Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

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Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon Onkel Joe » 14. Apr 2010, 21:08

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Originaltitel:La Violenza: Quinto potere
Herstellungsland:Italien/1972
Regie: Florestano Vancini
Darsteller:Enrico Maria Salerno, Gastone Moschin, Riccardo Cucciolla, Mario Adorf, Ciccio Ingrassia, Aldo Giuffrè, Michele Abruzzo, Ferruccio De Ceresa und Turi Ferro.
Story:Gehört die Mafia in Sizilien endgültig der Vergangenheit an ? Die Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments jedenfalls scheint mit ihren Untersuchungen gute Fortschritte gemacht zu haben.Da fallen plötzlich wieder Schüsse aus Maschinenpistolen. Doch es gelingt den Behörden einige Mitglieder der rivalisierenden Gangs festzunehmen und vor ein Gericht zu stellen.Diesmal scheint Staatsanwalt Azzara (Enrico Maria Salerno) genügend Beweise zu haben, um die Angeklagten Barresi (Mario Adorf), ein großer Boss im Baugewerbe, und seinen Gegenspieler Savoca (Allessandro Sperli) zu überführen.Doch da geschieht etwas Unvorhergesehenes ...
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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon ugo-piazza » 14. Apr 2010, 22:17

Toller Film, leider ewig nicht gesehen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon Onkel Joe » 15. Apr 2010, 12:23

ugo-piazza hat geschrieben:Toller Film, leider ewig nicht gesehen.


Wirklich sehr guter stuff, meine Kopie hat aber wie ich gestern abend bemerkt habe total den Geist aufgegeben, so ein mist !!
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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon Ringo aka Angelface » 19. Apr 2010, 14:44

Kenne ich gar nicht..... DVD scheint es auch nicht zu geben :cry:
Schade......
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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon Nello Pazzafini » 27. Mai 2010, 22:45

Onkel Joe hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Toller Film, leider ewig nicht gesehen.


Wirklich sehr guter stuff, meine Kopie hat aber wie ich gestern abend bemerkt habe total den Geist aufgegeben, so ein mist !!


na da kann dir geholfen werden Onkelchen, hab ja das Original VHS Tape! Superfilm, bin so froh das der adorf damals in Italien geblieben ist und viel viel gemacht hat.......
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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon ugo-piazza » 30. Mai 2010, 21:59

In Sizilien stehen 16 Männer vor Gericht, allesamt verdächtig, Mafiosi zu sein. Zwei Morde gilt es zu klären, davon auch die Tötung des Präfekten.

Teils handelt es sich bei den Angeklagten um einfache Bauern wie Vacirca, der tatsächlich als Mörder gedungen wurde, den Analphabeten Giacalone (Ciccio Ingrassia!), der als Strohmann tausende Bauanträge unterschreiben musste, aber auch hohe Tiere wie der Bauunternehmer Baresi (Mario Adorf), der bereits neunmal angeklagt war, aber auch neunmal freigesprochen wurde.

Während der Staatsanwalt (Enrico Maria Salerno) die Anklage vertritt, wiegelt der Verteidiger (Gastone Moschin) ab, in Norditalien sei es ja auch nicht besser, und überhaupt diene die ganze Anklage ja nur dazu, angesehene Männer zu diskreditieren.

Frühere Aussagen werden widerrufen, Beweisstücke verschwinden, das übliche Prozedere, wie man es in Sizilien eh nicht anders erwarten würde. Der idealististische Bürgermeister Salemi wird ermordet, sein Bruder wendet sich an die Anti-Mafia-Kommission, wo sein Schreiben abhanden kommt. Als sich während des Prozesses herausstellt, dass er durch Spielsucht bis an die Halskrause verschuldet ist, ist er eh diskreditiert. Eine junge Frau, deren Mann "verschwunden" ist, beklagt vor Gericht, dass niemand wirklich die Wahrheit wissen wolle, und dass dies auch allen bekannt sei, worauf sie aus dem Saal gezerrt wird. Ein Großgrundbesitzer antwortet auf die Vorhaltung des Staatsanwaltes, jeder wisse, dass er 20000 Wählerstimmen manipulieren könne, dass er nicht wisse, ob es 20000 oder 1000000 seien.

Und so ist das Ergebnis auch nicht wirklich überraschend: Der Analphabet Giacalone kommt im Gefängnis ums Leben, der Bauer Vacirca wird verurteilt. Alle anderen werden freigesprochen, das Leben geht weiter wie gehabt.

Zwischen die Gerichtsverhandlung schneidet Vancini immer wieder die gerade verhandelten Ereignisse, so dass der Zuschauer sieht, was sich tatsächlich ereignet hat.

Dieser von Dino De Laurentiis produzierte Film gehört auf jeden Fall in den Schrank! Von den Darstellerleistungen (allesamt gut) sei Gastone Moschin ausdrücklich noch einmal hervorgehoben. Ugo Piazza zieht seinen Hut...
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon buxtebrawler » 11. Okt 2012, 16:19

Der italienische Regisseur Florestano Vancini („In den Adern heißes Blut“) nahm sich für seinen Gerichtsthriller „Gewalt – Die fünfte Macht im Staat“ aus dem Jahre 1972 der Thematik der der sizilianischen Mafia gegenüber zahnlosen und ohnmächtigen Justiz an. In einem Mammutprozess sitzen 16 Mafiosi wegen verschiedenster Verbrechen auf der Anklagebank. Doch der Einfluss der Mafia ist derart groß, dass letztlich nur ein im wahrsten Sinne des Wortes Bauernopfer dargebracht wird und die hohen Herren als freie Menschen den Gerichtssaal verlassen.

Vancinis intelligenter, ein heißes Eisen anpackender, desillusionierender und pessimistischer Film tut sich sichtlich schwer damit, dem spröden Charme einer Gerichtsposse etwas hinzuzufügen, was den Film auflockern und angenehmer zu konsumieren machen würde. Bis auf einige Rückblenden spielt sich der Großteil des Films im Gerichtssaal ab, wo sich solange Rhetorikduelle, Verleumdungen, Intrigen und Rechtsverdrehungen geliefert werden, bis sich Resignation breitmacht. Im Zusammenhang mit der Komplexität der Verstrickungen entsteht so ein enorm dialoglastiger Film, der gut die Methoden der Mafia nachzeichnet, immer wieder ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Das berüchtigte italienische Temperament indes bricht sich lediglich in Form manch hitzigen Plädoyers und Statements bahn. Hier steht eindeutig der Anspruch über dem Unterhaltungswert; der Anspruch, anhand der ausführlichen Beleuchtung des Prozesses eine kaputte, geknechtete Gesellschaft nachzuzeichnen, die sich fest im Griff über Leichen gehender mächtiger Interessengemeinschaften befindet und deren Rechtsstaatlichkeit bloße Fassade und damit letztlich blanker Hohn ist.

Ihren Teil zum Gelingen, zum Erlangen der Glaubhaftigkeit, tragen verdiente Schauspieler wie Enrico Maria Salerno („Das Syndikat“), Mario Adorf („Der Mafiaboss“), Gastone Moschin („Milano Kaliber 9“) und Riccardo Cucciolla („Sacco und Vanzetti“) bei, die Vancinis Film durch eine Traumbesetzung veredeln. Dennoch bleibt „Gewalt – Die fünfte Macht im Staat“ betont trocken und nüchtern, die gewohnten Einsprengsel italienischen Wahnsinns bleiben weitestgehend aus. Bei aller inhaltlichen Schärfe, Härte und Relevanz ist dieser Umstand jedoch genau das Charakteristikum, mit dem ich mich bei derartigen Gerichtsfilmen i.d.R. schwer tue. Nichtsdestotrotz ist „Gewalt – Die fünfte Macht im Staat“ einer von vielen italienischen Filmen, die es darauf anlegten, in mutiger Weise gesellschaftliche und politische Missstände anzuprangern und sich mit ihren kontrovers aufgefassten Aussagen wesentlich weiter aus dem Fenster lehnten als diejenigen, die ihr Publikum durch bloße Unterhaltung zu zerstreuen suchten. Wer sich für die Thematik interessiert und in die Handlung mit ihrer Vielzahl an Charakteren gut hineinfindet, erlebt einen sorgfältigen, intelligent konstruierten Film, der in typischer Anti-Hollywood-Manier konsequent bis zur letzten Sekunde bleibt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Gewalt-Die fünfte Macht im Staat - Florestano Vancini

Beitragvon dr. freudstein » 11. Okt 2012, 17:03

Sehr beeindruckender, packender Film und freilich nicht aus der Luft gegriffen.
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