Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima (1973)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

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Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima (1973)

Beitragvon Onkel Joe » 26. Dez 2010, 22:08

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Originaltitel: Revolver

Herstellungsland: Italien/Deutschland/Frankreich/1973
Regie: Sergio Sollima
Darsteller: Oliver Reed, Fabio Testi, Paola Pitagora, Agostina Belli, Frederic de Pasquale, Reinhard Kolldehoff, Salvatore Borghese und Peter Berling.

Story: Ein Polizist (Oliver Reed) wird von Unbekannten, die seine Frau entführt haben, dazu erpresst, einen Häftling (Fabio Testi) aus dem Gefängnis befreien. Doch kaum hat er dies ausgeführt, merkt er, das die Verbrecher seinem "Fang" alles andere als wohlgesonnen sind und muss erkennen, das er- ohne es zu wissen- Teil eines politischen Komplotts geworden ist. Die Hetzjagd schweißt die anfangs verfeindeten Männer zusammen...
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon Nello Pazzafini » 28. Dez 2010, 13:46

was für ein genialer film, leider bei uns unentdeckt und unbekannt.....Reed wie Testi geben alles zu einer tollen story und einem der besten Scores von Maestro Morricone. Sollima setzt seine Männer Charakterstudien nach seinen genialen Western quasi fort....
Es gibt eine tolle US DVD die man haben sollte als italienischer Delirist :lol:
Fette 10/10!
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon McBrewer » 13. Mär 2012, 10:30

Bei @Nello`s Wertung gehe ich voll & ganz mit.
REVOLVER ist ja so was von "dicht" inszeniert...brauchte bei mir zwar erst einige Minuten bevor er richtig in Schwung kommt, dann aber ist man mitten im farbenfrohen Krimi, zwischen Action, Freundschaft & Intrigen.
Gerade OLIVER REED gefällt mir in dem Film richtig gut (kenne leider nur ein Bruchteil seiner vielen Filmauftritte) und spielt FABIO TESTI fast an die Wand. (Stichwort > das Ende!)
Ja, und MORRICONES Komposition ist wirklich mal wieder erste Sahne, direkt was für den Plattenspieler !

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:thup:
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon Operazione Bianchi » 13. Mär 2012, 13:26

Oliver Reed liefert hier wirklich eine herrausragende Performance ab, in diesem Hammer Streifen ist er permanent angepisst und steht immer kurz vor der Explosion . 8-)

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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon reggie » 13. Mär 2012, 23:26

9/10 Wahrlich ein spitzenfilm! Da muss ich euch zustimmen!!!
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon untot » 16. Jul 2012, 02:39

Ich muss mich der Lobhudelei auch uneingeschränkt anschließen, ein wirkliches Schätzchen, das man kennen sollte. Da würde ich mich über eine DVD-VÖ freuen!! :nick:

9/10
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon buxtebrawler » 28. Jul 2013, 03:12

„Du glaubst an das Gesetz wie die Betschwestern an die Beichte und an die Absolution!“

Der italienische Filmemacher Sergio Sollima zählt zusammen mit seinen Namensvettern Leone und Corbucci zu den drei großen Sergios des Italo-Westerns. Wenn Leone der Epiker und Corbucci der Zyniker waren, war/ist Sollima der Intellektuelle, um es einmal auf eine ganz vereinfachte Formel zu bringen. Die Charakterstudien seiner mit „Der Gehetzte der Sierra Madre“ begonnenen Western-Trilogie setzte er im Jahre 1973 mit „Die perfekte Erpressung“ fort, der zur Spitze der betont nicht-reaktionären Beiträge zum „Poliziesco“-Genre zu zählen ist. Der Film entstand in italienisch-französisch-deutscher Koproduktion.

Unbekannte haben die Frau (Agostina Belli, „Blaubart“) des rechtschaffenen Gefängnisdirektors Vito Cipriani (Oliver Reed, „Der Fluch von Siniestro“) entführt und erpressen ihn, den Häftling Milo Ruiz (Fabio Testi, „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“) auf freien Fuß zu setzen. Um seine Frau wiederzubekommen und der Entführer habhaft zu werden, weicht er nach dessen Freilassung keinen Meter von Ruiz, muss jedoch feststellen, dass Ruiz auch nicht viel mehr weiß als er selbst und die Hintergründe der Erpressung diffus und komplex sind. Aus der Notgemeinschaft beider Männer heraus erwächst vorsichtige gegenseitige Empathie für beide scheinbar so konträren Lebensentwürfe. Doch wer steckt nun wirklich hinter der Entführung und was genau soll mit der Freilassung Ruiz’ bezweckt werden? Und wird Cipriani seine Frau jemals lebend wiedersehen?

Oliver Reed, Fabio Testi, (einmal mehr ganz wunderbare) Musik von Ennio Morricone – auch dieser Film Sollimas kann sich mit gewohnt großen Namen brüsten, vor allem aber mit einem vielschichtigen, intelligenten Drehbuch, das großartig von Sollima umgesetzt wurde. Ein etwas moppeliger Reed lässt mit einer permanenten Mischung aus abgeklärtem, genervtem, bösem und verzweifeltem Blick den gut mitspielenden Schönling Testi fast neben sich verblassen. Nichtsdestotrotz ist „Die perfekte Erpressung“ eine gleichberechtigte, hochspannende Charakterstudie, angesiedelt in zwei grundverschiedenen, sich jedoch gegenseitig bedingenden Milieus, die wie Feuer und Eis aufeinandertreffen und miteinander klarzukommen lernen müssen, ihre Gemeinsamkeiten entdecken. Das erinnert in positiver Weise stark an Sollimas Western-Meisterstück „Der Gehetzte der Sierra Madre“ und findet dennoch seinen eigenen erzählerischen Weg. Charakterlich ist wieder einmal nichts, wie es zunächst scheint. Wenngleich „Die perfekte Erpressung“ nicht übermäßig episodisch aufgebaut ist, findet fast jede Sequenz ihren kleinen Höhepunkt, ihre Entladung – das ist großes italienisches Kino, wie es beispielsweise auch ein Sergio Leone mit „The Good, the Bad and the Ugly“ perfekt beherrschte.

Cipriani foltert Ruiz – damit dieser das Gefängnis verlassen kann. Nach einigen wortgewaltigen Dialogen ist dies eine der ersten kongenialen körperbetonten Szenen, die sich durch den Film bis zu einem krassen, zynischen, verstörenden Finale ziehen. Vom (Fragen aufwerfenden) Prolog einmal abgesehen, hat der Zuschauer meist einen ganz ähnlich Informationsstand wie die Protagonisten, stellt er sich die gleichen Fragen wie sie respektive Cipriani, denn ebenso wie für diesen ist auch für das Publikum die Rolle Ruiz’ in dem Spiel nicht eindeutig, ist über weite Strecken ungewiss, ob er etwas verbirgt und wenn ja, was es ist. Ciprianis Misstrauen bleibt nachvollziehbar, Ruiz Verhalten jedoch ebenso. Welcher Kleinkriminelle hat schon gern einen Gefängnisdirektor wie eine Klette an sich hängen? Beide müssen sich miteinander arrangieren, um ihre Fragen beantwortet zu bekommen, bis sie nach und nach die Gewissheit erlangen, beiderseits Figuren in einem perfiden Spiel zu sein. Die Hintermänner werden dabei sogar jeweils gezeigt, das Motiv bleibt jedoch im Dunkeln.

Carlotta (Paola Pitagora, „Allein gegen das Gesetz“), mit der Ruiz ein Verhältnis eingeht, bringt schließlich Klassenkampfthematik in den Film ein, von der sich Ruiz zunächst wenig beeindruckt zeigt. Auch er ist, ganz dem kapitalistischen System verpflichtet, nur am schnellen Geld interessiert. Seine charakterliche und geistige Entwicklung bedingt durch die neuen Eindrücke und Perspektiven jedoch lässt er sich schließlich von fortschrittlichen gesellschaftlichen Ideen überzeugen, während zynische Aussagen eines Rechtsanwalts im Gespräch mit Cipriani zusätzliches Öl ins Feuer der Gesellschafts- und Systemkritik des Films gießen. Die schlussendliche Auflösung der Geschehnisse macht aus dem einen einen deprimierten, gebrochenen Mann, der alles verloren hat und schließlich zu allem fähig ist. Ohne sein Zutun wurde er zum korrumpierten Spielball außerhalb seines Einflussbereichs liegender Kräfte, die sein Weltbild auf den Kopf stellen, während der andere ebenfalls vom eingeschlagenen Weg abgekommen ist, wenn auch auf gänzlich andere Weise. Was anfänglich galt, gilt schon lange nicht mehr, die Grenzen zwischen Recht und Unrecht in ihrer kleinbürgerlichen Auslegung sind längst bis zur Unkenntlichkeit verschwommen, Wertesysteme haben sich verschoben. Ein Gegeneinander ist nicht mehr gewollt, es wird manipulativ erzwungen. Während der eine langsam seine Stärke begreift, wird dem anderen seine Ohnmacht bewusst. „Die perfekte Erpessung“ endet mit Oliver Reeds versteinerter Miene, der seine Emotionen zurückzuhalten versucht – Gänsehaut pur!

Analog zur Entwicklung seiner Charaktere und der Erweiterung ihrer Horizonte arbeitet die unheimlich flexible, perspektivenreiche Kameraführung ausdrucksstarke Bilder heraus. Sicherlich hätte „Die perfekte Erpressung“ im letzten Drittel etwas mehr Tempo vertragen können, was jedoch den starken Gesamteindruck kaum schmälert. Das ist ambitioniertes, intelligentes Kino der 1970er par excellence, das gewohnte Verhältnisse bewusst auf den Kopf stellt und auf künstlerisch beeindruckende Weise zwischen humanistischem Aufbruch und desillusioniertem Pessimismus pendelt und dabei gewiss niemanden kalt lässt. Ein Film, der durch Mark und Bein geht und einmal mehr noch länger nachhallt.

Dass man seine eigenen Filme und Rollen nicht verstehen muss, beweist beschämenderweise Fabio Testi, der sich nicht entblödet, im realen Leben Berlusconis Verbrecherbande zu unterstützen und sogar in Wahlwerbespots für sie aufzutreten. Wäre Altmeister Sollima schon tot, würde er sich im Grabe umdrehen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon sergio petroni » 28. Jul 2013, 03:27

buxtebrawler hat geschrieben:Dass man seine eigenen Filme und Rollen nicht verstehen muss, beweist beschämenderweise Fabio Testi, der sich nicht entblödet, im realen Leben Berlusconis Verbrecherbande zu unterstützen und sogar in Wahlwerbespots für sie aufzutreten. Wäre Altmeister Sollima schon tot, würde er sich im Grabe umdrehen.


Der Testi sah zwar gut aus, hat aber auf mich immer schon einen etwas unterbelichteten
Eindruck gemacht. Von daher überrascht mich das jetzt ganz und gar nicht.

Der Film ist wirklich ganz großes Kino. Habe die US-DVD und bin sehr zufrieden damit.
Wäre natürlich schön, wenn den hierzulande mal wieder jemand ausgraben würde.
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon buxtebrawler » 28. Jul 2013, 14:58

sergio petroni hat geschrieben:Der Film ist wirklich ganz großes Kino. Habe die US-DVD und bin sehr zufrieden damit.
Wäre natürlich schön, wenn den hierzulande mal wieder jemand ausgraben würde.


Unbedingt. Es ist schon traurig, wenn man sieht, wie sehr Filme wie dieser in Vergessenheit geraten sind.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die perfekte Erpressung - Sergio Sollima

Beitragvon Onkel Joe » 28. Jul 2013, 16:45

buxtebrawler hat geschrieben:
sergio petroni hat geschrieben:Der Film ist wirklich ganz großes Kino. Habe die US-DVD und bin sehr zufrieden damit.
Wäre natürlich schön, wenn den hierzulande mal wieder jemand ausgraben würde.


Unbedingt. Es ist schon traurig, wenn man sieht, wie sehr Filme wie dieser in Vergessenheit geraten sind.



Es ist ja leider auch so weil es diesen Film nur mit einer deutschen TV Synchro gibt. Der lief nie im Kino und auf Video gab es diese Perle auch nicht. Die deutsche Synchro stammt von einem TV Sender und sie ist nicht Top aber brauchbar. Es ist also im großen und ganzen sehr schade das diese Perle von einem Film so unterschätz wurde.
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