Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Action, Crime, harte Cops, Gangster & Mafia

Moderator: jogiwan

Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Beitragvon untot » 22. Jun 2012, 00:57

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Originaltitel: Il Vero e il falso

Herstellungsland: Italien

Erscheinungsjahr: 1971

Regie: Eriprando Visconti

Darsteller: Terence Hill, Martin Balsam, Maria Teresa Albani, Rita Calderoni, Calisto Calisti,
Shirley Corrigan, Ettore Geri, Piero Gerlini, Adalberto Maria Merli, Luigi Montini, Paola Pitagora,
Alessandro Sperli...

Inhalt:
Obwohl sie ihre Unschuld beteuert, wird Luisa in einem schnellen Prozess zu 10 Jahren Haft verurteilt: Sie soll die Geliebte ihre Mannes getötet haben. Als Luisa entlassen wird, muss sie feststellen, dass ihr Mann mit eben jener Geliebten zusammen lebt. Diesmal tötet Luisa die Rivalin wirklich und ihr wird erneut der Prozess gemacht. Anwalt Marco Manin (Terence Hill) kämpft in einem spektakulären Prozess für Gerechtigkeit, gegen die Willkür des Gerichts und für die Freiheit seiner Mandantin.

Fazit:
Spannender, nervenaufreibender Krimi, der einen von der ersten bis zur letzten Minute fesselt.
Man ist hin und hergerissen, zwischen seinem Gerechtigkeitssinn und seinem Gewissen und erwartet gespannt wie das ausgehen mag.
Selten fand ich eine Gerichtsverhandlung spannender als hier.
Hill hier mal als ernsthafter Darsteller macht eine wirklich gute Figur und Paola Pitagora als Luisa, fand ich ungewöhnlich hübsch.
Alles in allem ein wirklich sehenswerter Streifen, den man kennen sollte!

8/10
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Re: Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Beitragvon Blap » 22. Jun 2012, 14:12

Gefällt mir auch sehr gut. Ich habe den Streifen vor vielen, vielen Jahren zufällig in der Glotze gesehen, zu meinem Unglück allerdings den Titel vergessen. Nun denn, die Koch-DVD kam ins Haus und es war tatsächlich der gesuchte Streifen, sehr angenehm. Italokino mit Blick in Richtung französisches Deprikino, beide Daumen hoch!
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Re: Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Beitragvon horror1966 » 23. Aug 2013, 17:08

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Allein gegen das Gesetz
(Il Vero e il falso)
mit Terence Hill, Martin Balsam, Paola Pitagora, Adalberto Maria Merli, Shirley Corrigan, Maria Teresa Albani, Rita Calderoni, Calisto Calisti, Ettore Geri, Piero Gerlini, Luigi Montini, Alessandro Sperli, Pietro Tordi
Regie: Eriprando Visconti
Drehbuch: Lorenzo Gicca Palli / Luigi Malerba / Eriprando Visconti
Kamera: Marcello Gatti
Musik: Giorgio Gaslini
FSK 12
Italien / 1971

Luisa Santini wird beschuldigt, die Geliebte ihres Mannes ermordet zu haben, und im Schnellverfahren zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nach ihrer Entlassung muss sie feststellen, dass sie Opfer eines Komplotts war und ihr Mann mittlerweile mit der angeblich toten Frau zusammenlebt. Kurzerhand ermordet sie die Frau. Sie kommt erneut vor Gericht, wo ihr Anwalt Manin dafür kämpft, dass sie nicht noch einmal ins Gefängnis muss.


Über vier Jahrzehnte hat dieser brillante Justiz-Thriller von Eriprando Visconti nun schon auf dem Buckel, doch bei jeder neuen Sichtung versteht es das Werk, den Zuschauer aufs Neue in seinen Bann zu ziehen. Die erzählte Geschichte zählt sicherlich zu den am spannendsten mit dieser Thematik und präsentiert sich dabei als ein Szenario, das den Betrachter in einen innerlichen Zwiespalt versetzt. Man wird dabei durchgehend an seine persönlichen Grenzen zwischen Gesetz und Moral geführt, wobei insbesondere der menschliche Aspekt des Geschehens einem äußerst schwer zu schaffen macht. Im MIttelpunkt des Ganzen steht die junge-und hübsche Luisa Santini, die durch einen fatalen Justizirrtum unschuldig eine mehrjährige Haftstrafe absitzen muss. Das Tragische an den Ereignissen ist dabei gar nicht einmal der Irrtum an sich, sondern vielmehr die Art und Weise, wie dieser zustande kommt. Schlampige Ermittlungen und ein in erster Linie bornierter Staatsanwalt sind in der Hauptsache Schuld daran, das die junge Frau sieben Jahre ihres Lebens verliert. Martin Balsam liefert dabei in der Rolle des Anklägers eine glänzende Performance ab und mimt den eitlen und arroganten Ankläger absolut hervorragend. Nur an seiner eigenen Karriere interessiert scheut er nicht davor zurück, sämtliche Widersprüche während des Prozesses zu ignorieren.

Selbst im zweiten Verfahren, in dem Luisa dann wegen des wirklich begangenen Mordes vor Gericht steht, steht immer noch die Überzeugung im Raum, das im ersten Prozess keine Fehler gemacht wurden, was jedoch von Rechtsanwalt Manin (Terence Hill) glaubwürdig wiederlegt werden kann. Eriprando Visconti ist es hier geradezu perfekt gelungen, ein fehlerhaftes Rechts-System an den Pranger zu stellen und dabei die offensichtliche Willkür der Staatsorgane mehr als nur energisch zu kritisieren. Dadurch baut sich auch beim Zuschauer teils unbändige Wut auf, denn die teils hanebüchene Ermittlungsarbeit der Behörden lässt einem die Haare zu Berge stehen. Wenn man sieht, wie hier aus persönlichem Ehrgeiz mit dem Leben einer jungen Frau gespielt wird, kann man das Gesehene phasenweise nur recht schwer verarbeiten, da es einem extrem schwer im Magen liegt und einen äußerst schalen Nachgeschmack hinterlässt. Ganz nebenbei ist das gesamte Szenario ungeheuer spannend in Szene gesetzt worden, bis zur letzten Einstellung fiebert man dem Ergebnis des zweiten Prozesses entgegen und wird dann auch noch mit einem sehr tragischen Ende konfrontiert, das man zwar irgendwie erahnen konnte, das einen aber dennoch mit der Wucht eines Keulenschlags mitten in die Eingeweide trifft.

Mit diesem Schlusspunkt aus diesem Film entlassen zu werden stimmt einen äußerst nachdenklich und so ist es nicht sonderlich verwunderlich, das die Ereignisse einen selbst noch eine ganze Zeit beschäftigen, bis man das Ganze dann letztendlich wirklich verdaut hat. "Allein gegen das Gesetz" ist dabei ein Titel, der den Kern der Geschichte nahezu perfekt in den Vordergrund rückt, steht die gute Luisa doch so ziemlich allein gegen den gesamten Justiz-Apparat, der sich scheinbar gegen sie verschworen hat. Hinzu kommt auch noch erschwerend der Aspekt, das sich im Laufe der Geschehnisse ein wahrhaft perfides Komplott eröffnet, auf das ich aus Gründen der Spannung nicht weiter eingehen möchte. Auf jeden Fall aber zeigt sich ganz eindeutig, das bei genauerer Betrachtung sämtlicher Fakten und genauerer Untersuchungen schon im ersten Prozess ein Justizirrtum hätte vermieden werden können, was letztendlich nur an der Blasiertheit des Staatsanwaltes gescheitert ist, der die Karriere-Leiter einfach schneller erklimmen wollte. Ganz generell ist es die agierende Darsteller-Riege, die hier zu dem unglaublich guten Gesamteindruck beiträgt, den dieser Film hinterlässt. Sind schon die Hauptrollen absolut grandios besetzt, so bekommt man auch in den kleinsten Nebenrollen herausragendes Schauspiel zu sehen.

Letztendlich handelt es sich bei "Allein gegen das Gesetz" meiner persönlichen Meinung nach um einen der besten Justiz-Thriller überhaupt. Selten ist eine filmische Produktion so schonungslos mit einem Rechtssystem umgegangen und hat dieses auf eine so eindringlich Weise an den Pranger gestellt, wie es in vorliegendem Werk der Fall ist. Vermeidbare Fehler, offensichtliche Blindheit gegenüber von Tatsachen und die persönliche Eitelkeit eines Staatsanwaltes sind hier die Zutaten für einen hervorstechenden Gerichts-Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. Und auch wenn man diese italienische Produktion schon unzählige Male gesehen hat zieht sie einen immer wieder in ihren unglaublichen Bann, da man die geschilderten Ereignisse kaum für möglich halten möchte, aber dennoch eines Besseren belehrt wird. Der eigene Zwiespalt zwischen Gesetz und Moral führt einen dabei an die eigenen Grenzen, wobei man im Prinzip durchgehend auf der Seite der Angeklagten steht, da man ihre Beweggründe vom menschlichen Standpunkt aus bestens nachvollziehen kann.


Fazit:


Auch nach mittlerweile über vier Jahrzehnten entfacht "Allein gegen das Gesetz" immer wieder seinen ganz eigenen reiz und führt einem eindrucksvoll vor Augen, wie schnell man unschuldig verurteilt werden kann. Gleichzeitig wirft der Film dabei etliche moralische Fragen auf, die auch nach mehrmaliger Sichtung nie eindeutig beantwortet werden können. Im Endeffekt bleibt es einem jeden selbst überlassen, das Gesehene auf sich wirken zu lassen und dementsprechend zu bewerten, doch der eigentliche Angeklagte hätte in vorliegendem Fall definitiv der italienische Justiz-Apparat sein müssen.


9/10
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Re: Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Beitragvon ugo-piazza » 30. Aug 2014, 19:07

Das Backcover der Koch-DVD spricht von einem "Mafiathriller" und führt damit den Zuschauer in die Irre, denn es geht in dem Film gewiss um geplante Verbrechen, keinesfalls jedoch um organisiertes Verbrechen.

Vielmehr handelt es sich um einen Gerichtsfilm, der seinerseits das italienische Justizsystem anklagt. Ein Großteil des Films besteht aus den beiden Prozessen gegen Luisa Santini, wobei gerne auch eine entsprechende Szene zur gerade getätigten Aussage reingeschnitten wird. Nur angedeutet wird, dass zwischen dem Verteidiger Manin und seine Mandantin Santini sich mehr als nur eine anwaltliche Beziehung entwickeln könnte.

Wer statt Haudrauf-Action zur Abwechslung auch mal ein ruhigeres Justizdrama goutieren kann, liegt hier richtig. Die drei Hauptdarsteller, Terence Hill als engagierter Verteidiger, Martin Balsam als arroganter Staatsanwalt, der für das Fehlurteil im ersten Verfahren verantwortlich ist und auch im zweiten Verfahren versucht, ein echtes Wiederaufrollen zu vermeiden, und Paola Pitagora in der Rolle des Justizopfers Luisa Santini, die sieben Jahre unschuldig inhaftiert war, zeigen gute Leistungen, und es ist schade, dass Terence Hill danach praktisch nur noch Terence Hill spielte.

Sehr bedauerlich ist ebenfalls, dass der Film vorher in Deutschland nur gekürzt zu sehen war, mehrere Dialogszenen wurden entfernt, z.B. ein Disput und dem Staatsanwalt und andere justizkritische Dialoge. Diese Szenen sind nun untertitelt.

Eine interessante Featurette zum Film und zu Regisseur Eriprando Visconti ist auf der DVD noch enthalten.


Noch interessanter finde ich freilich, dass Signor Santini an der Tankstelle seelenruhig eine Zigarette raucht! :o :shock:
(aber wir kennen ja unseren Santini, ständig und überall am rauchen :D )
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Allein gegen das Gesetz - Eriprando Visconti

Beitragvon Theoretiker » 30. Aug 2014, 19:28

Den habe ich auch vor Urzeiten im TV gesehen. Ein wirklich sehr bedrückender, schon fast deprimierender Gerichtsfilm, toll gespielt und sehr spannend.

7,5/10
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