rigillo, Carlo Valli, Sergio Enria, Gino Milli u. A.

Bei Studentenprotesten an der Architektur-Fakultät eskalieren die Ereignisse. Die Polizei greift mit Schlagstöcken an, während die Studenten mit Steinen antworten und auf die Polizisten zustürzen. Als im Gemenge ein Schuss fällt und ein Student getroffen zu Boden fällt, verliert Fabio Sola (Massimo Ranieri) vor Wut die Kontrolle und schlägt mit einem zufällig auf dem Boden gefundenen Schlagring auf einen Polizisten ein. Dieser bleibt ebenfalls tot liegen. Um den Schuldigen für den Tod ihres Kollegen zu finden, werden wahllos Studenten festgenommen, bevor der gleich zu Beginn der Demo verhaftete Massimo Trotti (Luigi Diberti) als Hauptverdächtigter präsentiert wird. Richter Sola (Martin Balsam) bekommt die Ermittlungen übertragen, ohne zu ahnen, dass sein Sohn der wirkliche Täter ist...


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon buxtebrawler » 1. Aug 2011, 21:11

„Die Studenten sind alles rauschgiftsüchtige Strolche!“

Peu à peu entdecke ich die alten italienischen Polit- und Justiz-Thriller für mich, gleichermaßen inhaltlich bedeutsame, oft mutige und unterhaltsame Filme, die ohne hollywoodtypischen Kitsch und Pathos auskommen und wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdienten. Ein anscheinend auch unter den Kennern der Materie recht unbekannter Vertreter ist Mauro Bologninis „Mordanklage gegen einen Studenten“ aus dem Jahre 1972, der sich thematisch mit den sozialistisch-fortschrittlich motivierten Studentenprotesten, dem ihnen u.a. zugrunde liegenden Generationskonflikt, der aus der Konfrontation mit den staatlichen Repressionsorganen resultierenden Eskalation der Gewalt und dem Umgang der Justiz mit ihren Folgen auseinandersetzt.

So beginnt der Film mit einer sehr gut choreographierten gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Schutzkleidung tragenden und mit Schusswaffen ausgerüsteten Carabinieri und mit einfachen Schlaginstrumenten ausgestatteten Studenten, in deren Folge ein Student erschossen wird und anschließend ein Student in blinder Wut einen Polizisten mit einem gefundenen Schlagring erschlägt. Um den Generationskonflikt verdeutlichen zu können, erklärt das Drehbuch den Totschläger Fabio (Massimo Ranieri, „Eine Kugel für den Bullen“) kurzerhand zum Sohn des Richters Sola (Martin Balsam, „Hexensabbat“), welcher aber nichts von den Verwicklungen seines Filius weiß. Stattdessen wird willkürlich ein unschuldiger Student verhaftet.

Soweit zur Handlung dieser gleichberechtigten Mischung aus Polit-/Justiz-Thriller und Drama, das um Ausgewogenheit, Objektivität und Neutralität bemüht ist. Das Stilmittel der Überzeichnung ist Bologninis nicht; er versucht offensichtlich, so realistisch wie möglich zu bleiben und schlägt sich nicht plakativ auf eine Seite, sondern appelliert an die Vernunft und ruft zur Kommunikation zwischen den verfeindeten Lagern auf. Das macht „Mordanklage gegen einen Studenten“ vielleicht ein wenig unspektakulär, wirkt durch den Verzicht auf Idealisierung und Verteufelung seiner Protagonisten aber aufrichtig und läuft nur selten Gefahr, sich in die eine oder andere Richtung naiv zu präsentieren. So gibt es durchaus einen faschistoiden Polizisten, der Verdächtige misshandelt und markige Sprüche klopft und ein Rechtssystem, das dessen Opfer kaum zu schützen vermag. Doch auch die Studenten schrecken vor unlauteren Methoden nicht zurück und können auf den Vorwurf, zur zukünftigen Elite des Landes zu gehören, die letztlich für die reiche Oberschicht arbeiten wird, kaum etwas erwidern. Die Polizei verhaftet einen nachweislich Unschuldigen, Richter Sola jedoch scheint um tatsächliche Aufklärung bemüht. Er sieht sich aber auch mit Vorwürfen konfrontiert, dass nicht entschieden genug in den eigenen Reihen ermittelt wird, was nicht von der Hand zu weisen ist etc.

Die dramatische Komponente bekommt der Film durch den Umstand, dass Solas Sohn der Totschläger ist, was zu einem unvorhersehbaren, halboffenen Ende mit Symbolcharakter führt und die Unmöglichkeit eines befriedigenden Auswegs aus der verfahrenen Situation verdeutlicht. Sola senior wie junior erleben eine Entwicklung, die sie ihr eigenes Handeln hinterfragen und unterschiedliche Konsequenzen ziehen lässt. Der Weg dorthin wird niveau- und stilvoll von ausdrucksstarken Schauspielern, die ihren Rollen Leben und Temperament einhauchen, gegangen und von Maestro Ennio Morricones wunderbarer Musik untermalt.

Letztlich warnt der Film vor einer Gewaltspirale, in der Unschuldige zu Opfern (gemacht) werden und ist trotz seines Pessimismus ein wichtiges Bekenntnis zur Sachlichkeit in einer meist hitzig geführten, emotional aufgeladenen Debatte, das ohne Verklärung um Verständnis für die aufrührerischen Studenten wirbt und konstruktive Kritik am italienischen Polizei- und Justizapparat übt. Ein sehr guter Film, der vollkommen zu Unrecht ein – wenn überhaupt – Nischendasein fristet.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon Nello Pazzafini » 1. Aug 2011, 21:15

„Die Studenten sind alles rauschgiftsüchtige Strolche!“

Nur gut das ich nie ein Student war :D

Ein wunderschöner politischer Thriller wie er nur aus Italien kommen kann veredelt mit einem weiteren göttlichen Morricone Score, da kann man als Italosüchtiger Strolch gar nix falsch machen :thup:

P.S.: war vor kurzem ja wieder mal im deutschen TV, natürlich spät nächtens.
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon buxtebrawler » 1. Aug 2011, 21:21

Nello Pazzafini hat geschrieben:P.S.: war vor kurzem ja wieder mal im deutschen TV, natürlich spät nächtens.


Oh, tatsächlich? Wenn du sowas mitbekommst, sag hier gerne mal Bescheid! :opa:
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon dr. freudstein » 2. Aug 2011, 00:31

buxtebrawler hat geschrieben:
Nello Pazzafini hat geschrieben:P.S.: war vor kurzem ja wieder mal im deutschen TV, natürlich spät nächtens.


Oh, tatsächlich? Wenn du sowas mitbekommst, sag hier gerne mal Bescheid! :opa:


Genau, Nelloooo :|
Aber dann nehm ich die DVD vom Bux :D
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon buxtebrawler » 2. Aug 2011, 09:16

dr. freudstein hat geschrieben:Aber dann nehm ich die DVD vom Bux :D


Erst mal alles andere gucken :nixda: :D
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon dr. freudstein » 2. Aug 2011, 10:40

Oha, na dann...hab ja nur noch 3 Wochen Urlaub dieses Jahr, wird ja wenigstens ein Stapel verschwinden :(
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon Adalmar » 2. Aug 2011, 16:55

1. Vielen Dank für die interessante Vorstellung!

2. Bitte das erste von den drei "n" in "Bolongnini" streichen (Edit: danke)
Zuletzt geändert von Adalmar am 2. Aug 2011, 17:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon buxtebrawler » 2. Aug 2011, 17:50

Adalmar hat geschrieben:1. Vielen Dank für die interessante Vorstellung!

2. Bitte das erste von den drei "n" in "Bolongnini" streichen


1. Da nich für ;)

2. Sehr aufmerksam, danke! Ist korrigiert.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Mordanklage gegen einen Studenten - Mauro Bolognini

Beitragvon ugo-piazza » 8. Aug 2011, 13:06

Sorry, wegen Fremdscannernutzung nicht zugeschnitten. :oops:

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Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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