Das Syndikat - Stefano Vanzina

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon ugo-piazza » 17. Aug 2010, 21:55

Der Film, mit dem alles begann, hat noch keinen Thread? :o Time for a change!

Folgendes schrieb ich vor 10 Jahren mal zusammen:

Tja, wo fängt man an? Am besten am Anfang, und da steht Das Syndikat, eine deutsch-italienische Koproduktion aus dem Jahr 1972 von Stefano Vanzina, der später als „Steno“ für diverse Bud Spencer-Filme verantwortlich war.

Rom ist erschüttert. Eine Welle des Verbrechens schwappt über die italienische Hauptstadt. Kommissar Mario Bertone (Enrico Maria Salerno) sieht sich von der Politik im Stich gelassen, während die Presse die Polizei an den Pranger stellt. Die Tatsache, dass der schwierige Ganove Bettarini (Franco Fabrizi), der schon mal den Polizeinachwuchs fragt „Was verdienst Du eigentlich monatlich, Kleiner?“, in einem Mordprozess aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird, vermag seine Laune ebenso wenig zu bessern, wie die Meinungsverschiedenheiten mit seiner Freundin Sandra (Mariangela Melato), einer linken Journalistin, die die Auffassung vertritt: „Kriminalität ist allein ein Produkt der Gesellschaft. Das System ist schlecht, nicht der Mensch.“ Dafür darf Bertone sich mit Staatsanwalt Ricciuti (Mario Adorf) auseinandersetzen, dem die, sagen wir, unbefangene Gesetzesauslegung der Polizei ein ständiger Dorn im Auge ist.

Nachdem die Fronten somit abgeklärt sind, ist es Zeit für den Auftritt von Jürgen Drews. Der spielt hier nämlich den Gangster Michele, der mit einem Komplizen einen Überfall plant, der jedoch scheitert und als Doppelmord endet. Auf der Flucht wird dann Laura Belli als Geisel genommen. Die Szene, in der Drews die Belli auffordert, sich auszuziehen (damit hat er sich wahrscheinlich für die Moderation von „Strip“ qualifiziert!) und sie dabei grün und blau schlägt, sollte über einen viel höheren Bekanntheitsgrad verfügen. Die Anzahl der Drews-Fans (gibt’s die wirklich?) dürfte sich schlagartig halbieren!

Unterdessen taucht in der Stadt eine „Organisation zur Säuberung Roms“ auf, die die aufgeheizte Stimmung in der Bevölkerung („Schlagt sie tot!“) ausnutzt. Verbrecher, Huren, Homosexuelle und Gewerkschafter werden kurzerhand zur Höchststrafe verurteilt und vor Plakaten, die zur Reinhaltung der Stadt auffordern, abgeladen.

Schnell findet Bertone heraus, dass die Organisation, die von Bankiers, Industriellen, hohen Politikern und sogar dem Vatikan unterstützt wird, plant, die Regierung zu stürzen und zur Diktatur zurückzukehren. Aber seine Vorgesetzten glauben ihm nicht (oder wollen ihm nicht glauben!) und seine Untergebenen sympathisieren bereits mit der Organisation.

Bertone will die Organisation hochgehen lassen, hat aber deren Einfluss unter- und die Loyalität seiner Leute überschätzt. Am Ende scheint Staatsanwalt Ricciuti Bertones These zwar zu glauben, doch für den Kommissar ist es zu spät.

Der erste Poliziesco ist nicht nur einer der besten, sondern auch einer der ernsthaftesten. Die Gefahr einer rechten Verschwörung wurde eher selten thematisiert, spätere Polizeifilme warfen ohnehin einen recht eigenwilligen Blick auf die Bürgerrechte. Salerno überzeugt als pflichtbewusster Polizeibeamter, während Mario Adorf als überkorrekter Staatsanwalt kaum wiederzuerkennen ist (der Bart fehlt!). In Nebenrollen dabei sind auch Cyril Cusack und Corrado Gaipa, der einen schwierigen Anwalt darstellt (hat man ihn je in anderen Rollen gesehen?). Laura Belli erlebt, wie üblich, das Ende des Films nicht. Jürgen Drews greift auf der Flucht vor der Polizei zu drastischen Methoden und stößt sie vom Motorrad direkt vor einen Streifenwagen, ein Verhalten, das man nicht wirklich als gentleman-like bezeichnen kann. Wer so mit hübschen, jungen Frauen umgeht, hat auch nichts besseres verdient, als bis zum Lebensende auf Mallorca aufzutreten und bei RTL 2 zu moderieren!


Auch aus heutiger Sicht ist der Film uneingeschränkt zu empfehlen. Wie bei fast jedem Italo jener Zeit findet man Löcher in der Story, aber wer will sich daran aufhängen? Genießet den Film und werdet glücklich!

Übrigens: Wie jede italienische Aktrice, die etwas auf sich hielt, landete auch Laura Belli vor der Kamera von Angelo Frontoni für den italienischen Playboy, allerdings erst im September 1979. War das nun eine aufsteigende oder absteigende Karriere in den 8 Jahren dazwischen?
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Santini » 18. Aug 2010, 23:26

Der "Prototyp" des Poliziesco und gleichzeitig auch einer der (zahlreichen) Höhepunkte des Genres.


ugo-piazza hat geschrieben:Übrigens: Wie jede italienische Aktrice, die etwas auf sich hielt, landete auch Laura Belli vor der Kamera von Angelo Frontoni für den italienischen Playboy, allerdings erst im September 1979. War das nun eine aufsteigende oder absteigende Karriere in den 8 Jahren dazwischen?


Das liegt wohl im Auge des Betrachters. ;)
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon italofreak1970 » 11. Sep 2011, 16:25

Weiss nicht ob es schon an anderer Stelle hier erwähnt wurde. Der Film kommt am 30 September 2011 auf DVD heraus.

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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon jogiwan » 8. Nov 2011, 08:01

Absolut großartiger Film mit Enrico Maria Salerno und Mario Adorf und Jürgen Drews in einer Nebenrolle. Der Grundton des Films ist überraschend ernst und düster und gipfelt in einem Finale, dass wirklich unangenehm im Magen liegt. Das Tempo ist relativ hoch, die Mucke rockt und sowieso und überhaupt gibt es an dem Film nur eines auszusetzten - es ist halt kein Giallo. Die DVD ist ebenfalls sehr, sehr gelungen und bietet auf einem zweiten Silberling auch noch amüsantes Bonusmaterial. Deswegen dann an dieser Stelle auch "nur" 9/10 inklusive die Beförderung zum Foren-Pflichtprogramm!
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon DrDjangoMD » 10. Nov 2011, 12:45

Handlung:
Kommissar Bertone (Enrico Maria Salerno) hat’s mit all den korrupten Beamten, welche die grausamsten Verbrecher gern mal freisprechen, nur weil sie einen guten Anwalt haben, weiß Gott nicht einfach. Mühsamst versucht er die Presse und seine Vorgesetzten von den Lücken im System zu überzeugen, doch mehr Probleme bahnen sich an, als ein geheimnisvolles Syndikat beginnt ungestrafte Verbrecher brutal zu ermorden…

Kritik:
Was mich an „Das Syndikat“ besonders beeindruckt hat war, dass es Stefano Vanzina (alias Steno – „Der Größte Lustspielregisseur aller Zeiten") nicht von Anfang an zu offensichtlich gemacht hat, was er mit seinem Film ausdrücken will. Es beginnt mit Verbrechern, die durch die Ungerechtigkeit des vorherrschenden Systems der verdienten Strafe entkommen. Salernos Charakter zeigt sich uns als die einzige Figur, welche einen vernünftigen Gerechtigkeitssinn hat und wir hoffen anfangs noch, dass er einige der unverschämten Gewalttäter hinter Schloss und Riegel oder direkt in die Hölle befördert.
Dann kommt, mit dem Charakter der Reporterin die Idee auf, dass den Verbrechern selbst nicht wirklich die Schuld an ihren Taten zu geben ist, sondern ihrer Erziehung und damit unserer Gesellschaft. Wir fürchten schon, dass der ganze Film zu einer dieser albernen Blablabla-Gewalttäter-sind-gut-Polizisten-sind-böse-Filme wird. Der grausame Umgang von Jürgen Drews mit seiner sympathischen Geisel bietet hier allerdings ein gutes Gegenargument. Betrachtet man das Schicksal der armen Frau und Drews Verschulden an diesem, regt sich im Zuseher langsam der Wunsch, dass irgendwer (vorzugsweise Salerno) endlich Schluss mit all der übergreifenden Gewalt macht und mit vorgehaltener Wumme nach bester "Ein Mann sieht rot"-Manier all den üblen Schurken dieser Welt zeigt, wo der Hammer hängt.
Groß ist anfangs die Freude als eben dies geschieht und eine unbekannte Organisation einen Gangster nach dem anderen ausschaltet. Doch siehe da, dies ist gar nicht mal so positiv wie man gedacht hätte, denn es stellt sich heraus, dass eben diese Organisation, die uns von Gesindel und Mördern befreit eigentlich die Schlimmsten von allen sind. Sie versuchen Gewalt mit Gewalt auszurotten und es zeigt sich (obwohl ich Drews Charakter wirklich gerne tot gesehen hätte), dass dies nicht funktioniert. Bald schon übertreiben sie es und Kleinstkriminelle oder sogar Unschuldige müssen mit dem Leben bezahlen.
Was ist also das beste System mit Verbrechern umzugehen? Nun, ich denke der Film will uns sagen, dass jenes, welches wir nun haben eigentlich ziemlich unübertroffen ist. Es ist vielleicht nicht perfekt aber alle anderen Optionen wären noch schlimmer. Vanzina kritisiert hier nicht das System, wie es so viele andere machen, er kritisiert die Systemkritiker. Sowohl jene, die für einen besseren Umgang mit der Verbrecherwelt sind, als auch jene, die Gewalt lieber mit noch mehr Gewalt gelöst hätten.
Diese Aussage ist vernünftiger als das meiste, was wir sonst in Filmen, die sich mit jener Problematik beschäftigen bekommen, was „Das Syndikat“ aber einmalig macht, ist die Art, wie diese Aussage vermittelt wird. Um Shakespeare zu zitieren: Vanzina findet „auf krummen Wegen doch geradewegs zum Ziel“…und dafür hat er meiner Meinung nach die Höchstnote verdient. 10/10 :thup:

P.S. Ist dieser grandiose Film und "Dr. Jekylls unheimlicher Horrortrip" wirklich von ein und demselben Regisseur, das kann und will ich nämlich irgendwie nicht glauben :(
Zuletzt geändert von DrDjangoMD am 10. Nov 2011, 12:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon ugo-piazza » 10. Nov 2011, 12:51

DrDjangoMD hat geschrieben:P.S. Ist dieser grandiose Film und "Dr. Jekylls unheimlicher Horrortrip" wirklich von ein und demselben Regisseur, dass kann und will ich nämlich irgendwie nicht glauben :(


Yes.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon sid.vicious » 10. Nov 2011, 20:25

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Alternativer Titel: Execution Squad, The Enforcers
Produktionsland: Italien
Produktion: Peter Geissler, Roberto Infascelli
Erscheinungsjahr: 1972
Regie: Stefano Vanzina
Drehbuch: Lucio De Caro, Stefano Vanzina
Kamera: Riccardo Pallottini
Schnitt: Jutta Brandstaedter, Roberto Perpignani
Spezialeffekte: -
Budget: ca. -
Musik: Stelvio Cipriani
Länge: ca. 94 Min.
Freigabe: FSK 16
Darsteller: Enrico Maria Salerno, Mariangela Melato, Mario Adorf, Jürgen Drews, Laura Belli



Gewalt, Verbrechen und Korruption herrschen in Italien. Kommissar Mario Bertone ist machtlos, gegen die Urteile der Richter und die clevere Vorgehensweise der Anwälte. Es ist an der Tagesordnung, dass Verbrecher aus Mangel an Beweisen frei gesprochen werden. Als bei einem missglückten Raubüberfall, bei denen es Tote gab, der Verantwortliche Michele, eine junge Frau als Geisel nimmt, eröffnet sich ein weiterer Fall für Bertone.

„Das System ist schlecht und nicht der Mensch.“ Eine Aussage innerhalb „Das Syndikat“, die den Zuschauer auf die richtige Fährte bringt, bzw. die ihn den Weg abschätzen lässt, den Stefano Vanzina einschlägt. Dieser Weg ist nämlich wesentlich politischer als man zuerst annimmt. Nach einem rasanten Start und einer Geiselnahme, für die Michele (besser bekannt als Jürgen Drews) verantwortlich ist, lenkt Vanzina seinen Film geschickt in eine andere Richtung. Es ist demnach nicht, der erwartete Verbrecher- Polizist Kampf, wie man ihn aus Lenzis „Milano Odia“ kennt und welcher zum zentralen Kern wird. Auch nicht die Beleuchtung eines Psychopathen, wie in Griecos „Der Tollwütige“. Vanzina konzentriert sich viel eher darauf, auf Links- und Rechtsextremismus einzugehen. Dieses erinnert mich persönlich, sehr an die Vorgehensweise von Damiano Damiani innerhalb „Der Terror führt Regie“. Dieses ist auch eines der Bestandteile, die „La Polizia ringrazia“, sprich „Das Syndikat“ zu einem richtig guten Film machen. Von direkten politischen Aussagen geht es zum Thema Selbstjustiz, verpackt im zuvor angesprochen Faschismus, bis hin zur Korruption. Dem Deckmantel, der über die Oberschicht gelegt wird und der mit Geld um Macht gefüttert ist.

Bertone ist ein Verfechter der Gerechtigkeit, ein Verfechter der Wahrheit. Er akzeptiert die Straffreiheit für Verbrecher genauso wenig, wie die Lynchjustiz. Ein Killerkommando von Polizisten (okay hier sind es ehemalige Polizisten), das hört sich irgendwie nach Ted Posts „Calahan“ an. Natürlich hat Don Siegels „Dirty Harry“, den italienischen Polizeifilm, sehr beeinflusst, allerdings stammt „Das Syndikat“ von 1972 und „Calahan von 1973. Dieses sei nur am Rande bemerkt, wer sich für dieses Genre interessiert, der wird sich eh Gedanken gemacht haben und zu ähnlichen Erkenntnissen gekommen sein.

Was die Hauptdarsteller anbelangt, so kann ich nichts Negatives finden. Wer den Namen Jürgen Drews liest, der sollte nicht entsetzt von dem Film weichen. Drews macht seine Sache als Michele wirklich gut. Neben Drews sehen wir, in der Rolle der Anna Maria Sprovieri, Laura Belli. Laura wirkte auch 2 Jahre später in Lenzis „Berserker“ mit und wenn ich ehrlich bin, so ist sie mir ein wenig zu selten im Bild, da sie ein optisches Highlight ist. Des weiteren müssen wir natürlich Enrico Maria Salerno als Commissario Bertone lobend erwähnen, sowie auch Mario Adorf in der Rolle des Attorney Ricciuti, von dem ich mir, wie auch von Laura Belli, ein wenig mehr Spielzeit gewünscht hätte.

Fazit: „Das Syndikat“ ist ein intelligenter und spannender Poliziesco, der mit der Ruhe eines Damiani und guter Action zu gefallen weiß. Schön, dass es eine solche Genre-Perle endlich zum DVD Release gebracht hat.


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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Slim Naughton » 11. Nov 2011, 01:22

DrDjangoMD hat geschrieben:P.S. Ist dieser grandiose Film und "Dr. Jekylls unheimlicher Horrortrip" wirklich von ein und demselben Regisseur, das kann und will ich nämlich irgendwie nicht glauben :(


Wobei ja gemunkelt wird, dass "Steno" mit dem Streifen an vielen Stellen überfordert war und Produzent Infascelli kräftig Hand anlegte. Der machte ja ein wenig später den gut beleumundeten "Der unerbittliche Vollstrecker", den ich leider nicht kenne.
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon jogiwan » 12. Nov 2011, 18:29

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Der 1972 entstandene Streifen „Das Syndikat“ des italienischen Regisseurs Stefano Vanzina, der später unter dem Namen Steno hauptsächlich Komödien verfilmte, ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnlicher Film. Nicht nur, dass der dramatische Streifen quasi die Geburtsstunde des italienischen Polizeifilms, dem sogenannten „Poliziesco“ darstellt, der fortan fast zwei Jahrzehnte Erfolge feierte, sondern er bietet auch noch den deutschen Schlagerbarden Jürgen Drews in jungen Jahren und in seiner ersten größeren Rollen als skrupellosen Verbrecher.

Italienische Polizeifilme erfreuen sich ja in Fankreisen allergrößter Beliebtheit und wer hätte gedacht, dass das Genre mit einer italienisch-deutschen Koproduktion eigentlich ihren Ursprung nahm. Während andere Werke aus der Kiste ja aber oftmals etwas trashig und teils auch humorig daherkommen, hat Stefano Vanzina jedoch einen überraschend grimmigen, düsteren und auch sehr politischen Film geschaffen, der die kritische Lage Italiens nach dem Ende des Faschismus auch recht drastisch portraitiert und einen Einblick in die Arbeitsweise der Polizei bringt, die in der damaligen Zeit durch mehrere Faktoren beeinträchtigt war.

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Die Geschichte des Streifens beginnt ja auch sehr vielversprechend und ausgehend von einem Kriminalfall werden die Arbeit von Polizei und Presse näher beleuchtet. Später geschehen dann weitere Morde und der gewissenhafte Hauptkommissars, stößt bei seinen Ermittlungen durch verschiedenste Indizien auf einen rechten Geheimpunkt, dessen Mitglieder auch bis in die höchsten Kreise verwickelt sind. Doch weder die eigenen Leute, noch der Staatsanwalt und Politiker glauben dem Mann und so begibt er sich alleine in die Höhle des Löwens um die hochrangigen Mitglieder des Geheimbundes mit ihrem finsteren Plan, das Land wieder in eine Polizeidiktatur zu stürzen, ein für alle Mal zu enttarnen.

Die Stimmung des Streifens wird im Verlauf der Handlung immer düsterer und das pessimistische Ende wird viele Zuschauer sicher am falschen Fuß treffen. Wenn man sich die politische Lage in Italien mit Regierungschef Berlusconi und zahlreichen Parteien wie die Lega Nord so ansieht, dass muss man Steno und Lucio de Caro für das Drehbuch zum Film auch Weitsicht und eine gute Beobachtungsgabe attestieren. Die konservativen und rechten Kräfte, die sich in diesem Fall die antifaschistische Stimmung in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu Nutze macht um diese für ihre Zwecke zu missbrauchen ist ja auch ein Thema, dass heutzutage in abgewandelter Form aktueller denn je ist.

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Aber auch abgesehen von der politischen Komponente ist „Das Syndikat“ ein verdammt guter Streifen geworden, der alle Zutaten enthält, die sich der Fan von einem Polizeifilm erwartet. Neben Ermittlungsarbeit, brutalen Polizeialltag und investigativem Journalismus gibt es in dem 1972 gedrehten Werk packende Verfolgungsjagden und sogar ein bisschen Sleaze. Die Mordszenen sind relativ herb und der unfreiwillige Abgang von Laura Belli ist sogar ein richtig fieser kleiner Schocker, der einem kurzfristig die Nackenhaare aufstellen lässt.

Darstellerisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern und mit Enrico Maria Salerno hat man auch den idealen Hauptdarsteller gefunden. Den sieht man als Fan italienischer Werke ja ohnehin immer gerne und auch in „La Polizia Ringrazia“ ist der werte Herr wieder einmal eine Bank. Ihm zur Seite steht Mario Adorf als Staatsanwalt, der ebenfalls wie üblich sehr glaubwürdig agiert. Die Rolle des noch sehr jungen Jürgen Drews ist zwar vielleicht nicht so groß, wie am Cover angepriesen, aber dafür ungewöhnlich brutal, was man von „Onkel Jürgen“ bzw. dem „König von Mallorca“ vielleicht nicht erwarten würde. Auf der weibliche Seite gibt es mit Mariangela Melato vielleicht nicht die hübscheste, aber eine der interessantesten Darstellerinnen aus dem Land des Stiefels, die als toughe Journalistin überzeugt und als Eye-Candy Laura Belli, die sich Jahre später auch noch für den „Playboy“ ausgezogen hat.

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Unterm Strich bleibt ein spannender Streifen aus der Italo-Kiste, der mit einer packenden Geschichte aus dem Polizei-Milieu, tollen Darstellern und coolem Soundtrack punkten kann. Dass es sich mit „Das Syndikat“ auch noch um dem allerersten Poliziesco handelt, der noch dazu mit deutscher Beteiligung entstanden ist, macht den Streifen ebenso unverzichtbar. Die ganze Sache rockt, schockiert und das bitterböse Ende ist so herrlich europäisch, dass man Regisseur Steno am liebsten dafür umarmen möchte. Neben „Libido Mania“ von „Camera Obscura“ ist „Das Syndikat“ dann auch eine der schönsten Veröffentlichungen des heurigen Jahres für das italophile Publikum und daher kann es an dieser Stelle dann auch nur eine ausdrückliche Empfehlung geben. Wunderbarer Film – tolle DVD!

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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Die Kroete » 15. Nov 2011, 23:21

War das wirklich der erste Poliziesco, überhaupt :?:
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