Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

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Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon jogiwan » 1. Mai 2012, 17:51

Die totale Therapie

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Originaltitel: Die totale Therapie

Herstellungsland: Österreich / 1996

Regie: Christian Frosch

Darsteller: Blixa Bargeld, Claudia Martini, Ursula Ofner, Sophie Rois, Lars Rudolph

Story:

Neun Personen nehmen an einem Gruppen-Selbsterfahrungsseminar teil. Geleitet wird der zweiwöchige Kurs vom charismatischen Dr. Romero, der die so genannte Shirvia-Methode entwickelt hat und mit deren Hilfe die Menschen zu sich selbst finden sollen. Im entlegenen Theraphiezentrum geraten die Teilnehmer, während sie auf Kissen einprügeln, Bäume umarmen, heulen, streiten und schreien, immer mehr in den Bann ihres Gurus. Da dreht die bis dahin schüchternste Patientin durch und sorgt für ein blutiges Chaos... (quelle: amazon.de)
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Re: Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon Adalmar » 1. Mai 2012, 18:11

"Weiße Lilien" vom Frosch finde ich hervorragend, leider ist "Die totale Therapie" momentan nicht leicht bzw. zum erschwinglichen Preis auf DVD zu bekommen.
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Re: Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon dr. freudstein » 3. Mai 2012, 01:07

Aaaah, aber mit Blixa Bargeld (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN) . Wohl allein von daher ein Kaufgrund :nick:
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Re: Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon jogiwan » 2. Sep 2012, 09:17

Eigentlich herrlich! Ein österreichischer und weitgehend unbekannter Film mit vielen bekannten Gesichtern und einer Geschichte, die hübsch gegen den Strich gebürstet ist. Dass "Die totale Therapie" allgemein nicht gut ankommt, ist ja wenig verwunderlich, da Christian Frosch mit seiner Geschichte über Selbstfindung ein Stück subversives Kino geschaffen hat, dass irgendwo zwischen Haneke und Eckhart Schmidt angesiedelt ist und mit seinen wilden Entwicklungen recht herb auf den Zuschauer losgeht. Anfänglich ist die Therapie ja noch recht witzig, dann gehts Psycho-analytisch ans Eingemachte und das Ende ist mit seinem Gewaltausbruch schlichtweg "over the top". Arthouse meets Exploitation meets subversive Groteske meets deutsch-österreichische Befindlichkeiten. Wäre der Film mit über zwei Stunden nicht etwas zu lange, "Die totale Therapie" wäre wohl der absolute Kracher. Dennoch ein grob unterschätztes und unterhaltsames Stück Biest von einem Film!
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Re: Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon Adalmar » 22. Sep 2012, 20:12

Die totale Therapie (Christian Frosch) Österreich 1996

Eine Gruppentherapie-Einrichtung in einer abgeschiedenen Gegend Österreichs: Hier lehrt Roman Romero (Blixa Bargeld) den Weg zum ureigenen Ich durch das bewusste Durchleben von Traumata und Konflikten. Zusammen mit seinen Kollegen Martha (Claudia Martini) und Siegfried (Joey Zimmerman) verhilft er Paaren und Einzelteilnehmern zu unangenehmen und schwer zu kontrollierenden Erfahrungen auf der Reise zur vermeintlich wahren, inneren Persönlichkeit. Doch es kommt nicht nur der erschwerende Faktor hinzu, dass seine Einrichtung im Zerfall begriffen ist; seine fragwürdigen therapeutischen Methoden gehen zu weit und führen zu Konsequenzen, mit denen er niemals gerechnet hat.

Christian Froschs schwarzhumoriger Psychotherapie-Thriller beginnt als etwas trockenes Drama, das aber durch hervorragende schauspielerische Leistungen überzeugen kann. Die Ausraster und verzweifelten Reaktionen, die durch die Therapie zustande kommen, sind keine nervig-manieriert gespielten Szenen, sondern engagiert und nachempfunden in ihrer psychologischen Bedeutung, von Darstellern, die bereit sind, 100 Prozent zu geben. Bei den sehr gegensätzlichen Figuren ist der Vorwurf, dass hier eher Typen als Charaktere präsentiert werden, bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar, aber ganz so vereinfacht sind die Persönlichkeiten dann doch nicht. Es werden zwar Gegensätze wie offensiv-defensiv, optimistisch-pessimistisch, warmherzig-zynisch, intellektuell-körperbetont und ähnliche Unterteilungen deutlich, aber das heißt nicht, dass diese später nicht wieder durchbrochen werden können. Zudem wirkt sich die Qualität der Darsteller so positiv aus, dass von Klischees letztlich kaum eine Rede sein kann: Walfriede Schmitt, Haymon Maria Buttinger, Heinz Trixner und Eva van Heijningen, um nur einige Namen zu nennen. Auch Blixa Bargeld, dessen Verwendung zunächst nach gewollt unkonventioneller Besetzung klingt, entpuppt sich als sehr gute Wahl, da er den Obertherapeuten glaubwürdig und nicht zu übertrieben Guru-mäßig zu spielen vermag.

Im zweiten Teil des Films, ziemlich genau nach der Hälfte der zweistündigen Spielzeit (während deren der Film zu keinem Zeitpunkt langweilig wird), ufert das Szenario unversehens aus. Romeros Psychospielchen mit einer Patientin, der schweigsamen, überaus sensiblen Gabi (Ursula Ofner) nimmt eine drastische Wendung und von da an wird das Treiben zunehmend gefährlich. Die von den Therapeuten gierig ans Tageslicht geholten Traumata rächen sich nun in Form freigelegter Gewaltbereitschaft. Möglicherweise kann man dies als Kritik Froschs an der Praxis von Therapie-Gruppen auffassen, immer das Innerste nach außen kehren zu wollen; an dem Machtbewusstsein der Therapeuten, die es womöglich genießen, die Kontrolle über verängstigte Patienten auszuüben. Vielleicht ist das auch komplett falsch, aber zumindest macht das exzessive Gebaren der Gruppe zum Ende des Films hin einen derartigen Eindruck. Dort schleicht sich dann auch unverkennbar schwarzer Humor ein. Es geht wirklich alles schief, was nur schiefgehen kann, und es kommt zu diversen blutigen Zwischenfällen, die nicht alle nachvollziehbar wirken.

"Die totale Therapie" ist ebenso wie "Weiße Lilien" von Christian Frosch ein Film, dem manche Kritiker typischerweise vorwerfen, dass er "sich nicht entscheiden kann, was er sein will" (so die typische Ausdrucksweise), mit anderen Worten, dass er sich nicht langweiligen Genre-Abgrenzungen unterordnen will. Aber gerade das macht beide Filme derart reizvoll. Denn die unkonventionelle Denkart, das Spiel mit Genre-Versatzstücken, aber auch mit ganz untypischen Einfällen, sorgt für Überraschungen. Nur einen ziemlich widerlichen Einfall hätte sich Frosch sparen können, wenn nämlich zu Beginn des Films eine Katze gleich zweimal überfahren wird, was zu nichts mehr gut ist, als (bei manchen Zuschauern) einen dummen Lacher hervorzurufen. Im Audiokommentar fällt Frosch auch nicht mehr dazu ein, als dass dies zeigen solle, "dass später noch etwas passieren wird" (im Sinne von Gewalttätigkeit). Ansonsten ist "Die totale Therapie" eine genremäßig schwer einzuordnende Überraschung, bei der aus wenig Budget viel überzeugender Film gemacht wurde und der durch seine hervorragenden Darsteller besticht, zudem stimmungsmäßig erfolgreich zwischen dramatischem Ernst und schwarzhumoriger Übertreibung balanciert. 8/10
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Re: Die totale Therapie - Christian Frosch (1996)

Beitragvon untot » 19. Mär 2013, 20:33

Zugegeben durch die erste Hälfte des Films hab ich mich ganz schön durchquälen müssen, wurde aber dann von der wirklich überragend guten zweiten Hälfte richtiggehend weggeblasen, Hammer!!
In einer kürzeren Form wär der Film eine richtige Granate geworden.

7/10
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