Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Moderator: jogiwan

Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 15. Aug 2017, 18:04

02.08.2017, Monkeys Music Club, Hamburg:
LEFTÖVER CRACK + ALL TORN UP


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Dafür, dass ich die New Yorker LEFTÖVER CRACK seit langem zu meinen favorisierten Krachmachern zähle und bereits die Vorgängerband CHOKING VICTIM nach Erscheinen des einzigen Albums schwerstens abfeierte, sehe ich die Band viel zu selten live – zuletzt 2013 (!) im Hafenklang. Letztes Jahr gastierte sie gleich zweimal in Hamburg, doch beide Male musste ich passen. Äußerst unangenehm. Wenngleich der diesjährige HH-Gig auf einen Mittwoch gelegt wurde, ließ ich mir diese Gelegenheit demnach nicht nehmen. So dachten wohl viele, denn das Monkeys wurde rappelvoll. Doch der Reihe nach: An diesem wirklich warmen Augusttag hatten LÖC ihre Stadtgenossen ALL TORN UP dabei, die die Europa-Tour begleiteten. Den ersten Song verpasste ich, der zweite klang noch etwas unorthodox, doch dann gewöhnte ich mich an den hektischen oldschooligen Hardcore-Sound des Quintetts, deren exaltierter Shouter Joey seine Ansagen bisweilen gefühlt länger als die Songs gestaltete, durch sein engagiertes, anstachelndes Auftreten jedoch nicht langweilte. So betonte er u.a. die Wichtigkeit linker Freiräume, lobte die Hamburger Anti-G20-Proteste und huldigte dem FC St. Pauli, denn die Band ist offenbar Mitglied im New Yorker FCSP-Fanclub – was es nicht alles gibt… Während Scherzkekse immer mehr Luftballons aufbliesen und durch Publikum fliegen ließen, motivierte Joey selbiges, mal auf ‘nen Meter ranzukommen und preschte auch mal kräftig durch die Reihen. Er brachte den Pöbel gut in Wallung und sicherte sich den einen oder anderen kräftigen Chor. Keine Luftblase war dann auch das Songmaterial, das mir mit der Zeit immer besser reinlief. Von ALL TORN UP hatte ich zuvor noch gar nichts gehört, es existieren aber einige Tonträger – und unter den Fotos ein Video des Gigs, das ich bei YouTube gefunden habe. Eine echte Überraschung wurde es, als der Drummer das Wort ergriff und sich deutschsprachig als ein gewisser Sören aus Dithmarschen zu erkennen gab, der anscheinend vor einigen Jahren gen USA ausgewandert war – und zahlreiche alte Freunde im Publikum versammelt hatte. Aufgrund von Bassproblemen kam’s leider zu ‘ner längeren Zwangspause, doch gegen Ende gab’s u.a. noch ‘ne spanische Nummer zu hören und der letzte Song wurde dank Mithilfe des neuen LÖC-Gitarristen IRON-MAIDEN-style mit drei Klampfen intoniert. Sympathischer Auftritt und musikalisch guter Anheizer!

Stza versteckte sich noch hinter einer Box, als seine Band ohne ihn mit „Homeo-Apathy“ begann. Danach gab er sich zu erkennen und bewegte sich zu seinem Keyboard, das man ihm aufgebaut hatte und dessen Tasten er sporadisch drückte. Mit dem Bühnensound wirkte er nicht hundertprozentig zufrieden und nuschelte, wenn ich die Wortfetzen richtig zusammengesetzt habe, irgendetwas von einer Erkältung, wirkte auch allgemein irgendwie angeschlagen und etwas neben der Spur. Ob’s am Alkohol oder tatsächlich einem Infekt lag, kann ich nicht beurteilen und es war mir auch egal, denn seine Stimme war, wenn es darauf ankam, präsent, sein Gekreische ging wie gewohnt durch Mark und Bein und die Band zockte ihren archetypischen, höchst individuellen und unverkennbaren Anarcho-/HC-/Ska-Punk-/Core-/Metal-/Folk-Crossover tadellos. Der Mob frohlockte und war gut in Bewegung, die Songauswahl über jeden Zweifel erhaben, noch immer flogen Luftballons durch die Gegend und nicht nur „500 Channels“ und „Infested“ aus CHOKING-VICTIM-Zeiten ließen mich erigieren: Vom (meines Erachtens gegenüber den anderen etwas abfallenden) aktuellen Album „Constructs of the State“ goss man meinen Favoriten „The Lie of Luck“ übers Publikum aus und die ruhigeren, dafür umso tiefer an den Eiern packenden Nummern „Ya Can’t Go Home“ und „Soon We’ll Be Dead“ direkt aneinanderzureihen, erwies sich als hervorragende Idee. Weshalb nach höchstens einer Stunde Spielzeit Stza plötzlich sein unverständliches Gestammel zwischen den Songs verstummen ließ und wortlos die Bühne ver- und ein verwirrtes Publikum zurückließ, das nicht wusste, ob man nun von ihm erwartete, Zugaben zu fordern oder schlicht zu warten, weiß der Geier. Auch der Rest der Band schaute reichlich blöd aus der Wäsche, schien ebenso stehengelassen worden zu sein. Das Hin-und-her-Laufen zwischen Bühne und Backstage von Teilen der Vorband diente vermutlich Vermittlungsversuchen, doch irgendwann schlich auch die Band von der Bühne und das Licht wurde angeknipst. WTF?! Im Anschluss konnte man noch beobachten, wie sich backstage offenbar kräftig gezofft wurde, sogar Gerüchte einer spontanen Bandauflösung machten die Runde. Dem war wohl nicht so, Monkeys-Sam sprach von Tourkoller o.ä. und die Tournee wurde fortgesetzt, reichlich kurios war das aber schon. Stza war ja nun (glücklicherweise) auf der Bühne nie ein strahlender Quell der Lebensfreude, aber solch einen Abgang hatte ich nicht erwartet. Keine Ahnung, was genau da los war, angeblich war die Band auch schon vor’m Gig nicht sonderlich entspannt, hatte ihren Soundcheck deutlich überzogen usw. Doch was soll’s; sicherlich hätte ich gern noch den einen oder anderen Hit um die Ohren geschlagen bekommen, den Überraschungseffekt hatten LÖC dafür auf ihrer Seite und solch nennen wir es mal „spontane Planänderungen“ einer derart erfahrenen Band erlebt man nun weder alle Tage noch alle Abende… Punk bleibt eben unberechenbar :D

Inkl. erwähnten Bildern und Video auch hier:
http://www.pissedandproud.org/02-08-201 ... l-torn-up/
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 17. Aug 2017, 13:51

04.08.2017, Hafenklang, Hamburg:
TAU CROSS + KILLBITE


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AMEBIX-Frontmann The Baron und VOIVOD-Drummer Away überraschten vor wenigen Jahren mit ihrer internationalen Allianz zu TAU CROSS, jener sich ferner aus Leuten von WAR//PLAGUE, MISERY und FRUSTRATION zusammensetzenden Crust-Punk/Metal-Crossover-Formation, die 2015 mit ihrem Debütalbum für einiges Aufsehen sorgte und das auch ich für außergewöhnlich gut befand. Haben sich mir die Faszination für die Crust-Urväter AMEBIX und die VOIVOD-Alben seit „Nothingface“ nie so recht erschlossen, ergänzt man sich bei TAU CROSS offenbar ideal und begeisterte mich mit einer Melange aus schneidenden Gitarren, Baron Millers charismatischem, kehligem, rauem Gesang, diversen anbiederungsfreien Ohrwürmen, einer guten Dosis Pathos und ganz viel Atmosphäre vor einem post-mittelalterlich okkulten und gleichsam kämpferischen, mehr oder weniger subversiv religions- und systemkritischen lyrischen Hintergrund.

Bisher war es mir nicht vergönnt gewesen, die Band live zu sehen, doch das Hafenklang schuf Abhilfe und so besuchte ich entgegen meiner Gewohnheiten in dieser Woche bereits das zweite Konzert, nach dem ich am nächsten Morgen zu einer Zeit raus musste, zu der normale Menschen schlafen und/oder ausnüchtern. Am Abend zuvor hatte ich erst erfahren, dass TAU CROSS ein brandneues Album veröffentlicht haben, das offenbar den Grund für die Tour darstellte. Nachdem die Bremer KILLBITE ihren schnörkel- und Solo-losen Crust-/HC-Punk-Stiefel ohne viele Ansagen vor noch überschaubarer Kulisse unprätentiös und knochentrocken durchgezockt hatten, versammelten sich zu TAU CROSS fast alle Anwesenden im Konzertsaal und sorgten für das typische Drängelambiente. Die Band wurde frenetisch begrüßt, war in bester Spiellaune und bot ein offenbar gut durchmischtes Set aus bekannten und neuen Songs, die sich zumindest live nahtlos einfügten (das neue Album zu hören habe ich bis heute noch nicht geschafft und am Merchstand hätte ich das nötige Kleingeld für die Doppel-LP ohnehin nicht übrig gehabt). The Baron singen zu sehen ist schon ein Erlebnis, man sieht im regelrecht an, wie er die Töne aus den Tiefen seines Körpers hervorholt und sehr kontrolliert ans Mikro übergibt, statt spontan draufloszubrüllen. Eine klasse Stimme, die eine über Crust-Standards weit hinausgehende Gefühlspalette abdeckt und in Kombination mit dem TAU-CROSS-Sound ihre Formvollendung erreicht. Da das Tempo der Songs häufig eher getragen ist, laden sie tatsächlich meist eher zum Fäusterecken und Headbangen denn zum entfesselten Pogo oder Moshen ein, sodass es vor der Bühne etwas gemäßigter als gewohnt zuging. Viele standen auch einfach da und sogen die Atmosphäre, die Stimmung der Songs, in sich auf. Nach einer Verschnaufpause für die Band nach Ende des regulären Sets ging’s für einen Zugabenblock zurück auf die Bühne. Meine Favoriten „Lazarus“, „Hangman‘s Hyll“ und „Prison“ wurden allesamt berücksichtigt (letzterer inkl. lautem Publikumschor), also war ich rundum befriedigt. Den allerletzten, einigen Anwesenden offenbar bekannten Song, ‘ne recht flotte Nummer, konnte ich allerdings nicht zuordnen – evtl. ein AMEBIX-Cover?

Ich hatte es mir relativ weit vorne eingerichtet und war dadurch so nah wie nie zuvor am frankokanadischen Drummer Away, dessen mit seiner Hauptband VOIVOD fabrizierten Sci-Fi-Thrash ich tatsächlich bereits in seligen ‘80er-Kindheitstagen gehört habe (bestes Album: „Killing Technology“!). So konnte ich sein Getrommel ziemlich genau beobachten und – Punkrock, kill your idols etc. hin oder her – empfand diese Situation, ihn hier im kleinen Hafenklang zu treffen, irgendwie als etwas Besonderes. So geht’s mir hin und wieder bei den ganz alten Helden und für seine Entscheidung, es mittlerweile ergraut noch mal wissen zu wollen und mit ‘ner punkigen Band ohne jegliche Starallüren durch die Clubs zu tingeln, schnellen sämtliche Daumen nach oben. Cooler Typ! Die Aussicht auf verdammt frohes Aufstehen am nächsten Morgen, an dem es per Bahn nach Berlin und anschließend mit dem Flieger in den Urlaub ging, ließ mich dann auch umgehend den Ort des Geschehens verlassen und mein Schlafgemacht aufsuchen – komisch, dass das weit weniger gut klappt, wenn am nächsten Tag die Arbeit ruft… :pfeif:

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/04-08-201 ... -killbite/
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 18. Aug 2017, 18:18

12.08.2017, Gängeviertel, Hamburg:
ABSTURTZ + DR. ULRICH UNDEUTSCH + UNDENKBAR + DEUTSCHPUNK-REVOLTE


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Den vielen Parallelveranstaltungen zum Trotz zog es an diesem Samstag doch einige ins Gängeviertel, die Bock auf ein kleineres D.I.Y.-Konzert hatten, das immerhin von vier Bands bestritten wurde, welche die Beyond-Borders-Veranstaltungsgruppe eingeladen hatte. Da die Druckerei noch immer renoviert wird, fand es im großen Saal der Fabrik statt, der dafür etwas überdimensioniert wirkte. DEUTSCHPUNK-REVOLTE aus Frankfurt hatten gerade angefangen, als wir eintrafen. Die Coverband in Quartettgröße bediente sich vornehmlich klassischen deutschsprachigen HC-Punk-Materials und zockte sich durch ein rund 20 Songs umfassendes Set mit Stücken von VORKRIEGSJUGEND, TOXOPLASMA, SCHLEIMKEIM, HASS, ZERSTÖRTE JUGEND („Kaiser Wilhelm“ – geil!), CANALTERROR, OHL, BUMS (scheinen generell nicht mehr als Pseudos zu gelten, was hab‘ ich verpasst…?), L’ATTENTAT, AUSBRUCH, SLIME („Tod“ – ungewöhnliche Wahl) etc., darunter leider auch „Punk und Polizei“ des unsäglichen UNTERGANGSKOMMANDOs, jedoch mit versöhnlichem Abschluss durch die HH-Hymne „Bullenwagen klaun“ und den KASSIERER-Evergreen „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Die einzelnen Songs und Originalinterpreten wurden in einem auf der Bühne drapierten aufgeklappten Aktenordner zum Nachlesen präsentiert. Weshalb das eigentlich auf der Setlist stehende „Dachau“ von A+P überblättert, sprich: nicht gespielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Sänger hat ‘ne gute Stimme, frech und rotzig, und war auch ziemlich textsicher. Der Basser irritierte optisch etwas mit seinem halslosen Instrument. Für die offenbar noch nicht sonderlich lange zusammenspielende Band war’s bereits der zweite Gig im Gängeviertel und insgesamt war das schon recht ordentlich und unterhaltsam, wenngleich manch Liedgut in vereinfachten Versionen gespielt wurde und es hier und da noch holperte. An die Qualitäten von Coverbands wie 1982 oder VOLKSWIDERSTAND oder auch der TOTENMOND-Coverplatte kommt man noch nicht heran, aber das kann ja noch werden.

So richtig voll wurd’s auf der Bühne, als die fast in Fußballmannschaftsgröße angetretenen Chemnitzer Ska-Punks UNDENKBAR dieselbe betraten und mit zahlreichen Bläsern mit an ältere SONDASCHULE erinnernden deutschsprachigen Stücken doch einige Besucher mehr zum Tanzen animierten. Der Sänger ist ‘ne echte Rampensau und sorgte zusammen mit seiner Band für viel gute Laune. Mit IDEALs „Blaue Augen“ griff man in die Coverkiste, wegen eines Geburtstags und des Abschieds eines Bandmitglieds wurd’s um Mitternacht mit Luftballons und Wunderkerzen umso feierlicher und der Tuba-Bläser durfte noch ‘nen astreinen Rap schmettern. „Ace of Spades“ von MOTÖRHEAD war schließlich die Zugabe und der Rausschmeißer zumindest dieses Gigs, für den allein sich das Erscheinen schon gelohnt hatte – und das sage selbst ich als Ska-Punk-Muffel. Zumindest live haben UNDENKBAR den Bogen raus (aus der Konserve kenne ich sie nicht).

DR. ULRICH UNDEUTSCH konnten die Stimmung im Anschluss nicht halten. Der spröde, unmelodische deutschsprachige HC-Punk der Sachsen war ein starker Kontrast zur vorausgegangenen Ska-Punk-Party, der Gesang wirkte bemüht, letztlich aber recht monoton und ausdruckslos und irgendwie fehlte dem gesamten Band-Sound m.E. das gewisse Etwas – Wahnsinn? Aggressivität? Dreck? Musikalische Aha-Momente? Keine Ahnung, letztlich fiel man in erster Linie durch die Garderobe auf. Das Publikum reagierte zunehmend desinteressiert und als nach einer halben Stunde Schluss war, gab’s weder Applaus noch das Verlangen nach Zugaben. Das liest sich jetzt vermutlich negativer, als es war, die Flucht ergriffen hat niemand und der eine oder andere wird auch seinen Spaß gehabt haben. So richtig damit etwas anfangen konnte ich aber nicht.

Ganz im Gegenteil zu ABSTURTZ. Die Gängeviertel-Stammgäste aus Dithmarschen ballten wieder ihre Live-Qualitäten, klangen stets nach viel mehr als nur drei Mann und insbesondere Heiner gab wieder alles an Klampfe und Mikro, haute ein Gitarren-Lead nach dem anderen raus, skandierte aus voller Kehle die kämpferischen bis pathetischen Texte und fand auch noch Zeit, wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend zu rennen und zu posen. Die Refrains provozieren zum Mitsingen und auch zu später Stunde setzt dieser Sound jede Menge Energien frei. Schön auch, mal wieder den Klassiker „Es ist schön, ein Punk zu sein“ aus ABSTURTZ‘ Kidpunk-Zeiten zu hören bekommen zu haben. So macht sog. Deutschpunk live Spaß, so gehört aufs Mett geklopft! Dorfpunks ham’s drauf. Ich hab‘ noch nie ‘nen schlechten ABSTURTZ-Gig gesehen und auch wenn das Publikum diesmal nicht in dreistelliger Anzahl wie zuletzt im Clubheim erschienen ist, war’s wieder der krönende Abschluss einer gelungenen Party. Trotzdem freue ich mich auf die Wiedereröffnung der bei Konzerten dieser Art wesentlich intimeren Druckerei!

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 29. Aug 2017, 15:50

25.08.2017, Gängeviertel, Hamburg:
KÖNIG KOBRA + WIRRSAL + FONTANELLE + OIDORNO + RACCOON RIOT


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Das Gängeviertel feierte sein in dieser Form achtjähriges Bestehen allen Widerständen zum Trotz und da feierte ich natürlich mit! Das ganze Viertel war in Bewegung, an allen Ecken und Enden wurde etwas geboten, aber mich interessierte natürlich vorrangig das von Beyond Borders und der Punkbar organisierte Punk-Konzert in der Druckerei, deren Renovierung nun endlich abgeschlossen ist. Schick ist’s geworden! Vor der Bühne ist nun mehr Platz, man knallt nicht mehr so leicht gegen den Tresen, zahlreiche Spiegel lassen den Ort größer erscheinen, als er eigentlich ist, die Toiletten verdienen endlich diese Bezeichnung und es war sogar noch Platz für ein Bällebad übrig, in dem man weniger interessierte Konzertbesucher abladen kann, um sich vor der Bühne in Ruhe dem Treiben ohne Gequengel zu widmen.

Die junge Hamburger Band RACCOON RIOT machte den Anfang und zwar zu einer Uhrzeit, zu der ich unmöglich bereits vor Ort sein konnte. Ungefähr zur Hälfte des Sets sicherte ich mir jedoch wie üblich gegen einen geringen Spendenbetrag den Einlass. RACCOON RIOT sind etwas geschrumpft, wie ich hinterher erfuhr ist Heidi für die Streichereinlagen leider nicht mehr dabei. Übrig blieb ein Quartett, das recht klassischen HC-Punk britischer Prägung spielt und nun völlig schnörkellos zur Sache geht. Der Gesang war etwas leise, ansonsten passte aber alles und die Band wirkte im Zusammenspiel tighter als noch letztes Jahr, als sie erstmals im Gängeviertel live sah. Nach nominellem Ende haute man dann auch doch noch ‘ne weitere Nummer raus, was gut passte, denn das Publikum kam gerade auf Temperatur.

‘ne ebenfalls noch junge Kapelle ist OIDORNO. Die Adornos Namen durch den Oi!-Wolf drehenden Hamburger versuchen sich an „Diskurs-Oi!“, was in erster Linie einem witzigen Image dient. Musikalisch ist mir da allerdings zu wenig Pepp drin, das Zeug kickt mich noch nicht. Im Gedächtnis geblieben ist mir ein „Oi!-Verräter“ genannter Song, doch alsbald zog’s mich dann auch nach draußen, allein schon, um dem Gedränge – urplötzlich war die Bude rappelvoll – noch mal zu entkommen und noch vor dem Vollrausch in Ruhe das eine oder andere erhellende Gespräch zu führen, beispielsweise über Chili-Soßen. Letztlich doch auch ‘ne Art, dem Diskurs-Oi! zu frönen.

Mit FONTANELLE blieb man im Thema. Betont antifaschistischer Oi!-Sound mit deutschen Texten aus der Leipziger RASH-Ecke. Da war musikalisch schon mehr los, lief mir besser rein. Der prollige Gesang klang mir auf Dauer aber bischn zu gezwungen und monoton und zudem merkte ich doch wieder, dass ich diesem Sound – zumindest wenn er von Anhängern in der x-ten Generation gespielt wird – irgendwie entwachsen bin.

Ganz und gar nicht der Fall ist dies nach wie vor bei klassischem deutschsprachigem HC-Punk, der ordentlich aggressiv und flott gezockt durch die P.A. knallt. WIRRSAL beherrschen diesen Stil, wie unlängst auf ihren Lobusch-Gig hin erwähnt, absolut manierlich, kommen schnell zum Punkt und wirken authentisch. Auf der Bühne herrscht viel Aktivität, wovon man sich vor derselben schnell anstecken lässt. Zeit zum Warmwerden hatte ich ja nun genug gehabt und schaltete endgültig in den Abfeier-Modus, ohne dabei meine Mission außer Acht zu lassen: Nachdem meine Kohle zuletzt in der Lobusch nicht mehr gereicht hatte, hatte ich mir fest vorgenommen, diesmal das Vinylwerk der Band mein eigen zu machen. Am Merch-Stand lag nix Wirrsaliges aus, aber direkt nach dem letzten Song konnte ich der Band ihr Ausstellungsstück noch auf der Bühne entreißen und hab’s letztlich mit Ach und Krach (und Flos Hilfe…) dann auch geschafft, das Ding sicher fortzuschaffen. Mission accomplished!

Zwischendurch wurde es übrigens für Teile des Publikums zum Sport, die Bälle aus dem neu errichteten Gängeviertel- Småland ins Publikum zu feuern, was seitens der Sicherheitsbeauftragten irgendwann mit einem Verweis der Räumlichkeiten geahndet wurde. An KÖNIG KOBRA kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern, wenngleich ich anscheinend noch versucht habe, das eine oder andere Foto zu schießen. Die Selbstbeschreibung „Zusammengewürfelt aus den unterschiedlichsten Genres, vom Britpop über den Poprock bis hin zum Metalcore, entstand ein abwechslungsreiches und hörbares Gesamtwerk. Beheimatet im schönen Ruhrgebiet versuchen die Jungs nun, die Herzen ihres Publikums zu erobern“ deutet jedoch darauf hin, dass das sicher nix für Vatter sein‘ Sohn gewesen wäre.

Glückwunsch ans Gängeviertel zu acht Jahren nichtkommerzieller alternativer, Sub- und Gegenkultur! Ich freue mich schon aufs Neunjährige.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 31. Aug 2017, 11:48

26.08.2017, Störtebeker, Hamburg:
Fünf Minuten ohne Kopf


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40 Bands spielen jeweils fünf Minuten – mit der diesjährigen Ausgabe ging dieses Spektakel in die dritte Runde und erstmals war es mir vergönnt, dem beizuwohnen. Letztlich wurden’s „nur“ 35 Bands (schade, die Band mit dem illustren Namen PERIOD PAIN & THE VAGINAL FLUID hätte ich gern gesehen), der Großteil aus Hamburg, doch auch diese bedeuteten natürlich den totalen Reizüberflutungs-Overkill und stellten mich vor die Herausforderung, zu jeder Band Bier zu trinken und dennoch einen Konzertbericht zu verfassen…

Durch das Programm führten zwei Moderatoren in Frauen-/Transgenderfummeln (Putzkittel und Glitzerjacket), die mit launigen Ansagen die eine oder andere Umbaupause, die dann doch länger ausfiel als die vorausgegangene oder folgende Performance, überbrückten. Um ca. 17:10 Uhr war es bereits an BOY DIVISION, den Reigen zu eröffnen, doch mit ihren durchs Megaphon gesungenen, kaum herauszuhörenden Coverversionen kann ich nichts anfangen und ich bemerkte, wie lang fünf Minuten sein können… Das exakte Gegenteil bei UNFUG, eigentlich DER UNFUG UND SEIN KIND und identisch mit der Instrumentalfraktion der musikalisch anders verorteten SPIKE: Der knochentrockene Brachial-Hardcore mit englischen Texten ballerte gewohnt gut auf die Fontanelle.

Noch nie gehört hatte ich von FIRST CLAUS, einer neuen Hamburger Band, die flotten Punkrock mit deutschen Texten spielte. Nicht verkehrt. EISENVATER verbuchten im Anschluss die wohl längste Umbauphase des Abends, denn man steckte fleißig Effektgeräte zusammen, zog sie wieder auseinander und begab sich auf Ursachenforschung hinsichtlich der fiesen Rückkopplungen. Seine eigentlichen fünf Minuten lang spielte der eiserne Papa dann ein proggiges Metal-Instrumentalstück.
ULF, noch mal neu, immer noch Hamburg. Emo-D-Punk mit viel Melodie, durchaus eigenwilligem Sound und leichtem Pop-Appeal. Wäre mir auf Dauer vielleicht zu aufdringlich, insbesondere der Sänger mit seinem überdrehten Clean-Gesang. Dürfte so die Hamburger-Schule-Ecke sein.

I AGAINST ME ist Gerüchten zufolge die Band eines Philosophie-Professors und klang auch so, hat nicht gezündet. Am coolsten war das „Doom“-T-Shirt des Gitarristen. Evtl. folgte nun einer dieser Fälle, in denen ich den Soundcheck mit der Performance verwechselte: Waren LOWER DESIRES lediglich eine gitarrestimmende Dame? Wenn ja, spielten TERYKY im Anschluss Sludge-Core (oder so), eigentlich nicht meine Mucke. Diese hier lebte aber von ihrer Shouterin, deren von irgendwo ganz tief unten kommenden Verbalausbrüche im Kontrast zu ihrem lieblichen Antlitz standen. Hatte was. Evtl. waren das aber auch TERYKY. Und/oder ich hab‘ einfach eine von beiden Bands verpasst, weil die Hitze im vollen Störtebeker sowie äußerst angenehmen Temperaturen und die Menschenansammlung vor der Tür nach jedem Auftritt nach draußen lockten – weshalb sollte man auch den Abend damit verbringen, Umbauphasen zu begaffen?

BASSAKER war dann eine One-Man-Band; ein cooler Typ, der mit seinem Bass hinter’m Drumkit sitzt und dabei durchaus hörbaren Analog-Drum-&-Bass fabriziert. Schade, dass er nicht auch noch gesungen hat! G31, eine weitere neue HH-Band, schraubten mit ihrer Sängerin im Anschluss den Trash-Faktor in die Höhe: Die Dame mit der Fönfrisur hüpfte unbeholfen auf ihren Stöckelschuhen und versuchte, mittels Gestik und Mimik ‘ne Wahnsinnsshow zu liefern, was jedoch zur unfreiwillig komischen Pose geriet. Musikalisch war’s härterer D-Punk. Apropos Pose: Im Posen ist CRASS-DEFECTED-CHARACTER-Bassist Manu ganz groß, das HC-Punk-Trio dabei musikalisch aber auch topfit und textlich auf den Punkt. Geile Band!

BELKA ließen mich mit ihrem Screamo eher ratlos zurück, KRANK machten Spaß mit Oldestschool-Hardcore, Schlumpfgesang und durchs Publikum springendem Sänger und ALWAYS WANTED WAR waren mir mit ihrem HC-Punk/Screamo-Crossover soundmäßig fast schon wieder zu neu, aber der Shouter, der seine Aggressivität und Verzweiflung nicht kalkuliert, sondern schön roh und ungekünstelt artikulierte, hat’s rausgerissen. „Jurassic Park“ bleibt dennoch ein gnadenlos überbewerteter Film.

Nun wurd’s ganz bizarr: Das Duo SUNDERLANDBUTCHERWITCH! kam mit zwei menschlichen Keyboard-Haltern auf die Bühne und nur vom Tasteninstrument begleitet hauchte, flüsterte und krächzte ein Herr älteren Semesters mit Bierpulle in der einen und Mikro in der anderen Hand heiser eine traurige Nummer. [Haha, Nachtrag: Wie ich gerade erfuhr, handelte es sich bei dem Opa um niemand Geringeren als LEATHERFACE-Sänger Frank Stubbs, was meinen Beitrag in Richtung Majestätsbeleidigung rückt! :D Einer der Keyboard-Halter soll zudem Jens Rachut gewesen sein. Beim Song könnte es sich um „My Heart is Home“ gehandelt haben.] Bei ANTISOCIAL DISTORTION im Anschluss handelte es sich leider um keine SOCIAL-D.-Coverband mit asozialen Texten, doch der deutschsprachige, räudige und aggressive HC-Punk des auf den Bass verzichtenden Duos war auch so unterhaltsam und schönes Kontrastprogramm zur Schlachterhexe. KOUKOULOFORI hatte ich ewig nicht mehr gesehen und freute mich umso mehr, dass das Trio gleich drei Songs in den fünf Minuten unterbringen konnte. Dass es sich dabei um die ruppigen, eruptiveren Beispiele ihres Schaffens handelt, dürfte klar sein.

Die Melodic-Punks SPIKE legten fantastische fünf Minuten aufs Bühnenparkett und schienen die Energie eines gesamten Gigs in diesen Auftritt zu packen. Wie die Sängerin es schafft, ihre Flipflops bei ihren Karatekicks nicht zu verlieren, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. TESTBUNKER präsentierten stolz ihre Hello-Kitty-Klampfe und zockten ebenfalls deutschsprachigen, räudigen und aggressiven HC-Punk wie zuvor ANTISOCIAL D., CDC etc., musikalisch jedoch ausgereifter als erstgenannte und textlich extrem ungehobelt und aus dem Bauch heraus, ergo: richtig geil! Das Niveau hielten WIRRSAL spielend, die ich am Tag zuvor gerade erst im Gängeviertel gesehen hatte. Musikalisch nicht ganz so fundamentalistisch wie TESTBUNKER, aber ebenfalls volle Punktzahl! Vor lauter Spaß hab‘ ich glatt vergessen, ein Foto zu schießen.

GERØLL spielten krachigen, etwas konfus klingenden HC-Punk, bei OIDORNO hatte ich mich draußen festgequatscht und KAPOT, mit BRUTALE-GRUPPE-5000- und CONTRA-REAL-Vincent am Bass, gingen dann strukturierter und ausgefeilter zu Werke, HH-HC-Punk, der vor Chören und kleinen Melodien nicht zurückschreckt und ansonsten angenehm flott vorprescht. Die BRUTALE GRUPPE 5000 laserpunkte schließlich gewohnt wahnsinnig das Störte, inkl. Aluhelmen, Pornobalken und Hektiker- HC vor originellem Konzept.

3000 YEN entsprechen aktuell lediglich 22,83 EUR und hatten 1994 ein post-punkiges deutschsprachiges Album veröffentlicht, das ich mir seltsamerweise nie angehört habe. Am Gesang: Alt-Punk Sir Hake. Der hatte sichtlich Spaß am Kurzgig und der Typ im „Doom“-Shirt war auch wieder dabei. Interessantes Zeug, das ich mir mal in Ruhe werde zu Gemüte führen müssen. AUS DEM RASTER hatte ich kürzlich in Norderstedt bereits als hoffnungsvolle neue HC-Punk-Band ausgemacht und ihren Sound inkl. weiblich-männlichen Wechselgesangs über die Störte-P.A. zu hören, bestätigte den Eindruck. HUFFDUFF schließlich wirkten ziemlich druff und bischn wie ‘ne analoge Variante der BRUTALEN GRUPPE 5000: Der Sänger hatte sich das Ziffernfeld eines Analogtelefons vors Gesicht gebappt und sang in einen alten Sabbelknochen. Nicht ganz so brutale Gruppe 1920?

Die NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN nutzte ihre 300 Sekunden für Anti-Aging-Tipps und verbreitete dabei wie üblich jede Menge positiver Energie. Energie ist auch ein gutes Stichwort für THE MOTH, die mit doomigem Sludge (oder umgekehrt) ein Zeug spielen, das ich mir normalerweise nicht freiwillig anhöre, hier jedoch derart inbrünstig und packend interpretiert wurde, dass ich positiv überrascht und irgendwie begeistert war. Bei BOSTON CURTIS verlassen mich meine Erinnerungen: D-Beat mit jemandem von BELKA? Auf PANZERBAND jedenfalls war ich gespannt. Die Hannoveraner um Fanziner Bäppi rannten musikalisch mit ihren oftmals nur rund ‘ne Minute kurzen, geradlinigen, hassigen HC-Punk-Songs offene Türen bei mir ein, textlich angenehm direkt und betont trve, wenn auch gern mal so arg überzeichnet, was dann schon wieder parodistisch wirkt. Werde mir die Platte wohl mal in Ruhe anhören, allein schon, um Missverständnissen vorzubeugen: Aufgrund der Ansage dachte ich echt, „Deine Helden“ richtete sich generell gegen Band-Shirts…

Immer mal wieder für’n Nebenprojekt gut ist bekanntlich HAMBURGER-ABSCHAUM-Holli, dessen Fastcore/Power-Violence-Combo PSYCH OUT den totalen Abriss zelebrierte und wohlig an ehemaliges Uralt-Holli-Zeug wie HAMBURG BEBT erinnerte. Bei DIE CHARTS (welch ungooglebarer Bandname!) kam dann wieder die Dame mit ihrem Tasteninstrument zum Einsatz, diesmal offenbar eines mit Ständer und diesmal auch mit Schießbude und anderem Sänger. Wenn ich mich jetzt noch erinnern könnte, was die gemacht haben…? Dürfte gewöhnungsbedürftiger Indie-Pop oder so gewesen sein, für den ich zu jenem Zeitpunkt schon viel zu voll war, in jedem Fall aber eingängiger als SUNDERLANDBUTCHERWITCH! Auch BIJOU IGITT sah/hörte ich nun zum ersten Mal, aber mit diesem HH-Schule-/Rachut-/Emo-/Indie-Geschrammel mit seiner gekünstelten Melancholie und seinem studentisch empörten Nervgesang kann ich überhaupt nichts anfangen. Offenbar dachte ich danach, dass nun Schluss sein und bekam NO GO nur noch durch Zufall und ganz am Rande mit, konnte mich auch nicht mehr aufraffen, mich auf die Band zu konzentrieren: Mittlerweile war’s Mitternacht, ich war seit sieben Stunden hier und mein Hirn tilte vor lauter Eindrücken.

Dafür, dass ich eigentlich vom Vorabend noch gut angeschlagen war, hab‘ ich ganz gut durchgehalten. Meine Aufmerksamkeitsspanne dürfte auch ohne Party zuvor und Alkoholgenuss irgendwann die Segel gestrichen haben. Als überaus hilfreiche Krücke erwies sich die an mehreren prominenten Positionen angebrachte Running Order; vom draußen hängenden Exemplar wurden mit deutscher Pünktlichkeit alle weggestrichen, die bereits ihre fünf Minuten hatten. Das abwechslungsreiche Aufgebot hat mir manch Band nähergebracht, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte – und wann bekommt man schon mal so’ne Wundertüte für so wenig Einsatz geboten? Der Eintritt war frei, lediglich um Spende wurde gebeten. Wem’s drinnen mit zunehmendem Publikumsinteresse zu stickig wurde, konnte vor der Tür rumgammeln und die Beinahe-Punx-Picnic-Atmosphäre genießen. Ich hoffe, ich habe nicht allzu viele Fotos und Namen durcheinandergeworfen (für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar) und bin Feuer und Flamme, auch mit meinen beiden Stimmungskapellen mal mitzumischen. Werde diesbzgl. mal anklopfen…

Danke ans Störtebeker für diese Sause, die mit Sicherheit einen organisatorischen Kraftakt besonderen Ausmaßes bedeutete!

Reich bebildert auch hier:
http://www.pissedandproud.org/26-08-201 ... ohne-kopf/
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 31. Aug 2017, 17:02

Lustiges Konzept, stell ich mir sehr stressig für die Organisatoren vor. Und dann gar nicht so unbekannte dabei.
Erinnert mich an den Fat Wreck Label Sampler Short Music for Short People mit 101 Band mit Songs um die 30 Sekunden.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 31. Aug 2017, 17:12

karlAbundzu hat geschrieben:Lustiges Konzept, stell ich mir sehr stressig für die Organisatoren vor. Und dann gar nicht so unbekannte dabei.
Erinnert mich an den Fat Wreck Label Sampler Short Music for Short People mit 101 Band mit Songs um die 30 Sekunden.


Jau, den hab' ich auch im Regal.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon Arkadin » 31. Aug 2017, 21:28

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Überseefestival
Hansator Bremen
25./26.August 2017
 
Nach drei Jahren Pause fand wieder einmal das Überseefestival statt. Organisiert wird dieses von der Musikszene Bremen e.V. und wurde rund um das alte Zollgebäude in der Bremer Überseestadt veranstaltet. wie man in der Presse lesen konnte, war das Überseefestival in der letzten Ausgabe recht groß geworden und von Nicht-Bremer-Bands dominiert. Dann gab es wohl noch einige Animositäten im Verein und dann war erstmal Schluss. Mit neuer Vereinsführung hieß es dann scheinbar "back to the roots", das Ding wurde kleiner und nur von Bremer Bands (von denen die meisten praktischerweise ihre Übungsräume im alten Zollgebäude haben) bestritten. Da hatten sich dann so viele Band beworben, dass es sogar noch an anderer Stelle zwei "Warm-Ups" gab, um wenigstens einen Teil der Bands noch unterbringen zu können. Die verbleibenden 20 - ich nenne sie mal "Hauptacts" - (plus zwei Schüler-Jazz-Bands) spielten dann an zwei Tagen auf drei Bühnen.
 
Ich hatte mich schon lange auf das Überseefestival gefreut, da ich nicht nur eine Band schon näher kannte, sondern es mir selber zur Aufgabe gemacht habe, interessante Bremer Bands für mich zu entdecken, und wenn es geht zumindest durch Vinyl/CD-Käufe zu unterstützen. Da draußen gibt es wirklich so viel gutes Zeuges von Bands, die nie so richtig bekannt werden, obwohl sie absolut großartig sind - da blutet mir immer das Herz. Besonders, wenn man hört, was sich so in den Charts tummelt.
 
Ich war so richtig nur am Freitag da und bin immer noch schwer begeistert von der sehr, sehr hohen Qualität dessen, was da geboten wurde. Die Musik war auch sehr vielfältig und reichte an den zwei Tagen bunt gemischt von Indie-Pop über Punk bis zu Death Metal.
 
Von der ersten Band MONKEY FIST – Bühne „Hansator“ - bekam ich nicht so viel mit, da ich noch außerhalb des Festivalgeländes auf einen Freund wartete. Die letzten zwei-drei Songs dieser Stoner-Rock-Band habe ich dann noch hören können, aber richtig hängengeblieben ist da leider nichts. Ich war allerdings auch noch nicht richtig angekommen. Die Musik war hart und groovy, aber der Gesang war nicht so meins. Was auch an der "Bühnenshow" des Sängers lag, der entweder da schon ziemlich besoffen war oder den prolligen Trailerpark-Redneck geben wollte. Fand ich etwas aufdringlich. Müsste ich mir aber noch mal in einer ruhigen Minute anhören.
 
Die nächste Band auf der „Rampe“-Bühne blies mich dann förmlich weg. Okay, wegblasen weckt jetzt falsche Assoziation. MASTERS AND THIEVES spielen "Neo Soul". Ja, Soul-Spuren gab es, aber das Ganze war sehr hübsch mit Indie-Pop aus der etwas schrägeren Ecke gemischt. Die hervorragende Sängerin erinnert mich in den höheren Passage ganz leicht an Björk, wobei der Vergleich hinkt. Eine schöne, einprägsame Stimme, die sowohl die tieferen, als auch die höheren Töne beherrscht. Dazu spielte sie Keyboard und auch mal die Querflöte. Die Rhythmus-Gang, bestehend aus Bass und Schlagzeug machten gut Druck, wo Druck hingehört - konnten aber auch in den ruhigeren Passagen überzeugen. Ass im Ärmel war die "Computerfraktion". Ein junger Mann, der seinem Laptop einige schräge, atmosphärische und immer auf den Punkt passende Töne entlockte, die das (eh schon gute) Material der Band noch einmal deutlich aufwertet, und im Zusammenspiele einen ganz eigenständig-/-willigen Sound mit hohem Wiedererkennungswert zauberte. Tolle Band, tolle Sängerin - behalte ich im Auge. In einer besseren Welt sollte einer steilen Karriere eigentlich nichts im Wege stehen. Blöderweise ist die Welt nicht besser. Auf der Facbookseite kündigte die Band nach dem Konzert dann auch leider an, dass die Sängerin krankheitsbedingt für die nächsten Monate ausfällt. Aber die Band will jetzt wohl die bereits fertigen Aufnahmen demnächst veröffentlichen. Ich hoffe MASTERS AND THIEVES bleibt am Ball und man wird noch von ihnen hören.
 
Ebenfalls super waren ECHOSCHLEIFE, eine Deutsch-Pop-Punk-Band um Elli, der ehemalige Gitarristin und Mitgründerin der legendären Mimmi's. Schnelle, ins Tanzbein gehende und eingängige Musik zwischen Punk und Pop mit intelligenten deutschen Texten und der aggressiv-sarkastischen Stimme von Elli. Das macht Laune und lädt schnell zum Mitgröhlen ein. Leider, leider, leider war der Auftritt auf der „Hanastor“-Bühne von technischen Problemen geprägt, da ständig über mehrere Minuten hinweg der Strom ausfiel. Die Band nahm das aber locker, lies sich die gute Stimmung nicht verderben und meinte dann, sie würden jetzt die restlichen Songs einfach dreimal so schnell spielen, da der Zeitplan der Veranstaltung sehr eng gesteckt war. Höhepunkt war dann das letzte Stück "Keine Party" mit dem Sänger von "The Bernie and the Jörgi" (die Band habe ich neulich mal auf Youtube entdeckt und möchte ich auch demnächst mal live sehen) als Überraschungsgaststar. Boah, was für eine Rampensau. Trotz des Songtitels war das Party pur und die Stimmung wunderbar am Kochen. Ganz toll! Auch hier: Werde ich werde beobachten.
 
Danach ließen wir es locker angehen. Rüber zur "Rampe"-Bühne, wo die Sieger des Local Hero Wettbewerbs auftraten. PAD UND DIE WASCHBÄRENBAND lieferte leider so deutschsprachigen Betroffenheits-Weltschmerz-Indie-Schmuse-Pop den ich so überhaupt gar nicht mag. Als Begleitmusik beim Pissen war das okay, aber mehr wollte ich davon nun wirklich nicht hören. Also schnell weiter in die Zollkantine, wo das Deep-House-Duo DARE auftrat. Das war dann elektronische Musik mit schönen Soundscapes und eine an James Blake/Jimmy Woon Stimme. Später nahm er noch eine Mandoline oder Ukulele (ich kenne mich da nicht so aus, eine kleine Gitarre halt) dazu, was sehr schön klang. Leider war die überfüllte, stickigen Zollkantine in der eine ständiges Kommen und Gehen und Geschnatter herrschte, nicht der ideale Ort für sowas. In einem gemütlichen Club hätte mich das sicherlich weitaus mehr mitgerissen. Da bald auch schon bald am Hansator weitergehen sollte, bleiben wir nicht lange.
 
Kommen wir zum Höhepunkt des Abends: VLADI WOSTOK! Wow, wow, wow! Russian Surf nennt sich das, was die machen. Ich möchte das mal als gesunder Mischung aus Rockabilly, Punk, Ska, Surf und russischen Volksweisen nennen. Was für ein Auftritt. Der Sänger, der mich stark an eine explosive Mischung aus Falco und Iggy Pop erinnerte, war der Hammer! Am Anfang trat er noch im engen Trenchcoat und City-Cobra-Sonnenbrille auf, der Trenchcoat wurde dann aber bald abgelegt, um den muskulösen, nackten Oberkörper zu entblößen. Und, alter Schwede, was legte der für eine Show hin. Das hat keinen ganzen Song gedauert, bis Vladi Wostok das Publikum fest im Griff hatte. Die (fast ausnahmslos in Russisch vorgetragen) Stücke luden aber auch zum Abfeiern und Herum-Pogen ein. Dazu noch dieses gewaltige Charisma des Sängers (nebst wirklich witzigen, russische-radegebrochenen Ansagen) – da kochte das Hanasator. Aber auch sonst gab es bei Vladi Wostok musikalisch nichts zu meckern. Eingehende Rhythmen, mal schnell, mal hart, mal groovy, mal fast schon mit Schunkelcharakter – und immer durchweht mit einer gewissen russischen Melancholie. Großartig. Da konnte ich gar nicht anders, als hier und da mal ein Live-Stream dieses grandiosen Auftritts via Facebook in die Welt zu blasen. Im Publikum gab es anschließend nur glückliche Gesichter. Mein Kumpel und ich sagten beide daraufhin unisono: „Oh Mann, nach so einem Tornado würde ich jetzt nicht auftreten wollen“.  Was mir im Herzen schon etwas weh tat, kannte ich doch die Band die danach noch das Hansator rocken sollte.
 
Da es bis dahin noch ein paar Minuten dauerte, schlichen wir wieder zur Rampe rüber, wo WE HAD TO LEAVE noch spielten. In deren melancholischen, an Bands wie Editors oder Interpol erinnernden Indie Rock Elektro-Sound kamen wir nach dem Vladi-Wostok-Flash aber gar nicht mehr rein. Eigentlich mag ich ja die Musik der oben genannten Referenzbands, aber nach Vladi Wostok kam mit das plötzlich lasch und farblos vor. Eine sicherlich ungerechte Bewertung, die unter anderen Umständen sicherlich anders ausgefallen wäre. Da muss ich nochmal irgendwann ran.

Am Hansator machten sich dann WARAN an die schwere Aufgabe, nach Vladi Wostok nochmal dem Publikum einzuheizen. Und wie ich am nächsten Tag vom Sänger erfuhr, hatte die Band auch einen Klos im Hals. Was aber völlig unbegründet war, denn WARAN rockten los als gäbe es kein morgen. Ich hatte die ja schon vor einigen Monaten in der Zollkantine gesehen und für gut befunden. Aber hier übertrafen die sich noch einmal um ein vielfaches. Ein fürwahr großartiger Gig, der noch einmal alle Lebensgeister in dem erschöpften Publikum weckte. Da ging es dann vor der Bühne gut her. Waran spielen „Crashcore“ (mir ein völlig neuer begriff). Harte, sehr aggressive Musik, die allerdings nicht stumpf drauflos brettert, sondern durch sehr coole Hooks und eine gekonnte, gleich ins Ohr gehende Melodieführung gefällt. Die verzweifelt gebrüllten Lyriks stammen von einem – mittlerweile gestorbenen – Obdachlosen, der sie dem Sänger vor Jahren mal in die Hand gedrückt hatte. Sehr hörenswert! Überhaupt war der aggressive Gesang gegenüber den letzten Gig um einiges besser. Da saßen jetzt auch die etwas höheren Töne, der Ausdruck war variantenreicher und man konnte die Texte auch sehr viel besser verstehen, ohne, dass die Aggressivität darunter litt. Tolle Band,absolute Empfehlung da mal rein zuhören. Ich hoffe, da kommt bald mal was auf Vinyl. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, ist damit aber nicht vor 2018 zu rechnen.
Danach ging es dann erschöpft, aber glücklich nach Hause.

Am nächsten Tag war ich um 15:00 Uhr auch wieder beim Überseefestival, diesmal allerdings mit der ganzen Familie. Ich wollte gerne die beiden sehr jungen Jazz-Bands hören, die dort vor – viel zu wenig – Publikum spielten. Meine Güte, fühlte ich mich da alt. Die Jungs waren schätzungsweise so um die 15/16, beherrschten ihre Instrumente aber bereits wie die alten. Sehr gut hat mir die erste Band, THE MINOR PRINCIPLE, gefallen, die vor allem eigene Sachen spielten, die sich stark an e.s.t. Anlehnten, aber durchaus eine eigene Note hatten. Sympathisch und mit viel Freude bei der Sache. Die zweite Band waren SWANK THING, die Covers und Stan­dards spielten, einen etwas volleren Sound hatten (auch durch das Saxophone), aber auch bei aller Perfektion, „gewöhnlicher“ waren. Da verloren sie mich irgendwann und ich kümmerte mich mehr um meine Kinder, als um die (Hintergrund)Musik.

Da zwischen 16:45 und 18:00 sonst nichts los war, zogen wir uns mit den Kindern und einigen Kindergarteneltern, die wir getroffen hatten in eine Ecke bei der Rampe zurück, wo die Kleinen am Herumtoben waren. Ab und zu hörte man eine mal eine Soundprobe (PAUL klang ganz vielversprechend) und eine Trio namens GISBERT UND DER HASE hatte sich „eingeschmuggelt“. Ein Trio bestehend aus einer Akkordionspielerin, einem Sänger/Gitarristen und einem Saxophonspieler. Die Musik würde ich mal als Pub-Mucke beschreiben. Der Sänger hatte eine angenehm raue „irische“ Stimme und der Saxophonist machte den kleinen Teufel, der überall plötzlich auftauchte. Beide spielen auch bei den NORDIC ASHTRAYS, die laut Lokalzeitung wohl abends ziemlich die Hütte haben brennen lassen. War nett. Dann ging es an IVANCA, die gerade am Hansator zu spielen begonnen hatten, mir aber von dem Bisschen, was ich mitbekommen habe, zu konventionell klangen, vorbei ab nach Hause.

Insgesamt eine sehr runde Sache, die mit einigen exotischen Leckereien und insgesamt guter Verpflegung sehr gut organisiert war. Die Stimmung war super, extrem positiv und sehr friedlich. Nirgendwo gab es Stress oder irgendwelche Misstöne. Schön, dass so etwas möglich ist. Ich freue mich jedenfalls schon auf eine Neuauflage und werde jetzt mal die von mir gelobten Bands im Auge behalten.
Früher war mehr Lametta
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon karlAbundzu » 1. Sep 2017, 08:30

Schöner Bericht, mist, dass ich keine Zeit hatte....
Bernie und Jörgi sind immer gut! Und das ich zum wiederholten Male Echoschleife und auch Waran verpasste, ärgert natürlich.
jogiwan hat geschrieben: solange derartige Filme gedreht werden, ist die Welt noch nicht verloren.
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Re: Euer nächstes/letztes Konzert bzw. Live-Event

Beitragvon buxtebrawler » 1. Sep 2017, 10:48

Arkadin hat geschrieben:Ich hatte mich schon lange auf das Überseefestival gefreut, da ich nicht nur eine Band schon näher kannte, sondern es mir selber zur Aufgabe gemacht habe, interessante Bremer Bands für mich zu entdecken, und wenn es geht zumindest durch Vinyl/CD-Käufe zu unterstützen.


Ein hehres Unterfangen, ich verfahre ähnlich in Bezug (nicht nur) auf Hamburger Bands und hat man die nötige Zeit übrig und den Kopf dafür frei, macht das auch sehr viel Spaß.

Schöner Bericht übrigens!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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