Auge um Auge - Fernando Di Leo

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Auge um Auge - Fernando Di Leo

Beitragvon untot » 12. Jan 2011, 03:05

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Originaltitel: La Città sconvolta: caccia spietata ai rapitori

Herstellungsland: Italien

Erscheinungsjahr: 1975

Regie: Fernando Di Leo

Darsteller: Luc Merenda, James Mason, Irina Maleeva, Marino Masé, Daniele Dublino, Vittorio Caprioli,
Valentina Cortese, Salvatore Billa, Marco Liofredi, Francesco Impeciati, Loris Bazzocchi, Renato Romano...

Inhalt:
Der 14-jährige Sohn eines reichen Bauunternehmers soll entführt werden.
Sein Schulfreund Fabrizio, Sohn des einfachen Motorradmechanikers Mario Collela, versucht das Kidnapping zu verhindern und wird dabei ebenfalls zum Opfer.
Während Collela bereit ist, das Lösegeld zu bezahlen, weigert sich der Bauunternehmer den Forderungen nachzukommen, um ein für ihn günstigeres Lösegeld zu erzielen.
Die Tage verstreichen, der Polizei sind die Hände gebunden und es kommt zur Katastrophe. Fabrizio wird erschossen aufgefunden.
Collela ermittelt auf eigene Faust, um an die Drahtzieher zu gelangen und blutige Rache, getreu dem Motto "Auge um Auge", zu nehmen...

Fazit:
"Auge um Auge" ist eine Kombination aus Entführungs Drama und Rache Movie.
Die erste Hälfte mutet eher ruhig an und erzählt die Geschichte der Entführung und zeigt die Verzweiflung des Vaters des "armen" Jungen (Luc Merenda) darüber, das der aalglatte und eiskalte Bauunternehmer (James Mason), sogar in dieser verzweifelten Situation nur an seinen Profit denkt und mit den Entführern handelt, anstatt sich um das Wohl der beiden Kinder zu sorgen.
Die zweite Hälfte ist ein Rachefeldzug vom Feinsten, ganz so wie man es vom guten alten Italo-Polizeifilm gewohnt ist, mit viel Action, Gewalt und vor allem ohne Gnade.
Merenda spielt großartig und Mason, dem man am liebsten höchstpersönlich, wegen seiner Kaltschnäuzigkeit und Überheblichkeit aufs Maul hauen würde, nicht minder.
Einziger Kritikpunkt für mich ist, das ich mir noch ein finales Zusammentreffen der beiden Väter gewünscht hätte, das verlief mir zu sehr im Sand.
Ansonsten Daumen hoch für diesen Film!

7,5/10
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Re: Auge um Auge - Fernando Di Leo

Beitragvon horror1966 » 9. Apr 2013, 18:45

Der 14-jährige Sohn eines reichen Bauunternehmers soll entführt werden. Sein Schulfreund Fabrizio, Sohn des einfachen Motorradmechanikers Mario Collela, versucht das Kidnapping zu verhindern und wird dabei ebenfalls zum Opfer. Während Collela bereit ist, das Lösegeld zu bezahlen, weigert sich der Bauunternehmer den Forderungen nachzukommen, um ein für ihn günstigeres Lösegeld zu erzielen. Die Tage verstreichen, der Polizei sind die Hände gebunden und es kommt zur Katastrophe. Fabrizio wird erschossen aufgefunden. Collela ermittelt auf eigene Faust, um an die Drahtzieher zu gelangen und blutige Rache, getreu dem Motto "Auge um Auge", zu nehmen...


Komischerweise scheint dieser Film von Fernando Di Leo wohl eher zu den unterschätzten Werken seiner Zunft zu gehören, dabei bekommt man doch eine herrlich Kombination aus Drama-und Rache-Thriller geboten, die weitaus mehr Beachtung verdienen würde. Die Geschichte bietet sicherlich nicht viel Neues, solche oder ähnliche Szenarien hat man nämlich schon oft genug zu sehen bekommen. Wie dem aber auch sei, "Auge um Auge" offenbart dem Zuschauer zwei vollkommen unterschiedliche Film-Hälften die jede für sich schon eine Menge Klasse beinhaltet, zusammen jedoch ein absolut erstklassiges Gesamtergebnis präsentiert, das einem streckenweise wirklich unter die Haut geht. In der ersten Hälfte offenbart sich dabei ein waschechtes Drama, das von einer eher bedächtigen-und ruhigen Erzählweise durchzogen ist. Insbesondere in dieser Phase lebt die Geschichte sehr stark von ihren Darstellern, die allesamt durch sehr gelungene Leistungen ins Auge fallen. Nimmt die eigentliche Hauptfigur Collela (Luc Morenda) zu diesem Zeitpunkt noch mehr eine Nebenrolle ein, so spielt sich in dieser Phase ganz eindeutig der Bauunternehmer Filippini (Charles Mason) in den Vordergrund.

Dabei kann der bekannte Schauspieler jedoch keinerlei Sympathiepunkte beim Zuschauer sammeln, denn seinem Verhalten ist es letztendlich geschuldet, das einer der entführten Jungen hingerichtet wird. Das geschieht nur aus reiner Geldgier und gerade dieser Aspekt der Story kommt an dieser Stelle besonders gut zum Vorschein. Der in eher ärmlichen Verhältnissen lebende Collela muss so vollkommen hilflos ein grausames Schicksal über sich ergehen lassen, denn nur 3 Monate nach dem Tod seiner Frau muss er nun auch seinen Sohn beerdigen. Das Schicksal des Mannes geht auch an einem selbst nicht spurlos vorbei, man kann sein Leiden jederzeit nachempfinden und verspürt gleichzeitig aufsteigende Wut gegenüber Filippini, der das Ganze hätte verhindern können. Auch die Ohnmacht der ermittelnden Polizei-Beamten kommt recht gut zur Geltung, denen die Folgen der Entführung sehr nahe geht. Man merkt also ziemlich deutlich, das die Einführung in die Geschichte hauptsächlich auf die menschlichen Aspekte gelegt ist, was sich danach jedoch erheblich ändern soll.

Zwar bleibt die Sichtweise der menschlichen Aspekte die gesamte Laufzeit über ein Teil der Geschichte, so bekommt man man es nun mit den Folgen der Ereignisse zu tun. Dabei rückt nun ganz eindeutig die Figur von Collela in den Fokus und Luc Merenda hat seinen großen Auftritt. Aus dem verzweifelten Vater wird nun nämlich mit einem Schlag der gnadenlose Rächer, was gleichzeitig auch mit einer ordentlichen Tempo-Verschärfung und etlichen Action-Passagen verbunden ist. Durch die Hilflosigkeit der Polizei nimmt der gute Mann das Recht nun selbst in die Hand, wobei er nicht nur die Entführer, sondern vor allem deren Hintermänner bestrafen will. Das Ganze wurde von Di Leo absolut großartig in Szene gesetzt und bietet dem Betrachter phasenweise ein äußerst furioses Szenario, das bis zur letzten Einstellung spannend-und extrem atmosphärisch daher kommt. Auch wenn Selbstjustiz sicherlich nicht zu akzeptieren ist, so kann man die Handlungen von Collela doch zumindest vom menschlichen Standpunkt her durchaus nachvollziehen. Dieses Gefühl wird umso mehr verstärkt, wenn man diverse Äußerungen der Drahtzieher berücksichtigt, die den Tod des Jungen als "Betriebsunfall" betiteln, was schon einen äußerst bitteren Beigeschmack hinterlässt, so das man auch mehrmals schlucken muss, um das Gehörte zu verdauen.

Insgesamt gesehen ist "Auge um Auge" ein wirklich in allen Belangen überzeugender Genre-Beitrag, der sich auch keinesfalls hinter bekannteren Werken mit gleicher Thematik verstecken muss. Die zwei vollkommen unterschiedlichen Film-Hälften lassen das Werk in seiner Gesamtheit noch intensiver erscheinen, als wenn man nur auf blinden Aktionismus gesetzt hätte. So aber verleiht man der Geschichte auch inhaltliche Tiefe, was dem gewonnenen Gesamteindruck sehr zu Gute kommt. Wer Rache/Thriller mag und eine Kombination mit einem Drama zu schätzen weiß der kommt hier voll auf seine Kosten und wird mit einem richtig guten Film belohnt, der auch in der heutigen Zeit immer noch absolut sehenswert erscheint.


Fazit:


"Auge um Auge" ist von der ersten bis zur letzten Minute ein grandioser Film, der nicht nur durch seine Action-Passagen, sondern auch durch seine menschliche Seite jederzeit zu überzeugen weiß. Tolle Darsteller, eine sehr dichte-und bedrohliche Grundstimmung sowie ein grandioser Spannungsbogen sind die großen Stärken eines Filmes, den sich niemand entgehen lassen sollte.


8,5/10
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