Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie) - Dotzel/Mitterer/Masten

Moderator: jogiwan

Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie) - Dotzel/Mitterer/Masten

Beitragvon jogiwan » 10. Mai 2011, 13:01

Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie)

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Herstellungsland: Österreich, Deutschland / 1990 - 1993

Regie: W. Dotzel, Felix Mitterer, Werner Masten

Darsteller: Dietrich Mattausch, Brigitte Grothum, Ferdinand Dux, Sabine Cruso, u.a.

Story:

Die Geschichte beginnt mit realen Ausschnitten der Fernsehschow "Auf los geht's los". Von Fuchsberger befragt, erklären österreichische Kandidaten, die "Piefkes" wären die eingebildeten Deutschen, die mit ihrer Mark um sich schmissen und glaubten, sie seien etwas Besseres. Die Entrüstung unter den deutschen Touristen ist groß, besonders bei der Berliner Unternehmerfamilie Sattmann, die seit Jahren im (fiktiven) Ort Lahnenberg im Tiroler Zillertal ihren Urlaub verbringt. Die Tiroler unternehmen alles, um die drohende Stornowelle der deutschen Touristen (die es in der Realität ebenfalls gegeben hat) einzudämmen.

Auf satirische und tragikomische Weise wird das Verhältnis zwischen Deutschen und Österreichern beleuchtet. Mit beißendem Sarkasmus werden sowohl Eigenheiten von bundesdeutschen Touristen, wie auch die Verhaltensweise der Einheimischen entlarvt, wobei keine Partei sonderlich gut wegkommt. (Quelle: DVD-Cover)
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Re: Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie)

Beitragvon jogiwan » 10. Mai 2011, 13:02

wikipedia hat geschrieben:Die Filmreihe wurde häufig kritisiert, weil sie gängige Klischees bedient und überzeichnet. Ihr wurde vorgeworfen, zu einer Deutschfeindlichkeit in Österreich einen nicht unerheblichen Anteil beigetragen zu haben, wobei allerdings gerne übersehen wird, dass die Handlungen der österreichischen Charaktere genauso kritisch dargestellt werden wie die der deutschen. Im Verlauf der Gesamthandlung findet zudem ein Paradigmenwechsel statt: Anfangs werden die Deutschen als Zielscheibe von Spott und Verachtung, d. h. "die Bösen" präsentiert. Mit fortschreitender Handlung werden sie jedoch zunehmend zu Opfern der eiskalt taktierenden Tiroler, was sie zu "den Guten" werden lässt. Diese ironische Wendung wird jedoch erst mit dem umstrittenen - vom ORF selten ausgestrahlten - vierten und letzten Teil deutlich.
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Re: Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie)

Beitragvon jogiwan » 18. Mai 2011, 18:41

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Teil 1: Der Skandal

Familie Sattman aus Tirol begeht ihren Sommer- und Winterurlaub traditionell in dem kleinen Tiroler Ort Lahnenberg im Hotel der Familie Wechselberger. Eines Sommers entdecken Karl Friedrich Sattman (Dietrich Mattausch) und sein Vater Heinrich (Ferdinand Dux) in einem Laden im Ortskern das Titelbild einer Wochenzeitung, das provokant die Frage aufwirft, wer denn heutzutage überhaupt die „Piefkes“ braucht. Dadurch aufgestachelt verlassen Karl Friedrich, seine Frau Elsa (Brigitte Grothum) und die gemeinsamen Kindern Sabine (Sabine Cruso) und Gunnar (Ralf Komorr), das Hotel und beziehen aus Protest ein Quartier auf dem abgelegenen Rotterhof. Doch Karl Friedrich ist das nicht genug und er versucht gemeinsam mit seinem Vater die restlichen deutschen Urlauber aufzustacheln und zur Abreise zu bewegen. Doch die Tiroler sind kampfbereit und das ganze endet in einer politischen Veranstaltung, in der der Verfasser des Artikels, samt Tourismus-kritischem Bruder des Bürgermeisters von der Dorfbevölkerung verprügelt - und somit die Urlauber wieder gnädig gestimmt werden.

Teil 2: Die Animation

Ein Jahr später haben sich die Wogen längst wieder geglättet und die Familie Sattman ist einmal mehr zu Gast im Hotel von Franz (Kurt Weinzierl) und Christl Wechselberger (Veronika Faber). Um die deutschen Gäste auch ständig bei Laune zu halten, hat sich der örtliche Tourismusverband unter Leitung von Max Niederwieser (Josef Kuderna) entschlossen, ein Bonusprogramm für Freizeitaktivitäten einzuführen um auf diese Weise die zahlreichen Hüttenwirte zu unterstützen. Der ehrgeizige Karl Friedrich setzt sich in den Kopf die „silberne Wandernadel am Band“ zu erhalten und nervt somit den Rest seiner Familie. Doch der ehrgeizige Mann ist zu allem bereit und setzt sich wenig später auch noch in den Kopf einen Gipfel als Kletterer zu erklimmen und nötig – völlig ungeübt – einen Einheimischen dazu, mit ihm in die Wand zu gehen.

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Teil 3: Das Geschäft

Durch die enge Verbundenheit der Familie Sattman zu dem Ort Lahnenberg, beschließt Karl Friedrich in dem Tiroler Ort eine Fabrik für Schneekanonen zu bauen. Obwohl dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen werden, zieht sich der Industriele den Argwohn der Bürger auf sich, als er dafür vom Bürgermeister Wechselberger das Jagdrecht bekommt, das eigentlich bereits anderweitig vergeben war. Als auch noch mit einem Trick versucht wird, dem Deutschen illegalerweise einen Baugrund zu verschaffen, wird die ganze Sache von einem Journalisten aufgedeckt und der Bürgermeister in Bedrängnis gebracht. Als dieser seine Wiederwahl gefährdet sieht, schiebt er die Schuld auf die deutsche Familie, die darauf entrüstet ihre Zelte in dem Tiroler Bergort abbricht und verspricht, die Firma nach Bayern zu verlegen und nie wieder einen Fuß in das Land zu setzen.

Teil 4: Die Erfüllung

In einer nicht näher genannten Zukunft fährt Familie Sattman in politisch instabilen Zeiten wieder Tirol um dort Urlaub zu machen. Der Ort Lahnenberg wirkt auf den ersten Blick auch wieder ganz harmonisch und traditionell. Doch schon bald werden die Sattmans Zeuge von seltsamen Begebenheiten. Die Tiere und auch die Wälder sind aus Plastik und auch die Einheimischen verhalten sich zunehmend seltsam. Als die Familie schließlich entdeckt, dass die Bewohner des Ortes von Wissenschaftlern in seelenlose Wesen verwandelt werden um den Tourismus anzukurbeln, versucht die Familie mit der Hilfe von Freiheitskämpfern über die Grenze zu flüchten, was jedoch vereitelt wird. Karl Friedrich wird ebenfalls in einen Tiroler verwandelt, während der Rest der Familie neuerlich einen letzten Versuch startet, der Urlaubshölle zu entrinnen…

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„Ach ihr lieben deutschen Freunde, Ihr teueren Besucher unserer Gemeinde: Es tut uns leid von Herzen, dass man euch zugefügt hat Schmerzen! Glaubet uns, wir lieben euch! Ihr seid uns stets willkommen! Verzeihet uns die schlimme Schmach, die aus eines Wieners Feder geronnen. Auf den Knien bitte ich euch um Vergebung! Bitte lasst uns nicht im Stich! Hört auf eures Herzens Regung, seid ein gnädiges Gericht!“

Die österreichisch-deutsch Co-Produktion „Die Piefke Saga“ aus dem Jahr 1990 bzw. 1993 ist eine TV-Serie, die bei ihrer Erstausstrahlung zu heftigen Kontroversen geführt hat, politische Diskussionen nach sich zog und heutzutage als Stück Fernsehgeschichte gilt. Basierend auf einer in Wien aufgezeichneten Ausgabe der Fuchsberger-Show „Auf los geht’s los“ in dem die Deutschen abwertend als „Piefke“ bezeichnet werden und einem provokanten Artikel in einer österreichischen Wochenzeitung, zeichnet Drehbuchautor Felix Mitterer in vier Folgen die (noch immer) durchaus problembehaftete Beziehung zwischen Österreichern und deutschen Bundesbürgern nach und zeichnet nebenher ein eigentlich sehr düsteres Bild der zutiefst-kommerzialisierten Tiroler Tourismusindustrie.

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Dass die Serie aber damals solchen Staub aufgewirbelt hat, ist zwar amüsant, lässt sich heutzutage eigentlich nur noch schwerlich nachvollziehen. Die Serie ist ja mittlerweile vor allem in Deutschland Kult, sodass es der aktuelle Bürgermeister des Ortes Mayrhofen sogar bereut, dass bei den seinerzeitigen Dreharbeiten ein fiktiver Name gewählt wurde. Und bei näherer Betrachtung hat die Realität die Fiktion ja – abgesehen vom vierten Teil – ja auch schon längst eingeholt. Zwar sind die deutschen Urlauber mit knapp 52 % noch immer die größte Gruppe der Erholungssuchenden, aber durch die politischen Änderungen und die stetig billiger werdenden Preise für Flugtickets die Branche doch stark verändert.

Der Begriff „Piefke“, also die umgangssprachliche und etwas abwertende Bezeichnung für Deutsche wird ja hierzulande auch gar nicht mehr verwendet und der Vorwurf, dass die Serie überzeichnet ist und Deutschfeindlichkeit präsentiert ist eigentlich haltlos. Denn während in der ersten Episode die Deutschen als arrogant und die Tiroler als bemitleidenswerte und von Tourismus gezeichnete Wesen gezeigt werden, die mit stoischer Ruhe die Eskapaden der Touristen ertragen, wandelt sich das im Verlauf der Geschichte und endet im letzten Teil, in der die Tiroler als skrupellose Tourismus-Industrielle präsentiert werden, die sogar vor Mord nicht zurückschrecken.

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Die berüchtigte vierte Episode, in der die bizarren Tourismus-Entwicklungen einer nahen Zukunft präsentiert werden, wurde drei Jahre nach Ausstrahlung der ersten drei Teile gedreht und nachgeschoben. Obwohl fast alle Beteiligten der ersten Episoden mitspielen, wirkt dieser Teil dann doch auch wie ein Fremdkörper innerhalb der Serie und wurde vom österreichischen Fernsehen auch der letzten Ausstrahlung nur nach Protest kurzfristig dazu geschoben. Die Episode „Die Erfüllung“ ist auch hierzulande dank Themen wie „Terrorismus“, „Asylfrage“ und „Prostitution“ nach wie vor sehr umstritten und die Befürworter und Gegner halten sich ziemlich die Waage.

Dabei ist die gesamte Geschichte inklusive Sci-Fi-Teil aus heutiger Sicht auch eher harmlos und für österreichische Verhältnisse sowieso braver Natur. Der bissige und böse Humor, für den Ösi-Produktionen gemeinhin bekannt sind, kommt in „Die Piefke Saga“ auch nicht wirklich zum Vorschein und Felix Mitterer beschreibt in seinem Drehbuch reale Dinge in lediglich etwas überspitzter Form. Auch die Inszenierung der ganzen Sache ist sehr brav und züchtig und erinnert an die Serien zu dieser Zeit, sodass sich zwischendurch schon einige Längen bemerkbar machen. Vor allem die zweite Episode ist doch etwas langatmig ausgefallen und auch bei den anderen Teilen hätte man wohl vieles besser machen können.

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Bei den Figuren hingegen gibt es nicht viel zu meckern. Vom deutschen Industriellen und korrupten Politiker über den Schilehrer-Gigolo bis hin zur Hoteliers-Gattin mit Alkoholproblem gibt es ein buntes Sammelsurium an skurrilen Charakteren, die im Verlauf der vier Episoden allesamt wundersame Wandlungen durchleben. Diese sind dann auch sehr gut besetzt und prominent besetzt und in den vier Filmen sind dann auch zahlreiche bekannte Gesichter wie Tobias Moretti (Ex-Komissar-Rex) zu entdecken. Gerüchten zufolge soll ja auch eine Fortsetzung geplant sein, die wiederum auf aktuelle Begebenheiten Bezug nimmt, aber bis dato (Stand 05/2011) nicht angekündigt ist.

Unterm Strich bleibt ein zwar interessantes Stück deutscher und österreichischer Fernsehgeschichte, welches jedoch für heutige Verhältnisse überraschend harmlos daherkommt. Was Anfang der Neunziger noch als kontrovers empfunden und zwiespältig aufgenommen wurde, wirkt heutzutage eher bieder und brav und einstmals überzeichnete Dinge im Tourismus, sind mittlerweile bereits Realität geworden. Das seinerzeit die Tourismusverbände und deutsche Urlauber auf die Barrikaden gingen und die ganze Sache zu Politikum wurde, ist doch aber doch etwas arg lächerlich. Objektiv betrachtet hätte man bei der „Piefke Saga“ auch von der Geschichte und Inszenierung vieles besser machen können und für 380 Filmminuten bieten die vier Teile für heutige Verhältnisse einfach zu wenig Originelles und zu viele Durchhänger. 5/10 Punkten

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Re: Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie) - Dotzel/Mitterer/Masten

Beitragvon untot » 22. Mär 2013, 16:28

Es beginnt als nettes Familienfilmchen, wird dann dramatisch und endet im Nonsens...
Ich liebe ja den bissigen Ösi-Humor, davon ist hier leider nichts zu finden, nicht mal ansatzweise, für mich sind die ersten Folgen eher harmlose Familienunterhaltung mit ein paar zugegeben witzigen Szenen. Dann wirds irgendwie dramatisch und rührselig um dann bei Teil vier ins Groteske abzudriften...
Die ersten drei Teile würde ich allenfalls als Mittelmaß einstufen, Teil vier wirkt dann jedoch wie ein Fremdkörper, sieht man ihn aber als eigenständigen Film, ist er für mich noch der beste Teil, weil ungewöhnlich, böse und respektlos.
Gegen die Schauspieler ist wirklich nichts einzuwenden, ich steh ja auf Kurt Weinzierl, wenn er hektisch wird! :kicher:
Trotzdem gut guckbar, wenn auch ne kleine Enttäuschung für mich, geht doch nix über meinen "Kaisermühlen Blues"! :opa:

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Re: Die Piefke-Saga (TV-Mini-Serie) - Dotzel/Mitterer/Masten

Beitragvon markus » 31. Mär 2013, 22:43

Des thema ist ein heisses Eisen bei uns in tirol :hirn: :hirn: :hirn: :hirn:
fight FASCISM!!!!!!!!!
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