Forentreffen-Countdown 2017

Moderator: jogiwan

Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon Arkadin » 2. Okt 2017, 15:44

karlAbundzu hat geschrieben:Ach, und Basil (Rathbone, nicht der Mäusedetektiv) singt einmal ein klassisch schönen Song
www.youtube.com Video From : www.youtube.com


*hehehehe* Den dazugehörigen Film, "The Adventures of Sherlock Holmes" habe ich gerade gesehen. Sehr schräge Szene.
Früher war mehr Lametta
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon DrDjangoMD » 6. Okt 2017, 09:23

NUR NOCH EINE WOCHE!!!! YEAHHH!!!

Platz 1: Richard Harris "MacArthur Park"

www.youtube.com Video From : www.youtube.com


Der "schlechteste" Hit-Song aller Zeiten?

Vor diesem Countdown wusste ich nicht allzu viel über die Musiker-Karriere von Richard Harris. Mir war zwar bekannt, dass er sich ab und an als Sänger versuchte und ich kannte natürlich seine liederreiche Hauptrolle in dem Musical "Camelot". Bald fand ich heraus, dass Harris daneben auch einige Alben aufgenommen hatte. Zwei davon bestehen zum größten Teil aus Liedern von Jimmy Webb. Nun, das ist schon mal großartig, denn Webbs lange Liste seiner berühmten Errungenschaften als Komponist/Texter inkludiert den Titelsong von "Das letzte Einhorn", was so ziemlich der beste Qualitätsbeweis ist, den ein Musik-Mensch haben kann. Wie nicht anders zu erwarten sind die Songs dieser Alben extrem schön. Harris' melodramatische Stimme harmoniert hervorragend mit den melancholischen Kompositionen Webbs. Ihre berühmteste Zusammenarbeit - die so erfolgreich ist, dass Harris oft als One-Hit-Wonder bezeichnet wird - ist mit Abstand ein Lied namens "MacArthur Park", das ich (trotz seiner Popularität) noch nie zuvor gehört hatte.
Ich hörte mir den über sieben Minuten langen Hit-Song an - vorerst ohne wirklich auf die Lyrics zu achten - und war fürs erste positiv überrascht. Melodisch lässt das Lied nichts zu wünschen übrig. Richard Harris wird von mir vielleicht nicht so verehrt wie Christopher Lee oder Vincent Price aber der elfte oder zwölfte Platz meines diesjährigen Countdowns sollte von "MacArthur Park" erreicht werden können... dann las ich auf Wikipedia einen Satz, der meine Neugier sofort weckte:
Wikipedia hat geschrieben:"MacArthur Park" has been called the worst song ever written. Its flowery lyrics and metaphors (notoriously likening lost love to a cake left out in the rain) have been described as "bloated" and "loopy."

Hm... nachdem ich das wusste hörte ich beim nächsten Mal genauer hin. Doch anstatt, dass ich mich nach näherer Auseinandersetzung mit dem Lied der negativen Meinung anschließen konnte, geschah das Gegenteil: Mir gefiel der Song mit jedem Mal hören besser! Sicher, er hat einige ausgesprochen alberne Elemente, aber es sind zumindest nach meinem Geschmack sympathische Albernheiten, ähnlich wie ein Trash-Film sympathisch albern sein kann. Und die Aspekte des Liedes, die man ernst nehmen kann sind dafür richtig ergreifend. Mit jedem weiteren Hören wurde mir bewusst, dass "MacArthur Park" gleichzeitig sowohl einer der beeindruckendsten als auch einer der verlachenswertesten Songs ist, die ich je gehört habe. Um diese glorreiche Mischung aus Güte und Gaukelei näher zu analysieren möchte ich dieses Lied heute im Detail betrachten.
Vorher aber kurz noch ein paar Hintergrundinformationen: Jimmy Webb verarbeitet in dem Song seine eigene in die Brüche gegangene Beziehung. Nach dieser kompositorischen Kompensation versuchte er seinen musikalischen Tagebucheintrag auch von diversen Bands spielen zu lassen, allerdings ohne Erfolg. Die epochale Länge schreckte die meisten Musiker ab und der gute Jimmy blieb auf seinem Herzleid in Notenform sitzen. Doch dann geschah das Wunder: Richard Harris - der nach allem, was ich hörte, eine ziemlich exzentrische Natur gewesen war - setzte es sich in den Kopf, ein eigenes Album aufzunehmen. Da man für ein solches nun aber auch Songs braucht wandte er sich an Webb. Was dieser ihm anzubieten hatte gefiel Harris anfangs gar nicht, doch ausgerechnet der oftmals abgelehnte "MacArthur Park" weckte seine Begeisterung. Er nahm den Song für sein Album auf und siehe da, er entwickelte sich zu einem großen Hit! Betrachten wir das Lied nun genauer, um die glorreiche Mischung aus Qualität und Albernheit näher zu analysieren:

The good, the bad and the cake

Der Song beginnt vielversprechend: Ein kurzes Intro spiegelt sowohl die melancholische Stimmung des Folgenden wieder, deutet mit den trompeten aber auch den epochalen Charakter an, den der Song später entwickelt. Instrumental haben wir hier nämlich weder eine normale Band noch einen einsamen Quoten-Pianisten im Hintergrund sondern ein ganzes Orchester, welches uns einige bombastische Stellen schenkt.
Einer der größten Vorteile ist sicher Harris' Stimme, die nach dem Intro einsetzt. Obwohl er klar und deutlich singt, kommt sie mir schon fast zittrig vor, da sie so vor Liebesleid überzuquellen scheint. Den Text singt er vollkommen ernst und emotionsgeladen. Wahrscheinlich aufgrund seiner Schauspielerfahrung gelingt es ihm, dass wir ihm die vom Text angedeuteten Gefühle vollkommen abnehmen. In jeder Zeile drückt er tiefe, wahrhaftige Emotion aus...
...und das ist eine gute Sache, solange man die Zeilen an sich ernst nehmen kann. Das kann man ungefähr bis Zeile vier. Der Song ist berüchtigt dafür, dass eine verflossene Beziehung mit einem Kuchen im Regen verglichen wird; dabei finde ich den Vergleich in der ersten Strophe noch viel absurder, in der behauptet wird, ein Liebespaar wäre wie eine Hose unterm Bügeleisen. Aber diese seltsame Metapher wird sofort überschattet von dem berühmt-berüchtigten Refrain:
Richard Harris hat geschrieben:Someone left the cake out in the rain. I don't think that I can take it, 'caus it took so long to bake it and I'll never have the recipe again. Ohhhhhh noooooooo! :cry:

Nun muss ich bei all den negativen Stimmen zu diesem Text aber anmerken, dass ich den Vergleich zwischen einer verflossenen Liebe und einem Kuchen im Regen an sich gar nicht mal schlecht finde. In das Backen eines Kuchens fließt eine gewisse Hingabe, Zeit, Mühe, usw. Und wenn dieser Kuchen dann im Regen stehen gelassen wird ist das eine Verschwendung, die einfach betrüblich stimmen kann, so wie das Ende einer vielversprechenden Beziehung. Im Laufe der Musikgeschichte wurde Liebe schon mit einigen dümmeren Sachen verglichen (einer Hose zum Beispiel). Und außerdem: Wenn Don McLean ein überlanges Lied über einen Kuchen singen darf, dann darf das Richard Harris bitteschön auch! :|
Nein, das Alberne des Refrains ist für mich nicht das Sinnbild des Kuchens an sich, sondern der absolut übertrieben weinerliche Ton, mit dem die verwässerte Süßigkeit betrauert wird. Stellt man sich vor, dass der Kuchen keine Metapher ist, sondern wirklich nur ohne Hintergedanken ein Kuchen, so scheint dieser dumme Kuchen Harris ein wenig zu viel bedeutet zu haben:
Richard Harris hat geschrieben:I don't think that I can take it! :cry:

Richy, es ist nicht so schlimm, back einfach einen neuen.
Richard Harris hat geschrieben:It took so long to bake it! :cry: :cry:

Du bist im Begriff, über sieben Minuten lang die dumme Torte zu besingen, die Zeit könntest du wirklich nutzen um...
Richard Harris hat geschrieben:I'll never have the recipe again. :cry: :cry: :cry:

Dann such es einfach, du wirst es schon wiederfinden.
Und als Krönung von dem Ganzen haben wir dann noch dieses "Oh no!!!", das mit der weinerlichsten Inbrunst gesungen wird, die man sich vorstellen kann. Dass die Musik während des ganzen Refrains auch noch anschwillt unterstreicht einfach nur, dass hier viel zu viele Emotionen am Werk sind, während eine Torte besungen wird.
Obwohl ich den metaphorischen Charakter des Refrains erkenne, kann ich ihn nicht anhören, ohne bei der Vorstellung von Harris' Requiem für einen Kuchen kichern zu müssen. Und ich kichere gerne, also ist diese Albernheit im Grunde genommen für mich ein Vor- und kein Nachteil des Liedes. Da ich aber auch die ernsteren Seiten des Lebens wertschätzen kann, kann ich mich auch über die zweite Strophe freuen:
In dieser zählt Harris einige Eindrücke auf, die ihn an die Zeit mit der Liebe, welcher in dem Lied nachgetrauert wird, erinnern. Webb bestätigte in späteren Interviews diese Interpretation. Sachen wie die Dame-spielenden alten Männer und selbst den Kuchen im Regen hat er in dem Park gesehen, in dem er oft mit seiner früheren Freundin spazieren war. Ich finde es immer auf eine wehmütige Art schön, wenn eine Liebesbeziehung anhand von an sich unspektakulären Sachen, die erst in der Assoziation mit der Liebsten an Bedeutung gewinnen, besungen wird. Ein wallendes Kleid oder spielende Männer sind an sich unbedeutend, doch sobald sie einen an ein gebrochenes Herz erinnern, kommt die melancholische Stimmung, die Harris' Stimme ja perfekt vermittelt.
Ach, berührend. Man mag das Lied schon fast wieder ernstnehmen, doch dann: Refrain-Zeit! Komplett mit "I don't think that I can take it" und natürlich dem großartigen "Ohhhh noooo!!!!" :kicher: Jedes Mal, wenn sich die Schwermut auf die Zuhörer zu übertragen scheint, kommt Richy daher und weint darüber, dass sein Kuchen nass geworden ist.
Die nächste Strophe ist wieder für sich allein genommen wunderschön. Da man die Torten-Trauer aber noch im Hinterkopf hat kann man einige Passagen nicht mehr von diesem dümmlichen Kontext trennen.
Richard Harris hat geschrieben:I will drink the wine while it is warm.

Ja bitte tu das. Wenn dein Wein kalt geworden wäre, würdest du wahrscheinlich acht Minuten darüber singen.
Richard Harris hat geschrieben:I will take my life... into my hands.

Oh, Gott sei Dank, für einen Moment hab ich schon geglaubt, du willst dir was antun, weil du es nicht erträgst, dass dein Kuchen im Regen gestanden ist.
Es fällt also nicht schwer, weiterhin seinen Spaß mit dem Lied zu haben und dennoch finde ich die Strophe an sich sehr schön: Harris teilt uns mit - sofern ich es richtig interpretiere - , dass er nach der Trennung mit seinem Leben weitermachen wird, dass es für ihn eine Zukunft mit neuen Liebschaften geben wird. Und dennoch weiß er, dass das, was er verloren hat, die eine große Liebe seines Lebens war. Das halte ich für einen sehr schönen Umgang mit dieser oft besungenen Thematik. Wie oft haben wir Brake-Up-Songs, die entweder rein düstere Trauer sind oder nach dem Motto "Zum Glück bin ich den Doofkopf endlich los." ablaufen. "MacArthur Cake" findet den Mittelweg: Die verlorene Liebe war sehr wohl etwas Besonderes, es ist tragisch, dass sie zu Ende ist, und sie wird niemals vergessen werden; doch das Leben geht weiter. Was für eine schöne, bittersüße, realistische Sichtweise. Gut gemacht, Jimmy Webb, jetzt hast du dir verdient, einen zweiminütigen Instrumentalteil in deinen Song einzubauen... Moment, was? :?
Jap, zwei Minuten Instrumente. Manche Songs sind kürzer als der Instrumentalteil von "MacArthur Pie". Und außerdem ist er irgendwie so unpassend, verglichen mit dem Rest des Liedes. Er ist laut, schnell, wild. Also entweder soll diese Stelle das neue Leben, welches der Sänger nach der Trennung beginnen will, symbolisieren oder sie ist einfach nur da, um den Kuchen-Song noch verwunderlicher zu machen (Mich erinnert sie auch ein wenig an die Instrumentalbrücke aus "Live and let die", die ebenso plötzlich das Tempo steigert). Trotzdem will ich mich nicht zu sehr über diese Stelle beschweren. Sie wirkt irgendwie so ähnlich wie die Pförtner-Szene aus Shakespeares "Macbeth", bei der mitten in der düstersten Handlung um Mord und Totschlag eine Figur auftritt, die fünf Minuten über den Einfluss von Alkohol auf Urin und Geschlechtsverkehr schwatzt und danach nicht mehr vorkommt: Unpassend, unnötig aber gerade deshalb auch einprägsam, erheiternd und abwechslungsreich. Die Kanadische Sketch-Show SCTV erzeugt in ihrer Parodie des Liedes sogar Komik, indem sie den Song auf den Instrumental- und Schlussteil reduziert: https://www.youtube.com/watch?v=I8JlQNIvIfI. :mrgreen:
Apropos Schlussteil: Auch in der Original-Version von "MacArthur Muffin" endet der Song kurz nach dem Instrumentalteil. Doch nachdem er uns schon so viele Minuten gleichsam berührt hat und schallend lachen ließ, ist diesem Lied einzig und allein ein epochales Ende würdig. Es schließt daher nicht mit einer dahin gemurmelten Strophe oder einem leisen instrumental-Outro, sondern auf die glorreichste Weise überhaupt: Harris singt nochmal den Kuchen-Refrain während die Musik zu schwindelerregenden Höhen aufsteigt. Ihren bombastischen Zenit erreicht sie, wenn der Refrain bei seiner albernsten Stelle - dem "Oh no!" - angekommen ist. Doch anstatt es nochmal von Harris singen zu lassen, wird es betont, indem es eine weibliche Stimme eine halbe Minute lang (!) in die Länge zieht. Ja, ja, jaaaaaa! Das ist großartig! Ich will's nochmal hören! Endlosschleife! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
"MacArthur Biskuitrolle" bietet einfach so viel gleichzeitig: Es ist epochal und albern, doch gleichsam auch berührend und ehrlich. Ganz egal, ob einem der Sinn nach weinen oder lachen steht, in allen Gefühlslagen stellt "MacArthur Sahnetörtchen" die perfekte musikalische Untermalung dar.
Und ich weiß, was ihr jetzt alle denkt: Wow, das ist der großartigste Song aller Zeiten, aber gibt es auch ein Musik-Video dazu? Nun, ein Musik-Video in dem Sinne nicht, aber ich hab einen Mitschnitt einer live-Performance gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=PyVwpsDFUeQ. Hier sieht man, dass Richard Harris zu seiner leidgeplagten Stimme beim Singen auch die passende Mimik aufsetzt. Ständig blickt er betrübt zu Boden. Wenn er mal den Kopf hebt sind seine Augen schmerzhaft zugekniffen, als würde er beim Gedanken an seinen Kuchen gleich zu weinen beginnen. Bei dem "Oh no!" legt er sich dafür richtig ins Zeug und macht die Stelle damit noch lustiger. Nach drei Minuten wird er aber müde und muss sich hinsetzen. Sich sanft hin und her wippend singt er die nächste Strophe voller Gefühl. Und danach kommt mit dem Instrumentalteil der Höhepunkt der Performance: Wir dachten, er ist müde, doch das war nur ein Trick, denn im nächsten Moment macht er eine coole Rolle rückwärts als wäre er ein Action-Held und springt auf die Beine (Man hört sogar das dumpfe Geräusch, als er dafür das Mikrofon fallen lässt :kicher: )! Im Folgenden lässt er uns den Richard-Harris-Dance zu teil werden. Dieser besteht aus wild zuckenden Bewegungen des rechten Arms und einem losen Baumeln des Linken. Es sieht aus, als würde sich Harris' rechte Körperhälfte nach der schwungvollen Musik richten, während sich die linke an den schwermütigen Liedtext erinnert. Doch dann gewinnt die linke Hälfte die Oberhand und er geht einfach nur noch traurig herum und singt dann die letzten Verse. Super! :thup:


Frühling wartet nicht auf Rotwild - Die Cover-Versionen

Es darf nicht überschätzt werden, was Harris zum Gefallen des Songs beiträgt. Dies wird umso deutlich, wenn man sich zum Vergleich die diversen Cover-Versionen anhört. Ja, obwohl "MacArthur Croissant" als der schlechteste Song aller Zeiten bezeichnet wurde, wollte ihn irgendwie jeder covern. Die Liste, der Musiker, die eine Version davon aufgenommen haben, inkludiert JEDEN MUSIKER ÜBERHAUPT! Okay, aber Spaß bei Seite, unsagbar viele Herren und Damen haben sich an diesem Lied versucht. Auf Youtube fand ich Versionen so berühmter Sänger wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Tony Bennett, Shirley Bassey, The Four Tops, Robert Goulet, Glen Campbell, Waylon Jennings, Jimmy Webb himself und noch ein halbes Hundert andere! Diese Cover-Versionen haben einiges Gemeinsam:
1. Bis auf Shirley Bassey haben es die Cover-Sänger tatsächlich geschafft, den Titel des Songs zu lesen. Richard Harris bestand nämlich darauf, "MacArthur's Park" statt "MacArthur Park" zu singen, weil er ganz besonders sein wollte.
2. Sie singen das Lied in den schwermütigen Ton, den auch schon Richard Harris vorgegeben hatte. Einige verzichten sogar wie er darauf, beim Singen die Augen zu öffnen.
3. Obwohl einige gute Cover-Versionen dabei sind (mir gefallen Sinatra und Davis Jr. sehr gut; Champell ergänzt den Instrumentalteil dafür um eine rockige e-Gitarre), erreichen sie, finde ich, nie die Qualität von Richard Harris. Entweder setzen sie die Betonungen komisch oder ich nehme ihnen ihre Schwermut nicht so richtig ab. Dies zeigt erneut, wie nützlich es ist, wenn ein Sänger auch einiges an Schauspielerfahrung hat.
Daneben gibt es auch einige Instrumental-Covers von Blasorchestern oder irgendwelchen Solo-Trompetern. Auch hier sind einige gute dabei, allerdings keine perfekten. Reine Blasmusik ist in den raschen Passagen fein, aber sobald es besinnlich wird, hätte ich mir halt doch irgendwo einen deprimierten Violinisten gewünscht.
In den späten 70ern entstand das berühmteste Cover, welches stärkere Änderungen an dem Original vornahm, nämlich die Version von Donna Summer: https://www.youtube.com/watch?v=GWFHVBnR7G0. Die erste Strophe beginnt vielversprechend: Wir haben ein großes Orchester, stimmlich bleibt dieses stark an dem Original und als Bonus bekommen wir die beeindruckende Stimme von Donna Summer. Das ist super. Doch kaum ist der Refrain zu Ende, beginnt das Ding eine Disco-Version zu werden. Das Orchester dreht durch, eine kleine Gruppe Background-Summerinnen kommt auf die Bühne marschiert und die sommerliche Donna legt ein Grinsen auf. Was folgt ist für sich genommen nicht schlecht. Donnas Stimme ist immer noch beeindruckend, ich mag prinzipiell Disco-Versionen und im Video gefällt mir, wie der Typ an den Perkussions-Trommeln abgeht. ABER als Cover von "MacArthur Eclair" finde ich es irgendwie daneben. Wenn man ein Lied über eine Trennung mit dieser Stimmung spielt, hört es sich irgendwie wie ein Klon von "I will survive" an. Und "I will survive" für sich ist ein unglaublich toller Song, aber wie oben beschrieben hat "MacArthur Apfelstrudel" so einen wunderschönen, bittersüßen Umgang mit dem Thema, der einfach verloren geht, wenn man eine Disco-Version daraus macht.
Anyway, der Texter der sommerlichen Donna hat auch bei den Lyrics etwas herumgeschraubt. Aus "Spring was never waiting, for us, girl" wurde "Spring was never waiting, for us, dear", was gut ist. Solche Änderungen hat man häufig, wenn eine Sängerin ein für einen Sänger geschriebenes Lied covert (oder umgekehrt), ohne ihre Heterosexualität in Frage stellen zu wollen. "Dear" ist dafür ein gutes Wort ohne Gendervorgaben und wenn man sich vorstellt, dass es nicht "Dear" sonder "Deer" geschrieben wird, wird das Lied sogar noch lustiger. Super! :thup: Shirley Bassey ging mit dieser Stelle auf dieselbe Weise um. Aus "The old men played checkers by the trees" wurde jedoch aus irgendeinem Grund "The old men played Chinese checkers by the trees"... Wieso? Es stört nicht (der Instrumentalteil ist hier so, dass das geänderte Versmaß nicht auffällt) aber warum sollte man dieses zufällige Adjektiv hier einfügen? Wollte die sommerliche Donna den asiatischen Markt ansprechen? Wenn das ihr Grund war, warum sang sie nicht gleich in einer asiatischen Sprache? Ihr meint, ein chinesischer oder japanischer Text würde zur Melodie von "MacArthur Punschkrapferl" komisch klingen? Nun, es GIBT das Lied mit japanischen Text. Und es ist großartig!
https://www.youtube.com/watch?v=FOYcomjwYcg. Dies ist "Jurashiku Park", die japanische Version von Weird Al Yankovics Parodie (https://www.youtube.com/watch?v=gh4zvQfDhi0). Der Song handelt bei ihm nicht von so einer trivialen Thematik wie Gefühle, stattdessen wendet er sich dem Thema zu, was die Menschen in den frühen 90ern wirklich beschäftigt hat: Der Film "Jurassic Park". Ich finde es wundervoll, dass Weird Al genug Wörter aus dem Originaltext übernimmt, um eine deutliche Verbindung herzustellen und gleichsam genug abändert um es absolut zu verfremden. Hier ist zum Beispiel der Refrain mit Fettdruck, was aus der Originalversion stammt:
Weird Al Yankovic hat geschrieben:Jurassic Park is frightning in the dark
all the dinosaurs are running wild.
Someone shut the fence off in the rain.

Zudem setzt er der übertriebenen Tragik von Richard Harris eine ebenso unpassende Gelassenheit gegenüber. Während Harris in Tränen ausbricht, weil sein Kuchen nass geworden ist, meint Weird Al über einen lebensbedrohlichen Horror "I admit it's kind of eerie" oder "Getting disemboweled always makes me kind of mad".
"MacArthur Mannerschnitte" wurde also unzählige Male gecovert und parodiert und bis zum heutigen Tag hat man noch nicht damit aufgehört. Eines der neuesten Covers stammt von niemand anderem als der großen Nancy Sinatra: https://www.youtube.com/watch?v=YKhukguK41Q Es ist Teil des Soundtracks von "Absolutely Fabulous - The Movie". Statt "Spring was never waiting, for us, dear" singt sie "Spring was never waiting, for us, boy", was die Version sogar noch heterosexueller macht, obwohl mir die Formulierung mit dear bzw. deer besser gefallen hat. Aber meinetwegen, solange sie keine anderen, dümmeren Änderungen vornimmt.
Nancy Sinatra hat geschrieben:I recall the yellow cotton dress, flowing like a wave on the ground around MY knees.

:| WAS? Dass "foaming" in "flowing" geändert wurde ist mir egal, aber - sofern mir ein Bisschen Haarspalterei erlaubt ist - möchte ich mich doch über die Änderung von "your" auf "my" beschweren. Ich verstehe, warum man den Text umschreiben wollte. Die wenigsten Jungen tragen Kleider. Ich bin zwar der Meinung, dass das in unserer Gesellschaft absolut in Ordnung wäre, aber bitte, wenn Nancy prüde sein will, soll sie halt prüde sein (Nur zur Info: Die sommerliche Donna hatte kein Problem damit einen Hirsch in einem Kleid zu besingen). ABER wenn man nichts anderes ändert als "your" in "my" verliert der ganze Text seine wunderschöne, schwermütige Bedeutung:
Richard Harris hat eine Trennung hinter in sich, doch in seinem Herzen erinnert er sich immer noch daran, wie wunderschön das gelbe Kleid an seiner Liebsten ausgesehen hat. Nancy Sinatra hat eine Trennung hinter sich, doch in ihrem Herzen erinnert sie sich immer noch daran, wie gut sie in diesem gelben Kleid ausgesehen hat. Das könnte sie eigentlich wieder mal anziehen. Warum steht sie eigentlich noch in diesem doofen Tonstudio? Sie sollte zu ihrer Garderobe zurückgehen, dort ist der Spiegel. Die Änderung dieses kleinen Wortes ersetzt die Schwermut des Originals zumindest in meiner Auffassung durch Narzissmus.
Ich finde, man hätte gleich die ganze Stelle ändern müssen. Zum Beispiel: "I recall the darkblue cotton jeans, sitting tightly like a skin around your knees." Okay, das klingt noch schlechter. Aber sie hätte ja auch irgendeinen anderen Aspekt an ihrem Liebsten stattdessen besingen können: Seinen Hut, seine Brille, Augen, Haare, Mund, Krawatte, Monokel oder Schürze (weil er gerade einen Kuchen gebacken hat!). Nein noch besser: Regenschirm! UND ICH HABE KEINE AHNUNG, warum ich mich jetzt so lange mit dieser Nichtigkeit auseinandergesetzt habe. Dieser Text ist sowieso schon überlang.
Jedenfalls ist diese Version von "MacArthur mir gehn die Süßspeisen aus" neben dem Titel, dem Poster und dem Trailer ein weiterer Grund, warum ich mir "Absolutely Fabulous - The Movie" nicht ansehen werden. Oh, ich will kein vorschnelles Urteil fällen, der Film könnte großartig sein, aber ich sehe mir von Haus aus nur qualitativ absolut hochwertige, geistig anregende Filme an. Filme wie Fernando Di Leos Schmuddelfilmchen "Das Schloss der blauen Vögel" der hyper-brutale "Überraschungsfilm" Pupi Avatis nicht mal auf deutscher DVD erschienener "Neun Leichen hat die Woche" Elio Petris intelektuelle, in Filmmuseen laufende, mehrfach preisgekrönte Polit-Satire "Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhaben Bürger". :ugeek:
Hab ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich die Filmauswahl für das diesjährige Forentreffen wieder absolut GROSSARTIG finde?! :D Ich freue mich schon extrem darauf, mir sie anzusehen, aber tausendmal mehr freue ich mich darauf, euch alle wiederzusehen!!! :prost: Wir sehen uns in einer Woche. FORENTREFFEN, YEAH!!!! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:


Post Scriptum

:pfeif: :pfeif: :pfeif:
Es ist schon lange her,
da mocht' man dieses Lied so sehr,
obwohl es etwas albern war.
Den Text hat man noch überhört,
so hat der Kuchen nicht gestört,
im Radio gefiel es manches Jahr.

Doch dann beachtet man die Worte,
hört Richard trauern um die Torte.
Nun hat es Spaß gemacht,
es wurde ausgelacht.

Die Worte die der Jimmy schrieb,
versetzten seinem Lied den Hieb,
den Kuchen hatte er zu lieb,
so starb dann die Musik.

So bye, bye, Miss MacArthur Pie,
hast gechartet,
unerwartet,
doch dein Ruhm ist vorbei.
Der Kuchen macht's zu einer Spaßmacherei,
alles andre war dann einerlei,
durch den Kuchen einerlei.
:pfeif: :pfeif: :pfeif:
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon karlAbundzu » 6. Okt 2017, 09:52

:thup: :thup: :thup: :thup:
Vielen Dank, Doc² für diese schöne Liste bzw. für diesen unglaublich informativen und humorigen Beitrag auf 1! Ich dachte immer, das wär ein von Webb irgendwann selbstaufgenommenes Original, dass dann halt hundertmal gecovertu nd zum Country-Standard wurde, kannte die Donna Summer Version und die Weird Al Parodie und hab auf irgendwelchen Country-Collectionen die eine oder andere version. Super!


Hinweisen möchte ich noch auf ein paar honorige Beiträge, da ich gerade Rock Of Ages sah: Alec Baldwin/Russell Brand und Tom Cruise.
Und, meine heimliche Nummer Eins: Horst Frank!
Die 7" fand ich mal für fast nix auf dem Flohmarkt gefunden und gleich eingeschlagen. Dieser Sprechgesang seiner sonorigen ausdrucksstarken Stimme! Hier ein bemerkenswerter TV-Auftritt. Inklusive Zigarette und hundertfacher Frauenportraits: https://www.youtube.com/watch?v=3Wf0D14we8g
Später brachte er noch die Single "Wo sind die Mädchen" heraus, da trauert er seiner Jugend und seinen Eskapaden nach, versucht leider zu singen an manchen Stellen. Und 1989 sogar eine ganze LP. Such ich noch.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon Salvatore Baccaro » 6. Okt 2017, 10:25

Göttlich! :shock:
Danke für die Mühe, lieber Doc, und für den schlechtesten Song, der jemals geschrieben wurde... ;-)
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon Arkadin » 6. Okt 2017, 14:04

Wundervoll doc2! Ganz große klasse und jeder Beitrag mein persönliches Highlight vor dem Wochenende!
Danke! Danke! Danke! :thup:

Schade, dass es schon wieder vorbei ist. Aber großartig, dass das auch bedeutet, dass wir uns in genau einer Woche sehen. :prost:

Bis dahin noch japanische Grüße von Frau Dunst:

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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon jogiwan » 6. Okt 2017, 14:08

worst song my ass! :thup:

Someone left the cake out in the rain. I don't think that I can take it, 'caus it took so long to bake it and I'll never have the recipe again. Ohhhhhh noooooooo!


Großartüsch & hochdramatüsch! :nick:
it´s fun to stay at the YMCA!!!



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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon DrDjangoMD » 6. Okt 2017, 15:39

karlAbundzu hat geschrieben:Und, meine heimliche Nummer Eins: Horst Frank!
Die 7" fand ich mal für fast nix auf dem Flohmarkt gefunden und gleich eingeschlagen. Dieser Sprechgesang seiner sonorigen ausdrucksstarken Stimme! Hier ein bemerkenswerter TV-Auftritt. Inklusive Zigarette und hundertfacher Frauenportraits: https://www.youtube.com/watch?v=3Wf0D14we8g


:shock: Das ist etwas absolut Geniales, das ich noch nicht gekannt habe. Vielen Dank dafür und wundere dich nicht, wenn ich dich vor dem nächsten Countdown um Tipps bitte. :prost: :thup:

Salvatore Baccaro hat geschrieben:Göttlich! :shock:
Danke für die Mühe, lieber Doc, und für den schlechtesten Song, der jemals geschrieben wurde... ;-)


Ich danke :verbeug:

Arkadin hat geschrieben:Wundervoll doc2! Ganz große klasse und jeder Beitrag mein persönliches Highlight vor dem Wochenende!
Danke! Danke! Danke! :thup:

Schade, dass es schon wieder vorbei ist. Aber großartig, dass das auch bedeutet, dass wir uns in genau einer Woche sehen. :prost:

Bis dahin noch japanische Grüße von Frau Dunst:

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:oops: Ohh, das ist extrem lieb von dir. Vielen herzlichen Dank :D :prost:
Das Cover von Kirsten Dunst mag ich sehr. Bedenke ich allerdings, dass das Original von einem (späteren) Anwalt stammt, kann es die Schauspielerin schwerlich toppen :kicher:
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon karlAbundzu » 7. Okt 2017, 10:24

apropos kirsten dunst :knutsch: , nächstes mal eine Liste mit Schauspielerinnen?
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Forentreffen-Countdown 2017

Beitragvon buxtebrawler » 9. Okt 2017, 22:21

Bin heute Morgen in der Bahn endlich dazu gekommen, mich intensiv mit dem ersten Platz zu beschäftigen :kicher: Großartig, Doc! :thup:
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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