Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Moderator: jogiwan

Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon jogiwan » 5. Jan 2017, 16:06

Wer sich mit Filmen aus aller Welt beschäftigt, kommt ja irgendwann auch an Literatur zu Filmen und Regisseuren nicht vorbei. Während dieses Thema im deutschsprachigen Raum ja eher etwas stiefmütterlich behandelt wird und viele hochpreisige Publikationen über die Fan-Made- und Bilderbuch-Ecke nicht hinauskommen, gibt es international doch ein paar Autoren und Verlage, auf die man sich quasi blind verlassen kann. Sei es Tim Lucas mit seinem berüchtigten Bava-Schmöker gigantischen Ausmaßes, Steven Throwers Abhandlungen über US-Indie- oder Franco-Filme und Troy Howarth, der schon einige interessante Bücher zum Thema Fulci, Bava und Giallo verfasst hat oder auch FabPress oder Midnight Marquee, die mit interessanten Veröffentlichungen glänzen. Seit „On Demand“ auch jeder noch so mindertalentierte Schreiberling seine Bücher unter die Leute bringen kann, ist die Liste derartige Publikationen in die Höhe geschossen und leider hat Qualität auch meist immer seinen Preis.

Nachfolgender Tipp- und Diskussionsfred soll hier empfehlenswerte (und weniger emfehlenswerte) Literatur zum Thema Film zusammentragen, die man anderen Filmfreunden auch uneingeschränkt empfehlen würde um etwaige Fehlkäufe zu vermeiden. Was ist interessant, was ist sehr speziell und was lässt man lieber im Regal.

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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur (In- und Ausland)

Beitragvon jogiwan » 5. Jan 2017, 16:33

Mario Bava - All the Colors of the dark - Autor: Tim Lucas

Ich mach mal den Anfang mit der Bava-Buch von Tim Lucas. Wahnwitzges Buch und so umfangreich, dass eine Beschreibung jeglichen Rahmen sprengen würde. Alles und noch viel mehr, was man jemals über Mario Bavas Werke wissen wollte. Leider nicht billig, aber der Wälzer ist jeden Cent wert und sollte in keinem Italo-Haushalt fehlen. Uneingeschränkt empfehlenswert!

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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon Pippolino » 7. Jan 2017, 20:01

Aus dem deutschsprachigen Raum sind die Bertz+Fischer-Bücher zu Joe Dante und Dario Argento eine Anschaffung wert. Es handeln sich um filmwissenschaftliche Werke, also genau richtig für Filmfans und Cineasten!
Bisher kam ich nicht dazu die Bücher zulesen, aber gut Ding will Weile haben. Daher passt es vielleicht zum eigentlichen Thread-Inhalt. ;)

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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon jogiwan » 7. Jan 2017, 20:37

Das deutsche Argento-Buch würde ich persönlich ja niemanden empfehlen. Da lieber das Buch von Alan Jones aus dem Hause FabPress:

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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon Pippolino » 8. Jan 2017, 12:12

jogiwan hat geschrieben:Das deutsche Argento-Buch würde ich persönlich ja niemanden empfehlen.

Warum?
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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon jogiwan » 8. Jan 2017, 12:30

Das waren einige Dinge, die mich persönlich doch sehr gestört haben. Einige Autoren verwechseln einzelne Kapiteln und bestimmte Themen mit Selbstbeweihräucherungen und neben ständigen Wiederholungen gibt es auch ein paar ganz abstruse Theorien, die nicht mit dem Regisseur verifiziert, sondern einfach so in den Raum geworfen werden. Der hohe Anspruch, der von den Machern im Vorfeld versprochen und angekündigt wurde, ist jedenfalls nur teilweise umgesetzt worden. Ich hab 2013 auch einen längeren Text (siehe unten) zu dem Werk geschrieben und die wenigen, die sich im Netz auch etwas kritischer mit dem Werk auseinandergesetzt haben und nicht im "Alles Super"-Kanon der zahlreichen Autoren einstimmen wollten, mussten sich ja auch einiges an Kritik gefallen lassen. Davon können ja auch andere hier ein Lied singen... ;)

Mit Literatur zu Filmen aus dem Genre-Bereich bzw. dessen Regisseure und -Innen ist es im deutschsprachigen Raum so eine Sache: zwar hat sich in den letzten Jahren zumindest auf dem Magazin-Sektor so einiges getan, aber mit Ausnahme der Publikationen aus der „Deep Focus“-Reihe bzw. dem Verlag „Bertz +Fischer“ und den (vergriffenen) Büchern des geschätzten Herrn Christian Keßler sieht es im Vergleich zu den zahlreich vorhandenen und englischsprachigen Werken größtenteils eher düster aus. Zwar gibt es durchaus deutschsprachige Publikationen, die dann eher dem Sektor Bilderbuch zuzuordnen sind – dem prinzipiell nichts einzuwenden ist – aber ein Groß der bisherigen Veröffentlichungen erfreuen sind entweder eher etwas schludrig recherchiert und/oder erfreuen sich einem mitunter gewöhnungsbedürftigen Schreibstil und oftmals auch einem etwas zu kreativem Umgang mit der deutschen Sprache.

Bislang gab es meines Wissens außer mit dem 1999 erschienenen Buch „Inferno – Die Welt des Dario Argento“ von Detlef Klewer, das sich dem filmischen Output jedoch etwas zu sehr mit der Fanbrille nähert, kein weiteres deutschsprachiges Werk, welches sich ausschließlich dem Schaffen des 1940 geborenen Regisseurs und Drehbuchautors widmet. Zwar findet sich u.a. auch in „Inferno Italia – Der italienische Horrorfilm“ von Louis Paul ein ausführliches Kapitel zu den Werken Argentos, aber ansonsten sind es wohl die englischsprachigen Bücher „Profondo Argento“ von Alan Jones, welches kürzlich um ein paar Kapitel und aktuelle Filme ergänzt als „Dario Argento – The Man, The Myth, The Magic“ neu aufgelegt wurde und Chris Gallants „The Art of Darkness – The Cinema of Dario Argento“, welche allgemein als Referenzwerke zu Argento Schaffen gelten.

Das nun erschienene Buch „Dario Argento – Anatomie der Angst“ schickt sich nun jedoch an, diesen Missstand zu ändern und versammelt nicht weniger als 33 (in Worten: dreiunddreißig) Autoren aus der Film-, Theater- und Blogger-Szene, die sich filmwissenschaftlich dem Schaffen Argentos nähern und die unterschiedlichsten Aspekte wie die Rolle der Kunst in seinen Filmen, die Nähe zum Grand-Guignol-Theater, seine Arbeit als Drehbuchautor, sowie auch dessen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Regisseuren wie Mario Bava und Brian De Palma näher beleuchten. Weiters findet sich in dem Buch ein Interview mit Musiker Claudio Simonetti, die Kooperation mit den Prog-Rockern von „Goblin“, ein Dreh-Location-Bericht zu „Suspiria“ und weitere spannende Aspekte, während im zweiten Teil dann jeder Film des Regisseurs näher beleuchtet wird, ehe das von Marcus Stiglegger und Michael Flintrop herausgegebene Werk mit einer Film-, Bibliografie und weiteren Informationen zu den Autoren abgeschlossen wird.

Seit dem vorigen Jahr wurde das Buch ja bereits in Foren beworben und auf einer bekannten Online-Community konnte man die Entstehung des Werkes seit Dezember 2012 quasi mitverfolgen, ehe dieses im Spätsommer 2013 veröffentlicht wurde. Die Vorfreude war ja bei vielen auch groß, dass ein Werk entstehen sollte, dass sich inhaltlich von Fan-Werken und üblichen Foren-Diskussionen abheben sollte und einen tieferen Einblick in die düster-blutige und durchaus kontroverse Welten Dario Argentos bieten sollte. Als dann nach Veröffentlichung jedoch suggestive Internet-Postings veröffentlicht wurden, die fast schon trotzig auf den filmwissenschaftlichen Charakter des Werkes verwiesen und kritischeren und durchaus berechtigten Stimmen Niveaulosigkeit unterstellt wurden, erlitt die Vorfreude zumindest von bei mir den ersten Dämpfer und auch tatsächlich dürften sich viele angesichts des Titels doch ein etwas anderes Endprodukt erwartet haben.

Die Idee ein derartiges Buch zu veröffentlichen kann zwar nicht hoch genug eingeschätzt werden und mit dem Lesen jeder Seite wird auch der Aufwand sichtbar, der in dieses Herzensprojekt gesteckt wurde, jedoch hapert es etwas bei der Umsetzung und wie in dem bekannten Sprichwort mit den „vielen Köchen“ und dem „verdorbenen Brei“ entsteht beim Lesen doch der Eindruck, dass man hier versucht hat, zu viele unterschiedliche Aspekte, Sichtweisen und Schreiberlinge in ein Buch zu pressen. Dass bei der Anzahl an unterschiedlichen Autoren dabei mitunter seltsame Sichtweisen und Wiederholungen nicht ausbleiben kann dabei durchaus verziehen werden, was sich jedoch für mich als Außenstehender als größtes Mysterium darstellt ist die Tatsache, dass man für ein derartiges Buch nicht den Regisseur selbst ins Boot geholt hat, um z.B. ein paar sehr gewagte Vermutungen zu bestätigen oder eben zu widerlegen und nicht zumindest ein Interview in das Buch gepackt hat.

So finden sich im ersten Teil der Publikation neben zahlreichen und sehr interessanten Beiträgen auch einige Texte, die sich für meinen Geschmack etwas zu sehr in (persönlichen) Mutmaßungen ergehen oder in ihrer teils abenteuerlichen Interpretation zu sehr eine aktuelle Sichtweise auf Werke vergangener Jahrzehnte projizieren und dadurch zu etwas seltsam anmutenden Schlussfolgerungen kommen. Bei manchen Autoren hätte es bei allem Respekt auch nicht geschadet, die eigenen Befindlichkeiten etwas zurückzuschrauben, die angepeilte Thematik nicht aus den Augen zu verlieren und auch etwas mehr auf die Lesbarkeit ihrer Beiträge zu achten.

Im zweiten, großen Teil des Buches widmen sich die Autoren dann chronologisch allen Regie-Werken Argentos inklusive seiner Ausflüge ins Fernsehen und da bei der kurzen Wiedergabe der Handlungen auch gespoilert wird, richten sich die Texte wiederum eher an Fans , die mit dem Schaffen Argentos auch vertraut sind. Die Texte sind hier größtenteils auch sehr schön ausgefallen, wobei diese Aufgabe mit fortschreitendem Produktionsjahr für die zahlreichen Schreiberlinge immer undankbarer wird. Vor allem die Autoren zu „Giallo“ und „Dracula 3D“ sind ja im Grunde wahrlich nicht zu beneiden und ganz muss man daher in Kenntnis dieser Werke mit den Ausführungen zu aktuellen Werken dann auch nicht konform gehen und die abschließende Filmografie mit ausführlichen Infos zu Daten wie Erstaufführung, Drehlocations etc. stimmt den Leser dann auch wieder mehr als versöhnlich.

Unterm Strich bleibt ein filmwissenschaftliches Buch, welches sich rein dem Schaffen des Regisseurs widmet und sich auch eher an den eingefleischten Fan richtet, da ein Großteil der Texte die Kenntnis der entsprechenden Filme voraussetzt. Die Idee zu dem Buch und den Beiträgen aus unterschiedlichsten Richtungen ist zwar sicherlich sehr gut, aber im vorliegenden Fall wurde der Bogen an Themen und beteiligen Personen mit und ohne Fanbrille wohl etwas zu weit und lose gespannt, während die Person, um die es eigentlich geht, leider nicht in irgendeiner Form eingebunden wurde. Das ist meines Erachtens mehr als schade und „Dario Argento – Anatomie der Angst“ bietet neben zweifelsfrei sehr interessanten Beiträgen statt neuen Erkenntnissen und verbürgten Thesen für mein Empfinden zu viele allgemeine Informationen, Wiederholungen und auch oftmals etwas zu plakative Mutmaßungen, denen zumindest ich mich für meinen Teil wie auch den Lobeshymnen zu dem Buch nicht vorbehaltslos anschließen möchte.
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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon purgatorio » 8. Jan 2017, 15:50

vom gleichen Herausgeber-Team steht ja bald ein Lucio Fulci-Buch an, da haben wir dann zur Sicherheit und als Garant für Qualität ein paar Fachmänner aus dem Forum eingeschleust 8-)

Off-Topic: Ich seh gerade, der Jogi hat ja auch bald seine 25'000 Postings voll :o
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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon jogiwan » 8. Jan 2017, 16:08

Gibt es für das Fulci-Buch schon einen ungefähren Termin, der angepeilt ist? :???:
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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon purgatorio » 8. Jan 2017, 17:32

jogiwan hat geschrieben:Gibt es für das Fulci-Buch schon einen ungefähren Termin, der angepeilt ist? :???:

ja, letztes Jahr :lol: Nein, da ist noch nichts. Ich weiß nichtmal, ob mittlerweile alle Texte eingegangen sind. Da ging es zuletzt ziemlich drunter und drüber. Aber ich denke mal, dass etwas, dass so lange auf sich warten lässt, dann hoffentlich auch gut wird :mrgreen:
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Re: Empfehlenswerte Film-Literatur-Sammelfred (In- und Ausland)

Beitragvon McBrewer » 8. Jan 2017, 17:42

Über den Dario gibt es auch noch folgendes Buch:
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Giallo Argento. All about Dario Argento's movie by Cozzi Luigi

Das steht ja jetzt schon eine Weile hier bei mir, hatte es aber noch nicht geschafft, einen längeren Blick hineinzuwerfen :oops:
Aber Angesichts einer überschaubaren Seitenzahl von knapp 180 und dazu reichliche Bebilderung wird dies "nur" eine nette Übersicht über das Schaffen des Maestros ohne größere Kritische Auseinandersetzung sein.
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