An einem Freitag in Las Vegas - Antonio Isasi-Isasmendi

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

An einem Freitag in Las Vegas - Antonio Isasi-Isasmendi

Beitragvon untot » 15. Sep 2012, 16:13

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Originaltitel: Las Vegas, 500 milliones

Herstellungsland: Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien

Erscheinungsjahr: 1968

Regie: Antonio Isasi-Isasmendi

Darsteller: Gary Lockwood, Elke Sommer, Lee J. Cobb, Jean Servais, Georges Géret, Jack Palance,
Fabrizio Capucci, Roger Hanin, Gustavo Re, Daniel Martín, Maurizio Arena, Enrique Ávila...

Inhalt:
Um seinen Bruder Gino Vincenzo (Jean Servais) zu rächen, der beim Versuch, einen Geldtransporter in Las Vegas zu überfallen, getötet wurde, organisiert sein jüngerer Bruder Tony (Gary Lockwood) erneut einen Überfall. Dabei bemächtigt er sich der Hilfe der Sekretärin Anne (Elke Sommer), die in ihn verliebt ist und bei einer Security-Firma beschäftigt ist und durch die er die Route des Panzerwagens erfährt. Doch Douglas (Jack Palance), ein Agent des US-Schatzamtes, ist ihm schon auf den Fersen.
Quelle: OFDb
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Re: An einem Freitag in Las Vegas - Antonio Isasi-Isasmendi

Beitragvon Blap » 25. Okt 2012, 23:43

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An einem Freitag in Las Vegas (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien 1968, Originaltitel: Las Vegas, 500 milliones)

Ohne Rücksicht auf Verluste

Kaum ist Gino (Jean Servais) aus dem Knast geflohen, plant der alte Ganove bereits den nächsten Raubzug. Tony (Gary Lockwood) zeigt wenig Begeisterung für die altbackenen Methoden seines grossen Bruders, er will den Überfall auf einen Geldtransport zunächst sorgfältig überdenken. Gino ignoriert sämtliche Warnungen, der Raub endet in einem Blutbad, Gino und seine Komplizen gehen im Kugelhagel der Polizei unter. Für den Boss der Transportfirma ist der abgewehrte Angriff ein Triumph, mit Ausdauer lobt Skorsky (Lee J. Cobb) die extreme Widerstandsfähigkeit seiner Fahrzeuge und das hochmorderne Sicherheitsnetzwerk mit Computerunterstützung. Hinter den Kulissen hat sich der Fahnder Douglas (Jack Palance) auf Skorsky eingeschossen, der für das Schatzamt tätige Regierungsbeamte verdächtigt den Geschäftsmann des Goldschmuggels im grossen Stil. Derweil hat Tony eine Affaire mit der atttaktiven Ann Bennett (Elke Sommer) in Gang gebracht, pikanterweise ist Ann ebenso Skorskys Geliebte und dessen Mitarbeiterin. Dank der Informationen seiner Freundin kann Tony auf einen erfolgreichen Coup hoffen, eine Nebenstrecke durch die Wüste von Nevada soll einem gepanzerten Transporter aus Skorskys Stall zum Verhängnis werden. Tatsächlich gelingt die Durchführung des waghalsigen Plans, die Gauner lassen das Fahrzeug spurlos in der sandigen Öde verschwinden. Skorsky kocht vor Wut, zu allem Überfluss sitzen ihm nicht nur seine "Geschäftspartner" in Nacken, auch Douglas nagt mit Ausdauer am Nervenkostüm des Unternehmers. Tony und seine Kumpanen können sich nach dem gelungenen Auftakt ihrer Mission nicht auf die faule Haut legen, schliesslich muss der gepanzerte LKW nun geknackt werden, im Versteck der Truppe beginnt es gefährlich zu brodeln ...

Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi hat sich mit dem kleinen Rachethriller "Summertime Killer" (1972) schon vor langer Zeit einen Platz in meinem goldenen Buch gesichert, umso heftiger freue ich mich über die Veröffentlichung des hier kurz vorgestellten "An einem Freitag in Las Vegas". Oft treffen wir in Heist-Movies auf charmante Gauner, Herren die ohne rohe Gewalt ihre genialen Pläne in die Tat umsetzen. "An einem Freitag in Las Vegas" kommt zwar mit einem cleveren Raub aus der Kiste, jedoch sind Tony und seine Bande alles andere als freundliche Gentlemen. Ohne jeglichen Anflug von Reue geht man mit brutaler Härte gegen die Insassen des Transportes vor, lässt Flammenwerfer und automatische Waffen sprechen. Bei Bedarf schreckt man nicht vor der Ermordung zufällig auftauchender Personen zurück. Verbissenheit an allen Fronten, egal auf welcher Seite des Gesetzes die Beteiligten stehen. Tony und seine Mannen verbeissen sich in den Panzerwagen, nach und nach beginnen sich die Herren untereinander zu zerfleischen. Für Skorsky wird die Luft dünner und dünner, seine ausländischen Freunde fühlen sich übers Ohr gehauen. Schatzamtler Douglas gibt keinen Zentimeter nach, will endlich seinen Verdacht bestätigt wissen. Ansprechend gefilmt und mit stimmungsvollen Schauplätzen gesegnet, vergehen die knapp über zwei Stunden Spieldauer in Windeseile, der Streifen kommt ohne jeglichen Anflug von Leerlauf daher.

Gary Lockwood kennen viele Filmfreunde aus Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" (1968), später war er vor allem in TV-Serien zu sehen. Kein leichter Job für den damals noch jungen Burschen, aber Lockwood kann sich mit seiner Mischung aus lockerer Unverschämtheit und eiskalter Härte gegen gestandene Platzhirsche wie Lee J. Cobb und Jack Palance behaupten. Tony ist in vielerlei Hinsicht der Gegenentwurf zum klassischen Bild des Gentleman-Gangsters, lediglich der messerscharfe Verstand des führenden Ganoven entspricht dem üblichen Heist-Movie Motiv. Elke Sommer gibt uns zunächst Rätsel auf, später schrumpft sie bei oberflächlicher Betrachtung zum willenlosen Liebchen. Hinter der Fassade zeigt sich Ann als entschlossene und mutige Frau mit glühendem Herzen. Damals war Frau Sommer eine sehr erotische Erscheinung, der Auftritt der blonden Schönheit geht runter wie allerfeinstes Speiseöl. Leider verstarb der kernige Charakterkopf Lee J. Cobb bereits 1976, er wurde lediglich 64 Jahre jung. Erwartungsgemäß hochklassig grummelt und poltert Cobb durch das Szenario, Jack Palance steht im nicht minder hartnäckig auf den Füßen, in Gedanken genüsslich die Handschellen schwingend. Immer wieder treffen Cobb und Palance aufeinander, der Regierungsbeamte schleicht wie eine ausgehungerte Raubkatze um den zunehmend angeschlagenen Büffel. Georges Géret und Fabrizio Capucci fallen als Nebenganoven positiv auf, der kurze Auftritt von Jean "Rififi" Servais als "anachronistischer Gauner" zaubert ein Lächeln auf mein zartes Antlitz.

"An einem Freitag in Las Vegas" zeigt uns die ruppige Seite des Heist-Movie, vergisst darüber aber nie das die kurzweilige und ideenreiche Fortschreiten der Story. Alle relevanten Rollen sind sehr ansprechend besetzt, Juan Gelpí fängt das Geschehen gekonnt ein, der Score von Georges Garvarentz präsentiert sich zwischen bodenständig und dezent psychedelisch angehaucht wogend. Antonio Isasi-Isasmendi hat dem Genre starken Beitrag zugefügt, der Film zeigt eindrucksvoll und äusserst unterhaltsam auf, wozu das europäische Kino in seiner Blütezeit fähig war!

Media Target hat dem Streifen eine schöne DVD spendiert, gute Bildqualität und eine Brise Bonusmaterial sorgen für Freude. Ferner liegt ein Booklet bei, dieses verschenkt leider die Möglichkeit zusätzliche Informationen zum Film zu liefern, beschränkt sich auf die Abbildung (interessanter) Werbematerialien zur damaligen Kinoauswertung. Für "An einem Freitag in Las Vegas" spreche ich sehr gern eine klare Kaufempfehlung aus, das Werk ist ein prächtiges Kind der späten sechziger Jahre! Zugreifen ist Pflicht!

Dicke 8/10 (sehr gut)

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Re: An einem Freitag in Las Vegas - Antonio Isasi-Isasmendi

Beitragvon Die Kroete » 27. Okt 2012, 11:24

Na, daß nenne ich doch mal eine Empfehlung! :o 8-) :thup:
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Re: An einem Freitag in Las Vegas - Antonio Isasi-Isasmendi

Beitragvon ugo-piazza » 18. Okt 2015, 19:16

Ich hab den heute im Kino gesehen. Ich kannte den Film ja vorher nicht und hatte eigentlich eine leichte Gaunerkomödie im Mittsechziger-Style (so Richtung "Sieben goldene Männer") erwartet. War wohl ein ziemlicher Irrtum, denn Tony und seine Gang planen zwar einen genialen Coup, schrecken dabei aber auch vor tödlichen Schußwaffeneinsatz nicht zurück. Die Kinofassung war wohl um einige Szenen gestrafft worden, ein unterhaltsamer Kinonachmittag war's allemal.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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