Kommissar X - Drei gelbe Katzen - Rudolf Zehetgruber

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Kommissar X - Drei gelbe Katzen - Rudolf Zehetgruber

Beitragvon DrDjangoMD » 7. Aug 2012, 14:05

Bild

Originaltitel: Kommissar X - Drei gelbe Katzen

Land: Frankreich, Italien, Österreich

Jahr: 1966

Regie: Rudolf Zehetgruber

Darsteller: Tony Kendall, Brad Harris, Ann Smyrner, Michèle Mahaut, Dan Vadis, Siegfried Rauch, Rudolf Zehetgruber,...
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Re: Kommissar X - Drei gelbe Katzen - Rudolf Zehetgruber

Beitragvon DrDjangoMD » 7. Aug 2012, 14:14

Handlung:
Auf einer tropischen Insel bringen die Angehörigen der Untergrundorganisation „Gelbe Katzen“, beim Versuch Babs Lincoln (Ann Smyrner) zu entführen, ein Mitglied der amerikanischen Botschaft durch Karate um. Während Privatdetektiv Jo Walker, genannt Kommissar X, (Tony Kendall) beauftragt wird Babs zu beschützen, untersucht sein Freund Captain Rowland (Brad Harris) den Mordfall…

Kritik:
Der österreichische Regisseur Rudolf Zehetgruber schaffte es, die Stärken des ersten Kommissar-X-Filmes beizubehalten und gleichzeitig seine Schwächen nach Möglichkeit auszulassen. Das ulkige Gespann Kendall/Harris glänzt wie im Vorgängerfilm, Zehetgruber reduzierte jedoch die Quantität ihrer Gegenspieler um deren Qualität zu erhöhen. Anstatt eines irrsinnigen Goldfinger-Verschnittes mit Heerscharen von namenlosen Gehilfen und Gefährtinnen im Buckingham-Palast-Wachen-Modus, haben wir einen durchgeknallten Wissenschaftler an dessen Seite sich ein skrupelloser Karate-Meister und ein mit Sprengstoff ausgestatteter Gangster befinden, zwei wesentlich vergnüglichere Figuren als die blassen Bösewichter des ersten Teiles. Ersterer wird von Sandalenfilmhelden Dan Vadis verkörpert und als letzteren sehen wir Siegfried Rauch, welchen ältere Damen sofort als Kapitän Paulsen aus „Das Traumschiff“ erkennen (eine Information, die ich ausschließlich dem Internet entnahm, ich habe weder jemals eine Folge von „Das Traumschiff“ gesehen noch habe ich Ambitionen dies jemals zu tun).
In Sachen Action ist der Film vielleicht kein Überflieger, braucht sich aber auch nicht zu schämen. Wir bekommen eine nette Szene in welcher Brad Harris Dan Vadis über ein Hoteldach verfolgt, gegen Ende einen äußerst spannenden Karate-Kampf zwischen den beiden, der besonders dadurch überzeugt, dass beide Darsteller ihre Stunts selbst durchführen, und zwischendurch explodiert immer wieder mal irgendwas. Ein Aspekt fehlt nur leider bei sämtlichen Actionszenen und das ist der Titelcharakter. Kommissar X macht in diesem Film nicht sonderlich viel. Tony Kendalls Stund-Double durfte sich wieder mal ausruhen und die besten Szenen wurden Brad Harris überlassen. Allerdings bleibt der Privatdetektiv durch Kendalls charmante Performance eine liebenswerte Figur und sorgt vor allem an Harris’ Seite für einige ulkige Momente. Plus seine fähigen Freunde überließen es ihm den Oberschurken zur strecke zu bringen, das war nett von ihnen.
Ich versteh nur nicht so ganz, warum man ihn nun eigentlich „Kommissar X“ nennt. Ich meine seine Identität ist alles andere als geheim, jeder Mensch auf der Welt weiß, dass der Typ Jo Walker heißt, man kennt sein Aussehen seine Gewohnheiten, einfach alles, warum also das Alias? So cool, dass er jetzt unbedingt einen Künstlernamen braucht ist er auch nicht…hm, schätze die Produzenten fanden einfach „Kommissar X“ ist ein besserer Titel als „Jo Walker – Johnnies nüchterner Bruder“.
Zehetgrubers Beitrag zur Reihe räumt auch mit dem mittelalterlichen Frauenbild auf, welches Parolinis Film vertrat. Dies verdanken wir Ann Smyrner als Babs Lincoln und Michèle Mahaut als Michèle. Letztere wird zwar auch ab und an von den Bösewichtern gefangen genommen, sie kann sich aber immer selbst befreien und rettet Kendall, Harris und ein paar anderen Dudes sogar einmal das Leben.
Gegen Ann Smyrner kann sie aber nicht ankommen. Die gebürtige Dänin leistet eine hervorragende Performance: Wir merken schnell, dass sie Jo Walker, der als ihr Beschützer augagiert wurde in keinster Weise benötigt. Die Gangster versuchen sie zwar alle paar Minuten mal unter ihre Gewalt zu bringen aber das lässt Smyrner nicht zu. Kaum legt einer der Antagonisten Hand an sie befreit sie sich überzeugend aus dessen Griff. Außerdem ist sie die einzige Frau im Universum die (halbwegs) immun gegen Kendalls Charme zu sein scheint. Sicher, irgendwann verliebt auch sie sich in ihn, aber es bedarf wenigstens mehr als den Kerl aus der Distanz zu sehen um ihm zu verfallen und bedenkt man wie seine Anziehungskraft im Vorgängerfilm porträtiert wurde, ist das ziemlich erfrischend. Bevor sie sich entschließt Kommissar X einen Kuss zu offerieren muss er auch einmal erst eine ihrer Ohrfeigen über sich ergehen lassen. Als Schauspielerin scheint Ann Smyrner auch ziemlich viel Courage zu besitzen, bedenkt man die wilden Tiere mit denen sie interagieren muss: Gleich in der Anfangssequenz gibt sie einem Elephanten eine gelbe Flüssigkeit zu trinken (keine Ahnung ob es Bier, Limonade oder Urin ist – so oder so ist es nicht das Beste für das arme Tier) und später im Film knuddelt sie sogar mit einer supersüßen Babyraubkatze. :thup:
Den Regisseur selbst, der offenbar verbissen versuchte einen Daktari-Film daraus zu machen, sehen wir auch in einer kleinen feinen Nebenrolle als Großwildjäger mit Privatzoo und niedlichem Mini-Bär.
Im Gegensatz zu „Jagd auf Unbekannt“ kann man den Film also auch gut jenseits von trashigem Vergnügen genießen, ein paar unterhaltsame Albernheiten finden sich aber trotzdem. Neben dem Abgang von Dan Vadis ist da vor allem der unkonventionelle Umgang mit Karate zu nennen. Für Zehetgruber scheint der Kampfsport irgendwie eine unschlagbare Superwaffe zu sein: Als Dan Vadis jemanden mit seinen bloßen Fäusten tötet diagnostiziert die Polizei „Tod durch Karate“ und auf einer Karate-Konferenz oder so behauptet der Sprecher ernsthaft, dass Karate den Menschen helfen kann, aber nie in die falschen Hände geraten darf!? :palm: Was zum Teufel? Das ist ein Kampfsport und keine Atombombe! Karate ist nicht das mächtigste Ding überhaupt jemals aller Zeiten. Wenn dein Gegner ein Maschinengewehr hat und ein paar Meter weg steht bist du tot, egal wie gut du Karate kannst.
Fazit: Kein Meisterwerk, aber der Film bietet auf jeden Fall solide Unterhaltung. 7/10
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Re: Kommissar X - Drei gelbe Katzen - Rudolf Zehetgruber

Beitragvon Arkadin » 13. Mai 2013, 09:29

Die Bande der “Gelben Katzen” versucht Jefferson Lincoln um 1 Million Dollar zu erpressen. Ein Entführungsversuch seiner Tochter Babs Lincoln auf Ceylon schlägt zwar fehl, doch dabei wird Mr. Rogers, ein Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft, getötet. Daraufhin werden Jo Walker, alias Kommissar X, und Captain Tom Rowland von Jefferson Lincolns Neffen Philip Dawson zu Hilfe gerufen.

Nachdem Anolis das vierte und fünfte Abenteuer unseres Lieblings-Duos Kommissar X/Captain Rowland vorgezogen hatte, werden nun die noch fehlenden Folgen 2, 3 und 6 nachgereicht. Auf Teil 7 “Kommissar X jagt die roten Tiger” wird man wohl noch länger verzichten müssen; dieser war vor einiger Zeit von einem anderen Verleih angekündigt. Nachdem für den Auftakt der Serie der Italiener Gianfranco Parolini(unter seinem Pseudonym Frank Kramer) gewonnen werden konnte, schwingt beim zweiten Teil der Wiener Rudolf Zehetgruber das Zepter. Zehetgruber hatte zuvor bei einigen Edgar-Wallace-Derivaten Regie geführt und sollte in den 70er Jahre durch die von ihm initiierte “Dudu“-Reihe – bei der er neben Regie, Drehbuch und Produktion auch noch unter dem Pseudonym Robert Mark die Hauptrolle übernahm – bekannt werden.

Auch beim “Kommissar X”-Sequel “Drei gelbe Katzen” nahm Zehetgruber nicht nur auf dem Regiestuhl Platz, sondern steuerte auch das Drehbuch bei und übernahm eine kleine Rolle. Allerdings kann mich Zehetgruber, wie schon beim vierten Teil “Drei grüne Hunde“, nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Zwar ist die kleine Rolle, die er sich ins Drehbuch schrieb, nicht so penetrant wie in den “Grünen Hunden”, wo er ja fast schon das Duo Walker/Rowland zu einem Trio erweitert. Trotzdem wirkt die Rolle des Bartett merkwürdig zwiespältig. Zu bedeutungslos, um einerseits eine wichtige Rolle im Film zu übernehmen, wird sie von Zehetgruber doch merklich in den Vordergrund geschoben und darf dann beim alberneren Finale noch eingreifen und Held des Tages werden. Überhaupt hält sich Zehetgruber nicht unbedingt zurück, wenn es darum geht, einige kindische Albernheiten einzustreuen. Sei es die Rolle des von Dan Vadis gespielten “King”, einem Karate-Champion, der sich vor jedem Kampf erst einmal mit viel Brimborium ein schwarzes Stirnband um den kahlen Schädel legen muss, als ob ihm dies Superkräfte verleihen würde. Auch das Finale, in dem der von Zehetgruber gespielte Barrett mit einer Armee Elefanten ins Geschehen eingreift, scheint aus einem anderen Film zu stammen. Ein weiterer Minuspunkt ist die slapstickartige Figur des Assistenten von Inspektors DaSilva, dessen Rumgeblödel nicht wirklich witzig ist.

Zudem hat der Film massive Probleme mit dem Timing, während einige Szenen bis zur Unendlichkeit ausgewälzt werden, sind andere so hektisch geschnitten, dass die Hälfte der Action plötzlich fehlt. Was allerdings zumindest in der Szene, in der Kommissar X und Michèle aus einem Labor ausbrechen noch mit der merkwürdigen Schnittpolitik des deutschen Verleihs erklärt werden kann. Hier wird noch gezeigt, wie die beiden versuchen, sich gegenseitig aus ihren Fesseln zu befreien, dann kommt der Schnitt und in der nächsten Szene sind sie schon aus dem Labor geflohen, welches hinter ihnen explodiert. Hier schafft die rekonstruierte österreichische Fassung Abhilfe, denn dort geht die Szene sehr viel länger und zeigt, wie Joe Walker und Michèle noch andere Gefangene befreien und diese dann mit zombiehaften Bewegungen auf ihren Wächter zustolpern, um Rache zu nehmen. Eine der beeindruckensten Szenen der ganzen Reihe und daher besonders schade, dass sie damals geschnitten wurde.

Demgegenüber wird dann stundenlang gezeigt, wie Captain Rowland dem Handlanger King über das Dach des Hotels folgt. Generell wird auch überraschend viel Zeit für belanglose Dialoge aufgewendet. Eine Flirtszene am Strand zwischen Jo Walker und der schönen Ann Smyrner. Ist zwar charmant und nett anzuschauend umgesetzt worden, zieht sich aber ziemlich in die Länge. Ein weiteres Problem sind auch die sehr schwachen Schurken. Das Trio Siegfried Rauch, Dan Vadis und H.D. Kulatunga bleibt sehr blass. Der Oberschurke tritt erst zum Ende des Filmes auf und wirkt auch nicht wirklich bedrohlich.

Aber es gibt auch erfreuliches zu vermelden. Tony Kendall und Brad Harris harmonisieren hier bereits ähnlich gut zusammen, wie Laurel und Hardy. Die beiden sprühen vor Spielfreude, wobei Harris deutlich anzumerken ist, dass ihm insbesondere die Choreographie seiner Kampf- und Actionszenen viel Spaß bereitet. Ann Smyrner sorgt insbesondere im Bikini für eine sehr gute Figur, so dass es etwas schade ist, dass aus ihrer Figur nicht wirklich etwas gemacht wird. Noch mehr gilt dies für die ausgesprochen hübsche Michèle Mahaut, von der man sich sehr viel mehr Zeit auf der Leinwand gewünscht hätte. Und zu guter Letzt wurde mit Ceylon ein sehr pittoresker Hintergrund gefunden, der Urlaubsgefühle entfacht. Und überhaupt ist die exzellente Fotografie (Kamera: Klaus von Rautenfeld) hervorzuheben. Mit den kräftigen Farben und dem gelungenen Einsatz von Cinemascope (hier UltraScope genannt) ist „Drei gelbe Katzen“ der visuell schönste Film der Kommissar X“-Serie.

Eher schwacher Eintrag in die “Kommissar X”-Reihe, der unter einem schlechten Timing, zu viel Albernheiten und vor allem Leerlauf leidet. Immerhin haben sich mit Tony Kendall und Brad Harris Freunde fürs Leben gefunden, die hervorragend harmonieren, und der ausgesprochen schön fotografierte Film bietet genügend oberflächliche Schauwerte, um sich über die Zeit zu retten. Wobei die als Extra mitgelieferte österreichische Fassung gegenüber der „normalen“ deutschen um einiges besser abschneidet.

Die Anolis-DVD wartet mit schwankender Bildqualität auf. Während einige Szenen glasklar sind, wirken andere alt und körnig. Dies kann aber dem Ausgangsmaterial geschuldet sein. Ausstattungsmäßig schlägt die DVD ungeheuer zu. So konnte Brad Harris für einen Audiokommentar verpflichtet werden, welchen er zusammen mit Jörg Jedner eingesprochen hat. Dieser Audiokommentar ist deutsch untertitelt. Jörg Jedner ist auch wieder für das 12-seitige Booklet verantwortlich. Neben der deutschen Fassung ist, wie bereits erwähnt, noch eine österreichische Fassung (96:08 Minuten) mit auf der Scheibe, welche knapp 4 Minuten länger dauert. Insgesamt wurden vier Szenen eingefügt, wobei bei vier Szenen kein Ton vorlag und dieser aufwändig rekonstruiert wurde, indem Dialogfetzen aus anderen Szenen verwendet wurden. Bei der fünften Szene lag nur Ton, kein Bild vor. Dies wird mit einem Standbild überbrückt. Ein Trailer, Werberatschläge und eine Bildergalerie runden die vollauf gelungene Ausstattung ab.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2013/02/ ... be-katzen/
Früher war mehr Lametta
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