KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Moderator: jogiwan

KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Beitragvon Nello Pazzafini » 28. Mai 2010, 00:50

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Kassbach - ein Portrait (Ö 1979)

Regie Peter Patzak
Drehbuch Peter Patzak & Helmut Zenker
Darsteller: Walter Kohut, Franz Buchrieser, Hanno Pöschl, Walter Davy, Heinz Petters, Immy Schell, Maria Engelstorfer

Peter Patzak, der uns schon einmal mit den ersten Kottan-Filmen einen tiefen wenn auch nicht humorlosen Einblick in die unschöne Seele des Österreichers geschenkt hat, gräbt in seinem 1979 erschienen Film "Kassbach" in den dunklen Abgründen des kleinbürgerlichen Rechtsextremismus. Und wie bei Kottan hat diesmal auch Helmut Zenker die Vorlage geschrieben und mit Patzak zusammen das Drehbuch verfasst.

"Kassbach" schildert die Geschichte eines vergrämten vom Leben unbefriedigt gelassen Gemüsehändlers. Seinem resultierendem Hass lässt er in einer rechtsextremen Organisation Namens "Initiative" Luft. Mit seinen Freunden findet er sich regelmäßig, bei den in einem Wirtshaus abgehaltenen Treffen, ein. Kassbach, ausgezeichnet von Walter Kohut verkörpert, und seine Freunde (u.a. Franz Buchrieser, Hanno Pöschl) fühlen sich von den Reden des Organisationsleiters (Walter Davy), die zum Kampf gegen Ausländer und Linke aufrufen, bestätigt. Nach und nach greifen sie selbst zur Tat, in dem sie Anfangs noch recht harmlos, Fensterscheiben einschlagen oder Graffitis auf Häuserwände sprühen. Seiner Gesinnung entgegen steht sein Sohn, nicht nur in politischer Hinsicht sondern auch dahingehend, dass er sein gespanntes Verhältnis zu seinem Vater sowohl artikulieren kann als auch ihn selbst längst durchschaut hat. Doch sein Sohn zerbricht genauso wie Kassbachs Frau an der totalen Verschlossenheit und seiner latenten Gewalttätigkeit und flüchtet in die Drogensucht. Das große Motiv des Filmes ist neben der Durchleuchtung des rechten Umfeldes die Konfrontation zwischen Vater und Sohn. Kassbach der nur Gewalt als Lösung kennt und akzeptiert zerstört mit seinen Ausbrüchen immer mehr das Verhältnis zu seinem Sohn, der in seinem Aufbegehren gegen den Vater um mehr Zuneigung und Liebe kämpft. Die kleinbürgerliche Welt von Kassbach ist geprägt von einer von Missgunst geprägten Gewalt. Die Suche nach einem Sündenbock erleichtert es für ihn, sich mit seinem für ihn unzufriedenen Leben abzufinden. Wenn es nicht die Bedrohung von aussen ist, dann sind es zu liberale Politiker bzw. Linke oder schlicht der neue ausländische Kegelbahnbesitzer. Als Legitimation dienen wie sonst auch Vorurteile, Unwissen und die daraus resultierendem Ängste. Immer wieder hört man im Film Nachrichten aus dem Radio die eine stetig steigende Verbrechensrate suggerieren. Eine großartige Idee die auf subtile Art die stets schwelende Angst des Kleinbürgertums, unter die Räder zu kommen, aufzeigt.

"Kassbach" macht eines deutlich, die Figuren in ihm, vor allem Kassbach selbst, sind ängstliche und verbitterte Menschen, als Folge dieser Angst kommt es immer wieder zu immer schlimmer werdenden Gewaltausbrüchen. Als Beispiel dafür steht die verklemmte Furcht vor Frauen bzw. die vor der eigenen Sexualität. Im Laufe des Filmes dreht er immer wieder in einem Prostituiertenviertel seine Runden, ist aber lange zu gehemmt um eine der Prostituierten überhaupt erst anzusprechen. Überhaupt wird Sexualität in diesem Film als ein gefühlsarmer frostiger Akt dargestellt. Zu dem minderjährigen Mädchen, dass bei ihm im Gemüseladen als Lehrling arbeitet, hegt er zwar unterschwellig Gefühle, nützt sie aber schließlich nur zur Erfüllung seiner sexuellen Begierden aus. Nicht nur in dieser Hinsicht erinnert der Film an Gaspard Noe's "Menschenfeind". Der Film ist wie der Originaltitel schon sagt ein Portrait, ein Portrait über einen innerlich so verbitterten und unzufriedenen Menschen, dass er zu einem brutalen und gefährlichen Misanthropen verkommen ist. Mit seiner enthüllenden Authentizität die schon einst "Kottan ermittelt - Hartlgasse 16a" zu einem Lehrstück der Wiener Milieustudie machte, gelingt Patzak ein höchst unerfreulicher Blick in eine zutief gestörte Gesellschaft die voll von unterdrückter Aggressivität und kleinkarierter Spießigkeit ist. "Kassbach" ist mit seiner entrüstenden Offenheit dem radikalen Meisterwerk "Hundstage" von Ulrich Seidl sehr ähnlich, und gleich Seidl liegt wohl auch hier die Intention, einen klaren, unromantisierenden Blick hinter z.B. polternde Stammtischreden und vermeintlich intakte Familien bzw. deren Werte zu werfen.

"Kassbach" ist ein unbequemer und starker Film, der aber auch nicht gänzlich frei von Schwächen ist. Oft bleibt die Beziehung zwischen Vater und Sohn in plakativen Klischees hängen, auch können sich Patzak/Zenker nicht einer gewissen Polemik verwehren. Etwa in dem er Kassbach als impotent gegenüber seiner Frau darstellt, oder der etwas zu offensichtlich geratenen symbolbehafteten Tötungen der Meerschweinchen, die die Gewaltbereitschaft noch einmal verdeutlichen sollen. Patzak und Zenker scheinen, möglicherweise aus Bequemlichkeit, zu sehr den gängigen Klischees die man gegenüber der rechten Szene hat zu verfallen. Sie mögen zwar nicht grundsätzlich falsch sein, simplifizieren allerdings den Sachverhalt. Aber bei allen Schwächen, "Kassbach" macht eines, vor allem, durch sein Alter klar, die Themen und Ängste der rechten Gesinnung bleiben immer die gleichen. Auch wenn sie immer anders verpackt, mit neuen Sündenböcken daherkommend und als neue Gefahr bezeichnet werden, meist steckt nur ein ängstlicher, sich vor der Außenwelt verschanzender, Kleingeist dahinter der auf seine Unsicherheit und Überforderung nur mit Gewalt reagieren kann.

Review von Mountie/OFDB

Ich kann nur dazu sagen das ich selten sowas bedrückendes und trostloses gesehen habe wie diese werk. Da ich selbst Österreicher bin und diese Zeit, zwar sehr jung, miterlebt habe, kann ich mich nur zu gut erinnern das Wien auch wirklich so trostlos war wie das hier rüberkommt. Auch die Mentalität der Leute hier war und teilweise ist ziemlich ähnlich ( :oops: :cry: :( ) und im nachhinein betrachtet war wien damals wie im Ostblock....bbbrrrr

Gute Leute sind dabei die man aus diverse Kottan´s oder Exit kennt, auch interessante Locations gibts als Einheimischer zu betrachten, gut das der film in Ö auf DVD erschienen ist und vielleicht ein breiteres Publikum findet, verdient hätte er es allemal!

Allein das Szenario mit der angemieteten leeren Wohnung wo Kassbach sein minderjähriges Lehrlingsmädchen zum Single hören auf dem Kofferplattenspieler einlädt nur um sie ficken zu können ist schlicht schlimm.......
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Re: KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Beitragvon Onkel Joe » 30. Mai 2010, 20:51

Den Film kenne ich gar nicht klingt aber alles ganz gut, muss mal schauen wie ich am besten an die Össi DVD komme :mrgreen: .
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Re: KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Beitragvon ugo-piazza » 30. Mai 2010, 21:13

Klingt in der Tat sehr interessant. Die frühen Kottan-Folgen wie Hartlgasse 16a, Nachttankstelle u.ä. waren ja auch sehr gelungene Milieustudien.

http://www.hoanzl.at/kassbach.html
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Beitragvon Nello Pazzafini » 31. Mai 2010, 12:50

ugo-piazza hat geschrieben:Klingt in der Tat sehr interessant. Die frühen Kottan-Folgen wie Hartlgasse 16a, Nachttankstelle u.ä. waren ja auch sehr gelungene Milieustudien.

http://www.hoanzl.at/kassbach.html


in diese richtung tendiert der kassbach, nur wie ich finde trostloser, bedrückender und auch witzloser und dadurch ernster als die frühen Kottan´s....schauts euch den an!
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Re: KASSBACH - EIN PORTRAIT Peter Patzak 1979

Beitragvon untot » 27. Feb 2011, 01:50

Ich kann Nello nur zustimmen, der Film zieht einen runter!
Kassbach ist ein richtiger Sympathieträger, der seine Frau getrügt und sie auch sonst recht "liebevoll" behandelt, den Sohn macht er klein, der flüchtet sich in die Tablettensucht, er macht Schießübungen mit knuffigen kleinen Meerschweinchen und seine 15 jährige Auszubildente entjungfert er mal eben auf nicht so zarte Weise, also ein wahrhaft herziger Zeitgenosse, dieser Kassbach!
Er geht voll auf in seiner Tätigkeit als rechter Unruhestifter und Schläger als ehemaliger Nazi. :kotz:
Das Geschehen spitzt sich immer mehr zu, bis hin zum wirklich genialen Finale, das offen gelassen wird, find ich irgendwie gut.
Ja dieser Film ist wirklich so trostlos, daß man es fast körperlich spüren kann, trotz einiger kleiner Längen ein rundum gelungener Streifen!

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