Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Arkadin » 27. Nov 2013, 10:30

Vier maskierte Männer überfallen die Lohnkasse einer großen Firma vor den Toren von Mailand. Als die Polizei anrückt, machen sich zwei der Männer mit der Beute davon, während die anderen Beiden zurückbleiben. In ihrer Not nehmen sie Geiseln und es gelingt ihnen ein Auto zu erpressen. Bei der Flucht können sie die Polizei abzuhängen, doch dabei kommt allerdings einer der Beiden ums Leben. Zurück bleibt der Kopf hinter dem Überfall, der Gangster Raul Montalbani (Claudio Cassinelli). Er macht sich auf die Suche nach seinen beiden Komplizen und der Beute. Diese sind aber bereits eifrig dabei, ihre Spuren zu verwischen…

Anfang der 70er Jahre löste im italienischen Kino der sogenannte Polizieschi (oder auch Poliziottesco) den bis dahin an der Kinokasse immens erfolgreichen Italo-Western ab. Nach dem gewaltigen Erfolg von „Dirty Harry“ in den Staaten – der die Figur des Westerners in den urbanen Großstadtdschungel holte – vermischte sich in Italien der Cop-Film mit den sozialen Problemen des Landes zu einer explosiven Filmgattung. Interessanterweise schlug der Boom des italienischen Polizei- und Gangsterfilmes nicht nach Deutschland durch. Nur wenige Werke fanden sich hier auf der Leinwand wieder. Dies änderte sich erst mit den Aufkommen von Video, als einige der wichtigsten Werke dieser Gattung ihren Weg auf heimische Bildschirme fanden.

Zu den wichtigsten Werken dieser Gattung zählt „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ nicht unbedingt und er erschien damals auch nicht auf dem VPS-Label, welches die Klassiker des Genres in Deutschland zugänglich machte, sondern auf dem obskuren Klein-Label „Videotonträger Dr. Dressler GmbH“. Was auch hübsch damit korrespondiert, dass „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ auch für kleines Geld entstanden ist. Nichtsdestotrotz saß mit Mario Caiano ein routinierter Mann im Regiestuhl, der gewohnt war, aus wenigen gegebenen Mitteln ein Maximum herauszuholen. Sein berüchtigtes Werk ist sicherlich der Naziploitation-Streifen „Nazi Love Camp 27“, aber auch im Italo-Western und im Polizieschi war er sehr aktiv. Seine beiden besten Filme sind allerdings der Gothic-Horror „Nightmare Castle“ mit der göttlichen Barbara Steele und der psychedelische Giallo „Eye in the Labyrinth“, der trotz Horst Frank in einer der Hauptrollen, keinen deutschen Verleih fand.

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ unterscheidet sich sehr von den Prototypen des Genres, in denen Titel wie „Gewalt rast durch die Stadt“ oder „Die Gewalt bin ich“ Programm sind. Wo schlagkräftige Cops immer etwas außerhalb der Dienstvorschriften unter der gleißenden Sonne Italiens, und untermalt von grooviger Musik, auf Verbrecherjagd gehen. Von der italienischen Sonne sieht am in „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ gar nichts. Der Film spielt im Herbst und die Stimmung macht einem fröstelnd. Alles wirkt kalt, feucht und trostlos. Dazu trägt auch das Filmmaterial bei, welches ausgebleicht wirkt und alles in ein entsättigtes Beige-Grün taucht. Dadurch erhält der Film noch einen zusätzlichen, billigen Anstrich, der aber gut zu der Geschichte und seinen schmierigen Charakteren passt. Denn Identifikationsfiguren gibt es hier keine. Am ehesten fiele diese Rolle dem Kommissar zu, der aber – vergleicht man ihn mit seinen Kollegen Maurizio Merli oder Tomas Milian – eher lethargisch wirkt und sich strikt an die Vorschriften hält. Sein gemütlich aussehender Partner verstärkt noch das Gefühl, dass die Polizei in diesem Fall nicht unbedingt dynamisch zu Werke geht. Und tatsächlich hinkt sie den Verbrechern immer hinterher.

Diese werden von Charakterköpfen aus der zweiten Reihe gegeben. Zwar ist mit John Steiner sogar ein internationaler Star mit von der Partie, doch – das darf hier verraten werden – seine Gage dürfte in Anbetracht der Zeit, die er im Film verbringt, nicht exorbitant hoch gewesen sein. So obliegt es Claudio Cassinelli den formalen (Anti)-Helden zu geben. Wobei „Held“ den Nagel nicht wirklich auf den Kopf trifft, denn er spielt den Anführer der vier Räuber und ihn unterscheidet von seinen Komplizen nur, das er intelligenter ist als sie und tatsächlich so etwas wie einen Ehrencodex mit sich führt. Im Grunde ist er aber genauso skrupellos wie sie, was sie am Ende dann auch zu spüren bekommen. Cassinelli spielt den Raul Montalbani mit großer Präsenz und macht von Anfang an klar, dass mit ihm nicht zu spaßen ist. Seine Komplizen werden von Vittorio Mezzogiorno und Biagio Pelligra gespielt. Beide hat man schon in unzähligen anderen Produktionen in ähnlichen Rollen gesehen. Darum müssen ihre Figuren auch nicht weiter ausgearbeitet werden. Ein Blick in ihre Gesichter und man weiß automatisch, wo der Hase langläuft. Demgegenüber kann der ansonsten zuverlässige Elio Zamuto als eher dröger Commissario Foschi nicht unbedingt punkten. Dafür trägt er eine schicke, knappe Lederjacke. Als erotisches Beiwerk gibt es Silvia Dionisio in einer eher zwiespältigen Rolle zu sehen. Bei ihr ist man nie sicher, was nun eigentlich ihr Plan ist. Hat sie sich in Cassinellis Charakter verliebt oder hängt sie nur ihr Mäntelchen in den Wind? Eine etwas besser Ausdifferenzierung hätte hier der Rolle gut getan, die so doch nur ein Mittel zum Zweck ist, um den Film irgendwann zu Ende zu bringen.

Die erste Hälfte von „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ungeheuer dynamisch inszeniert. Die Gangster werden in zwei Gruppen gespalten und beide treten Hals über Kopf die Flucht an. Dabei wird permanent zwischen den Flüchtenden hin und her geschnitten, so dass der Film ständig in Bewegung ist und man kaum Zeit zum Durchatmen bekommt. Hierbei sei erwähnt, dass sich die Verfolgungsjagden auf dem Niveau der aufwändigen Produktionen von z.B. Lenzi befinden. Erst als die Flüchtenden ihre Verstecke erreichen, hält auch der Film an. Die nachfolgenden Aktionen ziehen sich dann auch etwas und sind recht vorhersehbar, auch wenn ein gialloesquer Mord nicht ganz ins Bild passen mag. So verliert der Film mit fortschreitender Laufzeit stetig an Tempo und auch die eingestreuten Gewaltspitzen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwas auf der Stelle getreten wird. Insbesondere ist dies der Fall, wenn die Polizei ermittelt. Hier werden auch die Handlungskürzungen auffällig, die es in der alten deutschen Videofassung gab und die hier nun im Original mit deutschen Untertiteln wieder integriert wurden. Da führen einige Szenen förmlich ins Nichts, wenn die Polizei erst aufwändig einen Informanten entlarvt, um ihn dann nicht weiter zu beachten. Zum Finale dann wir noch einmal an der Gewaltschraube gedreht, aber der Showdown wirkt trotzdem etwas überstürzt.

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist ein kleiner, dreckiger B-Film, der zwar nicht an die Klassiker des Polizieschi-Genres heranreicht, aber in der ersten Hälfte überaus rasant unterhält. In der zweiten Hälfte zieht er sich etwas, was auch der langweiligen Darstellung der Polizeiuntersuchung geschuldet ist. Nichtsdestotrotz kann der Film den Zuschauer bis zum blutigen Showdown bei der Stange halten.

„Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ ist die erste Veröffentlichung in der neuen „Polizieschi“-Reihe der Firma filmArt, der hoffentlich noch viele folgen werden. Das Bild ist mittelprächtig, was allerdings auch auf das nicht optimale Ausgangsmaterial zurückzuführen ist. Der Ton liegt in Deutsch mit einer durchschnittlichen Video-Synchronisation vor. Zuvor in der Videofassung geschnittene Szenen sind im Original mit Untertiteln eingefügt. Als Extras gibt es nur einen Trailer, dafür gibt es ein 12-seitiges Booklet von Heiko Hartmann , in dem „Die letzte Rechnung schreibt der Tod“ allerdings ständig „Die letzte Rechnung zahlt der Tod“ genannt wird.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2013/11/ ... t-der-tod/
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon ugo-piazza » 27. Nov 2013, 15:09

So ein "obskures Klein-Label" war der spätere Lindenstraßen-Doc allerdings gar nicht. Sein Programm war durchaus nicht ganz klein und hauptschächlich vom Sch(m)ier-Fundus geprägt.

http://kompendium.gemeinschaftsforum.co ... 238.0.html
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Arkadin » 27. Nov 2013, 16:57

ugo-piazza hat geschrieben:So ein "obskures Klein-Label" war der spätere Lindenstraßen-Doc allerdings gar nicht. Sein Programm war durchaus nicht ganz klein und hauptschächlich vom Sch(m)ier-Fundus geprägt.

http://kompendium.gemeinschaftsforum.co ... 238.0.html


Interessant. Mir ist der Name das erste Mal aufgefallen, als sich ein Bootleg-Label so nannte. Da dachte ich allerdings, dass die sich in der Tat auf die "Lindenstrasse"-Figur beziehen. Dass es tatsächlich mal ein Videolabel mit dem Namen gab, habe ich erst sehr viel später erfahren. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich von denen nie was in einer meiner Stammvideotheken habe rumstehen sehen.
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon ugo-piazza » 27. Nov 2013, 18:56

Arkadin hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:So ein "obskures Klein-Label" war der spätere Lindenstraßen-Doc allerdings gar nicht. Sein Programm war durchaus nicht ganz klein und hauptschächlich vom Sch(m)ier-Fundus geprägt.

http://kompendium.gemeinschaftsforum.co ... 238.0.html


Interessant. Mir ist der Name das erste Mal aufgefallen, als sich ein Bootleg-Label so nannte. Da dachte ich allerdings, dass die sich in der Tat auf die "Lindenstrasse"-Figur beziehen. Dass es tatsächlich mal ein Videolabel mit dem Namen gab, habe ich erst sehr viel später erfahren. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich von denen nie was in einer meiner Stammvideotheken habe rumstehen sehen.


Dann kennst du ja den legendären VTD-Seemann gar nicht, der nach dem Film vor "Schwarzkopien" und Knast warnte. :shock:

Auf Youtube leider nur gerippt von den DVD-Boots (!!) zu finden :doof:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Captain Blitz » 26. Dez 2013, 11:50

Mal mein Versuch einer Kurzrezension:

Die letzte Rechnung zahlt der Tod - undankbarer Start für die neue italienische Polizeifilm-Reihe aus dem Hause Filmart. Das ist nicht der beste Vertreter des Genres, das Filmmaterial war leider auch nicht mehr so gut und die Story ist ziemlich gewöhnlich. Die Darsteller schwankten in ihren Leistungen und die Synchro leider auch gleich mit. Klaus Kindler und ein paar wenige Topsprecher der Münchner Szene sind zu hören, aber Kindler scheint der einzige zu sein, der den Job damals ernst genommen hat und spricht alle an die Wand. Der Rest klingt schon fast nach Klamauk, wobei hier auch nicht selten einfach nur die Schauspieler bedient werden. Wer schuld daran ist, lässt sich also nur schwerlich sagen, aber die Synchronsprecher hätten ruhig etwas mehr Gas geben dürfen. Das beste an dem Film ist der Soundtrack, mit dem man es aber fast schon übertreibt, aber da der einfach klasse ist, drückt man ein Auge zu. Dennoch finde ich es einfach großartig von Filmart, dass man diese Reihe gestartet hat und solche Filme bringt. Bitte alle davon und noch mehr! ;)

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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon dr. freudstein » 27. Dez 2013, 00:12

na bravo, erste Rezension des Blitzis, geht doch :thup:
bist aber einer der wenigen, der einen Film eher hört als sieht, aber auch eine sehr interessante Sichtweise :D
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Captain Blitz » 27. Dez 2013, 09:51

Zum Gesehenen habe ich ja auch was geschrieben. ;) Ich verfasse da keine Abhandlungen zu, da fehlt mir leider auch die Zeit zu.

Witzig war übrigens auch einer der Cops(?) im Trenchcoat, der wie Woody Allen mit Schnauzer aussah, nichts konnte, aber irgendwie trotzdem eine gewisse Stellung bei der Polizei inne hatte, warum auch immer. Mir schwebten schon Titel wie "Ein Stadtneurotiker sieht rot" vor. :kicher:
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Die Kroete » 28. Dez 2013, 13:43

Ich zermatere mir, die ganze Zeit schon, den Kopf darüber, ob ich mir die DVD für ca. 20 Mäuse zulegen soll?! :roll:

Wenn ich mir hier die Kommentare so durchschaue, tendiere ich eher zu nein.

Was also soll ich tun? Warten bis der günstiger wird? :?
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon Captain Blitz » 28. Dez 2013, 15:41

Für Sammler sicherlich interessant und wenn ich keine 1 in der Reihe hätte, würde ich wohl verrückt werden. Aber warten ist vielleicht nicht verkehrt, aber ich gehe davon aus, dass der auch nur auf 1000 St. limitiert ist, von daher weiß ich nicht, ob warten da sinnvoll ist.
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Re: Die letzte Rechnung schreibt der Tod - Mario Caiano

Beitragvon untot » 13. Jan 2014, 21:52

Sicherlich nicht der beste Vertreter seiner Zunft, aber doch solide, spannende Unterhaltung!
Für mich muss es nicht an allen Ecken und Enden, rumsen und krachen, es reicht wenns genügend Blut und Tote gibt! :kicher:
Nein aber im Ernst, ich fand den Streifen durchaus unterhaltsam, auch gerade weil er mal nicht so auf die Kacke gehauen hat wie mans gewohnt ist, klar kommt er nicht im mindesten an die Genregrößen ran, aber dennoch weiß er zu fesseln und zu unerhalten.
Die Story fand ich gut, wenn auch etwas durchschaubar, die Darsteller machten einen guten Job, die Mucke war völlig in Ordnung und die Schauplätze waren schlicht grandios, ich liebe solch verlassene trostlose Orte einfach.
Alles in allem ist der Film eine runde Sache, von mir gibt's ein gefällt mir! :thup:

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