Audiokommentare - pro & contra

Moderator: jogiwan

Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon jogiwan » 14. Jan 2012, 20:29

Mit Audiokommentaren ist es ja so eine Sache... mittlerweile kommt zwar kaum eine Film-VÖ oder ein Silberling ohne entsprechenden Kommentar von Regisseur, Schauspieler oder sonstigen Gelehrten aus, aber irgendwie kann ich mich persönlich für das Feature einfach nicht erwärmen. Viele schwärmen ja von lustigen Kommentaren und nützlichen Infos, aber hört ihr euch sowas wirklich zur Gänze an? Ist ein herrkömmlicher Film wirklich so interessant, dass man sich für das Drumherum interessiert, oder ist das eher eine akustische Beigabe, deren Inhalt beim nächsten Film schon wieder vergessen ist? Was meinst ihr? Hört ihr euch Audiokommentare prinzipiell, oder nur von bestimmten Leuten oder Regisseuren an oder könnt ihr damit gar nix anfangen? Welche AKs sollte man kennen, welche sind entbehrlich bis langweilig? Was meint ihr?
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon DrDjangoMD » 14. Jan 2012, 20:44

Also ich finde Audiokommentare schon recht interessant, weil das Filmemachen selbst für die meisten von uns ein Mysterium ist, welches Audiokommentare ein wenig beleuchten. Ähnlich Making-Of-Dokumentationen hören wir hier manchmal von den Arbeiten von Regieassistenten, Tonleuten, Beleuchtern, usw. deren Arbeit wir aus dem fertigen Film oft nicht heraussehen können.
Besonders bei eher kontroversen Filmen finde ich Audiokommentare interessant. Da wir uns bei denen am aller wenigsten denken können, wie es beim Drehen abging und wie die Beteiligten zu dem Inhalt des Filmes standen.
Auch meine Liebe zu Anekdoten lässt mich an Audiokommentaren Gefallen finden, denn sehr oft verraten uns die Macher lustige Geschichten, denn (zumindest bei nicht Hollywood-Produktionen) gehts beim Dreh oft sehr lustig zu, alle kennen sich untereinander und haben meist viel Spaß und es kommt zu witzigen Situationen, die sie uns im Audiokommentar verraten. Dennoch bevorzuge ich es solche lustigen Geschichten in Begleitheften zu finden, denn die sind wesentlich schneller zu lesen.
Da ich noch immer recht viele ungesehene Filme hier habe, hab ich mir jedoch viele Kommentare auf die ich neugierig bin noch nicht angehört, die Zeit nahm ich mir da noch nicht, will es aber umbedingt nachholen. Trotz den vielen positiven Aspekten bleiben Interviews und Dokumentationen aber für mich leichtere Kost, die meist genauso informativ sind wie Kommentare aber wesentlich kürzer.

Empfehlenswerte Kommentare:
- Audiokommentar zu "Fitzcarraldo" - Denn Geschichten über den Kinskerich bieten immer Grund zum lachen, auch wenn der Werner hier und da auch ein wenig eingebildet daherkommt. Aber trotzdem, über den Film gibt es unsagbar viele kleine Geschichtchen zu erzählen.

- Audiokommentar zu "Cannibal Holocaust" - Denn Ruggero Deodato hat so einen coolen Akzent: "Here comes Kerman NACKED!!!"

- Audiokommentar zu Kenneth Branaghs "Hamlet" - Nur für Shakespeare-Fans und Hamlet-Fans im Speziellen, denn Branagh hat sich sichtlich außerordentlich mit dem Werk auseinander gesetzt und hat keine Skrupel seine Interpretationen im Detail zu erläutern.
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon Jeroen » 14. Jan 2012, 23:44

jogiwan hat geschrieben:Mit Audiokommentaren ist es ja so eine Sache... mittlerweile kommt zwar kaum eine Film-VÖ oder ein Silberling ohne entsprechenden Kommentar von Regisseur, Schauspieler oder sonstigen Gelehrten aus, aber irgendwie kann ich mich persönlich für das Feature einfach nicht erwärmen.

Ist natürlich Geschmackssache. Viele interessiert ja auch nur der Film und kein Bonusmaterial. Ist ja auch legitim, weil Blicke hinter die Kulissen und Getratsche über die Beteiligten einem Film unter Umständen einiges von seiner Magie rauben.

Ich persönlich bin ein großer Fan von Bonusmaterial und auch von Audiokommentaren, aber natürlich finde ich nicht alles gleich unterhaltsam. Und vor allem fehlt mir die Zeit, so dass ich schon genau auswähle. Bei neuen Filmen, insbesondere Mainstream-Blockbustern, interessiert mich Bonusmaterial in den seltensten Fällen. Faszinierend finde ich es immer dann, wenn es um Genrefilme wie unsere geliebten Italos geht, die für wenig Geld mit viel Improvisation und unter teilweise haarsträubenden Umständen entstanden.

jogiwan hat geschrieben:Viele schwärmen ja von lustigen Kommentaren und nützlichen Infos, aber hört ihr euch sowas wirklich zur Gänze an? Ist ein herrkömmlicher Film wirklich so interessant, dass man sich für das Drumherum interessiert, oder ist das eher eine akustische Beigabe, deren Inhalt beim nächsten Film schon wieder vergessen ist? Was meinst ihr?

Das kann man nun wirklich nicht verallgemeinern. Wie ich oben schrieb, mich interessieren Audiokommentare nur bei Genrefilmen, über die es oft viele Anekdoten zu berichten gibt. Am sinnvollsten finde ich es, wenn direkt am Film beteiligte Personen wie der Regisseur oder Schauspieler sprechen. Filmkenner können auch interessant sein, aber nur, wenn sie sich auch direkt auf das Filmgeschehen konzentrieren. Allgemeines Blabla lese ich dann lieber in Form von Artikeln oder Büchern.

jogiwan hat geschrieben:Hört ihr euch Audiokommentare prinzipiell, oder nur von bestimmten Leuten oder Regisseuren an oder könnt ihr damit gar nix anfangen? Welche AKs sollte man kennen, welche sind entbehrlich bis langweilig? Was meint ihr?

Allein schon aus zeitliche Gründen höre ich sie mir nicht prinzipiell an. Threads über gute und schlechte Audiokommentare gibt es reichlich in den einschlägigen Filmforen, aus dem Stegreif fallen mir z.B. ein:

- Enzo G. Castelllari ist spitze, wenn es um Italo-Audiokommentare geht. Nicht nur ein toller Regisseur, sondern auch ein guter Erzähler, der mit seinem charmanten italienischen Akzent eine Anekdote nach der anderen zum Besten gibt. Der Mann hat nichts vergessen und durfte daher diverse schöne Kommentare einsprechen (Riffs, Keoma, Metropolis 2000, Racket...)

- Paul Verhoeven wird immer genannt, wenn es um gute Audiokommentare geht. Ein höchst unterhaltsamer Dampfplauderer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Es gibt glaube ich zu jedem seiner Kinofilme außer Showgirls einen Kommentar von ihm, und sie sind alle hörenswert.

- Bey Logan gehört zu den hörenswerten Filmgelehrten. Er hat massig Audiokommentare zu Hongkong-Filmen eingesprochen, redet atemlos, weiß zu allem was zu erzählen, identifiziert alle möglichen Nebendarsteller. Großartig für HK-Filmfans.
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon Adalmar » 15. Jan 2012, 00:17

Ich höre generell gerne Audiokommentare, weil es einem das Gefühl gibt, mit dem Regisseur oder wer immer da spricht, nett zusammenzusitzen und ihm quasi privat zu lauschen. Nun gibt es natürlich auch eigentlich nette Kommentare, die aber belanglos sind, weil die Macher hauptsächlich sich selbst oder sich gegenseitig loben, und auch Leute, denen schwer zuzuhören ist, weil sie sich ständig räuspern und "äh..." machen wie z. B. der von mir sehr geschätzte John Boorman. Von Castellari, Verhoeven und Logan habe ich mir leider bislang keinen Kommentar angehört, obwohl sie alle klar in meinen Interessenbereich fallen. Mache ich demnächst aber bestimmt mal!
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon jogiwan » 15. Jan 2012, 00:22

ich muss wohl demnächst mal den Audiokommentar von "Volver" reinziehen... Pedro rules! :D
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon Jeroen » 15. Jan 2012, 01:16

Völlig genial ist übrigens auch noch Malcom McDowells Audiokommentar zu Caligula, da kommt man aus dem Lachen auch echt nicht mehr raus :D
Den Kommentar von Bruce Campbell und den Raimi-Brüdern zu Army of Darkness habe ich auch als unterhaltsam in Erinnerung, das ist aber inzwischen über 10 Jahre her dass ich den gehört habe :shock:
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon untot » 15. Jan 2012, 04:30

Ganz ehrlich ich hab mir bis jetzt noch NIE einen Film mit Audio Kommentar angesehen, bzw es nie länger als 10 Minuten durchgehalten, mich lanweilt das einfach nur ganz fürchterlich.
Mich interessiert gererell nur der Film und dazu will ich mir ganz ohne beeinflusst zu werden mein eigeses Bild machen, will ich dann mehr über den Film wissen, finde ich im Netz mehr als genug darüber!
Ich bin auch kein besonderer Freund von Bonus Material, ich muss es nur manchmal zähneknirschend für teuer Geld dazu kaufen, weils die DVD eben nur so gibt, gibts ne abgespeckte Version greif vorzugsweise zu der!! :nick:
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon buxtebrawler » 16. Jan 2012, 01:31

Ich find's generell erst mal begrüßenswert, wenn schönes Bonusmaterial mitveröffentlicht wird, gerade natürlich bei Genre-Filmen aus den bereits von anderen erwähnten Gründen. Ich sehe/höre mir bei Weitem nicht alles an, finde ich es aber sehr schön, zu wissen, diese Möglichkeit zu haben, sollte ich mich aus irgendwelchen Gründen einmal intensiver mit diesem oder jenem Film beschäftigen wollen. Ich glaube auch, dass in Zeiten von Filmstreaming übers Netz etc. solche Dinge Alleinstellungsmermale einer DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung darstellen und als solche hohe Bedeutung haben.

Bei den "Galerie des Grauens"- bzw. "Die Rückkehr der Galerie..."-DVDs z.B. höre ich mir stets sämtliche Audikommentare an, die in diesen Fällen von "Filmgelehrten" eingesprochen werden und im Falle des Keßler/Strecker-Duos ebenso humorig wie informativ ausfallen und meistens mindestens genauso unterhaltsam sind wie der Film selbst. Bei Filmen, bei denen man sowieso schon recht viel über die Hintergründe weiß, kneife ich mir bis jetzt meist die AKs und wenn ich weiß, dass ein Regisseur 90 Minuten lang distanzlos über seinen eigenen Film quatscht und das am besten noch auf englisch ohne Untertitel ist mein Interesse außer in Ausnahmefällen nicht sonderlich groß. Hier gilt aber: Je obskurer der Film, desto größer mein Interesse.

Oftmals ist es aber auch so - wie Jeroen schon sagte - dass ich einen Film gar nicht so sehr in seine Einzelteile zerpflückt bzw. zerredet haben möchte, damit seine Magie, die Illusion erhalten bleibt.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon Adalmar » 16. Jan 2012, 01:45

Gerade aus der amerikanischen Filmindustrie kommen natürlich oft Kommentare, die sich vor Lob der eigenen Arbeit und der anderer an dem Film nur so überschlagen. Trotzdem finde ich es immer noch interessant zu wissen, z. B. an welche Vorbilder ein Regisseur in einer bestimmten Szene gedacht hat. Z. B. habe ich den Kommentar zu "Der Exorzismus von Emily Rose" von Scott Derrickson jetzt gehört und neben einigem penetranten dicken Lob kommen dabei auch viele interessante Verweise zutage. Auf der anderen Seite frisst das Anschauen ein Kommentar natürlich viel Zeit.

Diese Kessler-Kommentare gefallen mir teils sehr gut, der von Mondo Candido war mir aber viel zu oft am Thema vorbei. Da hat es mich mitunter richtig gestört, wenn auf der Leinwand jede Menge unglaubliche Sachen passierten und Herr K. lang und breit allgemein über andere Filme von Jacopetti erzählt hat.
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Re: Audiokommentare - pro & contra

Beitragvon Arkadin » 16. Jan 2012, 10:44

Generell finde ich die Option auf einen Audio-Kommentar sehr schön, auch wen ich sie so gut wie nie nutze (Zeitgründe).

Meistens schalte ich nur mal zum Audio-Kommentar rüber, wenn ich eine bestimmte Szene sehr interessant fand und mehr darüber erfahren möchte. Die Audiokomentare von Werner Herzog finde ich famos, die höre ich sehr gerne.

Ganz übel war Dario Argento bei "Phenomena". Da fragte der Interviewer erst dies und das, aber Argento antwortete immer nur mit "Ja", "Nein", "Kann mich nicht erinneren". Irgendwann hatte auch der Interviewer keinen Bock mehr und dann wurde es sehr, sehr ruhig auf der Tonspur.

Edit: Diverse Peinlichkeiten :oops:
Zuletzt geändert von Arkadin am 16. Jan 2012, 12:31, insgesamt 1-mal geändert.
Früher war mehr Lametta
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