Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

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Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 3. Okt 2014, 15:07

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Der 30-jährige Ciro (Marco D'Amore) lebt mit Frau und Tochter in Neapel und verdient sein Geld wie so viele im Problemviertel Scampia: Er ist Mitglied des Mafiasyndikats Camorra. Als rechte Hand des mächtigen Paten Pietro Savastano (Fortunato Cerlino) macht er die Drecksarbeit: Brandstiftung, Körperverletzung und Mord gehören für ihn zum Alltag. Als sein Ziehvater und Mentor Attilio (Antonio Milo) bei einer Schießerei ums Leben kommt, plagen Ciro tiefe Zweifel über seine Zukunft in der mörderischen Organisation. Doch Ciro bleibt keine Zeit zum Nachdenken: Ausgerechnet als sich Pietros verwöhnter Sohn Genny (Salvatore Esposito) mit dem verfeindeten Conte-Clan anlegt, wird Pietro bei einer Polizeikontrolle verhaftet. Plötzlich liegt es an Ciro, Genny und Pietros Frau Imma Savastano (Maria Pia Calzone), den Clan durch die Krise zu führen.

Robert Saviano hat von seinem Bestseller "Gomorrha" weltweit zehn Millionen Exemplare verkauft - und dafür einen hohen Preis bezahlt: Weil er in seinem Buch die Taten der Camorra schonungslos aufdeckte, lebt der Mafiakritiker heute in ständiger Lebensgefahr. Mehr als einmal planten die Bosse, die er in seinem minutiös recherchierten Tatsachenroman beim Namen nennt, konkrete Mordanschläge auf den Journalisten. Bei seinen wenigen öffentlichen Auftritten wird Saviano stets von mehreren Bodyguards begleitet, doch in seinem Engagement gegen die Mafia lässt er sich nicht stoppen.

Nach der ersten Verfilmung des Romans "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra" von 2008 wirkte Saviano nun als Drehbuchautor an einem noch ambitionierten Projekt mit: Die von Sky Italia koproduzierte Serie "Gomorrha" greift in zwölf Episoden Motive aus dem Buch auf. Für viele der von Saviano beschriebenen Ereignisse und Figuren fand sich im Spielfilm kein Platz. Nun ermöglichte das Serienformat Saviano und Regisseur Stefano Sollima eine viel breitere Darstellung des detailreich recherchierten Buches.

Das Ergebnis ist der bisher unmittelbarste und authentischste filmische Blick auf die italienische Mafia. Und die Realität ist oft absurder und schockierender, als es jedes fiktive Drehbuch sein könnte: In einer Szene fordert Pate Pietro seine rechte Hand Ciro auf, ihm seine Loyalität zu beweisen, indem er ein Glas mit Pietros Urin austrinkt - ein Ritual, wie es sich laut Saviano vor einigen Jahren tatsächlich zwischen einem Mafiaboss und seinem Stellvertreter ereignete. "Alles, was man in der Serie sieht, ist wirklich so passiert", erklärt der Autor. Regisseur Sollima fängt diese Episoden in unglamourösen, trostlosen Bildern ein, die er trotz der Gefahr durch die dortigen Mafiaclans an Originalschauplätzen in Neapels Stadtteil Scampia drehte. Statt glorifizierter Macho-Mafiosi à la Hollywood zeigt Sollima ängstliche Paten-Söhne, die es nicht übers Herz bringen, Menschen kaltblütig zu erschießen, und Frauen, die die Führung der männerdominierten Clans übernehmen - und sich dabei als geschickter und skrupelloser erweisen als ihre Männer.

Statt in pompösen "Scarface"-Villen leben diese einfachen Mafia-Arbeiter in heruntergekommenen Sozialbauten, in denen sie nach Feierabend ihre Frauen auf die Wange küssen und ihre Töchter ins Bett bringen. So wirken die Mafiosi in "Gomorrha - Die Serie" überraschend normal - und gerade deshalb umso erschreckender. "Im Verlauf der Episoden wird deutlich, dass all diese Elemente auch Teil unseres Lebens sind: Die Denkweisen sind nicht nur die Denkweisen von kriminellen Bestien, sondern auch die typischen Denkweisen eines Geschäftsführers", sagt Saviano. "Diese Welt steht uns näher, als man denken könnte."


Quelle: https://www.sky.de/web/cms/de/serien_hi ... 01-101-101

IMDb: http://www.imdb.com/title/tt2049116/

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 1. Nov 2014, 23:01

"Kein Phänomen, das wir exportiert haben, sondern eine Krankheit!" – Die Gomorrha-Darsteller Fortunato Cerlino und Maria Pia Calzone im Interview

Der Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano hat jahrelang im Milieu der Verbrecherorganisation Camorra in Neapel verdeckt recherchiert und seine Erlebnisse und Kenntnisse in dem 2006 erschienenen Roman Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra veröffentlicht. Seine Aufdeckungen führten zu Morddrohungen, die ihn zu einem Leben unter Personenschutz zwingen. Sein Roman wurde bereits 2008 verfilmt. 2014 folgte eine Serienumsetzung, die in Zusammenarbeit von Sky Italia, Cattleya, Fandango, La 7 und Beta Film entstand. Die Serie war ein bahnbrechender Erfolg. Im Produktionsland Italien wurden die Folgen durchschnittlich 1,2 Millionen Mal gesehen, die Rechte wurden an 30 weitere Länder verkauft. Eine zweite Staffel ist bereits bestätigt.

Gomorrha handelt von den Machenschaften des Camorra-Clans in Neapel, seinen internationalen Verstrickungen und den Machtkämpfen um die lokale Vorherrschaft. Als der Pate Pietro Savastani (Fortunato Cerlino) verhaftet wird, gerät das Machtkonstrukt der Familie ins Wanken. Pietros Gattin Imma (Maria Pia Calzone) und Sohnemann Genny (Salvatore Esposito) übernehmen die Herrschaft, doch auch in den eigenen Reihen beginnt das Vertrauen zu schwinden. Der eigentlich loyale Ciro (Marco D’Amore) sieht seine Chance gekommen, um sich in der Hierarchie hinaufzuarbeiten!

Die Serie Gomorrha ist seit 10. Oktober 2014 immer freitags um 21.00 Uhr auf Sky Atlantic HD, Sky Go und Sky Anytime zu sehen. Die erste Staffel besteht aus 12 Folgen zu je 60 Minuten. In der internationalen Kritik wurde die Serie oft als die europäische Antwort auf The Wire bezeichnet.

Sky Österreich veranstaltete anlässlich des Serienstarts eine Sky Night im Wiener Filmcasino, bei der die ersten beiden Folgen in Anwesenheit der beiden Darsteller Fortunato Cerlino und Maria Pia Calzone gezeigt wurden. DVD-Forum.at hat mit den beiden über ihre Arbeit als Schauspieler, ihre Emotionen, die Erfahrungen am Set in Scampia und die Tragweite des realen Stoffes gesprochen.

Interview mit Maria Pia Calzone und Fortunato Cerlino:

DVD-Forum.at: Die Serie basiert auf dem Roman und dem gleichnamigen Film, wofür der Autor relativ intensiv in den Kreisen der Mafia recherchiert hat. Wie haben Sie sich für ihre Rollen vorbereitet?

Fortunato Cerlino: [lächelt] Wichtig ist, warum wir gerade gelächelt haben, im Ausland weiß man meistens nicht, dass Mafia nicht der Überbegriff für alle kriminellen Organisationen ist, sondern eine derer. Hier geht es um die Camorra, das ist eine dieser kriminellen Organisationen. Das ist wichtig zu unterscheiden, weil Saviano eben speziell die Camorra studiert hat und auch wirklich deren Mechanismen genau aufgedeckt hat. Die Camorra ist mindestens so gefährlich, wenn nicht gefährlicher als die Mafia, weil sie moderner ist. Und weil sie wie die Mafia, vielleicht aber auch mehr als die Mafia, ein internationales Phänomen ist. Das ist eben nicht etwas, was auf Neapel oder Italien beschränkt ist. Abgesehen von den Techniken, wie man sich als Schauspieler auf eine Rolle vorbereitet, war am wichtigsten bei der Vorbereitung das klare Bewusstsein, dass wir das erzählen, was Saviano erkundet und erzählt hat. Es war wichtig, vom künstlerischen, vom intellektuellen her, diese Klarheit zu haben! Mir ist es ganz wichtig, das klar auszudrücken, weil im Unterschied zu anderen sogenannten Fictions, erzählen wir nichts, was erfunden worden ist. Wir erzählen immer Dinge, die real passiert sind, die man im Chronik-Teil lesen konnte. Daher sind auch die Reaktionen derer, die die Serie sehen, ganz anders, als wenn man weiß, es geht um Erfundenes.

Maria Pia Calzone: Wichtig bei der Vorbereitung war auch, dass uns absolut bewusst war, dass wir nicht nur die künstlerische Verantwortung tragen, die man eben hat, wenn man eine Rolle in einem Film spielt, sondern, dass man auch eine zivile Verantwortung als Bürger dieses Landes gehabt hat.

DVD-Forum.at: Und für Sie persönlich oder auch als Schauspieler, was war denn das Intensivste und Packendste an der Geschichte?

Fortunato Cerlino: [an Maria gewendet] Antworte du, während ich über eine Antwort nachdenke!

Maria Pia Calzone: Während er denkt soll ich antworten! [lacht], er ist der Clevere!

Fortunato Cerlino: Das Emotionalste war, mit ihr gemeinsam zu spielen!

Maria Pia Calzone: Das Ergreifendste war für mich, ich denke hier nicht an eine spezielle Episode, sondern diese Vorstellung dieses Lebens in dieser Gewalt, dass man ständig mit dem Verdacht lebt. Man verdächtigt immer alle. Sogar die engsten Angehörigen werden ständig verdächtigt. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, wie diese Menschen leben müssen.

Fortunato Cerlino: Für mich war das Aufregendste eigentlich, dass wir diese Geschichten, die ja tatsächlich passiert waren, am tatsächlichen Standort Scampia gedreht haben, wo natürlich diese Personen vor Ort dabei waren beim Drehen, also zugschaut haben. Saviano hat gesagt, dass bei dieser Serie eigentlich Scampia ein weiterer Hauptdarsteller war. Das haben wir gespürt. Neapel, Scampia, war ein Darsteller! Eine Sache, die mich auch sehr emotional berührt hat, war, einen Dienst zu leisten, einen Dienst nicht nur gegenüber unserem Land Italien, denn wenn man über dieses Thema spricht, bringt man ein Bewusstsein hervor, dass das ein internationales Thema ist. Natürlich möchte ich das, was ich getan habe, nicht auf die selbe Ebene setzen, wie das, was Saviano geleistet hat. Für mich war der Gedanke sehr berührend, dass ich das unterstützen kann, was er vollbracht hat.

DVD-Forum.at: Saviano muss ja für die Aufklärungen, die er erbracht hat, mehr oder weniger unter Personenschutz leben. Wie war das für Sie, nachdem Sie gesagt haben, Sie haben am Originalschauplatz gedreht, gab es da Zwischenfälle mit Personen, die sich bedroht gefühlt haben durch die Anwesenheit der TV-Serie oder ist da zu einem gewissen Grad eine Angst dahinter?

Maria Pia Calzone: Also wir haben überhaupt kein Problem gehabt, die Leute haben sehr mit uns zusammengearbeitet, sie haben uns ihre Wohnungen, ihre Sessel, ihre Schattenplätze im Sommer zur Verfügung gestellt. Sie sind natürlich zum Teil auch von der Produktion beschäftigt worden, haben also Jobs dadurch bekommen. Es war also wirklich ein Austausch, eine Zusammenarbeit. Wenn man sich vorstellt, dass 80 bis 90 Personen am Set sind... im Sommer essen die alle Eis, im Winter essen die alle Mortadella-Weckerl, die müssen versorgt werden, da verdient das ganze Viertel.

Fortunato Cerlino: Aber man kann eben nicht sagen ‚Die Comorra ist gleich Neapel’. Und Scampia ist auch nicht gleich Camorra. Wenn man es mit der Camorra gleichsetzt, ist das, als würde man ein Volk mit seinem bösen Monarchen beschreiben. Deswegen sind die Leute ja nicht böse. Im Gegenteil, die Leute werden unterdrückt. Ich würde sagen, vielleicht ein bisschen übertrieben, aber 99% der Leute in Scampia sind ordentliche Leute. Diese ordentlichen Menschen wissen, wenn man beginnt, ihre Geschichten zu erzählen, dann beginnt der Weg zur Befreiung. Die erste Waffe ist, nicht darüber zu sprechen!

DVD-Forum.at: Sie haben auch gesagt, dass der Ort ein weiterer Darsteller ist und Serien sind auf dem aufsteigenden Ast, weil man als kreatives Team viel mehr die Möglichkeit hat, Personen, Orte, Schauplätze wesentlich ausführlicher zu charakterisieren. Was ist denn Ihrer Meinung nach der Vorteil dabei, die Geschichte in Serienform zu erzählen und nicht als einmaligen Spielfilm?

Fortunato Cerlino: Ja, wie sie angesprochen haben, sind Serien derzeit sehr erfolgreich. Diese Form des Erzählens im Detail ist vielleicht vergleichbar mit dem Fortsetzungsroman des 18. Jahrhunderts, wo jedes Kapitel eine neue Richtung im Handlungsfaden einschlagen konnte und uns vielleicht wieder überrascht. Darauf ist eigentlich der Erfolg zurückzuführen. Als es ausgestrahlt wurde, ist mir immer wieder passiert, dass mir jemand geschrieben hat, ich solle doch verraten, wie es weitergeht. Bei einem Buch baut sich auch solch eine Spannung auf, bei einem Film ist es schwer das in diesem Sinn so aufzubauen.

Maria Pia Calzone: Was ich auch hinzufügen möchte, ist, dass die Serien einerseits erfolgreich sind, weil sie die Realität erzählen und andererseits gelingt, weil es in einer Serie passiert, viele Fragen aufzuwerfen, ohne automatisch Antworten zu liefern. Das heißt, es wird eine Frage aufgeworfen und dann hat der Zuschauer Zeit sich damit auseinanderzusetzen.

DVD-Forum.at: Nachdem Sie gesagt haben, die Camorra ist auch ein internationales Phänomen, hätten Sie damit gerechnet, dass die Serie auch beim internationalen Publikum derart gut ankommt und vor allem, wie wird es weitergehen? Nicht inhaltlich, sondern wann kann man beispielsweise mit neuen Episoden rechnen?

Fortunato Cerlino: Es war uns bewusst, dass wir ein ausgezeichnetes Produkt herstellen. Ich habe das Drehbuch gelesen und gesehen, dass das ein ganz ehrlicher und seriöser Ansatz ist, dass ganz ausgezeichnete Leute im Team waren, wirklich viele Talente von Regie, Drehbuch über die Maske bis zur Musik, Sky als Produzent und so weiter. Wir hatten das Gefühl Teil eines Teams hochqualifizierter Leute zu sein. Aber das Ausmaß des Erfolgs haben wir nicht so hoch erwartet. Es war als würde man nach langer Zeit der Dürre eine Pflanze gießen. Die Menschen haben diese Informationen in sich aufgesogen. Es war wirklich ein explosiver Erfolg, den wir nicht erwartet haben. Dann ist es auch so, dass der erzählerische Faden, den wir von Saviano übernommen haben, ja nicht eine Geschichte über Neapel erzählt, sondern eine internationale Geschichte, wo auch Orte wie hier, Ihre Stadt [Wien, Anm.] involviert sind. Es ist nicht so, dass es ein in Italien entstandenes Phänomen ist, dass wir einfach exportiert haben, sondern so, dass eine mafiöse oder Camorra-Denkweise eigentlich in jedem potentiell vorhanden ist. Die kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten eines Ortes führen dazu, dass das dann wie ein Keim, wie eine Krankheit wirkt und wenn das Immunsystem des Ortes sozusagen geschwächt ist, dann geht der Krankheitskeim voll auf. Aber absolut keine Gesellschaft ist gegen dieses Übel, gegen dieses Böse, immun.

DVD-Forum.at: Gut, vielen herzlichen Dank für das Gespräch!


Quelle: http://www.dvd-forum.at/news-details/46 ... -interview
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 27. Jan 2015, 20:19

Staffel 1 ist für September auf DVD/BD angekündigt! *freu*

Link: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassun ... &vid=60293
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 6. Mai 2015, 21:18

Staffel 1 kann nun bei Amazon vorbestellt werden, auf BD für den durchaus humanen Preis von € 25,99.

Link: http://www.amazon.de/Gomorrha-Staffel-B ... s=gomorrha
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Adalmar » 7. Mai 2015, 14:54

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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 8. Okt 2015, 21:04

Ab HEUTE 21:00 Uhr auf ARTE (donnerstags Doppelfolgen)
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 22. Feb 2016, 20:26

Dass diese Serie auf wahren Ereignissen basiert, glaubt man nach der Sichtung sofort. Hier wirkt alles trostlos, düster, dreckig und brutal. Der Glamour reduziert sich auf die barocke Einrichtung des einen oder anderen Domizils und den Fuhrpark des Clans der Savastanos.

Das willfährige Fußvolk der Paten lebt in ärmlichsten Verhältnissen in 'Le vele di Scampia', der Hass ist dementsprechend groß, richtet sich aber aufgrund der Solidarität nicht gegen die eigenen Clanchefs, sondern wird von diesen geschickt genutzt, um das eigene Vermögen zu vergrößern und die Gegner auszuschalten.

Die zentralen Charaktere werden umfassend eingeführt, der Charakterentwicklung wird viel Zeit eingeräumt. Die Darsteller überzeugen dabei durchweg in ihren Rollen.

Vielen Zuschauern dürfte die authentische Inszenierung und vor die Charakterzeichnung aber zu weit gehen. Es gibt keinerlei Möglichkeit, sich mit dem Gezeigten oder gar den Charakteren zu identifizieren. Hier gibt es wirklich überhaupt keine Protagonisten, deren Handeln man unter ethischen Gesichtspunkten nachvollziehen oder gar gut heißen kann, was natürlich auch daran liegt, dass GOMORRHA nie das Camorra-Universum verlässt. Nur kurz hat man den Eindruck, dass Ciro, die rechte Hand Don Pietros, zumindest etwas Gutes in sich trägt. Im zweiten Drittel wird man diesbzgl. aber eines Besseren belehrt.

Leider übertreibt es Sollima mit der Gesamtlaufzeit etwas, im "Mittelteil" kommt die Story nicht wirklich voran, hier wäre weniger mehr gewesen, anstatt der 12 hätten 9 oder 10 Folgen dem Spannungsbogen gut getan.

Nachdem Kontrahent Conte nach Neapel zurückkehrt, nimmt die Serie aber wieder Fahrt auf, der Krieg zwischen den Clans beginnt, und da jeder sich selbst der nächste ist, führen die Intrigen zu einem furiosen Finale.

Da die letzte Folge mit einer überraschen Wendung mit entsprechend fiesem Cliffhanger endet, wird der Weg für eine Fortsetzung bereitet.

Wer sich für das wahre Leben und Sterben der Camorra in Scampia interessiert, der kommt an GOMORRHA nicht vorbei.

Sehenswert - 8,5/10
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Theoretiker » 30. Sep 2016, 21:07

Nach der starken 1. Staffel gibt's nun die 2. Staffel, ich bin gespannt! :popcorn:

Theoretiker hat geschrieben:Bild
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon sergio petroni » 27. Dez 2016, 11:23

Dieser Tage habe ich mir ziemlich geballt die erste Staffel von "Gomorrha" reingezogen.
Zwölf Folgen Innenansicht der neapolitanischen Mafia. Alles beruht mehr oder weniger
auf wahren Ereignissen und Personen. Dabei haben sich die Macher der Serie
natürlich diverse Freiheiten genommen. Zum Beispiel wird vieles komprimiert dargestellt.
Zum einen Handlungsabläufe und zum anderen Personen. Manchmal erscheint es,
als hätte der ein oder andere Charakter der Serie die Eigenschaften von mehreren
realen Vorbildern erhalten und versucht diese in sich zu vereinen.

Dabei kommt es leider zu vielen klischeehaften Abziehbildern.
Da wäre zum einen der alternde Clanboss Savastano, der versucht, seine Geschäfte und seine
Familie (in dieser Reihenfolge) zusammenzuhalten.
Sein Sohn, zunächst ein verwöhntes Gör,
wandelt sich natürlich im Laufe der
Serie in's genaue Gegenteil.

Dann Ciro, die rechte Hand des Clanchefs, der sich zu Beginn über Gewalt und Blutvergießen
beschwert und sich später in
eine überzeichnete, gnadenlose Tötungsmaschine ohne
Funken Anstand verwandelt.

Conte, der Gegenspieler der Savastanos kommt als philsophierender und gläubiger
Bandenchef daher, der sich für keinen Oneliner zu schade ist und es
dabei mit dem Overacting etwas übertreibt.

Die Mafia schmiert Politiker und Polizeibeamte, die Mafia
rekrutiert immer neuen Nachwuchs unter den mittellosen Jugendlichen.
Kurzum, die Mafia ist böse. Soviel war auch ohne diese Serie bekannt.
Ein Pluspunkt ist auf jeden Fall, daß keinerlei Ansätze zu Verklärung und
Überhöhung des mafiösen Tuns vorhanden sind. Identifikationsfiguren
mit aufrechtem oder zumindest berechenbarem Charakter
sucht man vergebens (einzige Ausnahme hier: der Kurzauftritt eines Priesters).
Der Begriff der "Ehre" unter den Bandenmitglieder wird gnadenlos auseinandergenommen.
Auch daß am Set einige ehemalige Kriminelle mitwirkten (als Berater oder Schauspieler)
macht einen guten Eindruck.

Allerdings ist insgesamt das Geschehen zu klischeebeladen, zu sehr auf Action
und, was die handelnden Personen anbetrifft, zu überzeichnet angelegt.
Auch das Ende der ersten Staffel verlangt ja direkt nach einer zweiten, womit die
Serie dann doch bei dem ankommt, was sie ist und auch die ganze Zeit war: Unterhaltung.
5,5/10
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Gomorrha - Stefano Sollima u.a. (2014)

Beitragvon Onkel Joe » 8. Jun 2017, 22:44

Nach dem Saustarken "Suburra" habe ich mir die erste Staffel dieser Serie hier besorgt und die ersten drei Folgen habe ich gleich mal inhaliert. Schön dreckig, hart und rau, so muss das sein mit der Mafia!
Dicke 6/10 und für eine Serie hat das ganze einen sehr guten Look.
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