Musik-Jahrescharts 2010

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Re: Musik-Jahrescharts 2010

Beitragvon Arkadin » 25. Dez 2010, 23:39

dr. freudstein hat geschrieben:
REVEREND PEYTON#S BIG DAMN BAND
- The wages


Kenne ich gar nicht. Aber wenn's vom Fachmann kommt, isses mal notiert.
Früher war mehr Lametta
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Re: Musik-Jahrescharts 2010

Beitragvon buxtebrawler » 26. Dez 2010, 00:05

Arkadin hat geschrieben:
dr. freudstein hat geschrieben:
REVEREND PEYTON#S BIG DAMN BAND
- The wages


Kenne ich gar nicht. Aber wenn's vom Fachmann kommt, isses mal notiert.


Hab den Werdegang nicht mehr weiter verfolgt, aber seinerzeit mal das Debüt zugeschickt bekommen und Folgendes dazu notiert:

THE REVERED PEYTON’S BIG DAMN BAND – THE WHOLE FAM DAMNILY CD
(www.sideonedummy.com) / (www.bigdamnband.com)

Ein dicker, stämmiger Typ mit Vollbart, Hosenträgern und Akustik-Klampfe, (s)eine dicke Frau mit Waschbrett und ein Weiterer, der sich um die Percussions kümmert – richtig, hier geht es nicht um Punkrock, sondern um Südstaaten-Country-Blues, der bemüht authentisch inkl. Südstaaten-Akzent etc. daherkommt, sich das eine oder andere Augenzwinkern aber nicht verkneifen kann - was wohl der Grund dafür ist, dass wir diese Scheibe zugeschickt bekommen haben und die Band mit vielen Punkbands auftritt... Ein Schelm also, wer das Ganze für ein Projekt hält, das seinen Ursprung in „unserer“ Szene hat. Aus der minimalistischen Instrumentierung wird jedenfalls einiges herausgeholt und die Songs besitzen verdammt viel Energie, so dass die Scheibe jedem, der grundsätzlich mit solcher Mucke was anfangen kann, viel Spaß machen dürfte. Die Liebe zum Detail ist auf jeden Fall gegeben und zieht sich durch die Gestaltung des Albums angefangen beim matten Digipak mit gezeichnetem, die Bandmitglieder abbildendem Cover, den irgendwie auf alt getrimmten Fotos bis hin zu den simplen, aber aussagekräftigen Texten, die dann schon mal wie folgt klingen: „Wal-Mart killed the Country Store / They discriminate by race and age / Won’t pay nobody a living wage“ oder auch „I want to thank y’all for the food that you made us / But it don’t hold a candle to Mama’s fried potatoes“. Hat was! 13 Songs in 40 Minuten.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
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Re: Musik-Jahrescharts 2010

Beitragvon buxtebrawler » 31. Dez 2010, 20:02

Bild

Die besten Neuerscheinungen 2010:

(Längere Texte mit Links stammen von meiner Beschäftigungstherapie als Rezensent für ein Online-Punkfanzine, die Reihenfolge ist alphabetisch)

BRDIGUNG – TOT ABER LEBENDIG CD
(http://www.brdigung.com) / (http://www.antirockstar.de)

Kiek an, wat neues von der BRDIGUNG. Das Debütalbum vor zwei Jahren fand ich ja noch durchwachsen, konnte aber viele gute Ansätze erkennen. Und jetzt? Hat man fast alles richtig gemacht. Die Jungs spielen immer noch ihren treibenden Metal-Punk, aber die geniale Lead-Gitarre kommt noch geiler rüber und fiedelt sich einen ab, dass manche Metal-Band vor Neid erblassen dürfte. Der Gesang ist rauer geworden und die düsteren, ausschließlich in deutscher Sprache vorgetragenen Texte sind besser. Dabei wird ein breites Spektrum abgedeckt: Von persönlich bis kritisch, dabei oft voller Pathos und manchmal etwas ZU dick aufgetragen, aber nur noch selten holprig, dafür umso öfter richtig gut. Und glücklicherweise beließ man es bei einem einzigen selbstbeweihräucherndem Song der Frankfurter Schule. Kräftige Refrains zum Fäusteballen, ein paar Chöre zum Mitgrölen und eine fette Produktion machen das Vergnügen perfekt. Im alle Texte enthaltenden Booklet präsentiert man sich mit professioneller Gestaltung und ebensolchen Bandfotos stylisch ohne Ende. Für Punk-Puristen ist das sicherlich nichts; aufgeschlossenere Menschen, die bei den Begriffen „Metal“ oder „Streetrock“ nicht gleich panisch die Flucht ergreifen, sollten aber unbedingt mal reinhören. Wem bereits das Debüt zusagte, kann blind zugreifen. Eine beachtliche Steigerung – von dieser Band wird man noch viel hören. 14 Songs in 48 Minuten ohne einen einzigen Ausfall!

CERVELLI STANKI – 15 YEARS... OLD TUNES, NEW BLOOD CD
Violax Rec. / (http://www.myspace.com/cervellistanki)

Warum habe ich von dieser italienischen Band noch nie etwas gehört? Jetzt liegt mir eine Best-Of inkl. einiger neuer Songs vor – und die ist richtig geil! Schneller, druckvoller, treibender Punkrock/Streetpunk mit genialem Alarmgesang, fetten Chören und der richtigen Haltung ggü. Bullen, Faschisten und dem ganzen Gesocks. Aufpeitschender Pogo-Sound vom Feinsten. Mit seinem Clockwork-Orange-Cover erinnert mich das Ganze fast an eine italienische ADICTS-Variante auf Speed, zumindest musikalisch. Tipp! Enthält mit „Frana“ eine Coverversion von ERODE. Im Booklet wurden die italienischen Texte ins Englische übersetzt, allerdings nicht immer ganz fehlerfrei. 15 Songs in 33 Minuten.

CHEFDENKER – RÖMISCH VIER LP/CD
(http://www.chefdenker.de) / Trillerfisch Records

Die Kölner CHEFDENKER um ex-KNOCHENFABRIK-Frontmann Claus Lüer holen zum vierten Großangriff aus und entdecken wie gewohnt kleine Geschichten im allgegenwärtigen Wahnsinn des Alltags, die sie in sarkastische bis zynische Texte zu oftmals getragenen, kurzen Punkrockmelodien verpacken. Ob es nun um die Krux des öffentlichen Nahverkehrs („Taxi fahren!“), fragwürdige Fußballexperten („Günther Netzer“), Harndrang im Autobahnstau („Hitlers Autobahn“), die Kopfbedeckungen von MELT-Teilnehmern („Festivalbesucher“), BEACH-BOYS-Konzerte („Polonäse Hüftprothese“), das sog. Wirtschaftswunder („Der Optimismus der 50er Jahre“), zahnärztliche Betrachtungsweisen von Radio-Terror („Das Kartell“) geht oder darum, warum Hartz IV letztlich doch die bessere Alternative ist („Schlau in die Krise...“, „Agentur für Arschvoll“) – die Texte sind wieder einmal das, was die Platte ausmacht, die Musik dient nur zur Darreichung selbiger und gefällt mir immer am besten, wenn es etwas flotter zur Sache geht. Das Hitpotential kann ich nach meinen erst wenigen Durchgängen noch nicht abschließend beurteilen, aber was man an den CHEFDENKERN hat, weiß heutzutage ohnehin jeder und wird deshalb auch hier zugreifen – zurecht. Bei der Cover- und Booklet-Gestaltung treffen übrigens Reminiszenzen an die gute alte, heutzutage fast in Vergessenheit geratene Eingabeschnittstelle bei der Heimcomputernutung, der DOS-Prompt, auf modernste Technologie wie QR-Codes – mit CHEFDENKER in die Zukunft! Wenn das nichts ist? 19 Songs in 39 Minuten.

DÖDELHAIE – HAI ALARM!! CD
(http://www.doedelhaie.de) / (http://www.impact-records.com)

Etliche Jahre sind seit dem letzten DÖDELHAIE-Album “Schätzchen, ich habe das Land befreit” ins Land gezogen, aber endlich ist, pünktlich zum 25-jährigen (!) Bandjubiläum, das sechste Album da. Ich sage bewusst „endlich“, da ich die Band sehr schätze – aller sicherlich berechtigten Kritik zum Trotz, denn Sound, Texte und Auftreten der Band um den anscheinend immer gut gelaunten Sänger, Bassisten und Berufspunk Andy Kulosa sind nicht jedermanns Ding. Manchen sind die Duisburger zu pathetisch, klischeehaft, metallisch, albern oder „pseudo“, man stört sich am Gesang Andys oder an was auch immer. Ich persönlich mag aber sowohl das (in der Vergangenheit aber wesentlich stärker als auf diesem Album) metallisch angehauchte Spiel der zwei Gitarristen und die kämpferischen, pathetischen Texte als auch den typischen DÖDELHAIE-Humor und werde von „Hai Alarm!!“ nicht enttäuscht, im Gegenteil: es gefällt mir besser als der Vorgänger. Direkt der Eröffnungssong „Gedanken am Fluss“ knallt mir gleich einen prima eigenständigen, nachdenklichen Text an den Kopf („Willst du wirklich alles wissen? Willst du wirklich alles verstehen?“), der sich fast schon auf „Spiegelbild“-Niveau befindet, einem der größten Hits der Band. „Ändern können sich die anderen“ ist ein (im positiven Sinne, falls das geht) arrogant-ignoranter Mutmacher und kann gleichzeitig als eine Art Einstimmung und Rechtfertigung für das nun folgende Klischeebrett „Hätten wir euch heut’ erwartet, hätten wir Mollis da“ zu einer Sesamstraßen-Melodie betrachtet werden. Als würde man 16-jährig einen Song für einen „Schlachtrufe BRD“-Sampler schreiben, singt man naiv in der einen Zeile von Punks, in der nächsten schon vom schwarzen Block und davon, Nazis und Bullen mit Molotow-Cocktails zu begegnen. Hieran werden sich die Geister scheiden, denn ob die DÖDELHAIE sich tatsächlich an radikalen, gewalttätigen Auseinandersetzungen auf der Straße beteiligen, wie sie es in ihren Texten immer wieder thematisieren, sei mal dahingestellt. Die Kritik an so etwas kann ich gut nachvollziehen, muss aber auch konstatieren, dass der Song inkl. Keyboard-Intro und Offbeat so verdammt viel Spaß macht, dass ich darauf geflissentlich scheiße und lieber die muntere Melodei mitpfeife, die sich stundenlang im Ohr festsetzt. Der nächste Song „Golf-Hooligans“ ist schon vom Sunny-Bastards-Fußballsampler bekannt und wieder ein schönes Beispiel für den Bandhumor, der meinem nicht ganz unähnlich ist. „Die letzte Grenze“ ist eine Art Folk-/Punk-Crossover mit düsterem, kämpferischem Text und „Ein gutes Buch“, nunja - dass ich noch erleben darf, dass eine „Deutschpunk“-Band Werbung für Bücher macht... haha. Beides keine schlechten Songs. Etwas peinlich, dass der direkt danach einsetzende Hörspiel-Prolog zu „Ponyhof vs. Pferdebraterei 0:1“ als „Epilog“ in der Songliste steht, aber der Song ist schwarzer Humor vom feinsten und ein verdammter Hit! Erneut ihr Händchen für Coverversionen beweisen die Haie bei „Memmen“, das im Original „Memory“ heißt und aus dem tuntigen „Cats“-Musical entflohen ist. Das Intro wird von Eva gesungen, die auch schon beim Ponyhof-Song mit von der Partie war, und der Text trieft vor Pathos und Klischee, ist aber offensichtlich nicht ganz ernst gemeint und wird, wie so oft, mit einem Augenzwinkern vorgetragen. „Die Knute der Gerechtigkeit“, ein etwas selbstgerechter Song, der mit selbiger droht, ist der schnellste der Platte. „Der Kommandant“ ist Revolutionsromantik nach kubanischem Vorbild und bei „Haie im Siegerkranz“ feiert man mit einer genialen, hymnischen Melodie sich und Punkrock im Allgemeinen. Für den Rausschmeißer „Schwimm los, wenn du ein Haifisch bist“ bediente man sich wieder eines beliebten Gassenhauers, „Go West“ von den VILLA PEOPLE. Unterm Strich ist „Hai Alarm!!“ ein überraschend ausfallfreies Album mit einigen Hits geworden, das verdammt frisch klingt und über alle DÖDELHAIE-typischen Zutaten verfügt. Wer also mit den älteren Werken der Band etwas anfangen konnte, wird auch diese schwer unterhaltsame Platte mögen! Zusätzliche Unterstützung gab’s übrigens von Uwe und Micha, beide ex-DAILY TERROR. Das passend bebilderte Booklet bietet alle Texte und die limitierte Erstauflage kommt im schicken Pappschuber mit Aufkleber und einem Gutschein für ein kostenloses (!) Bandshirt. Eine auf nur 300 Exemplare limitierte Picture-Vinyl-Version gibt es auch, dieser liegt als Bonus eine CD-Version bei. Klasse! Liebe DÖDELHAIE, nun kommt doch bitte auch endlich einmal nach Hamburg, um die Platte zu promoten... 12 Songs + Intro + Hörspiel in 46 Minuten.

THE GASLIGHT ANTHEM - AMERICAN SLANG LP/CD

Das dritte Album der "Streetpunk meets Bruce Springsteen "-Punks, nicht mehr so stark wie die vorausgegangenen Alben, aber immer noch sehr gut. Weniger melancholisch, dafür fröhlicher. Ist ja aber auch kein Wunder, bei dem Erfolg, den die Band hat. "American Slang", "Spirit Of Jazz" etc. sind großartige Hits.

IRON MAIDEN - THE FINAL FRONTIER LP/CD

Die Meinungen gehen anscheinend sehr auseinander, mir gefällt die Platte ziemlich gut und vor allem besser als der Vorgänger "A Matter Of Life And Death". Wer ein Album aufnimmt, das die Spielzeit einer CD nahezu komplett ausreizt, darf auch ein fünfminütiges Intro verwenden. Und noch immer fällt mir bei kaum einem Song die tatsächlich Spieldauer, die gerne mal an die zehn Minuten geht auf - obwohl ich eigentlich eher auf kürzere, knackige Songs stehe. Das schaffen nur IRON MAIDEN und die zwei, vielleicht drei verzichtbaren Songs werden durch den Überhit "When The Wild Wind Blows" wettgemacht. Klar, die Platte läuft nicht so glatt rein wie die aus den glorreichen 80ern, aber sie entfaltet ihre wahre Klasse mit jedem Durchlaufen immer mehr. Ein klassischer "Grower". Die Produktion ist völlig ok, ich find's sogar sehr geil und charmant, dass die Platte quasi "live im Studio" eingespielt wurde. Ich freue mich jedenfalls aufs Konzert und lege bis dahin weiterhin regelmäßig "The Final Frontier" auf; ein Album, das hoffentlich nicht das letzte gewesen sein wird.

DIE KASSIERER – PHYSIK LP/CD
(http://www.kassierer.de) / (http://www.teenage-rebel.de)

Die mächtigen Kassierer aus Bochum haben kraft ihrer verbesserten Gehirne nach langen Jahren ein neues, sozialethisch nicht desorientierendes, künstlerisches Werk vollbracht, das sich diesmal 53 Minuten lang verstärkt naturwissenschaftlicher Themen annimmt. Nach dem physikalischen Intro geht’s gleich mit einer der berüchtigten KASSIERER-Coverversionen los, die mit „Nieder mit die Arbeit“, das eigentlich „Lied der Pennbrüder“ heißt, ein von Harry Steier in den 1920ern gesungenes Anti-Arbeitslied in Punkmontur packen und damit auf die historischen Wurzeln einer uns allen längst in Fleisch und Blut übergegangenen Lebenseinstellung verweisen. Dass Geschlechtsverkehr besser als Arbeit ist, wird in „Ich fick durch die ganze Wohnung“ deutlich, das Einblicke in Wölfis Zehn-Zimmer-Luxusappartement offenbart. Die KASSIERER-eigene Kombination aus Offbeat und Blasmusik bekommt man mit dem Ohrwurm „Ich war ein Spinner“ kredenzt. „Das Lied vom Kot“ kommt im Elektrogewand und handelt von der schlimmsten Substanz im Weltenall („Furchtbar ist nicht das Strontium und auch nicht das Plutonium“ (...) „Das ist der Kot, der Kot, das ist der Kot“), während „Radioaktiv!“ vom Alltag eines über die Radioaktivität sinnierenden Denkers berichtet. Mit „Schönes Universum“ und auch „Erfindungen“ hat man zwei der besten Sauflieder seit langem intoniert („Nobel erfand das Dynamit, Sputnik war ein Satellit, Röntgen entdeckte seinen Strahl, das ist mir aber scheißegal! Ich danke Gott, dass er den Alkohol erfunden hat...“) und mit „Verliebt in Whisky, Bier und Wein“ zudem eine großartige Mitgrölhymne parat, die hoffentlich auch live zum Besten gegebenen werden wird. Apropos Mitgrölhymnen: Derer gibt es im Vergleich zu vorausgegangenen KASSIERER-Alben insgesamt weniger, was den einen oder anderen Vollproll, der außer „Saufen!“ und „Ficken!“ ohnehin nie etwas verstanden hat, verschrecken könnte, mich aber verständlicherweise weniger stört. Eine weitere Coverversion ist das nihilistische „Mir ist alles piepe“, ein Chanson vom Österreicher Peter Igelhoff. Außerdem hat es den „Song von den brennenden Zeitfragen“ von den VIER NACHRICHTERN ebenso erwischt, wie man sich mit „Was für ein Ticker ist der Politiker?“ einmal mehr des Fundus an Georg-Kreisler-Liedern bediente, wobei Wölfis Gesang lediglich von einem Klavier begleitet wird. Gewohnt großartig. Und wenn wir schon dabei sind: Rolf Zuckowskis nervige „Weihnachtsbäckerei“ wurde für eine fiese Punknummer zum Mitschunkeln in „Wirtshauschlägerei“ umgedichtet. Davon, dass die Band während ihres Physikstudiums die Quantentheorie verstanden hat und zurecht von ihr schockiert ist, zeugt das textlich aufs Wesentliche reduzierte „Quantenphysik“. Ein weiterer Höhepunkt ist „No Future, das war gestern“, eine Art R’n’B/Hip-Hop-Stück, begleitet vom unvergleichlichen MAMBO KURT mit seiner Heimorgel! Sehr guter, kritischer Text, ungewöhnliche, aber nicht minder einfallsreiche Umsetzung. „Zitronenhai“, eine ziemlich sinn- und leider auch humorbefreite Abhandlung über die Unterwasserfauna wird vom einzigen deutschen Zitherorchester (!) begleitet, „Der Mann, der rückwärts spricht“ zu einer lieblichen Melodie von einer Frau gesungen, unterbrochen von Rückwärtssprechparts Wölfis und ein Stück wie „Im Sauerland kann man teleportieren“ ist so daneben, dass es schon wieder gut ist. Sicherlich sind einige Ergüsse wie „Drillinstructor-Song“, „Ich niese immer Scharlatan“ oder eben der „Zitronenhai“ verzichtbar, alles in allem hat die „Genitalherpes der deutschen Musikkultur“ (plattentests.de über DIE KASSIERER) aber einmal mehr ein zivilisationskritisches Zeugnis zwischen Dadaismus, Nihilismus und Hedonismus abgelegt und mir erneut bestätigt, dass sie mir von der Ruhrgebiets-Humor-Dreierachse aus KASSIERER, LOKALMATADORE und EISENPIMMEL die liebsten, weil mit ihrer Mischung aus Asitum, Nerd-Humor und Kapitalismus-/Kultur-Kritik unberechenbarsten sind. Das Cover zeigt die Band mit weißen Kitteln und physikalischem Gerät und das Booklet ist mit Fotos und allen Texten sehr durchblätternswert ausgefallen. Eine LP-Version soll es auch geben, inkl. Download-Gutschein. 21 Songs + gesprochene Grüße und Danksagungen, wobei letztere es in sich haben – und ich mich einmal mehr frage: Wie kommt man auf sowas?

KEIN HASS DA – HIRNTRAFO Buch + CD
(http://www.keinhassda.de) / (http://www.alligatorfarm.de)

Die BAD BRAINS waren eine außergewöhnliche US-amerikanische Hardcore-Band: Schwarze Rasta-Musiker, die ihre spirituellen Überzeugungen mit beißendem, rasantem HC-Punk vermengten, positive Energie ausstrahlten und ihr Programm mit vielen Reggae-Stücken auflockerten. Jene Band hat zahlreiche Musiker nachhaltig beeinflusst, noch immer gelten sie als ein Musterbeispiel für eigenständigen, originellen Hardcore. Gefallen lassen mussten sie sich allerdings die Vorwürfe, homophob und religiös verwirrt zu sein. Ebenfalls inspirieren lassen hat sich Chefzyniker, Exhibitionist, Ex-Kanzlerkandidat, Idiotenklavierspieler, Gedankenverpester und Comic-Verleger Karl Nagel (ex-MILITANT MOTHERS), der mit KEIN HASS DA das wahnsinnige Experiment wagte, BAD-BRAINS-Songs mit deutschen Texten zu versehen und auf eigene Weise zu interpretieren, ohne dabei das Konzept des Originals zu verraten oder bis zur Niveaulosigkeit zu abstrahieren. Dass dieser Versuch als gelungen bezeichnet werden kann, davon konnte ich mich vor zwei Jahren bei einem der ersten Auftritte der Band in Hamburg überzeugen. Nagel hat die Songs nicht nur gehört, sondern studiert und in sich aufgesaugt und scheint, auf der Bühne mit dem Mikro in der Hand stehend, eins geworden zu sein mit der Energie, die die Band transportierte. Mit einem mauen Abklatsch hat das nicht das Geringste zu tun und mit gemütlichem Altherren-Rock schon mal gar nicht. Nagel will’s mit seinen mittlerweile auch schon 50 Lenze noch einmal wissen und legt nun mit dem fertigen, sage und schreibe 29 Songs in 78 Minuten umfassenden Tonträger Zeugnis darüber ab, dass mich mein positiver Eindruck vom Konzert seinerzeit nicht getäuscht hat, ganz im Gegenteil: Den Musikern seiner Band gelingt es vorzüglich, das Songmaterial – egal ob HC-Punk oder Reggae – in die Gegenwart zu portieren, die Produktion ist über jeden Zweifel erhaben und Nagel singt in einer Qualität mit einem Stimm-, Stimmungs- und Stilumfang, als hätte er nie etwas anderes gemacht. KEIN HASS DA haben das Erbe der BRAINS nicht besudelt oder ausgebeutet, sondern veredelt und mit einer starken eigenen Note versehen, so dass sie nie in eine arschkriecherische Huldigungs-Haltung zu verfallen drohen. Nagels Interpretationen könnten Jüngeren sogar dabei helfen, den Geist des Originals überhaupt erstmals zu begreifen und damit Lust auf die alten Scheiben aus den 1980ern zu machen. Die Texte sind frei von stumpfen Parolen und regen in ihrer Poesie, klischeefreien Spiritualität und ihrem Metapherreichtum zum Nachdenken an – z.B. über Unabhängigkeit, Konsumverhalten, Hass und Gewalt, Selbstreflexion und –bewusstsein, Verweigerung usw . Nicht alle muss man dabei unterschreiben, aber als Inspirationsquelle taugen sie hervorragend. Aus „Sailin’ On“ wird dabei „Setz’ die Segel“, aus „Sacred Love“ der „Traumvulkan“, aus „I against I“ wird „Einfach dagegen“, aus „Attitude“ der „Billigflug“ etc. Religiösen Unfug umschiffte man dabei geschickt, selbst ein „Rückkehr nach Eden“ („Return To Heaven“) ist so allgemein gehalten, dass auch Atheisten und Agnostiker nichts zu befürchten brauchen. Trotz der beachtlichen Spielzeit läuft die Scheibe hier rauf und runter und wirkt dank ihres Abwechslungsreichtums kurzweilig und trotz des Tiefgangs und Anspruchs weder aufdringlich noch nervig. Man bekommt nie den Eindruck, dass das hier zu dick aufgetragen oder zuviel des Guten wäre. Ich kenne mich nun nicht so perfekt mit dem BAD-BRAINS-Katalog aus, vermutlich sind aber von jeder Veröffentlichung Songs enthalten mit Schwerpunkt auf dem ganz alten Stoff. Vier Songs wiederum stammen komplett aus der KEIN-HASS-DA-Feder, bedienen sich aber des typischen BAD-BRAIN-Stils und fügen sich perfekt in die Veröffentlichung ein. Soweit, so genial, doch KEIN HASS DA setzen noch einen drauf: Die CD ist alternativ zusammen mit einem großformatigen, gebundenen Hartcoverbuch erhältlich, das in einem Comic die (fiktive) Bandgeschichte erzählt und die Songtexte in zahlreichen Illustration von verschiedensten Künstlern abbildet, die damit ihre eigenen Deutungen der Stücke in kleinen Kunstwerken zum Ausdruck bringen. Die Comiczeichnungen stammen übrigens von Vincent Burmeister, der auch schon mit dem Skandal-Comic „Die! Oder wir“ für Aufregung sorgte, die Story ist von Karl Nagel persönlich. Unfassbar, mit wie viel Herzblut und Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde, ich bin völlig begeistert! Das Buch ist für diejenigen, die nach Kauf der Einzel-CD angefixt wurden, auch ohne CD erhältlich. Wer das Buch direkt bei der Band bestellt, bekommt zusätzlich noch eine Vinyl-Single dazu, die drei weitere Songs enthält, die nicht mehr auf die CD gepasst haben. Diese liegt mir leider nicht vor, würde aber sehr gern von mir separat besprochen werden, wenn man sie mir denn nachschickte. Meines Erachtens ist dieses großartige Gesamtkunstwerk die momentane Referenz für den achtungsvollen, nicht rückwärtsgewandten, sondern zukunftsorientierten Umgang mit dem musikalischen Erbe „unserer Szene“ in Tribut-Form und eine, wenn nicht sogar DIE Veröffentlichung des Jahres!

DIE LOKALMATADORE – SÖHNE MÜLHEIMS CD
(http://www.teenage-rebel.de) / (http://www.lokalmatadore.com)

Alles beim Alten bei den Lokalmatadoren. Das heißt: 70er-Jahre Blues- und Glamrock beeinflusster Proletarier-Punkrock mit Texten aus dem völlig normalen Leben, die dabei helfen, über eigene Eskapaden humoristisch hinwegsehen zu können. Eine Therapie-Platte für den Asi in uns, sozusagen. Bei „Surfin’ Tolstoi“ wird sogar astrein gesurft, Songs wie „Pipi machen, Zähne putzen, ab ins Bett!“ und „Arsch voll Kot“ haben das Zeug zu Hymnen und mit der PETER & THE TEST TUBE BABIES-Coverversion „Lokalverbot“ („Banned From The Pubs“) qualifiziert man sich auf jeden Fall fürs Achtelfinale gegen England. Und wer nicht nur spaßeshalber im Proberaum zu Easy-Listening-Sound das Alphabet rülpst, sondern es wirklich fertig bringt, das auf Platte zu pressen, hat bei mir ohnehin einen Stein im Brett vorm Kopf. Die Hitdichte eines „Heute ein König... morgen ein Arschloch“-Albums wird zwar nicht erreicht, aber wer schafft das schon? Die CD kommt mit Booklet mit allen Texten, und vermutlich gilt wieder: Wer alle Coverversionen und Plagiate errät, bekommt einen Keks (voll Kot). 16 Songs in 31 Minuten.

PERKELE - FOREVER LP/CD

Die schwedischen Streetpunks/Glatzköpp mit einem neuen Album. Weniger aggressiv und rau als das Zeug vor ihrem folklastigen "Längtan"-Mini-Album, die skandinavischen Folkeinflüsse sind auch hier mal mehr, mal weniger deutlich hörbar vorhanden. Was das Schreiben von eingängigen Hit-Singalongs betrifft, sind PERKELE eine sichere Bank. Auch hier findet sich wieder ein bunter Strauß Melodien, die man, einmal gehört, nie mehr missen möchte. Ein wenig Füllmaterial hat sich auch eingeschlichen und ein paar Songs gerieten so schnulzig, dass manch Fan ungläubig mit dem Kopf schütteln und überprüfen wird, was er da gerade aufgelegt hat, aber die Kracher überwiegen!

SMALL TOWN RIOT – SUICIDAL LIFESTYLE CD
(http://www.true-rebel-records.com) / (http://www.myspace.com/smalltownriothamburg)

Nach dem großartigen “Selftitled”-Album von vor zwei Jahren legen SMALL TOWN RIOT aus Hamburg und Umgebung ihren dritten, nach einem Zitat von ICE-T (!) betitelten Longplayer nach. Die Songs erscheinen nach dem ersten Hören etwas weniger abwechslungsreich, dafür poppiger als auf dem Vorgänger, sie gehen SOFORT ins Ohr und setzen sich dort fest. Selten eine so dermaßen eingängige und dabei trotzdem nicht glatt polierte Punkplatte gehört. Bei näherer Auseinandersetzung mit den lesenswerten, diesmal ausschließlich englischen Texten wird allerdings schnell deutlich, dass die teils fröhlichen Melodien der Untermalung von fatalistischen, verzweifelten, nachdenklichen Inhalten dienen, die der eigenen Orientierungslosigkeit, Unzufriedenheit und Widersprüchlichkeit selbstkritisch Ausdruck verleihen. Also quasi „gute Mine zum bösen Spiel“, wenn man so will. Mit „Bad Taste In Our Big Mouth“ hat es dann auch ein ziemlich hardcorelastiger Song auf die Platte geschafft, inkl. einem klasse Refrain. Ab diesem Punkt wird das Album wütender und angepisster bzw. auch musikalisch „ernster“ und härter. Ein ganz großes Plus der Band ist immer noch der Wechselgesang zwischen Gitarrist Norman und Drummer Timo, die sich nach wie vor ganz hervorragend ergänzen. Man beherrscht melodischen Gesang ebenso wie die Kelle Dreck und Aggression. Einer der größten Ohrwürmer dürfte „Cry Out“ sein, ein melancholisch angehauchter Song mit Hitgarantie. Beim ruhigen „Meaning Of Life“ kann Norman mal so richtig zeigen, was für ein überaus fähiger Sänger er ist, denn der steht hier im Vordergrund. „Falling Apart“ wiederum ist eine rasante Melodic-HC-Nummer geworden, die mich an den Sound von den SATANIC SURFERS oder VENERA erinnert. Bassist Rock’n’Rolf, der noch auf „Selftitled“ den Viersaiter bediente, wurde übrigens kurz nach Veröffentlichung jenes Albums durch Heiko Billy ersetzt, so dass die Band auch in dieser Besetzung längst ein eingespieltes Team ist. SMALL TOWN RIOT haben es mit „Suicidal Lifestyle“ erneut geschafft, ein Album mit verdammt hoher Hitdichte und ohne einen einzigen Ausfall zu veröffentlichen, so dass ich gar nicht anders kann, als die Höchstnote zu zücken. Zu bemängeln ist lediglich die kurze Spielzeit, zumal ich weiß, dass man noch einige Hits auf Vorrat hat, die darauf brennen, endlich veröffentlicht zu werden. Im schicken Booklet gibt’s alle Texte und viele Fotos und das Cover ist auch wieder ein echter Hingucker geworden. Schönes Ding, Jungs! 13 Songs in 39 Minuten.

SUPABOND – NARBEN CD
(http://www.plastic-bomb.de) / (http://www.myspace.com/supabond)

SUPABOND haben sich ja zurecht einen guten Namen erspielt und dieses Album wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass dieser wie selbstverständlich fallen wird, wenn es um wütenden, engagierten, deutschsprachigen Punkrock geht. Diese Platte ist ein echter Kracher geworden. 15 kurze Songs lang geht’s in bester TOXOPLASMA-Manier ab wie die Lutzi, getragen von der hervorragenden Sängerin. Die Texte sind eher persönlicher Natur, klischeefrei und eigenständig. Gefällt mir echt gut und es freut mich, dass heutzutage doch noch solche Platten rauskommen und Bands diesen Sound spielen, ohne längst Vergangenes zu kopieren oder in beschränkten Allgemeinplätzen zu verharren. Authentisch, kraftstrotzend und voller Energie – Respekt! Allzu viele Worte will ich auch gar nicht weiter verlieren, hört euch diesen Wirbelsturm einfach selbst an – ihr werdet es nicht bereuen. Einzig die NOTDURFT-Coverversion von „Süße Heimat“ gefällt mir im Original besser. Die Texte sind im Booklet nachzulesen und das Hörvergnügen dauert 34 kurzweilige Minuten.

VARIOUS ARTISTS – DRUSHB ANTIFA – FIGHT LOCAL RESIST GLOBAL CD
(http://www.true-rebel-records.com)

Immer wieder hört man von ganz übler Scheiße, die in der ehemaligen Sowjetunion abgeht: Ausgerechnet im Staat, der seinerzeit bei der zum Glück erfolgreichen Bekämpfung Hitlers und seiner verbrecherischen Nazi-Schergen die meisten Opfer der Alliierten zu beklagen hatte, ermorden hirnverbrannte Neonazis Menschen, die nicht in ihr abartiges Weltbild passen und verbreiten ein Klima von Schrecken und Einschüchterung. Aus diesem Grunde veröffentlichte das engagierte Hamburger Label True Rebel Records diesen Solidaritäts-Sampler, der mit satten 22 Songs und über einer Stunde Spielzeit vollgepackt ist mit vornehmlich deutschen und russischen Bands aus dem Punk-, Oi!- und Hardcore-Bereich. An für uns vermutlich bekannteren Namen beteiligten sich u.a. WHAT WE FEEL, LOIKAEMIE, STAGE BOTTLES, EIGHT BALLS, SMALL TOWN RIOT, SS-KALIERT, JESUS SKINS und SMEGMA und setzen damit unmissverständliche Zeichen. Und auch musikalisch kann sich dieser Sampler hören lassen, er enthält einige astreine, kämpferische Hymnen, ein paar Obskuritäten und andere Musikrichtungen sorgen für Abwechslung und die eine oder andere russische Band lässt sich natürlich ebenfalls für sich entdecken. Mit diesem Sampler soll allerdings nicht nur auf die beschissene Situation in Russland hingewiesen, sondern auch Geld für die Freunde vor Ort erwirtschaftet werden, weshalb ich hiermit dazu aufrufe, die CD zu ordern. Sie befindet sich im Vertrieb von Broken Silence, kann aber auch direkt bei True Rebel Records per E-Mail an chef@true-rebel-records.com oder frankiertem Rückumschlag an True Rebel Store, Große Bergstraße 193, 22767 Hamburg für 10,- EUR bestellt werden. Das Booklet enthält einen Infotext zum Hintergrund des Samplers in drei Sprachen. Definitiv eine unterstützungswerte Aktion.

VARIOUS ARTISTS - LET THEM KNOW - THE STORY OF YOUTH BRIGADE AND BYO RECORDS 2LP + CD + DVD + Buch

Kam anscheinend schon 2009 raus, hat es aber erst in diesem Jahr nach Deutschland geschafft (oder so). Zum mittlerweile auch schon zwei Jahre zurückliegenden 25-jährigen Bandjubiläum überraschten die Stern-Brüder mit diesem oberfetten Paket. Ein edles, gebundenes Buch, das die Geschichte von YOUTH BRIGADE und dem bedeutenden Underground-Plattenlabel "BYO" nachzeichnet, dazu ein sehr informativer Dokumentarfilm auf DVD in Spielfilmlänge und zwei LPs, auf denen die verschiedensten Bands alte BYO-Songs nachspielen. Super abwechslungsreicher Sampler, der zusätzlich als CD beiliegt, auf dem es eine Menge zu entdecken gibt und der 1a durchläuft. Top!

VENERA – LEAN BACK IN ANGER CD
(http://www.concretejunglerecords.com) / (http://www.myspace.com/venerapunk.se)

Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass es sich bei VENERA anscheinend um eine weitere Band handelt, die ich in der Vergangenheit vollkommen zu Unrecht mit Ignoranz gestraft habe. Das neue Album der schwedischen Band um SATANIC-SURFERS-Drummer Rodrigo ist pfeilschneller melodischer Punkrock mit ganz starker HC-Kante, hat mit gefälligem, beliebigem Lala-Melodicore aber nicht viel zu tun. In teilweise arg kurzen, englischsprachigen Songs geht’s richtig gut zur Sache mit trotz der Beschränkung auf die Spielzeit ausgeklügeltem Songwriting mit abwechslungsreichen Arrangements, genialem Schlagzeugspiel und ganz viel Power. Zu letzterem trägt die astreine Produktion ihren entscheidenden Teil bei. Gefällt mir richtig gut! Die Texte liegen mir in meiner bookletlosen Vorabversion leider nicht vor, aber Songtitel wie „Wake Up! Smell The Napalm!“, „Meanwhile in Zimbabwe“ und „Government Subsidized Ghetto“ vermitteln einen Eindruck davon, wohin die Reise geht. Ein hyperaktives Album voller Spielfreude und kleiner, feiner Melodien, das sofort zündet und auch die Aggressivität nicht vernachlässigt – ganz im Gegenteil! Bei „Heads They Win, Tails You Lose“ wird übrigens aus „Skulls“ von den MISFITS zitiert. 16 Songs in nur knapp 30 Minuten, die wirken, wie ein vorbeibrettender D-Zug mit verrückten Schweden an Bord. Tipp!

Ich konnte noch nicht jede interessante Neuveröffentlichung erwerben bzw. hören. Ebenfalls interessant gewesen wären:

Bonded By Blood - Exiled to Earth ("Retro-Thrash", zweites Album, der Vorgänger gefiel mir sehr gut)
Bonecrusher - We Are The Working Class (vermutlich alles beim Alten bei den Orange-County-Haudegen, derber, angepisster Streetpunk)
Eight Balls - Oi! The Upper Class (ich warte aufs Vinyl, beste deutsche Oi!-Band)
Michael Jackson - Michael (hoffentlich keine fiese Leichefledderei)
Lost Boyz Army - VMK Negativ (Peinlich, dass ich mir die immer noch nicht besorgt habe - wird schnellstens geändert. Neue Band um ex-"Verlorene Jungs"-Sänger Zoni, soll in Richtung ältere VJ mit dem textlichen Geschick und weiten Horizont von heute gehen)
Rawside - Widerstand (Kenne nicht mal das dritte Album, geschweige denn das vierte - ob sich das wirklich lohnen würde? Ich bin unschlüssig.)
Bruce Springsteen - The Promise (The Boss, is klar)
Supernichts - Immer wenn ich musst du (urbaner Asi-Pop, textlich gewiss wieder eine Offenbarung)

Feine Radio-Songs aus diesem Jahr:

K.I.Z. - Biergarten Eden
Marina & The Diamonds - Hollywood
Kate Nash - Do Wah Doo
K'naan - Wavin' Flag
Shakira - Waka Waka (This Time For Africa)
Viel mehr fällt mir grad nicht ein...

Die miesesten Platten, die ich zu hören bekommen habe:

DOWN BY THE KÖTTELBECKE – SO LANGE ES GEHT Mini-LP/-CD
(http://www.downbythekoettelbecke.de)

Die erste HASS-LP ist Kult. Über das was danach kam, kann man geteilter Meinung sein, mir gefällt’s nicht sonderlich. Was nun wiederum nach HASS kommt, ist die Band mit dem seltsamen Namen DOWN BY THE KÖTTELBECKE, die zu drei Vierteln aus ex-HASS-Mitgliedern inkl. Peter Blümer an Gitarre und Gesang besteht, lediglich der Schlagwerker ist ein „frischer“ Mann. Deren aktuelle Mini-CD habe ich jetzt vorliegen, die sich musikalisch zwischen punkigen und rockigen Klängen bewegt. Wie sagt der Infowisch? „Melodiöser und komplexer. Weniger Pogo, aber dafür mit mehr Gitarrensolo.“ Komplex ist hier zwar nix, die letzte Zeile kann ich aber bestätigen. Aber was zur Hölle sind das bitte für Texte? Geht gleich los mit „Ich bin von Gott gesegnet“ in der lokalpatriotischen Ruhrpotthymne „Pottsau“. Im Song „Nicht auf mein Schiff“ wird von der Sintflut und der Arche Noah gesungen, auf die man zwar den Papst, nicht aber Nazis mitnehmen würde. In „So lange es geht“ heißt es „Ich lese das Buch, das uns den Weg beschreibt“. In diesem Kontext erscheinen auch die Fischgräten und zahlreichen Kruzifixe im Booklet etwas befremdlich. Hat man im Hause HASS plötzlich die „Erleuchtung“ erlangt? Mit solch religiösem Quatsch wäre die Band vielleicht auf dem nächsten Festival irgendwelcher „Jesus Freaks“-Trottel gut aufgehoben, nicht aber bei Crazy United. Davon mal abgesehen ist die Mucke teilweise zum Einschlafen lahmarschig und textlich auch abseits christlicher Rhetorik ziemlich ungeil. Die Songs gibt es übrigens auch als 12“-Mini-LP, während die CD mit der „extended version“ (oho!) des Songs „Silver Surfer“ aber einen Bonus-Track enthält. Was dieser Blödsinn soll, frage ich mich aber erst gar nicht mehr. Sieben Songs in 23 Minuten.

EGOTRIP – S/T CD
(http://www.7us.de) / (http://www.myspace.com/meinegotrip)

Toto von NEVERMIND hat ein Solo-Album veröffentlicht. Da man mit dieser Nachricht zunächst erst mal niemanden hinterm Ofen hervorlockt, versucht er es anscheinend mit einer nackten Ollen auf dem Cover, während sein Label diese Scheißplatte versucht, mit „Fuldas Antwort auf Bela B.“ schönzureden. Hochgradig nervender, aalglatter Poprock mit schmalzigen Texten, zusammengesetzt aus sich wiederholenden Phrasen aus dem Liebeskummer-Songbaukasten. Unglaubwürdiger, weinerlicher Schrott von jemandem, der gerne wie die ÄRZTE mit ihren Schnulzen klingen würde, aber zu keiner Sekunde deren Witz, Charme oder sonst irgendetwas erreicht. Obwohl, ich hab schon lange kein aktuelles ÄRZTE-Album mehr gehört, vielleicht klingen die mittlerweile ja genauso. Pseudoeinfühlsame Texte, durch die man versucht, sich an kleine Bravo-Mädels ranzumachen. Ekelhaft. Zur üblichen Instrumentierung gesellen sich hier dann und wann Klavier, Synthesizer und Xylophon, was ich aber nur der Vollständigkeit halber erwähne. Zur Aufmachung kann ich weiter nichts sagen, da mir nur eine Vorab-CD im Pappschuber vorliegt. Neun Songs + Intro + zwei instrumentale Klavierlangweiler als Bonus-Songs (was soll das?!) in 46 verschwendeten Minuten.

LAUTSTARK – SPURLOS AUFGETAUCHT CD
(http://www.7us.de) / (http://www.lautstark-rockt.de)

Ich dachte schon, es ginge nicht mehr mieser als EGOTRIP, doch weit gefehlt – das gleiche Label hat das Album von LAUTSTARK verbrochen: Auf Radiotauglichkeit getrimmter, deutschsprachiger Emo-Poprock, vorgetragen von drei Milchbubis der Sorte Schwiegermamis Liebling. Das hat nun wirklich so dermaßen überhaupt gar nichts mit Punkrock zu tun, dass ich beim dritten Song, einer ganz fiesen Heulsusennummer, ausgemacht habe und mich weigere, mir diese konstruierte gequirlte Kacke weiter anzuhören. (...) Booklet mit Texten und pipapo, elf Songs in 36 Minuten.

[N]TICKET – DER TAG AN DEM DER TOD STARB CD
(http://www.ruuf-records.de) / (http://www.myspace.com/nticket)

Ich werde einen Teufel tun und das Album von ein paar christlichen Alternative-Rock-Hippies aus Neuwied ernsthaft für dieses Online-Fanzine besprechen. Ich lasse einfach ein Textzitat für sich sprechen: „Er kennt dich, gab seinen Sohn für dich, er reicht dir seine Hand, mit der er dich erschaffen hat.“ Mich mit so einem Mist hier auch noch sachlich auseinanderzusetzen, wäre wie den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, insofern verpisst euch doch bitte in eure „Jesus Freaks“-Sekten u.ä., aber erspart mir eure Glaubensbekenntnisse. Odin statt Jesus! Zehn Messen in 33 Minuten.

OUTSIDERS JOY – YES WE CAN CD (Anm.: Achtung, hierfür ist ein gewisses Ironieverständis vonnöten.)
(http://www.outsidersjoy.de) / (http://www.punk.de)

Genial! Nach seinerzeit WTZ gibt es mit den Kölnern OUTSIDERS JOY eine weitere Satire-Band, die deutsche Punk-Klischees aufs Korn nimmt. Ging es bei WTZ um die Imitation 80er-HC-Punks, schlüpft diese Band in die Rolle eines debilen Trios, das 15 Jahre zu spät (so lange gibt es die fiktive Band angeblich schon) mit einer miesen WIZO-Kopie versucht, Mittelklasse-Kidpunks zu erreichen. Dabei wird zu sanften Lala-Kindermelodien und mit ekligem Fistelgesang gegen Nazis, CDU und Bullen gesungen („Lieder gegen Bullen können nie schaden, solang die Bullen nicht in ihrem Blut baden“) und dabei herrlich die nicht vorhandene Authentizität und Credibility persifliert. Ganz großes Kino sind die sperrigen Texte, die unsicher zwischen Möchtegern-Radikalität, peinlichem Humor und bemühter politischer Korrektheit umhereiern, sich in Widersprüchen verlieren und krampfhaft in Strophen und Refrains gepresst werden: „Doch für ’ne Frau siehst du merkwürdig aus, besonders schön bist du nicht. Ich schäme mich noch mehr, eine Kartoffel zu sein, denn du repräsentierst Deutschland auch mit deinem Gesicht. Angela, ich will ja nicht oberflächlich sein, ich will nur deine Politik und deinen Charakter verurteilen“ aus dem Knaller „Angela“. Genial daneben auch das unbeholfene, undifferenzierte ONKELZ-Bashing in „Punkrockseil“: „Ich kann nicht mit dir schlafen, weil du BÖHSE ONKELZ hörst, das macht mich kein bisschen geil. Ich sehe rot und das geht nicht gut aus für dich, ich erwürge dich mit meinem Punkrockseil.“ Im gleichen Atemzug werden noch FREI.WILD, STÖRKRAFT und LANDSER erwähnt, da weißte Bescheid. Der Song „Guido Westerwelle“ ist ein schönes Beispiel für krampfhaft (un)lustige Homophobie auf Grundschulniveau, ausgerechnet von einer Kölner Band vorgetragen ein weiteres Highlight der CD. Natürlich gibt man sich auch szenekritisch und behandelt solche Aufregerthemen wie „Nix Gut“ („Ich will lieber arbeitslos sein, als einen Job zu haben, den es nur aufgrund von Kooperationen mit Rechten gibt, selbst wenn ich behindert wär“) – ganz große Lyrik! Auch fürs Herz ist was dabei und bedeutungsschwangere Titel wie „Nelken in weiß“ kehren die düstere Seite der Band nach außen – haha. Ein weiteres Standardthema, das nicht fehlen darf, ist die Religionskritik: „Ist es Gott, der einfach zulässt, dass Menschen Menschen töten, weil der eine falsch der andere richtig glaubt?“ Ähnlich kritisch und betroffen geht es schier endlos erscheinende 47 Minuten lang, wobei natürlich eine hochkitschige Ballade inkl. Klaviergeklimper und neben der Spur liegendem Gesang („Unglückliche Liebe“) nicht fehlen darf – für die 14-jährigen Mädels im Publikum, an die man sich vermutlich doppelt so alt ranzuschmeißen versucht. Gegen Ende wird noch einmal ein echtes Feuerwerk gezündet – denn englisch kann man ja auch, wie zuvor schon in „Yes We Can“ bewiesen („Yes we can if we are united destroy everything which is evil-minded“)! „Why do you listen“ fragt in ebenfalls derbstem Schulenglisch „Why do you listen to our songs if you don’t like them?“ und für alle Deutschpunk-Puristen wird der Song sicherheitshalber und schlecht versteckt als „Hidden track“ in einer übersetzten Version dargeboten! Auf sowas muss man erst mal kommen! Generell kommt immer, wenn man denkt, „schlimmer geht’s nicht mehr“, der nächste Song, der einen Lügen straft. Dass der Sänger dabei immer öfter klingt, als würde er gleich einschlafen, erhöht den Spaßfaktor ebenso zusätzlich wie das stets leicht nasale, schiefe Gequäke, das offensichtlich eine Parodie WIZO-Axels darstellen soll. „Mein Auto hat ein Nazi-Radar mit dem wird jede rechte Gesinnung aufgetan, dann schaltet sich von selbst die Automatik ein und jeder Nazi wird überfahren.“ (aus „Nazi-Radar“). Wie auch bei WTZ hat man sich eigens eine Bandhistorie ausgedacht: So war man angeblich früher bei Nix Gut (nur im Vertrieb!) und landete später auf dem – wer hätte es geahnt – WIZO-Label Hulk Räckorz... Das schlecht gezeichnete Klischeecover inkl. Astra-Pulle rundet ebenso wie der grammatikalisch falsch geschriebene Bandname das Gesamtbild ab, die Texte kann man im Booklet nachlesen und sich kaputtlachen. 17 Songs lang Verarsche vom feinsten, wenn auch verglichen mit WTZ ziemlich offensichtlich. Bin trotzdem gespannt, wie viele drauf hereinfallen werden...

DIE SHENKS – ENDLICH ACHTZEHN – JETZT EIN GLÄSCHEN SEKT CD
(http://www.platzda-produktion.de) / (http://www.dieshenks.de)

Auf dem Bandfoto dominieren graumeliertes bis nicht vorhandenes Haupthaar (ok, ehrlich gesagt nur bei 2/5), es handelt sich also augenscheinlich um eine Altherrencombo, die es noch mal wissen will. Dementsprechend entspannt wird der melodische Punkrock in deutscher Sprache vorgetragen, der durchaus etwas Hymnisches hat, mir persönlich aber zu sehr mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Nee, jetzt mal Butter bei die Fische: Das ist vollkommen austauschbares Lala-Gedöns, die Stimme des Sängers ist scheiße und die Texte ebenso. Vermutlich ein Hobby-Projekt, das besser nie die Garage des fast abbezahlten Eigenheims verlassen hätte. Können auf lokalen Stadtfesten auftreten, wo die bierbäuchigen Mittvierziger-Kumpels an der Festzeltgarnitur zustimmend nicken und zuprosten, aber mehr auch nicht. Trotzdem möchte ich der Band ein gewisses Gespür für gefällige Melodien attestieren, die angereichert mit Tempo, Wut und so etwas wie Attitüde vielleicht mal zu richtigen Punk-Nummern reifen könnten, sofern man das überhaupt will. Zur Aufmachung kann ich nicht viel sagen, da mir nur eine Vorab-Version im Pappschuber vorliegt. Zum Glück nur fünf Songs in zwölf Minuten

Schwer enttäuscht wurde ich von ACCEPT wegen beschissener, dümmlicher Ami-Texte auf dem neuen Album.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

Ein-Mann-Geschmacks-Armee gegen die eingefahrene Italo-Front (4/10 u. 9+)

Suche (dt. Sync): Dr. Jekyll und Mr. Hyde ('31) / The Last Song (Permanent Record) / Der Mann mit der eisernen Maske (Whale) / Rock'n'Roll Nightmare
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Re: Musik-Jahrescharts 2010

Beitragvon buxtebrawler » 31. Dez 2010, 20:05

Konzert-Höhepunke 2010:

Ich wühle mal im Konzertberichte-Archiv...

Im Februar:

"Ich war Freitag an der Bahrenfelder Trabrennbahn bei IN VINO VERITAS + CUTTING EASTSIDE CREW + STULLE & DAVID

Eigentlich sollten auch noch DOGS ON SAIL spielen, mussten aber auch dieses Trabrennbahn-Konzert leider absagen, weil Flo erkrankt war. Aufgrund der Kurzfristigkeit der Absage war es nicht mehr möglich, für Ersatz zu sorgen, weshalb der Eintrittspreis gesenkt wurde.

Um das Ende des St.-Pauli-Spiels abzuwarten, wurde erst relativ spät begonnen, was zur Folge hatte, dass ein guter Teil des Publikums bereits einen beachtlichen Alkoholpegel aufwies. Stulle (Dogs On Sail) und David (Grølbüdels) machten den Anfang mit einem Akkustik-Set, alberten herum, coverten u.a. "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist" von den Kassierern und irgendwat von Joint Venture, was begeistert vom Publikum aufgenommen wurde ("Joint Venture ist Skinhead Rock'n'Roll!"). Es folgten die, wie ich sie gerne nenne, Spinal Tap des Oi!-Punk In Vino Veritas, die ein tolles Party-Set ablieferten, vor guter Laune sprühten und mit Pogo und Gegröle bedacht wurden. Sehr schöner Auftritt! Endgültig den Rest gab mir dann die Cutting Eastside Crew, eine neuere Rostocker HC-Band mit Leuten der Meck-Pommer-HC-Institution Crushing Caspars, deren Sound, wie übrigens bei allen Interpreten heute abend, live super druckvoll und nahezu perfekt abgemischt rüberkam und mich zum exzessiven Tanzbeinschwingen zwang.

War mal wieder ein toller Abend mit sympathischen Bands und ebensolchem Publikum, eine komplett stressfreie alkoholgeschwängerte Party."

Im April:

"Gestern DICK "King Of The Surf Guitar" DALE in der Hamburger Fabrik. Dass der Altmeister des Surf-Rock sein Publikum trotz Alters von 72 Jahren und Krebserkrankung noch einmal mit einer Europatour beehren würde, konnte ich mir nicht entgehen lassen. Ich hatte ihn vorher nie live gesehen und wer weiß, ob man zu einem späteren Zeitpunkt noch Gelegenheit dazu bekommen würde? 23,70 EUR für die Karte im Vorverkauf war für ein Konzert ohne Vorband (angeblich aus organisatorischen Gründen, bis 19:00 Uhr fand in der Fabrik irgendein Kinderfest statt) zwar ziemlich happig, ich konnte es mir aber trotzdem leisten, da ich nicht mehr zu jedem anderen bekloppten Konzert renne. Schade, denn es gibt mehrere wirklich gute Hamburger Surfbands, die sich sicherlich gefreut hätten, im Vorprogramm von Mr. Dale auftreten zu können. Dieser betrat dann gegen 21:20 Uhr die Bühne der nicht übermäßig, für einen Sonntagabend aber bestimmt respektabel gefüllten Fabrik mit "Nitro" und es klang großartig. Dale trägt seine letzten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, ein schwarzes Stirnband und ein T-Shirt "Dick Dale For President" - und hat sichtlich Spaß auf der Bühne. Er kommuniziert mit dem Publikum und seiner Mimik kann man die Leidenschaft zu seiner Musik entnehmen. Zwischenzeitlich griff er sich zwei Drumsticks und spielte zusammen mit seinem Schlagzeuger, der mit herrlich aggressiver Mine auf die Drums eindrosch, Schlagzeug und später auch Bass (Dale bekommt die Bassgitarre hingehalten und spielt diese, indem er mit den Drumsticks drauf herumhaut), blies in die Trompete, imitierte Louis Armstrong usw... seine beiden Begleiter an Bass und Schlagzeug sind etliche Jahre jünger, tragen die gleiche Frisur und machen einen klasse Job. Nach gut 90 Minuten endet der sehr unterhaltsame Auftritt ohne Zugaben, aber was soll's - sei dem alten Mann seine Erholung gegönnt. Alle wichtigen Songs wurden gespielt.

Das Publikum bestand neben ein paar bärtigen alten Männern zu einem großen Teil aus jungen Leuten, einigen Psychos und Rockabilly-Typen, aber auch vielen "Normalen". Ähnlich wie bei alten Ska-Recken scheint sich das Publikum immer wieder zu verjüngen. Ich persönlich habe das Konzert sehr genossen, zumal es die perfekte Abrundung eines herrlich warmen Tages war. Es war sehr angenehm, mal wieder auf einem Konzert zu sein, bei dem es einfach nur um die Musik ging, die Musik selbst die Message war."

Im Mai:

"Als True Rebel Records zur Jahresfeier riefen, bin ich am Samstag dann auch mal wieder ins Hamburger Hafenklang, um mir ARRESTED DENIAL, IN VINO VERITAS, SCHLOIDERGANG und SMEGMA anzusehen. Ursprünglich sollten auch noch VOLXSTURM spielen, welche aber kurzfristig ausgeladen wurden. (...) Jedenfalls rückten dafür ARRESTED DENIAL nach, eine recht neue Streetpunk-Band um THIS-BELIEF-Sänger Valentin und ex-IN-VINO-VERITAS-Gitarrist Sascha. Diese machten nun anstelle IVVs den Opener und überzeugten mit einem druckvollen Set inkl. MAYTALS- und BROILERS-Coverversionen. Faire Geste und guter Service: Vor Beginn des Auftritts sagte IVV-Drummer Keller dem sich zu einem großen Teil noch vor der Tür aufhaltenden Publikum Bescheid, dass die erste Band beginnen würde. Das Hafenklang war gut gefüllt, glücklicherweise aber nicht allzu dichtgedrängt. Es folgten IN VINO VERITAS, die sich sehr darüber freuten, mal zusammen mit SMEGMA im Hafenklang spielen zu können. Aufgrund des frühen Zeitpunkts, sicherlich aber auch, weil die Bandmitglieder mittlerweile besser aufeinander eingespielt sind, ging der Auftritt geordneter als üblich über die Bühne und wurde vom Publikum sehr gut angenommen. Aus Berlin und Grimmen waren treue Fans angereist, um die Band zu unterstützen und diese sorgten für gute Stimmung. Eröffnet wurde mit "Hamburger Härte", es folgten Hits wie "Armin Meiwes", "Mädchen hinterm Tresen", "Skorbut" etc., bis im Zugabenteil dann von allen "Mit ohne Stolz" und "Holsten" lauthals mitgegrölt wurden. An einigen Songs wurde etwas gefeilt, um sie zu verfeinern. Ein überzeugender Auftritt! SCHLOIDERGANG hatten anschließend leichtes Spiel, brauchen sie sich ihr Publikum doch nicht mehr zu erspielen. Mit zwei Sängern und immer einem gewissen Augenzwinkern wurde deutschsprachiger Klischee-Oi! dargeboten inkl. eingedeutschten Coverversionen alter Klassiker. Der Schlagzeuger wird zum Tier hinter seiner Schießbude und am meisten Spaß machte es, ihn bei seinem Spiel zu beobachten. SMEGMA fanden schließlich ein ordentlich alkoholisiertes Publikum vor, das ihre Veraschungsshow dankbar annahm und auch ich ließ mich dazu hinreißen, die Jahrhunderthits der Schrammel-Oi!-Legende zu skandieren. Der schöne Abend mit gut aufgelegten Bands und sympathischem, zu einem großen Teil von Auswärts stammendem Publikum fand dann seinen Ausklang bzw. endgültigen Abschuss im Skorbut."

Im Juni:

"Freitag DRITTE WAHL + DOGS ON SAIL + ARRESTED DENIAL in der Wedeler Villa. Spitzenkonzert, eines der besten seit langem. DOGS ON SAIL machten den Opener und waren fantastisch, ARRESTED DENIAL folgten und hatten einen wesentlich besseren Sound als im Hafenklang. Klasse Streetpunk mit genialer MAYTALS-Coverversion, von dieser Band wird man hoffentlich noch sehr viel hören. Dann DRITTE WAHL in der bis auf den letzten Centimeter gefüllten Villa. Auch hier ein großartiger Live-Sound, sympathisches Auftreten und eine unvergleichliche Atmosphäre. Bei einigen melancholisch angehauchten Hits bekam ich regelrecht Gänsehaut und bei einem uralten Song wie "Mainzer Straße" entwickelte sich ein ganz besonderes Gefühl. Kann ich schlecht beschreiben, man sollte einfach selbst dabeigewesen sein. Als Sänger und Gitarrist Gunnar anfangs ständig der Mikroständer um die Ohren flog, befürchtete ich kurz, dass der Konzertort vielleicht dann doch etwas ZU klein für die Band ist, das die ganze Zeit so weiter geht und er sich womöglich noch die Kauleiste raushaut, aber im weiteren Verlauf ging alles gut. Er rückte ein klein wenig nach hinten und das euphorische Publikum nahm Rücksicht.

Zwischenzeitlich betrat jemand die Bühne, bedankte sich bei der Band und stellte die Frage in den Raum, welche in den 90er-Jahren ähnlich bedeutende deutsche Punkband heutzutage überhaupt noch solche Gigs spielt. Spontan fiel auch mir kaum jemand ein.

Respekt an die Band für den geilen Auftritt, Danke ans Villa-Team und Grüße und ebenfalls Dank an DOGS ON SAIL für den Gästelistenplatz."

Im Oktober:

"Vorletztes Wochenende war ich bei der Small-Town-Riot-Record-Release-Party zum neuen Album, das auch, gewürzt mit älteren Hits, fast komplett live gespielt wurde und sofort zündete. Unglaublich eingängig und tolle Stimmung im Hamburger Hafenklang. Die Radio Dead Ones zuvor waren ebenfalls genial und gefielen mir besser als die letzten Male. Die Barroom Heroes eröffneten den Reigen mit solidem Streetpunk.

Gestern war ich ebenfalls bei der Nachmittagsshow der Spermbirds (...): Das Tourabschlusskonzert der Vögel im rappelvollen Hafenklang war vom allerfeinsten! Zuvor unterhieltem Cloak/Dagger mit so Dean-Dirg-mäßigem Hochgeschwindigkeits-Schrammel-HC schon großartig und von den Derby Dolls sah ich nur recht wenig, klang aber nach passablem Punk mit weiblichem Gesang. Die Setlist der Spermbirds ließ kaum Wünsche offen, lediglich "Get On The Stage" habe ich vermisst (wer weiß, was dann noch losgewesen wäre...) und "Die Stg. Landry"."

Im November:

YOUTH BRIGADE im Hafenklang Hamburg

"Was für ein geiles Konzert! Die gar nicht mehr so jugendliche Brigade hat's noch immer drauf und ich freue mich riesig, sie endlich einmal live gesehen zu haben. Der Laden war rappelvoll und die Band gut aufgelegt. Gestartet wurde direkt mit "Where Are All The Old Man Bars", gefolgt von "Violence" und die Stimmung war bestens! Im Laufe des Auftritts wurden alle Songs vom genialen Splitalbum ebenso gespielt wie viele alte Klassiker, inkl. solch Knallern wie "Fight To Unite" und "Somebody's Gonna Get Their Head Kicked In". Höhepunkte waren natürlich auch die Hymnen "Sink With California" und "Let Them Know". Das Publikum war auch sehr angenehm. Um kurz vor Mitternacht war nach einigen Zugaben Schluss und ich schleppte mich völlig verschwitzt und übelriechend nach Hause.

Vorher wurde übrigens die Youth-Brigade/BYO-Doku gezeigt, die bis auf die fehlerbehafteten deutschen Untertitel sehr empfehlenswert und interessant ist. Werde ich mir zulegen müssen, ich liebe solche Filme. Außerdem rockte eine Vorband, deren Namen ich vergessen, ziemlich amtlich inkl. Coverversionen von The Vandals und Black Sabbath. Der langhaarige Sänger mit Asi-Bart, nahender Stirnglatze und Lederhose, der Keyboarder (!), der sehr talentierte Drummer und das deutschsprachige Mädel am Bass spielten 'ne kurzweilige Mischung aus melodischem Oldschool-Punkrock und rockigerem Zeug, hatten Humor und machten Laune."

Im Dezember:

"Ich war Samstag bei DOGS ON SAIL + KEIN HASS DA im Molotow, Hamburg.

Das Konzert begann recht früh und hatte mit starker Konkurrenz zu kämpfen in Form von SLIME in der ausverkauften Markthalle und einem St.-Pauli-Heimspiel. Dementsprechen war das Molotow nun nicht gerade rappelvoll, aber einige Interessierte hatten sich doch eingefunden.

Für DOGS ON SAIL war's der erste Auftritt mit neuem Sänger George, nachdem Stulle ausgestiegen war, und für KEIN HASS DA die Release-Party ihres "Hirntrafo"-Albums und -Buchs.

George hat sich sehr gut als Sänger der DOGS gemacht; war anscheinend die richtige Entscheidung, ihn zum Frontmann zu machen. Seine Stimme passt hervorragend zur Band und er ist allgemein einfach ein geiler und sympathischer Sänger. Man spielte sich durch ein Hit-Set, das überraschend gut saß, garniert mit Coverversionen wie "We're The Problem" und dem unvermeidlichen "Kids In America" sowie in einer kurzen, saitenrissbedingten Unterbrechung "Walk This Way". Das Publikum hat's gefreut und Zugaben gab's auch. Müßig zu erwähnen, dass die neuen Songs ebenfalls einwandfrei klangen und sofort zündeten. Schönes Ding, weiter so!

Anschließend fegte ein Orkan namens KEIN HASS DA mit seinen deutschsprachigen BAD-BRAINS-Coverversionen und wenigen eigenen Songs gleichen Stils über die Bühne, personifiziert in erster Linie durch den kürzlich 50 gewordenen Karl Nagel, der agiler wirkte, als mancher von uns es jemals war. Der Sound war astrein, die Songs sowieso und Karl zappelte und stolzierte tuntig umher, mischte sich unters Publikum und hatte die ganze Zeit etwas Wahnsinniges in der Mimik. Die alte Rampensau ging voll in ihrer Rolle auf, das sicherlich zunächst etwas gewöhnungsbedürftige Songmaterial mit seinen mitunter unkonventionellen Strukturen wurde den Anwesenden hervorragend "verkauft" und irgendwann taute das Volk auch auf und bewegte sich, auch ich schwang auf meine gefürchtete grobmotorische Weise verzückt das Tanzbein und grölte Refrainfragmente mit (die Songs sitzen halt noch nicht so richtig...), bis ich mir am Ende irgendwie das Knie verdrehte - man wird halt auch nicht jünger. Hat aber keinen bleibenden Schaden hinterlassen. :D Zwischen den Songs kommunizierte Karl mit dem Publikum, man spielte Songs auf Zuruf, zog Leute auf die Bühne und machte unmissverständlich klar, dass man hier ist, um eine geile Party zu feiern. Obwohl die BAD BRAINS ja bekanntlich vor mittlerweile recht langer Zeit unterwegs waren, wirkt ein Projekt wie KEIN HASS DA heutzutage erfrischend anders und geradezu neuartig. Die Musiker sind erste Sahne und haben den Sound voll drauf, viel besser können die BAD BRAINS, die ich nie sah, auch nicht geklungen haben. Nagel ist ein hervorragender Entertainer, was er mal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Spitzenkonzert, das nach einem ausgiebigen Zugabenblock und einer halben Stunde Überziehung sein Ende fand. Vollgepumpt mit P.M.A. trat ich glücklich die Heimreise an und freute mich schon auf das nächste Konzert einer der beiden Bands."

Und natürlich das WACKEN OPEN AIR im Sommer:

"Zum Festival allgemein: Ich fand's wirklich geil, besser als erwartet. Der absolute Großteil des sehr gemischten Publikums (Leute aus quasi allen Metalbereichen, derer es ja nun wirklich viele gibt, sowie aus anderen Subkulturen und vor allem aus aller Herren und Damen Länder) war sehr entspannt drauf, man hat sich gegenseitig akzeptiert und respektiert. Kein Vergleich zu gewissen Punkfestivals, wo oftmals aggressive Spannung in der Luft liegt und es öfter mal knallt. Ich habe keine einzige Schlägerei o.ä. mitbekommen. Dass es zu voll war, kann ich auch nicht bestätigen. Zumindest auf den Hauptbühnen (drei fette Bühnen nebeneinander auf dem Hauptfestivalgelände) konnte man immer alles sehen und wenn man zu weit hinten stand, hat die Regie sowohl Band als auch Publikum sehr gut auf den Videoleinwänden eingefangen. Natürlich war's bei Iron Maiden z.B. drängelig, aber ich hatte einen Platz sowohl mit Sicht auf die Bühne als auch auf die Videoschirme. Manche Bands wie z.B. Torfrock oder Die Kassierer wurden aber auf zu kleine Nebenbühnen gepackt, da man mit einem so großen Andrang vielleicht nicht gerechnet hatte. Das war etwas unglücklich und wird hoffentlich in Zukunft anders gelöst. Was die weiten Wege betrifft: Wir sind auf Campingplatz A gelandet und hatten daher nun wirklich keine weiten Wege. Auf entlegeneren Zeltplätzen sah's diesbzgl. sicherlich anders aus, aber irgendwo muss man so viele Menschen halt hinpacken. Mit den Wegen, die ich auf dem Lausitzring zurücklegen musste, war das aber alles kein Vergleich. Außerdem konnte man wirklich relativ schnell von einer Bühne zur nächsten wechseln und recht übersichtlich war's auch alles. Mir erschien das Organisationskonzept ziemlich durchdacht und hab mich die meiste Zeit gut aufgehoben gefühlt.

Es war wirklich unglaublich, woher die ganzen Leute kamen. Anfangs habe ich beim Anquatschen fremder Leute häufig fragende Blicke geernet und gemerkt, dass die überhaupt nicht deutsch sprechen, weshalb ich mir irgendwann angewöhnt hatte, erstmal zu fragen if they are german. Ich hab einige nette Leute kennengelernt, lustige Gespräche geführt und durchgeknallte Typen gesehen. (...) Ansonsten gab's so viel zu entdecken und sich anzuschauen, dass zumindest ich nicht auf die Idee kam, aus purer Langeweile zu saufen oder sowas. Ständig war irgendwas los und für mich als Wacken-n00b war das natürlich alles irgendwie interessant. (...)

Mal zu den Bands, bei denen ich mich nicht nach wenigen Minuten desinteressiert abgewendet habe:

Mambo Kurt - Ok, keine Band, sondern ein Heimorgelalleinunterhalter, der u.a. Scooter, Slayer, System Of A Down und Böhse Onkelz auf seiner Orgel intoniert und damit jede Party sprengt. Unglaublich geiler Entertainer, großartig!

Iron Maiden - Ein Traum ging in Erfüllung. Einfach geil. Hymnisch und atmosphärisch. Ich wusste ja im Vorfeld, dass sie im Gegensatz zu anderen Bands, die zwar fleißig (häufig uninteressante) neue Platten veröffentlichen, aber live nur die ewig gleiche Setlist runterleiern, sich auf neues Material konzentrieren würden. Die Songauswahl war bis auf zwei Ausnahmen auch wirklich gelungen. Dennoch war's natürlich ein Wermutstropfen, dass nur ganz wenige Klassiker gespielt wurden. Aber ich bin ja selbst schuld. Hätte ich vor zwei Jahren meinen Arsch zur "Somewhere back in time"-Tour hochbekommen, hätte ich die volle Ladung Maiden Classics bekommen.

Slayer - Fingen irgendwie schwach mit neueren Songs und suboptimalem Sound an, wurden dann aber so richtig gut. Hat mir einen schönen Energieschub zu später Stunde beschert.

Anvil - Überraschend gut. Geile Live-Band, die sichtlich Freude hat, wieder so beachtet zu werden. Die pure Spielfreude, guter Metal zum Feiern.

Torfrock - Kamen supergut an und war ein geiler Auftritt. Leider war's so dermaßen voll vor der kleinen, niedrigen "Wackinger"-Bühne (im Wacken-"Wickingerdorf"), dass ich den norddeutschen Vikingrock in erster Linie hören, aber nicht sehen konnte.

Lizzy Borden - Professioneller US-Show-Metal mit übertrieben Schauspiel-Einlagen und reichlich Sexismus. Vom Biertresen aus kurios, aber höchst unterhaltsam anzusehen. Klingen live außerdem mit viel mehr Power als aus der Konserve.

Broilers - Guter Auftritt, wurden ebenfalls sehr gut aufgenommen. (...) Die Broilers waren eine gelungene Abwechslung für meine metalgeschädigten Ohren.

Voivod - Enttäuschung. Nur zwei, drei alte Songs, überwiegend der langweilige neuere Kram. Aber dafür sehr geil: "Ripping Headache" und natürlich "Voivod". Das kam schon echt gut, die mal live zu hören.

Endstille - Nicht so mein Ding. Kreischiger Black-Metal-Krach. Dafür aber nette Show mit mexikanischem Gastsänger. Und ein Song wie "Frühlingserwachen" kam dann irgendwie doch ganz gut. Zumindest memorabel.

Unleashed - Sehr anhörbarer Viking-Death-Metal (oder so).

Cannibal Corpse - Anfangs ja irgendwie witzig, dann aber irgendwann langweilig und mir echt zu stumpf.

Overkill - Find ich auf Platte bis jetzt nicht so doll, live aber gute Songauswahl und Laune machend. "Rotten To The Core!"

Die Kassierer - ...spielten auf der Zeltbühne. Die war SO dermaßen überfüllt, dass sich schon außerhalb des Zelts die Leute stapelten. Dafür hat sich aber im Laufe Konzerts das Publikum durch Crowdsurfing ins Zelt hinein ausgetauscht. großes Grinsen Ich hab die Band nur gehört, nicht aber gesehen. War der übliche Kassierer-Quatsch, diesmal ohne ausufernde Showeinlagen. Paar neue Songs wurden gespielt.

W.A.S.P. - Rein interessehalber mal angeguckt. Mag ich eigentlich nicht sonderlich, finde aber zwei Songs sehr geil: "Scream until you like it" und "I wanna be somebody". Beide wurden gespielt, ersterer aber so schlecht, dass ihn erst gegen Ende überhaupt erkannt habe. "I wanna be somebody" dann aber sehr geil. Dafür hat sich's gelohnt. Außerdem hatte der eine Typ 'ne geile Kreissägen-Gitarre.

Immortal - Corpse-Paint-Black-Metal, betont evil und monoton. Kasperletheater.

Soulfly - Geil!

U.D.O. - Hammer! Genialer Sound und mit "Midnight Mover", "Metal Heart" und vor allem "Balls To The Wall" mit die besten Accept-Songs gespielt. War mein letzter Wacken-Gig, den ich mir dieses Jahr angesehen hatte, und wurde hier endlich richtig heiser.

(...)

Was da im Dorf los ist, ist kurios und beachtlich zugleich. An der Hauptstraße hat fast JEDES Haus irgendeinen Fress- oder Saufstand zu wesentlich günstigeren Preisen als auf dem Gelände aufgebaut und die Bewohner quatschen mit den Gästen und laden sie in den Vorgarten ein. Kinder fahren die Bierpaletten mit Go-Kart und Bollerwagen durch die Gegend etc.

Mir hat's echt Spaß gemacht und ich komme gerne wieder.

Im Wacken-Forum sind übrigens einige Leute der Meinung, dass das Publikum immer schlimmer werden würde, (...). Keine Ahnung, ob das nur typische Internet-Meckerheinis oder "True-Metaller", die es in ihrer armseligen Existenz nicht abkönnen, dass auch Typen wie ich da rumlaufen, sind, oder da wirklich was dran ist.

Hier mal meine Kritikpunkte, die ich dort gepostet habe (copy/paste):

"1. Super, dass es sanitäre Anlagen wie Duschen und Bezahl-WCs gab. Wenn ich aber schon satte 2,50 EUR für die Dusche bezahle, soll sie bitte auch über warmes Wasser statt wirklich EISkaltem verfügen und nicht nur tröpfchenweise funktionieren. Der Nachschub an Öl für die Duschen hat leider nicht richtig geklappt und das Personal am Eingang war nur unzureichend über den Zustand der Duschen informiert. Ähnliches gilt für die Bezahl-WCs: Aufgefüllte Seifenspender sind ein absolutes MUSS. Das Personal hatte aber leider keine Ahnung, wie Nachschub geordert werden kann und niemand fühlte sich zuständig. Das muss besser werden. Evtl. findet man auch eine Lösung gegen die verdreckten Böden in den Duschen...? Einzelkabinen wären auch etwas Feines, gäbe es da Möglichkeiten?

2. Preise für Waren des täglichen Bedarfs waren zu hoch. Versteht mich nicht falsch, viele Preise fand ich fair (Ticket, 'nen Zehner fürs Zu-früh-kommen, belegte Brötchen etc.), aber 'ne Buddel Billig-Mineralwasser z.B. sollte wesentlich günstiger abgegeben werden.

3. Für eine Band wie Torfrock ist die Wackinger-Bühne bzw. der Platz davor viel zu klein. Auch die Zeltbühne platzte bei mancher Band aus allen Nähten.

4. Der Versuch, Circle Pits zu unterbinden, war wirklich albern. Sollte das aber dazu geführt haben, dass Besucher deshalb Probleme mit dem Sicherheitsdienst bekommen haben, wird's wirklich ärgerlich. Eine Kampagne, die sich gegen Violent Dancing ausspricht, würde ich befürworten - Pogo, Circle Pits etc. zählen aber NICHT dazu!

5. Bands wie die unsäglich gehypten Frei.Wild oder auch Varg würde ich persönlich nicht auftreten lassen. Ebenso würde ich das Tragen und vor allem den Verkauf von Burzum-Shirts untersagen.

6. Gab es tatsächlich keine Hähnchen-Döner auf dem Gelände? Habe zumindest keinen gefunden... nur Rind-Döner anzubieten ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. Und die Gyros Pita war übrigens eine Beleidigung. Unschön fand ich auch, dass es nach U.D.O. am letzten Tag im Biergarten kein Pils mehr gab, aber auch keine Weizengläser mehr. Während man also ein Weizen aus 'nem normalen Becher trank, wurde um einen herum in Windeseile alles abgebaut und zugemacht, als solle einem deutlich gezeigt werden, dass man nicht mehr willkommen ist. Trinkkultur ist etwas Anderes... Gerade nach den letzten Tönen des Festivals sollte man noch in Ruhe ein paar Absacker trinken und dabei das Festival Revue passieren lassen können.

Mal meine paar Kreuzer zu ein paar kontroversen Themen:

Die Crowdsurfer gingen mir auch auf die Nerven, zumindest bei Iron Maiden. Da war's mir echt zuviel. Ansonsten lasse ich den Leuten aber gern ihren Spaß. Wer surfende Mädels befummelt, hat was aufs Fressbrett verdient. Wer meint, eine leichtbekleidete Frau ist ein Freifahrtschein für sexuelle Belästigung, ist ein Arschloch.

Ich fand's klasse, dass es soviel Verschiedenes zu gucken gab, inkl. Showwrestling. Kurzweiliges, trashiges Vergnügen, netter Ausgleich zum Bandsgucken. Die Wet-T-Shirt-Contests waren allerdings irgendwie grenzwertig..."
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Musik-Jahrescharts 2010

Beitragvon Seth_LCF » 22. Mär 2011, 11:59

Kurz & knapp:

- Deathspell Omega - Paracletus
- Diocletian - War of All Against All
- Triptykon - Eparistera Daimones
- Electric Wizard - Black Masses
- Cough - Ritual Abuse
- Bongripper - Satan Worshipping Doom
- Wino - Adrift
- Ramesses - Take the Curse
- Twilight (USA) - Monument to Time End
- Hooded Menace - Never Cross The Dead
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