Die Killermafia - Sergio Martino (1975)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon Captain Blitz » 1. Jan 2014, 11:52

purgatorio hat geschrieben:
Nello Pazzafini hat geschrieben:ich denke meine :vhs: hat ausgedient.......das cover :palm:
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das Cover ist doch irre... wenn auch "Thema verfehlt" :lol:


Naja, da wird der Film auf die letzte große Actionszene reduziert. :D
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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon untot » 14. Jan 2014, 19:20

Klasse Genrebeitrag mit vielen bekannten und liebgewonnenen Gesichtern!
Spannend, rasant und gesellschaftskritisch, ganz so wie ichs gern hab.

8/10
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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon buxtebrawler » 14. Apr 2014, 18:19

„Keine Aufregung, wir sind nur von der Polizei!“

Der in erster Linie für seine Gialli bekannte italienische Genre-Tausendsassa Sergio Martino („Der Killer von Wien“) bediente in den 1970ern auch das seinerzeit beliebte Poliziesco-Genre, also den italienischen Polizeifilm. Sein 1975 veröffentlichter „Die Killermafia“ mit dem französischen Ex-Model Luc Merenda („Der Mann ohne Gedächtnis“) in der Hauptrolle wirkt dabei wie die exploitative Variante einen Polit-Thrillers à la Damiani.

In Italien grassiert eine Mordwelle, die einen ranghohen Militäroffizier nach dem anderen das Leben kostet. Die Täter versuchen dabei, ihre Taten wie Selbstmorde aussehen zu lassen. Inspektor Giogio Solmi (Luc Merenda) ermittelt im Fall eines recht offensichtlich zum Mordopfer gewordenen Erpressers, die Spuren führen zu einer jungen Prostituierten (Paola Tedesco, „Die Stimme des Todes“). Diese jedoch entkommt selbst nur knapp einem Mordanschlag und weist jegliche Schuld von sich. Je tiefer Solmi in den Fall einsteigt, desto mehr kommt er hinter eine großangelegte politische Verschwörung, in deren Zusammenhang auch die Morde an den Militärs stehen. Wer steckt dahinter und, für den Moment noch wichtiger: wem kann er überhaupt noch trauen?

„Geld ist alles, mein lieber Herr Kommissar!“

Die deutsche Fassung beginnt mit drei recht drastisch gezeigten Morden und macht auch nicht Halt vor weiteren Verstümmelungen der Opfer. Eines wird beispielsweise aufs Gleis gelegt und vom Zug überrollt, so dass Blut auf die Kameralinse (!) spritzt. Auf diesen herben Einstieg verzichtet die internationale Fassung, die am Tatort des mit einem Schürhaken erschlagenen Mordopfers einsteigt. „Die Killermafia“ legt zunächst ein hohes Tempo vor. Eine Rückblende nach 20 Minuten zeigt, was wirklich geschah und als sich der Geheimdienst einschaltet, sind Solmi und der Zuschauer gleichermaßen mittendrin im sich durch mehrere Institutionen ziehenden Polit-Thriller, der wie eine ganze Reihe weiterer italienischer Filmproduktionen die korrupte Führungsriege harsch kritisiert und die akute Gefahr eines Putsches von rechts aufgreift. In „Die Killermafia“ wird nicht nur wichtiges Beweismaterial in Form eines Tonbands im Büro der Staatsanwaltschaft vernichtet, sondern skrupellos über Leichen gegangen: Ein jeder, der zu viel weiß, wird kurzerhand um die Ecke gebracht (und Solmi somit sämtlicher Zeugen beraubt), wobei sich kein Ort als sicher erweist: Falsche Pfleger dringen in ein Krankenhaus ein und mähen das Wachpersonal mit Maschinengewehren um, eine falsche Motorradstreife schießt auch in Polizeiwägen und hat Solmi endlich unter Zuhilfenahme von Folter ein Geständnis erpresst, wird eine Gefängnisrevolte anberaumt und der Delinquent vom Dach gestoßen. Kein Wunder, dass auch Solmi bald ins Visier gerät, bei einem ihm geltenden Bombenanschlag stirbt sein Partner.

„Nehmen Sie doch Vernunft an! Warum wollen Sie alle gegen sich haben?“

Nachdem Martino für einige gewichtige Dialoge das Tempo zwischenzeitlich etwas gedrosselt hatte, zieht er es alsbald wieder deutlich an, bietet viel mal mehr, mal weniger unvermittelt auftretende Action-Einlagen, darunter eine wirklich aufregend gefilmte, spektakuläre Verfolgungsjagd, in die gleich mehrere Kraftfahrzeuge verwickelt sind. Höhepunkt ist die Sprengung eines Paramilitärcamps, bei der es wie im Kriegsfilm zugeht: Wilde Schießereien, Hubschrauber-Stunts und Handgranatenwürfe. Gleichberechtigt ist jedoch die Handlung, die (Achtung, Spoiler!) die Zusammenhänge zwischen Kapital, Geheimdiensten und Faschismus aufzeigt, indem sie die Spur zum Industriellen Martinetti (Claudio Gora, „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“) führen lässt, der sich in seiner ersten Szene direkt über „linksgerichtete Schmierblätter“ auslässt und einen Staatsstreich plant. Mit von der Partie ist der italienische Geheimdienst in Form von Captain Mario Sperli (Tomas Milian, „Die Kröte“), der schließlich antidemokratische Reden schwingt. Auch ausländische Geheimdienste kommen ins Spiel, Verfassungsschutzmitarbeiterin und Solmis Freundin Maria (Delia Boccardo, „Das wilde Auge“) steht u.a. mit dem BND in Kontakt. Stilecht und genretypisch fällt das Ende desillusionierend und pessimistisch aus.

„Das ist eine politische Angelegenheit!“

Darstellerisch reißt „Die Killfermafia“ keine Bäume aus, doch Merenda macht seine Sache grundsolide. Tomas Milian findet sich in einer für ihn ungewöhnlichen Rolle als Geheimdienstchef, die er ruhig und besonnen statt wie sonst üblich besonders exaltiert oder exzentrisch spielt. US-Amerikaner Mel Ferrer („Krieg und Frieden“) als Staatsanwalt beschränkt sich auf das Nötigste. Mit seiner rauen, rasanten und polterigen Inszenierung ist Sergio Martino die Melange aus klassischen Poliziesco-Motiven und hochbrisanten Polit-Thriller-Elementen recht gut gelungen, wenn man ihm den Anspruch, den er vorzugeben scheint, auch nicht ganz abnimmt und „Die Killermafia“ doch eher nach dem Mitschwimmen auf einer Erfolgswelle aussieht. Eine gewisse Plakativität, wenn Solmi die Staatsform derart flammend verteidigt, dass er keinerlei Veränderung an ihr duldet und die Naivität, dass Verfassungsschutz, BND und Konsorten zweifelsohne auf der Seite der Demokratie stünden, lassen ebenso darauf schließen wie die Versuche, möglichst viele verschiedene Genre-Charakteristika unterzubringen. So darf sich ein Polizist ausgiebig über gestiegene Preise beklagen und sich als unterbezahlter Kopfhinhalter stilisieren, während man Solmi die Härte und Kaltschnäuzigkeit eines Selbstjustizbullen anzudichten versucht, wenn er einen Verdächtigen foltert und damit auch noch Erfolg hat, der Zweck also die Mittel heiligt. Auch das Ende, das ich hier trotz meiner relativ vielen Spoiler nicht auch noch verrate, gab es so ähnlich schon des Öfteren. Eine rein exploitative Ausschlachtung möchte ich Martino indes nicht unterstellen, eher den recht geglückten Versuch, den Anspruch eines Diamiani mit der Action eines Castellari und dem Polizeibild eines Lenzi zu vereinen. Dass die jeweiligen „Originale“ für sich genommen meist noch besser sind, steht derweil aber außer Frage.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon buxtebrawler » 16. Apr 2014, 14:15

Arkadin hat geschrieben:(...) ein sehr informatives und gut geschriebenes Booklet von Michael Cholewa.


Ich freu mich ja immer über solche Booklets, einem Lektor wurde dieses aber anscheinend nie vorgelegt. Wer ist denn "Rainer Werner Fassbender"? Ist der verwandt mit der Sportkommentatorenlegende? Viele Nebensätze wurden zudem als einzelne Sätze gedruckt etc. Irgendwelche Fehler rutschen immer durch, aber solche Schludrigkeiten bei einem Druckerzeugnis finde ich immer sehr schade und werden dem professionellen Anspruch eines Labels nicht gerecht.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon Adalmar » 2. Mai 2014, 15:31

Poliziesco-Fans sollten den Film nicht auslassen. Schade aber, dass auf der Filmart-DVD nur die nicht optimale Video-Synchro enthalten ist. Es nervt einfach, wenn ein General Stocchi jedes zweite Mal mit "Scht..." am Anfang ausgesprochen wird, ebenso der Name "Schperli". Zum Film selbst: Bei der Besetzung kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Aber die Figuren bleiben ein bisschen blass. Mel Ferrers Staatsanwalt ist sehr schwer einzuordnen, was ihn natürlich irgendwo auch wieder interessant macht. Die Dialoge klingen manchmal banal, es werden Selbstverständlichkeiten aufgesagt, wobei das vielleicht auch wieder an der Synchro liegt. Ein Actionknaller wie mancher Lenzi liegt hier nicht vor, dazu hat der Film zu viel Damiani-Elemente. Alles in allem wurden Poliziesco- und Politthriller-Elemente einigermaßen gekonnt kombiniert.

buxtebrawler hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:(...) ein sehr informatives und gut geschriebenes Booklet von Michael Cholewa.


Ich freu mich ja immer über solche Booklets, einem Lektor wurde dieses aber anscheinend nie vorgelegt. Wer ist denn "Rainer Werner Fassbender"?


Ebenso ein großer Regisseur wie "John Cassavettes" und "Pier Paolo Passolini", die ich durch Cholewa/Thuraus "Der Terror führt Regie" kennengelernt habe.

Da frage ich mich aber im Anschluss: Wer ist Luc Meranda :mrgreen:
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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon Captain Blitz » 2. Mai 2014, 15:36

Adalmar hat geschrieben:Poliziesco-Fans sollten den Film nicht auslassen. Schade aber, dass auf der Filmart-DVD nur die nicht optimale Video-Synchro enthalten ist. Es nervt einfach, wenn ein General Stocchi jedes zweite Mal mit "Scht..." am Anfang ausgesprochen wird, ebenso der Name "Schperli". Zum Film selbst: Bei der Besetzung kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Aber die Figuren bleiben ein bisschen blass. Mel Ferrers Staatsanwalt ist sehr schwer einzuordnen, was ihn natürlich irgendwo auch wieder interessant macht. Die Dialoge klingen manchmal banal, es werden Selbstverständlichkeiten aufgesagt, wobei das vielleicht auch wieder an der Synchro liegt. Ein Actionknaller wie mancher Lenzi liegt hier nicht vor, dazu hat der Film zu viel Damiani-Elemente. Alles in allem wurden Poliziesco- und Politthriller-Elemente einigermaßen gekonnt kombiniert.

buxtebrawler hat geschrieben:
Arkadin hat geschrieben:(...) ein sehr informatives und gut geschriebenes Booklet von Michael Cholewa.


Ich freu mich ja immer über solche Booklets, einem Lektor wurde dieses aber anscheinend nie vorgelegt. Wer ist denn "Rainer Werner Fassbender"?


Ebenso ein großer Regisseur wie "John Cassavettes" und "Pier Paolo Passolini", die ich durch Cholewa/Thuraus "Der Terror führt Regie" kennengelernt habe.

Da frage ich mich aber im Anschluss: Wer ist Luc Meranda :mrgreen:


Trinkt der immer Mirinda? :prost:
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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon buxtebrawler » 2. Mai 2014, 15:38

Adalmar hat geschrieben:Da frage ich mich aber im Anschluss: Wer ist Luc Meranda :mrgreen:


Ein entfernter Verwandter Luke Mirindas, Erfinder des gleichnamigen Erfrischungsgetränks:

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Edit: Blitzschi - zwei Stühle, eine Meinung :D
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon untot » 2. Mai 2014, 16:15

:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
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Re: Die Killermafia - Sergio Martino

Beitragvon ugo-piazza » 17. Aug 2014, 15:20

Gelungene Mischung aus Polit- und Polizeifilm von Sergio Martino, der mal wieder einen Umsturz von rechts thematisiert und sowohl Freunde von Action als auch des anspruchsvolleren Politfilms erfreuen kann. Luc Merenda zeigt eine gute Leistung, Tomas Milian ist hier ungewohnt zurückhaltend in einer Nebenrolle zu sehen. Die deutsche Synchro hätte etwas mehr Zurückhaltung vertragen können, befremdlich ist ferner, dass in Deutschland eine wichtige Dialogszene über Demokratie und Diktatur entfernt wurde.

Noch befremdlicher ist freilich, in einer mit Gas gefüllten Wohnung das Telefon zu benutzen. Ich würde ja empfehlen, erstmal in Ruhe eine Zigarette zu rauchen. :mrgreen:

Das sollte dennoch niemanden abhalten, sich an diesem Film zu erfreuen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Die Killermafia - Sergio Martino (1975)

Beitragvon FarfallaInsanguinata » 16. Sep 2014, 18:53

Überfällige Gelegenheit, eine kulturelle Lücke des italienischen Kinos der 70er zu schließen.
Leider lag mir nur die suboptimale EuroVideo-VHS vor. Vielleicht auch deshalb blieb der Film merkwürdig blaß und konnte kaum Atmosphäre entfalten. Die mittelmäßige deutsche Synchronisation von Sch(m)ier-Film tat dazu ihr übriges.
Bis auf das famose düstere Ende recht durchschnittlich, auch fehlten fast vollständig die exploitativen Schauwerte. Daher leider nur

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