Total versext - Frits Fronz (1967)

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Total versext - Frits Fronz (1967)

Beitragvon jogiwan » 3. Nov 2012, 17:38

Total versext

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Originaltitel: Männer in den besten Jahren erzählen Sexgeschichten

Herstellungsland: Österreich / 1967

Regie: Frits Fronz

Darsteller: Felix Czerny, Gaby Fuchs, Fred Heinz, Elfie Konig, Peter Nord

Story:

Vier Männer in den besten Jahren beschließen, einen Campingurlaub zu unternehmen, um ihrem eingefahrenen Alltag zu entfliehen und mal wieder etwas zu erleben. Zufällig erscheint in unmittelbarer Nähe der campierenden Männer eine junge Lehrerin, die mit sechs Teenagern einen Badeausflug unternimmt. Die sechs Mädchen wähnen sich unbeobachtet und tollen in jugendlicher Unbekümmertheit. Aber selbstverständlich werden sie von den reifen Männern beobachtet, und es entsteht eine typische Männerrunde mit “Thema Nr. 1″. Jeder der Männer gibt nun ein “Erlebnis” zum besten - aber natürlich aus ganz eigener Sicht… (quelle: dvd-cover)
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Re: Total versext - Frits Fronz (1967)

Beitragvon jogiwan » 3. Nov 2012, 17:41

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Die vier langjährigen Freunde Karl, Martin, Georg und Max beschließen gemeinsam mit dem etwas naiven Kurt einen Camping-Urlaub zu machen und verlassen zu diesem Zwecke Wien, um in der unberührten Natur ihre Zelte aufzubauen und fernab ihrer Frauen dem Laster des Kartenspiels zu frönen. Während die Männer in ihre Karten vertieft sind, schlägt jedoch nicht unweit der Männer auch eine Gruppe junger Mädchen und deren Aufsichtsperson ein Lager auf, um in der Sonne und dem nahen Fluss zu baden.

Während die jungen Mädchen die reifen Männer nicht bemerken, scherzen diese über die Unbeschwertheit der heranwachsenden Frauen und nehmen diese zum Anlass um sich gegenseitig Geschichten über sexuelle Abenteuer zum Besten zu geben. So erzählt der abenteuerlustige Karl von einem spannenden Flirt mit einer exotischen Dame, der jäh unterbrochen wurde, während der biedere Martin von einer humorvollen Begebenheit berichtet, wie er unfreiwillig in die Rolle des Voyeurs gedrängt wurde.

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Natürlich stehen auch die anderen Männer um nichts nach und erzählen munter aus den Nähkästchen ihrer zahlreichen Erfahrungen, die in Punkto Unterhaltungswert den anderen auch um nichts nachstehen. So gibt Georg eine Geschichte zum Besten, in der er sich mit einem gemeinsamen Freund als reicher Scheich ausgegeben hat um ein jungen Mädchen lustvoll auf den Arm zu nehmen, während Max von einer heißen Affäre mit einer jungen Ärztin berichtet, bei der er fast von seiner Frau in flagranti erwischt wurde. Und während ein unterhaltsamer Nachmittag zu Ende geht, trumpft auch der schüchterne Kurt noch mit einer grandiosen Geschichte auf…

Wenn Männer in die Midlife-Crisis kommen machen sie ja bekanntlich gerne Dummheiten und suchen u.a. oftmals sexuelle Bestätigung bei jungen Frauen, denen sie gerne ihren sexuelle Erfahrungsschatz und finanzielle Sicherheiten zur Verfügung stellen. Gerade in den Softsex-Filmchen der späten Sechziger und Siebzigerjahre scheinen die Filmemacher ja gerade dieses Spannungsfeld besonders interessiert zu haben und wo sich frühreife Schulmädchen tummelten, waren auch meist die gesetzteren Herren mit Hut und Wirtschaftsnachrichten unter dem Arm nicht weit, die sich dann natürlich bereitwillig verführen ließen.

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Auch der Streifen „Total Versext“ bzw. „Männer in den besten Jahren erzählen Sexgeschichten“, wie der Originaltitel des 1967 entstandenen Werks eigentlich lautet, handelt von einer illustren Männerrunde, die sich gegenseitig ihre erotischen Erlebnisse erzählen. Vom Flirt in Wiener Würstelprater, bis hin zum ersten Besuch in einer einschlägigen Bar bietet der augenzwinkernde Streifen humorvolle Begebenheiten der frivolen Sorte, bei denen jedoch auch die Moral nicht zu kurz kommt und der sexuelle Akt aufgrund widriger Umstände ohnehin nie wirklich vollzogen wird. Alles in allem also verfilmte Herren-Witze und anzügliche Sketche, die hier mit Ausdrücken wie „Powidltatschgerl“, „Eiernockerln“ oder „Kiebitz“ auch sehr österreichisch daherkommt.

Trotz des etwas plakativen Titels bleibt der in Schwarz-weiß-gedrehte Streifen natürlich auch ganz brav und ist wohl so etwas wie die lose Fortsetzung des episodenhaften „Sexkarussel Via Erotica“ aus dem selben Jahr in dem Fritz Fronz dem Zuschauer ebenfalls eine Vielzahl erotischer Geschichten präsentiert, die mit einer Rahmenhandlung über einen faulen Kolumnisten zusammengehalten werden. In diesem Fall ist es eine Männerrunde beim Kartenspiel, die fünf etwas längere Episoden aus ihrem Leben präsentieren, die ebenfalls recht naiv, bieder und dennoch unterhaltsam daherkommen und der Zuschauer einen etwas seltsamen Chanson mit einem musikalischen Dialog zwischen Männlein und Weiblein gleich mehrfach um die Ohren geföhnt bekommt.

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Eigentlich unverzeihlich, dass der österreichische Filmemacher Frits Fronz bislang auf meiner persönlichen Landkarte des österreichischen Films überhaupt nicht präsent war. Nach Sichtung von vier seiner fünf Filme aus der Schaffensperiode 1967 - 1971 ist es jedenfalls nicht ganz nachvollziehbar, dass man von dem werten Herrn bislang selbst in Österreich so gut wie überhaupt nichts gehört hat und erst das Doppelpack aus dem Hause CMV-Laservision im Rahmen der Trash-Collection dafür sorgen muss, dass die Werke des österreichischen Multitalents überhaupt erst das Licht der etwas breiteren Masse erblickt.

Auch wenn erotische Werke aus der Entstehungsperiode normalerweise nicht ganz meine Baustelle sind und die Filme bei allem Patriotismus sicherlich auch nicht zu den absoluten „Must-See‘s“ zählen, so ist es doch interessant, welche Filme wohl noch immer in irgendwelchen Archiven schlummern, von denen kaum ein Mensch gehört hat und welche Genre-Perlen dank ambitionierter Labels noch immer gehoben werden können. Fritz Fronz braucht meines Erachtens den Vergleich mit anderen Filmemachern wie Ernst Hofbauer und Walter Boos jedenfalls nicht zu scheuen, auch wenn sich in seinen Filme keine bekannten Gesichter der deutschen Fernsehlandschaft tummeln und das Ganze im Vergleich späterer Werke auch sehr züchtig daherkommt.

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Allen bösen Stimmen zum Trotz machen die vier Filme ja durchaus Laune und einzig und allein der etwas seltsame „Perfekt in allen Stellungen“ fällt qualitativ im Vergleich zu den anderen Streifen etwas ab. Man könnte zwar sicherlich diskutieren, ob die humorvollen Werke von Frits Fronz in der Trash-Collection am besten aufgehoben sind, aber ich bin im Grunde dankbar, dass dieses bislang unentdeckte Kapitel der österreichischen Filmgeschichte nun verfügbar ist und einen amüsanten Einblick in eine Gesellschaft bietet, die noch an Beginn einer sexuellen Reise stand, in der mitterlweile vieles gesellschaftstauglich und akzeptiert ist, was vor über 40 Jahren noch als pervers verschrien war.

„Total versext“, der vierte und letzte Streifen der „Fritz Fronz Collection“ bietet dann abermals eine mehr als passable Bild- und Tonqualität und es würde mich ehrlich interessieren, aus welcher mysteriösen Quelle diese drei bislang unveröffentlichten Filme aufgetrieben wurden. Die Hülle ist wie bereits beim Vorgänger sehr bunt und geschmackvoll ausgefallen und trägt die Nummer 96 in der Reihe der beliebten Trash-Collection. Als Bonus gibt es eine Bildergalerie zum Film und den bereits erwähnte Bonus, der auch schon auf der Vorgängerscheibe zu finden war.

Unterm Strich bleibt ein unterhaltsamer Film aus einer Zeit, in der sich Publikum, Medien und Filmemacher gleichermaßen für ein bestimmtes Thema interessierte und noch eher zaghaft versucht wurde, nackte Körper auf die große Leinwand zu bringen. Dabei ist neben Aufklärung Humor immer noch die beste Möglichkeit und darum kommt der Streifen aus dem Jahre 1967 auch recht augenzwinkernd und nicht ganz ernstgemeint daher. „Total versext“ bietet züchtige Episoden über fremdgehende Männer mit dem Schalk im Nacken, die komplett aus einer männlichen Perspektive erzählt werden und die man dann auch nicht näher hinterfragen sollte. Allerdings ist der Streifen dabei auch recht unterhaltsam und somit auch der würdiger Abschluss einer vierteiligen Filmreihe mit den Werken eines österreichischen Filmemachers mit dem seltsamen Namen, dessen Bekanntheitsgrad es in unseren Breiten noch eindeutig zu steigern gilt.

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