Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen - Bruno Corbucci

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

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Re: Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen - Bruno Corbucci

Beitragvon Nello Pazzafini » 9. Feb 2012, 20:27

McBrewer hat geschrieben:
Nello Pazzafini hat geschrieben:Anyway, die frühen sind sicher ernster und wahrscheinlich die besseren Filme...
Alle Teile haben ihren Charme und die ernsteren sind Pflichtprogramm in jeder gut sortierten Italosammlung. Das ist Italien Wohlfühlprogramm in Reinkultur gepaart mit derben dreckigen Spässen.
Die Strickmütze ist auf alle Fälle ein kurzweiliger Spass mit einem hervorragenden Milian und einen souveränen Palance.


Ja, das meine ich auch, von den ersteren -Monnezza Filmen kenne ich nun leider nur DIE STRICKMÜTZE, der mir bisher am besten gefallen hat, "Der Superbulle schlägt wieder zu" & "Das Schlitzohr vom Highway 101" mundeten mit dagegen wenig bis gar nicht :|

"Hippie Nico von der Kripo" & "Der Superbulle gegen Amerika" wartet noch ungesehen schon seit einigen Monden hier :wart:

Nello Pazzafini hat geschrieben: aber das man Bombolo nicht mag kann ich gar nicht verstehen. Der war ein wirklich wichtiger Charakter in dieser Serie und auch bei der deutschen synchro ist das schräger Humor (ja er stottert auch in Italia).


...ja, UND GERADE wegen Bombolo halte ich Moment einen Abstand zum Rest der Reihe. Dieser nervige Charakter, völliges Overacting & noch dazu unsympathisch :evil:
Neee...DER geht ja mal (in meinen Augen) gar nicht! :nixda:

PS: habe gerade festgestellt, das "Der Superbulle gegen Amerika" ja ohne Bombolo auskommt :D Also kann ich den in Ruhe schauen :popcorn:


versteh ich gar nicht Brewer, naja Geschmäcker sind halt verschieden. Hippie Nico find ich super, der ist auch noch ein ernsterer und da wird immer wieder auf seine kriminelle vergangenheit bezug genommen. superbulle ist auf deutsch schon ein misch masch, der war auf italienisch sicher ernster...egal, öffne dein herz und lass die Marroni rein! :kicher:
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Re: Die Bullen auf den heißen Feuerstühlen - Bruno Corbucci

Beitragvon DrDjangoMD » 9. Aug 2012, 10:37

Handlung:
Der Baron (Guido Mannari) und seine kleine Gang vertreiben sich mit raffinierten Taschendiebstählen die Zeit. Doch eines Tages stehlen sie dem Großkriminellen Norman Shelley (Jack Palance) versehentlich eine beträchtliche Summe Geld, woraufhin Shelleys Leute die Diebe jagen und ermorden. Commissario Nico Giraldi, alias Strickmütze, alias St. Bullus, Schutzpatron der Arschgeigen (Tomas Milian) wird auf den Fall angesetzt…

Kritik:
In „Die Strickmütze“ schafft es der kleine Corbucci eine gelungene Mischung aus Komödie und hartem Poliziesco zu erzeugen. Dies beginnt schon am Anfang, wenn in bester Polizeifilm-Manier eine Reihe von Verbrechen, mehr oder weniger Kommentarlos hintereinander gezeigt wird. Nur diesmal handelt es sich nicht um Morde oder Vergewaltigungen sondern um mit ziemlich ulkigen Mitteln durchgeführte Diebstähle.
Ein großer Teil des darauf folgenden Filmes bleibt ziemlich seriös: Palance lässt in seiner ersten Szene schon einen untreuen Gehilfen vergasen, seine Mannen prügeln einen Jugendlichen in den Tod und hetzten einen anderen in selbigen, und selbst Commissario Maurizio Milian schüttet einem Gangster während einer Verfolgungsjagd heißen Teer ins Gesicht. Die Gewalt misst also die Maschinengewehrmassaker anderer Genrevertreter, bleibt aber trotzdem durchgehend mit einem gewissen Härtegrad präsent.
Die Actionszenen sind auch wunderbar inszeniert und müssen sich da gar nicht hinter Lenzi, Girolami und Co. verstecken. Schlägereien sind perfekt in Szene gesetzt und wirken äußerst real und Milian zeigt uns einige atemberaubende Tricks mit seinem Motorrad. Den Höhepunkt diesbezüglich bildet eine Szene in welcher Gangster einen Mann ein Treppenhaus hochjagen und ihnen Milian mittels Motorrad über die Stiegen nachfährt.
In diese seriöse Inszenierung setzt Corbucci nun eine Figur, die eindeutig ins Komödien-Genre fällt, nämlich Milians Nico Giraldi. Diese Rolle ist hinreißend spaßig mit ihren coolen Sprüchen („Ich hau dich so stark, dass dir die Zähne im Arsch klappern“), ihrer handgestrickten Mütze, Socken und Pollover, ihren verwahrlosten Auftreten usw. Und diese Mischung aus Tragik und Komik funktioniert wunderbar, da die Milians Gags nie in die Unglaubwürdigkeit abdriften.
Ein weiterer Grund, dass der Genremix hier so gekonnt erscheint, ist die Tatsache, dass sämtliche Nebenrollen sowohl in einen ernsten Film als auch in eine Komödie passen würden: Maria Rosaria Omaggio leistet als Milians Freundin eine glaubhafte Performance, aber durch ihren Tick ihren Schmuck vor Dieben in ihrem Büstehalter zu verstecken hat sie auch etwas Ulkiges an sich. Guido Mannari als Kopf der Taschendiebe legt eine hochnäsige Versnobtheit an den Tag die sehr ulkig aber keinesfalls unglaubwürdig ist. Und Jack Palance spielt gekonnt einen sadistischen Oberschurken, der sich aber durchaus im spaßigen Umfeld zurechtfindet.
Die einzigen zwei die bei der Mischung von Humor und Härte nicht so feinfühlig ans Werk gegangen sind, sind Guido und Maurizio De Angelis. Bitte versteht mich hier nicht falsch, ich mag die Musik der beiden Typen echt gerne, und für "Verdammte, heilige Stadt" haben sie einen meiner liebsten Poliziesco-Scores abgeliefert, aber hier wirken ihre emsigen Versuche auch in die brutalen Szenen Comedy-Musik einzustreuen einfach nur unpassend. Als Beispielsweise der bedauernswerte Ex-Gehilfe von Palance in einem Auto sitzt, welches sich langsam mit Gas füllt und in verbissener Qual manisch um sein leben brüllt, während er elendiglich langsam zu Grunde geht, hören wir als Begleitmusik irgendein spaßigen Komödiengedudel nach Schema F. Die Geschmacklosigkeit der beiden Komponisten wird hier und da so deutlich, dass ich mich wirklich wunderte als in der Szene, in welcher der eine arme Teufel von einem Hochhaus in den Tod stürzt, nicht „Flying through the air“ zu hören war.
Ein weiterer kleiner Minuspunkt sind ein paar zu abrupte beziehungsweise zu verzögerte Schnitte. In einer der Disco-Szenen beispielsweise fährt die Kamera nachdem ein wichtiges Gespräch stattgefunden hat auf die Tanzfläche und verharrt eine Minute auf einem Pärchen, welches eine Art Showtanz aufführt…Wer sind diese Leute? Warum sehen wir sie? Sie haben doch nichts mit der Handlung zu tun? Warum eine geschlagene Minute die beiden filmen? Sicher, sie konnten gut tanzen, aber da sie für die eigentliche Geschichte irrelevant waren wirkt es komisch, sie so lange im Fokus zu lassen. Oder gegen Ende kommt die große Konfrontation Milian-Palance. Palance sagt, dass Milian keine Beweise gegen ihn hat. Milian bestätigt dies, tritt Palance aber zwischen die Beine, worauf sich dieser in Schmerzen krümmt. Schnitt auf Milian, der Maria Omaggio erklärt, dass Palance jetzt der Prozess gemacht wird und der Typ seiner gerechten Strafe nicht entgeht…was? Hatte er jetzt doch Beweise gegen ihn? Bedenkt man allerdings, dass dieser Szene ein würdigerer Höhepunkt in Form einer Verfolgungsjagd voranging, bin ich gewillt über diese kleinen Schwächen hinwegzusehen.
Fazit: Gelungene Mischung aus spaßiger Komödie und hartem Polizeifilm, der stets witzig bleibt, ohne in den Klamauk abzudriften. Kleinere Abzüge wegen einigen unpassenden Musikuntermalungen und Schnitten. 7/10
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