Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon ugo-piazza » 9. Mai 2015, 00:03

1980, das italienische Kino befindet sich im rasanten Absturz, der durch Gewaltexzesse noch etwas verzögert wird. Einmal noch will der Infascelli-Clan, der uns bereits Stefano Vanzinas "Das Syndikat" schenkte, einen Gangsterfilm auf die Beine stellen. Einmal noch wird ein Cast zusammengestellt, der auch in den Nebenrollen bekannte Gesichter des Italo-Kinos präsentiert (Nello Pazzafini, Luciano Rossi, Guido Alberti, Daniele Dublino, Romano Puppo, Venantino Venantini, Enrico Maisto und Tommaso Palladino). Einmal noch darf Fabio Frizzi musikalisch das Haus rocken. Zu Unrecht wird das Werk ja gerne auf seine paar Gewaltspitzen reduziert, dabei zeigt Fulci hier noch einmal, was er auf dem Kasten hatte, man beachte nur die Diskotheken-Szene. Die Story ist vielleicht nicht übermäßig innovativ, doch die Umsetzung ist gelungen. Im Gegensatz zu anderen Filmen des Jahres wirkt die Gewalt hier durchaus nicht selbstzweckhaft, sondern macht im Handlungskontext durchaus Sinn. Daneben preist der Film auch noch positiv-konservative Werte wie Sonne statt Drogen und ruft aktiv dazu auf, die langjährige Lebenserfahrung älterer Menschen sinnvoll einzusetzen. Ein letzter Höhe- und zugleich Schlußpunkt des Genres. Danach war das italienische Kino so tot wie Marcel Bozzufi im Film.

Der 131er-Status des Films ist natürlich wieder mal Humbug und auf die Münchner Justiz zurückzuführen, die mit verfassungskonformer Gesetzesauslegung bekanntlich ihre Probleme hatte. Ich will die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass der aktuelle deutsche Rechteinhaber seine Turbine anschmeißt und gegen diesen Justizmurks angeht.

Bis dahin muss ich zwangsläufig auf die :vhs: zurückgreifen.

(Na Leute, war det 'n Film? Dufte, wa?)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


Bild
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 8428
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon dr. freudstein » 9. Mai 2015, 00:13

im Kino hat der so richtig gerockt jawohl, 35mm Fassung, große Leinwand....und ja, ne ordentliche deutsche turbine Fassung, warum nicht...scheiss auf Drogen, solang die Sonne da ist......und Hände weg, ihr Evil Eds, uncut bitte und mit deutscher Synchro!!!!!
dr. freudstein
 
Beiträge: 14497
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon Onkel Joe » 9. Mai 2015, 12:47

ugo-piazza hat geschrieben:Der 131er-Status des Films ist natürlich wieder mal Humbug und auf die Münchner Justiz zurückzuführen, die mit verfassungskonformer Gesetzesauslegung bekanntlich ihre Probleme hatte. Ich will die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass der aktuelle deutsche Rechteinhaber seine Turbine anschmeißt und gegen diesen Justizmurks angeht.



Also "Humbug" ist schon eine gewagte Aussage mein lieber Ugo. Das Teil dreht ja schon an der Obergrenze / Unterkante was das erträgliche angeht. Der Film ist schon sehr, sehr deftig was die Gewalt Exzesse angeht!
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Benutzeravatar
Onkel Joe
Forum Admin
 
Beiträge: 14442
Registriert: 11.2009
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon ugo-piazza » 9. Mai 2015, 18:59

Onkel Joe hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Der 131er-Status des Films ist natürlich wieder mal Humbug und auf die Münchner Justiz zurückzuführen, die mit verfassungskonformer Gesetzesauslegung bekanntlich ihre Probleme hatte. Ich will die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass der aktuelle deutsche Rechteinhaber seine Turbine anschmeißt und gegen diesen Justizmurks angeht.



Also "Humbug" ist schon eine gewagte Aussage mein lieber Ugo. Das Teil dreht ja schon an der Obergrenze / Unterkante was das erträgliche angeht. Der Film ist schon sehr, sehr deftig was die Gewalt Exzesse angeht!


Die Aussage ist vielleicht etwas provokant und auch etwas ins Blaue geschrieben, da mir der Beschlagnahmebeschluss nicht vorliegt. Gewiss hat der Film ein paar drastische Szenen, von denen die Vergewaltigungungssequenz sicher die heikelste, oder besser gesagt, die unerträglichste, darstellt. Dagegen sind die teilweise extrem blutigen Erschießungen (siehe der Mord an Romano Puppo) geradezu erholsam und die Bunsenbrenner-Szene ist ja klar als Effekt zu erkennen.

Ich würde ja auch unterschreiben, dass Kinderhände an diesem Werk nichts zu schaffen haben, aber den rechtlichen Status des Werks hierzulande finde ich schon absurd.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


Bild
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 8428
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon Il Grande Racket » 25. Feb 2016, 01:00

Gestern auch mal wieder gesehen, und ich muss auch sagen, dass der von mal zu mal mehr Spaß bereitet Gerade weil man sich damit abgefunden hat, dass das Teil sich am ehesten durch seine für das Genre absurd brutalen Splatter-Einlagen definiert. Denn mal ehrlich, ohne die würde heutzutage kein Hahn mehr danach krähen, dafür ist er storymäßig zu durchschnittlich. Schön finde ich, wie sich die alten Bosse am Ende für das Finale rüsten und Fulci manche ihre Schießeisen provokant gen Kamera richten läßt. Es finden sich auch sonst einige schöne Sequenzen, die durch die, meist "recycelte", Mukke gut untermalt werden. Und die Gewaltexzesse machen Laune, keine Frage. 7/10
Benutzeravatar
Il Grande Racket
 
Beiträge: 143
Registriert: 01.2016
Wohnort: Hoher Norden
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon karlAbundzu » 10. Feb 2017, 12:40

Fulci auf großer Leinwand, das war bei seinen splattrigen Horrorfilmen (Woodoo, Friedhofsmauer, Geisterstadt) für mich immer ein großer Gewinn und eine überraschende Erfahrung. Syndikat kannte ich noch nicht, so war ich gespannt, wie er einen Mafiathriller macht. Sein wohl einziger Ausflug in das Genre.
Glückliches Neapel: Ein Großteil der Einwohner ist irgendwie im Zigarettenschmuggel beteiligt (bzw. im Marlboro-Schmuggel), die Schmuggler auf hoher See spielen Katz und Maus mit der Gendarmerie.
Doch die Gepflogenheiten ändern sich, Internes wird verraten, Leute auf hoher Ebene gekillt. So steigt Luca (Fabio Testi) unerwartet und ungewollt auf, es stellt sich heraus, dass der Marseiller dahintersteckt. Dieser will Neapel mit gestreckten Heroin überfluten und dazu die Wege der Ziagrettengauner nutzen. In seinen Mitteln ist er nicht wählerisch, bzw. ist er sehr wählerisch: Möglichst grausam sollen sie sein.
Was ein Reisser: eine eigentlich sehr Naive Grundkonstellation mit den „guten“ Zigarettenschmugglern, die die Leute in Lohn und Brot halten gegen die „bösen“ Drogentypen von ausserhalb, dazu noch das Ende mit den alten Herren, die einen irgendwie mit den Kopf schütteln lässt, wenn man drüber nachdenkt (das macht man besser erst nach dem Film) wird hier rasant und actionreich erzählt.
Die Story so weit, so simpel, die Besetzung top: Testi als Schmugglercapo wider Willen zwischen Job, Familienehre und Ehe, immer beinhart und fest in seinen Überzeugungen und daher hübsch einsilbig in den Diskussionen mit seiner Frau. Marcel Bozuffi, gerne gibt er ja den eiskalten Killer, ist hier sogar ein Chef, lässt auch mal killen, grausam hier wie noch nie. Saverio Marconi gibt einen hedonistischen androgynen Schmierling alleroberster Kajüte, die Szenen mit ihm, die auch gerne etwas leicht surreales hatten, hatten es mir besonders angetan. In kleineren Rollen sehen wir den NELLO, Fulci himself und das eine oder andere Model. Zwei von diesen spielen übrigens deutsche: Eine aus Frankfurt abgesandte Drogenkurierin, die ein besonders heftiges Schicksal erleidet, was einerseits ein für allemal den Sadismus des Marseillers klarmacht, aber wohl auch die deutschen Erwachsenenschützer auf den Plan rief. Die andere spielt die Prostituierte Ursel, deutsch bis aufs Knochenmark.
Insgesamt geht hier Fulci für dieses Genre mit der Gewalt over the top, sowohl die Bunsenbrenner-Szene als auch die Telefon-Vergewaltigung gehen an die Schmerzgrenze. Auch die versuchte Vergewaltigung des homosexuellen Gehilfen von Marconi ist nicht zum Wohlfühlen. Das alles passt aber auch in diese menschenverachtende Welt, in der du die Wahl hast zwischen arbeitslos im Norden Italiens oder kriminell im Süden (hier ein Anflug an Sozialkritik, Herr Fulci?). Spaß macht der Film aber trotzdem, die Action ist rasant inszeniert. Und die Musik! Frizzi zaubert hier ein funkigen groovigen Hintergrund erster Klasse!
Und viele hübsche Einfälle, die Großrazzia, bei der Leute von der Toilette geholt werden oder unerhörterweise beim Spaghettiessen abgeführt werden (Die Polizei ist sowieso nur Spielball und Kommentator im Bereich "Früher" gegen "Heute"). Die Strobo-Disco-Szene. Das TV-Programm, das sich ein Alter ansieht: Es gibt wohl nur zwei Programme Western und Porno, manchmal von Nachrichten unterbrochen, das wäre was! Und endlich mal J&B!
Für den Samstag Abend kein Partyfilm, aber ein Kracher, der uns noch lange in der Nacht beschäftigte!
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
Benutzeravatar
karlAbundzu
 
Beiträge: 4436
Registriert: 11.2012
Geschlecht: nicht angegeben

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon Onkel Joe » 10. Feb 2017, 16:43

ugo-piazza hat geschrieben:Der 131er-Status des Films ist natürlich wieder mal Humbug und auf die Münchner Justiz zurückzuführen, die mit verfassungskonformer Gesetzesauslegung bekanntlich ihre Probleme hatte. Ich will die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass der aktuelle deutsche Rechteinhaber seine Turbine anschmeißt und gegen diesen Justizmurks angeht.


Gerade im Kino war schon einiges Unbehagen zu spüren als der Bunsenbrenner angeworfen wurde, dazu noch die Szene in der Puppo die Frau von Testi ins Schlafzimmer bittet. Da haben wir uns länger darüber unterhalten und keiner konnte sich vorstellen das dieser Film eine Freigabe bekommt! Vielleicht geht das bei Evil Dead mit dem übernatürlichen Aspekt oder TCM in dem kein Blut fließt aber hier bei diesem Film kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen das sich da etwas bewegt.
Bild
Wer tanzen will, muss die Musik bezahlen!
Benutzeravatar
Onkel Joe
Forum Admin
 
Beiträge: 14442
Registriert: 11.2009
Geschlecht: männlich

Re: Das Syndikat des Grauens - Lucio Fulci (1980)

Beitragvon ugo-piazza » 10. Feb 2017, 22:56

Onkel Joe hat geschrieben:
ugo-piazza hat geschrieben:Der 131er-Status des Films ist natürlich wieder mal Humbug und auf die Münchner Justiz zurückzuführen, die mit verfassungskonformer Gesetzesauslegung bekanntlich ihre Probleme hatte. Ich will die Hoffnung ja nicht aufgeben, dass der aktuelle deutsche Rechteinhaber seine Turbine anschmeißt und gegen diesen Justizmurks angeht.


Gerade im Kino war schon einiges Unbehagen zu spüren als der Bunsenbrenner angeworfen wurde, dazu noch die Szene in der Puppo die Frau von Testi ins Schlafzimmer bittet. Da haben wir uns länger darüber unterhalten und keiner konnte sich vorstellen das dieser Film eine Freigabe bekommt! Vielleicht geht das bei Evil Dead mit dem übernatürlichen Aspekt oder TCM in dem kein Blut fließt aber hier bei diesem Film kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen das sich da etwas bewegt.


Ich kann mir das durchaus vorstellen, auch wenn gerade die Vergewaltigungsszene natürlich ziemlich heikel ist.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


Bild
Benutzeravatar
ugo-piazza
 
Beiträge: 8428
Registriert: 12.2009
Geschlecht: männlich

Vorherige

Zurück zu "Poliziesco"


 

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron
web tracker