Das Syndikat - Stefano Vanzina

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon untot » 24. Nov 2011, 02:56

Nach soeben erfolgter Sichtung muss ich sagen das auch ich ganz angetan bin!
Mario Adorf macht als Staatsanwalt eine gute Figur, am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig fand ich Jürgen Drews als Bösewicht, hab dauerd gewartet das der sich seinen Umhang überwirft und anfängt Ballermann Songs zu schmettern. :kicher:
Nein ich fand er hat seine Sache ganz gut gemacht! :nick:
Zum Film selbst kann ich nur sagen, er ist glaubwürdig, geradlinig erzählt und spannend, bis hin zum Schluß, der einen wirklich depirmiert und ernüchtert zurücklässt!
Ein sehr empfehlenswerter Streifen!

8,5/10
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon horror1966 » 24. Nov 2011, 03:24

Der steht auch auf meiner Wunschliste, wird demnächst geordert.
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon dr. freudstein » 13. Dez 2011, 22:53

Eines der besten Filme aller Zeiten - Kategorie

Der Film hat mich wirklich umgehauen. Wieder die üblichen Fragen, warum geschehen Verbrechen, wer ist schuld daran, wie kann man sie bekämpfen und womit....

Nun, Verbrechen schaffen Arbeitsplätze - in der Waffenindustrie, bei der Polizei, Richter, Staatsanwälte, Bauindustrie (Knäste, Gerichtsgebäude..), bei der Presse und Politik usw. und auch Bürger bekommen Diskussionsmaterial jenseits über "Das Wetter" und auch ehemalige Polizisten bekommen hier eine neue Aufgabe. Ob nun Todesstrafe ein wirksames Mittel gegen Verbrecher ist, sei mal dahingestellt. Fakt ist, tote Verbrecher können keine Verbrechen mehr begehen.
Da Selbstjustiz ebenfalls verboten ist, könnten diese mit Todesstrafe belegt werden und würde wieder neue Arbeitsplätze schaffen, nämlich die der Henker. Problem - Lösung.

Nun, dies ist nicht einfach ein Unterhaltungsfilm, er wirft eine Menge Diskussionsmaterial auf (beim Zuschauer wie auch im Film selbst) Und er spiegelt, wie wohl so viele Polizeifilme aus Italien der 70er, die damalige Verbrecherschwelle (und dem Sinken der Hemmschwelle) und die richtige und wirksame Bekämpfung dessen auf. Und natürlich die Schuldfrage. Sind es die Verbrecher oder ist es der Polizeiapparat, der entweder zu schwach oder zu hart agiert. Die Polizisten selbst fragen sich auch, mehr Härte wie Gewalt gegen Verbrecher oder aber mit mehr Verständnis und Resozilation und kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Außerdem geben sie der Staatsanwaltschaft (hier verkörpert durch den eher zimperlichen und überlegenden Mario Adorf in der Rolle) die Schuld, daß sie nicht die Mittel ausspielen darf, wie sie es gerne tun würden.
Die Presse gibt natürlich wie üblich ihren Senf ab, aber wohl eher weniger weiterführend.
Jürgen Drews hier in eienr frühen Rolle zu sehen, fand ich auch sehr interessant, er hätte wohl besser bei diesem Niveau bleiben sollen. Aber je oller, desto doller. Hier spielt er sicherlich wenig spektakulär, er fällt imho wenig auf, mimmt aber eher den verzweifelteten als den knallharten Kleingangster, aber einige Leichen gehen auf sein Gewissen. Es gibt einige harte Szenen zu sehen und eine recht harte Atmosphäre, der Thematik angemessen. Ich saß wie gebannt vorm Schirm. Ein Dingens, welches ich mir öfter ansehen werde, aber ganz bestimmt.
Jetzt hab ich hier zwar wieder viel :offtopic: mit eingebaut, aber das sind halt meine Gedanken, die dieser Film bei mir aufwarf, also nicht nur das Geschehen, sondern auch die Hintergründe. Wohl eines der stärksten Vertreter dieses Genres. Wenn es der erste war, dann ein grandioser Auftakt.

9/10

Bux, bitte übernehmen Sie die Fehlerkorrektur
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon buxtebrawler » 30. Dez 2011, 17:34

Hab ich mir letzte Nacht angesehen, sehr guter Film! Kritik folgt.

Die DVD-VÖ ist wirklich sehr empfehlenswert. Klasse auch das Bonusmaterial, in dem Koproduzent Dieter Geissler, Schauspieler und Schriftsteller Peter Berlin und Könich von Malle Jürgen Drews eine Anekdote nach der anderen über das damalige Filmschaffen in Italien raushauen und selbst vor Roman Polanski nicht Halt machen. Und Mario Adorf geht auf die Dreharbeiten zu "Der Mafiaboss" ein! Pflichtkauf für alle Italo-Fans!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon buxtebrawler » 4. Jan 2012, 23:02

Der italienische Regisseur Stefano Vanzina, der später unter seinem Pseudonym Steno Filme wie „Plattfuß am Nil“ mit Bud Spencer drehte, zeichnet für den anscheinend ersten reinrassigen Poliziesco, also italienischen Polizeifilm, verantwortlich, der 1972 unter dem Titel „Das Syndikat“ in deutsch-italienischer Koproduktion entstand.

Hauptkommissar Mario Bertone (Enrico Maria Salerno, „Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien“) steht zwischen allen Fronten: Die Justiz sieht sich gezwungen, von ihm überführte Verbrecher wieder laufen zu lassen, er muss sich aufgrund harter Übergriffe von Polizeibeamten auf Demonstranten der Kritik der fortschrittlichen Presse aussetzen und bekommt es zu allem Überfluss als Konsequenz auch noch mit einer verschwörerischen Gruppierung zu tun, die auf eigene Faust Verbrecher und andere, die ihr nicht in den Kram passen, aufmerksamkeitserregend exekutiert. Dabei ist er doch eigentlich gerade auf der Suche nach zwei Raubmördern, die nach einem Überfall kaltblütig unschuldige Menschen erschossen haben. Michele (Jürgen Drews, „Ballermann 6“) ist der Hauptverantwortliche und nahm auf seiner Flucht kurzerhand eine Geisel…

„Das Syndikat“ deckt eine Vielzahl von Themen ab, ist dabei trotzdem leicht verständlich statt verkopft-komplex, dabei inhaltlich intelligent und aussagekräftig. Drehbuch und Regisseur gelang der richtige Mittelweg zwischen plakativer Vereinfachung zu Verständniszwecken und Erörterung gesellschaftlicher Sachverhalte, weit entfernt von verkürztem, einseitigem Stammtischdenken. Wirkt es anfänglich evtl. noch anders, werden doch im Laufe des Films sämtliche Parteien und Positionen differenziert und letztlich sachlich betrachtet, statt vereinfachte Gut/Böse-Schemata aufzufahren. Die aufgeweckte Journalistin Sandra (Mariangela Melato, „Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies“) geht ihrem Beruf gewissenhaft nach und beobachtet die polizeilichen Gewaltexzesse kritisch, trifft sich in ihrer Freizeit aber trotzdem mit Bertone, statt ihn zu verteufeln und sich Scheuklappen aufzusetzen. Diskutierwürdige Aussage ihrerseits werden nicht zum Anlass genommen, ihre Tätigkeit oder ihre Person als Ganzes infrage zu stellen oder sie zu zerreißen. Staatsanwalt Ricciuti (Mario Adorf ohne Bart, „Der Mafiaboss“) erscheint naiv, aber keinesfalls als schlechter Mensch. Die Empörung über dank gesetzlicher Lücken und anwaltlicher Rechtsverdreherei freigelassener Kapitalverbrecher ist verständlich, einfache Lösungen aber nicht möglich, ohne den Rechtsstaat zu gefährden. Empathie für den jugendlichen Raubmörder aufzubringen, ist da schon schwieriger, als es ihm an den Kragen gehen soll aber nicht unmöglich.

„Das Syndikat“ zeigt ein unter zunehmender Gewalt und Kriminalität ächzendes, postfaschistisches Italien, das sich der Herausforderung ausgesetzt sieht, einen faschistischen Putsch zu verhindern. Denn eben jenen planen die hohen Herren, die hinter der konspirativen Organisation stecken, schnell Zustimmung und Unterstützung unter Polizeibeamten finden und versucht sind, sich die Ereignisse zunutze zu machen. Damit ist „Das Syndikat“ ein Lehrstück hinsichtlich der fortwährend lauernden faschistischen Gefahr in Nachkriegszeiten, über ihre Mechanismen, Manipulationen und Rattenfängerei, ohne einfache Lösungen anzubieten oder zu propagieren und stattdessen zu Wachsamkeit, Besonnenheit und Reflektion aufruft.

Und Vanzinas Film wäre kein italienisches Genrekino, würde es bei allem Anspruch äußere Form und Unterhaltungsfaktor vernachlässigen. Das ist mitnichten der Fall, denn die Darstellerriege spielt überwiegend charismatische Rollen, allen voran Salerno als Betone, der sich jeglicher Klischee-Kategorisierung angenehm entzieht und einen ebenso emotionalen wie bedachten, sachlichen Charakter mit allem ihm gegebenen Talent mimt. Nach den starken Filmen, in denen Mario Adorf eine Haupt- oder zumindest größere Rolle zuteil wurde, irritierte mich zunächst etwas der eher geringe Umfang seiner Nebenrolle, die er aber gewohnt souverän meistert und auch seiner eher unterkühlten Rolle Gewicht verleiht. Mariangela Melato mit ihrer ungewöhnlichen Augenpartie ist nicht nur ein erinnerungswürdiger Hingucker, sondern füllt ihre Journalistinnenrolle mit einer selbstverständlichen Ambivalenz aus, die ihre Reduzierung auf ein „Love Interest“ oder eben eine forsche Pressedame gar nicht erst zulässt. Für den unvermeidlichen Sleaze-Anteil sorgt die bildhübsche Laura Belli („Der unerbittliche Vollstrecker“) als Entführungsopfer Micheles, der wiederum doch tatsächlich von Kornfeldpenner Jürgen Drews gespielt wird. Dieser kam, wenn vielleicht nicht unbedingt wie die Jungfrau zum Kinde, so doch reichlich unverhofft zu seiner größeren Nebenrolle und macht seine Sache überraschend gut. Man nehme einfach einen unsicheren jungen Mann ohne wirkliche Schauspielerfahrung und lasse ihn einen unsicheren jungen Mann ohne wirkliche Raubmorderfahrung spielen – und es funktioniert. Hätte er doch bloß eine Schauspielkarriere eingeschlagen...

Diese illustre Runde agiert also in einem Film, der allein schon aufgrund seiner thematischen Bandbreite ein recht hohes Tempo an den Tag legt, dank des erschreckend pessimistischen Endes eine große inhaltliche, aber auch einiges an visueller, doch nie selbstzweckhafter Härte zu bieten hat und von einem mitreißenden Soundtrack Stelvio Ciprianis unterlegt wurde. Das Tüpfelchen auf dem I seiner inhaltlichen Bedeutsamkeit ist der Umstand, dass eine Geiselnahme auf der Flucht seinerzeit beinahe als visionär galt, hatte es so etwas in der Realität bisher doch kaum gegeben. In diesem Punkt erinnert mich „Das Syndikat“ an Rolf Olsens „Blutiger Freitag“, der im gleichen Jahr erschien. „Das Syndikat“ ist ein rundum gelungener, bahnbrechender und intelligenter europäischer Film, eine unmissverständliche Absage an Selbstjustiz und ironischerweise Mitbegründer eines Genres, das eben diese gern glorifizieren sollte.
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon DrDjangoMD » 4. Jan 2012, 23:11

:nick: Volle Zustimmung :thup:

buxtebrawler hat geschrieben: dass eine Geiselnahme auf der Flucht seinerzeit beinahe als visionär galt, hatte es so etwas in der Realität bisher doch kaum gegeben.


Hat man das irgendwann mal "erfunden" :?
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Adalmar » 9. Feb 2012, 19:29

Habe diesen Klassiker nun gestern auch mal gesehen und bin extrem angetan. Ein Film, der in keiner Italothek fehlen darf und dem eine klasse DVD-VÖ von Colosseo zuteil wurde. Salerno überzeugt vorne bis hinten und auch Onkel Jürgen fügt sich nahtlos in den völlig ernsten Film ein. Adorf gefällt in einer Rolle, die denen in "La mala ordina" und "Milano calibro 9" ganz entgegengesetzt ist. Den ohnehin schon pessimistischen Film beschließt ein böses, aber konsequentes Ende. Alles in allem: Unverzichtbar.
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Blap » 9. Feb 2012, 19:53

Es wird Zeit für eine Sichtung, die DVD steht bereits seit ein paar Wochen im Regal (danke an meinen Knuffelforianer).
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon Adalmar » 14. Feb 2012, 12:46

Kurzrezension:

Mit dieser deutsch-italienischen Coproduktion begann die Welle der Polizieschi in Italien. Stefano Vanzina, auch als Steno bekannt, legte sofort einen vollgültigen und hochklassigen Genrevertreter vor, den man ohne weiteres einen der besten seiner Art nennen kann. Mit dem distinguierten Charakterdarsteller Enrico Maria Salerno in der Hauptrolle des Kommissars Bertone und einem allglatten Mario Adorf als Staatsanwalt Ricciuti sowie einem jungen Jürgen Drews als Entführer Michele hatte Vanzina eine zugkräftige Besetzung beisammen und mit Stelvio Cipriani einen Komponisten, der mit seinen pulsierenden Ohrwürmern auch im folgenden das Genre prägen sollte. Drews, der seinen Part hier sehr ordentlich ausführt, stand damals zumindest nach eigener Aussage kurz vor einer Schauspielkarriere, die er jedoch zugunsten eines Studiums und einer Musikerkarriere bei den "Les Humphries Singers" nicht weiterverfolgte. Adorf zeigt mit einer Rolle, die im völligen Gegensatz zu seinen Parts in di Leos "Milano Kaliber 9" und "La mala ordina" ("Der Mafiaboss") stand, seine darstellerische Vielseitigkeit. Kurz nach dem amerikanischen Genrevertreter "Dirty Harry", aber noch vor dessen Nachfolger "Magnum Force" entstanden, beschäftigt er sich mit den Themen dieser beiden Filme in Kombination und lässt Bertone im Zwiespalt zwischen dem Drang zu härterem Durchgreifen - wie er besonders die Polizieschi mit Maurizio Merli prägen sollte - und der Abgrenzung zur puren Selbstjustiz erscheinen, die im Folgejahr zum Thema des zweiten Dirty-Harry-Films werden sollte. "La polizia ringrazia" ist in allen Belangen ein hochkarätiger Film, den sich kein Italo-Genrefilm-Fan entgehen lassen sollte! 9/10
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Re: Das Syndikat - Stefano Vanzina

Beitragvon purgatorio » 30. Mär 2012, 17:41

DAS SYNDIKAT (LA POLIZIA RINGRAZIA, Italien/Deutschland/Frankreich 1972, Regie: Stefano Vanzina)

Rom steckt im Schlamassel! Während großen Gangsterbossen von der Polizei nichts nachgewiesen werden kann und Verbrechen, Prostitution und Gewalt auf den Straßen wüten, entscheidet sich auch Jürgen Drews zu einem Überfall. Dieser geht allerdings ein wenig schief, was zwei Leichen und eine Geiselnahme nach sich zieht. Hauptkommissar Mario Bertone (Enrico Maria Salerno) hat es satt, dass die Polizei immer als Sündenbock herhalten muss und nimmt die Verfolgung auf, um der Öffentlichkeit und seiner Presse-Freundin einen wirklichen Täter präsentieren zu können. Unterstützt wird er dabei vom Staatsanwalt Ricciuti (Mario Adorf, hier zur Abwechslung mal rasiert und darum ein Guter). Doch sie stechen schon bald in ein Wespennest…

Was wie ein einzelnes kleines Verbrechen im Sündenpfuhl der Seitenstraßen Roms beginnt zieht alsbald riesige Kreise. Kommissar Bertone gerät dabei in einen Strudel aus Gewalt und beginnt an der Rechtschaffenheit der Polizei zu zweifeln. Es kostet ihm spürbar mehr Mühe seinen Werten und Idealen treu zu bleiben. Die krampfhafte Suche nach einem Kleinganoven mit Geisel entpuppt sich für ihn somit auch als moralische Bewährungsprobe. Der hier inszenierte Zwiespalt und die Atmosphäre auf den Straßen Roms sind derart intensiv und glaubwürdig inszeniert, dass einem der Mund offen steht. Völlig zu Recht hatte dieser Film das Genre des Poliziesco, des italienischen Polizeifilms, in die Wege geleitet. Nebst einem düsteren und realistischen Bild vom Verbrechen auf der Straße wird auch das postfaschistische Italien per se skizziert und die Frage erörtert, ob und wann die Todesstrafe angebracht ist. Darüber hinaus wird Selbstjustiz ebenso hinterfragt wie die Funktionstüchtigkeit eines bürokratischen Apparats, der den Bürger schützen soll. Und der Bürger selbst? Dessen Schicksal innerhalb des machtlosen Systems gerät unter die Räder. Eine traurige Wahrheit wird hier mit voller Härte dargestellt und lässt das Blut in den Adern gefrieren.

Untermalt von einem passenden und pulsbeschleunigenden Score und in düsteren Bildern eingefangen treibt eine banal begonnene Geschichte einem imposanten und deprimierenden Finale entgegen, welches konsequenter nicht hätte sein können. Ein sehr ernster und trostloser aber auch ehrlicher Film, der trotz teils heftiger Logikprobleme sehr sehenswert ist. 8/10 mit Tendenz nach oben.







Danke, Dän, für diese Offenbarung :nick:
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