Hundstage - Ulrich Seidl

Moderator: jogiwan

Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon Onkel Joe » 27. Jul 2010, 06:57

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Originaltitel:Hundstage
Herstellungsland: Österreich/2001
Regie: Ulrich Seidl
Darsteller:Maria Hofstätter, Alfred Mrva, Erich Finsches, Gerti Lehner, Franziska Weisz und Rene Wanko.
Story:In eíner Einfamilienhaus-Siedlung südlich von Wien brüten zu viele Menschen auf zu engen Raum. In sechs Episoden aus der Gegenwart zeigt das Drama, wie und warum man sich gegenseitig die Hölle heiß macht. Unter anderen dabei ist die Anhalterin Anna (Maria Hofstätter), der Alarmanlagenvertreter Hruby (Alfred Mrva) und andere kuriose Gestalten...
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon Arkadin » 27. Jul 2010, 09:49

G-e-n-i-a-l-e-r Film, der all das zeigt, was man eigentlich gar nicht sehen will. Wie eigentlich immer, wenn Seidl (einer meiner absoluten Lieblingsregisseure) einen Film dreht. SEHR unangenehm und zutiefst verstörend. Das sind Bilder, die man nicht wieder aus dem Kopf bekommt - auch wenn man es gerne so schnell wie möglich möchte. Nach diesem Film eigentlich nur noch zwei Bedürfnisse: Sich kräftig duschen und bloss nicht wissen, was der Nachbar gerade tut.
Ich habe den in relativ kurzer Zeit zweimal hintereinander gesehen. Das aber nur, weil bei der zweiten Vorführung Seidl persönlich (zusammen mit der großartigen Maria Hofstätter) anwesend war und in den Film eingeführt hat. Sonst hätte ich mir da schon gerne mehr zeitlichen Abstand eingeräumt.
Was Seidl wie kein Zweiter kann (ausser Herzog, aber Seidl ist da noch konsequenter) ist die Vermischung von Dokumentation und Fiktion. Viele Szenen aus "Hundstage" wirken wie Dokumentationen und es fällt zum Teil schwer, zu unterscheiden, ob da einer Schauspieler ist oder sich nur selber spielt. Bei Maria Hofstätter war ich z.B. lange der Meinung, hier hätte Seidl tatsächlich eine geistig Behinderte eingesetzt.
Interessant ist, wie Seidl menschliches Elend zeigt. Das geht zum Teil (besonders bei seinen - formal als Dokumenationen bezeichneten - frühen Filmen) weit über die Grenze des Erträglichen. Trotzdem führt Seidl seine Figuren niemals vor und läßt sie zu Lachnummern oder blossen Horrortypen verkommen. Man ist erschreckt, vielleicht sogar angeekelt - aber gleichzeit spürt man die Tragik, Einsamkeit und das zutiefst Menschliche in diesen Charaktere. Schön, dass Seidl diesen Ansatz auch in seine Spielfilme hinübergerettet hat.
Für mich ist er einer der größten Filmemacher überhaupt.
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon jogiwan » 27. Jul 2010, 09:54

Ein unglaublich-ekelhaftes Ding von einem Film und gleichzeitig ein absolutes Meisterwerk!
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon buxtebrawler » 27. Jul 2010, 10:04

Wird geordert.

Welche weiteren Seidl-Filme sind unbedingt empfehlenswert?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon jogiwan » 27. Jul 2010, 10:07

ich würde dir empfehlen, mal "Hundstage" abzuwarten und dann erst weitere Streifen zu ordern. Einfach sind die allesamt nicht. Ansonsten kann ich dir natürich "Import/Export" noch empfehlen.
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon jogiwan » 27. Jul 2010, 10:27

Die Werke von Seidl sind ja allesamt sehr speziell und fordern den Zuschauer auf eine sehr harsche Art und Weise. Seinerzeit bei "Hundstage" im Kino herrschte größtenteils entsetztes Schweigen und einige haben während der Vorstellung auch den Saal verlassen, was man in einem kleinen Arthouse-Kino ja auch nicht jeden Tag erlebt...
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon Onkel Joe » 27. Jul 2010, 10:34

Das sehe ich genauso wie Jogiwan, schau dir erstmal Hundstage an dann kannste entscheiden ob dir das zusagt oder nicht und Hundstage ist wirklich ein MEISTERWERK !!!
:prost:
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon buxtebrawler » 27. Jul 2010, 10:49

Alles klar, so werd' ich's machen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon Arkadin » 27. Jul 2010, 11:02

jogiwan hat geschrieben:ich würde dir empfehlen, mal "Hundstage" abzuwarten und dann erst weitere Streifen zu ordern. Einfach sind die allesamt nicht. Ansonsten kann ich dir natürich "Import/Export" noch empfehlen.


Dem schliesse ich mich an. Wobei, leih dir den am Besten erst mal nur aus. Von Seidl ist gerade eine Box rausgekommen mit "Hundtage", "Models", "Import/Export", "Tierische Liebe", "Der Busenfreund" und "Mit Verlust ist zu rechnen". Für mich etwas ärgerlich, weil ich die ersten drei Filme schon auf DVD habe, sich damit die Anschaffung nicht lohnt und"Busenfreund" und "Mit Verlust.." (bisher) nicht als Einzel-DVD zu bekommen sind.
Wenn du mit "Hundstage" etwas anfangen kannst, dann würde ich auf jeden Fall zur Box raten.
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Re: Hundstage - Ulrich Seidl

Beitragvon Santini » 27. Jul 2010, 11:26

Arkadin hat geschrieben:Was Seidl wie kein Zweiter kann ist die Vermischung von Dokumentation und Fiktion...Trotzdem führt Seidl seine Figuren niemals vor und läßt sie zu Lachnummern oder blossen Horrortypen verkommen. Man ist erschreckt, vielleicht sogar angeekelt - aber gleichzeit spürt man die Tragik, Einsamkeit und das zutiefst Menschliche in diesen Charakteren.


That's it.
Perfekt in Worte gefaßt, Arkadin. ;)


Ich kenne bisher noch "Import Export" und "Tierische Liebe" - die ich beide uneingeschränkt empfehlen kann.
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