Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliteratur

Moderator: jogiwan

Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon tenebrarum » 6. Okt 2011, 14:11

@ purgatorio

Ich hatte damals für mein Buch ein Kapitel über die Vorläufer der Kannibalenfilme geschrieben. Das geht im Grunde 1912 los mit Cannibals in the South Seas. Erste Kannibalenkomödie bereits im Jahr darauf: Mike and Jake Among the Cannibals. Disney-Zeichentrick: Alice Cans the Cannibals, 1924, ein weiterer Zeichentrickfilm: Junlge Jitters. Doku: Gow, the Killer (1931). Die Goona-Goona-Filme solltest Du auch berücksichtigen. So viel in aller Kürze.

"Das schlechte Gewissen der Moderne" hatte ich nur kurz hier (hab's geliehen, wurde vorgemerkt, musste zurück ... kaufen würde ich das nicht). Bin nur dazu gekommen, den Kannibalenartikel zu lesen. Ich mag zwar anspruchsvolle Texte (was ich mir 2005 bei der Suche nach einem Verleger schon hätte klar machen sollen), aber derartige Arbeiten fallen schon unter das, was Woody Allen mal als "geistige Masturbation" bezeichnet hat. Keine Ahnung, warum man Bücher so schreibt, dass einen nur eine "Bildungselite" verstehen kann, ohne ständig im Fremdwörterbuch nachschlagen zu müssen. Schlimmer jedoch: Die inhaltlichen Fehler gibt es, auch wenn Du Dich daran nicht erinnern kannst. Habe mir sogar die Szene mit der Schwangeren extra nochmal angesehen, obwohl ich hätte wissen müssen, dass ich da keinerlei Hinweise übersehen habe, die darauf schließen lassen, dass Yates und seine Leute die Kannibalen zu diesem Ritual zwingen. Völliger Quatsch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es auch Hinweise auf die Gepfählte. Also auch darauf, WER sie gepfählt hat. Eine definitive Aussage dazu gibt es im Film nicht! Verschiedene Interpretationsmöglichkeiten sind da gegeben. Wie auch immer, die Lektüre hat mir nicht wirklich etwas gebracht.

Die Tarzan-Filme sind auch mal ein Steckenpferd von mir gewesen. Als Kind schon gerne gesehen und später aus Nostalgiegründen. Von kannibalischen Stämmen war da definitiv mal die Rede, obwohl natürlich keine entsprechenden Szenen zu sehen waren. Die Szene mit den an Bäumen aufgehängten Leuten, die quasi (off screen) in der Luft zerrissen werden, ist aus einem der ersten Weissmuller-Filme. Stark inszeniert und sehr suggestiv. Ob DAS aber ein Kannibalenstamm war, weiß ich leider nicht mehr.

Was denkst Du denn, wann Deine Arbeit fertig sein wird, oder wann man sie mal lesen kann bzw. wann sie evtl. veröffentlicht wird?
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon Santini » 6. Okt 2011, 14:13

@ purgschi:
Hauptsache es kommt uns nicht zu Ohren, du hättest bei deiner dottore-Arbeit abgeschrieben. :opa: :nixda:
Wie es ja derzeit in Mode zu sein scheint.

Dann gibt es nämlich: Bild

8-) :kicher: :lol:
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon purgatorio » 6. Okt 2011, 15:06

Santini hat geschrieben:@ purgschi:
Hauptsache es kommt uns nicht zu Ohren, du hättest bei deiner dottore-Arbeit abgeschrieben. :opa: :nixda:
Wie es ja derzeit in Mode zu sein scheint.

Dann gibt es nämlich: Bild

8-) :kicher: :lol:

sollte soetwas vorkommen schicke ich dir höchstpersönlich einen hochauflösenden Scan von meinem Hintern, den du dann Tag ein, Tag aus verhauen kannst :D
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon purgatorio » 6. Okt 2011, 15:17

@tenebrarum: Danke für die vielen Hinweise. Da kommt ja eine Menge Recherchearbeit auf mich zu :shock: Wahrscheinlich würden schon nur die Anfänge den Rahmen meiner Arbeit sprengen können und müssen wohl von fornherein auf exemplarische Analysen beschränkt werden. Der Rest kann maximal Fußnote werden. Für ein Basiswerk mit Anspruch auf Vollständigkeit aber sicherlich interessant (wird vermerkt für spätere Erweiterungen)

tenebrarum hat geschrieben:Was denkst Du denn, wann Deine Arbeit fertig sein wird, oder wann man sie mal lesen kann bzw. wann sie evtl. veröffentlicht wird?

Lang darf das nicht dauern! Bis Mitte Dezember habe ich mündliche Prüfungen, anschließend kann ein Thema (in Essayform) für die Arbeit mit entsprechend vorläufiger Literaturliste eingereicht werden (das ist es, was ich gerade erarbeite). Dann wird entschieden ob das Thema bearbeitet werden kann oder ein anderes gesucht werden muss (die Kunst liegt also darin zwei Prüfer zu finden, die aufgeschlossen sind und am besten noch in der Bildungsagentur ein gutes Wort einlegen, denn auch dort darf das Thema nocheinmal abgelehnt werden). Wird das Thema bewilligt bekommt man eine schriftliche Zusage und dann läuft die Uhr genau drei Monate lang. Dann muss man fertig sein sonst ist man durchgefallen. Also, um deine Frage zu beantworten: frühestens im März des nächsten Jahres. Die dann entstandene Arbeit würde ich als Rohling für eine Aufwertung in Buchform ansehen. Wieviel arbeit dann drin steckt, wirst du besser beurteilen können als ich ;)
Auf Wunsch gibt's zu gegebenem Zeitpunkt natürlich foreninterne Leseproben. Für eine notwendige Danksagung prädestinieren sich hier ja auch schon einige. Letzteres ist aber immer erst auf dem Buchmarkt von Interesse, inneruniversitär ist's wohl kaum von Belang :D
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon purgatorio » 6. Okt 2011, 15:29

tenebrarum hat geschrieben:Ich hatte damals für mein Buch ein Kapitel über die Vorläufer der Kannibalenfilme geschrieben. Das geht im Grunde 1912 los mit Cannibals in the South Seas. Erste Kannibalenkomödie bereits im Jahr darauf: Mike and Jake Among the Cannibals. Disney-Zeichentrick: Alice Cans the Cannibals, 1924, ein weiterer Zeichentrickfilm: Junlge Jitters. Doku: Gow, the Killer (1931). Die Goona-Goona-Filme solltest Du auch berücksichtigen. So viel in aller Kürze.


ich hatte mal ein Essay mit dem Titel „I’m having an old friend for dinner“ von Michaela Krützen gelesen (Krützen, Michaela: >>I'm having an old friend for dinner<<. Ein Menschenfresser im Klassischen Hollywoodkino. In: Fulda, Daniel; Pape, Walter (Hrsg.): Das Andere Essen. Kannibalismus als Motiv und Metapher in der Literatur, Freiburg im Breisgau (Rombach Wissenschaften: Reihe Litterae, Bd. 70) 2001, S. 483-531), darin ging sie einleitend auch auf uralte Zeichentrickfilme ein. Das gefiel mir recht gut, aber je länger man las desto schlimmer wurde der Artikel. Mein Gesamtfazit war: "ist nur mäßig informativ, lücken- und stark fehlerhaft. Viele der besprochenen Filme scheint Krützen gar nicht gesehen zu haben, beschreibt und zitiert sie falsch." Wenn ihr Buch "Väter, Engel, Kannibalen" auf äquivalentem Niveau ist dann kann man es nichtmal als Klopapier verwenden. Man könnte den Text ja aufwerten :palm:
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon tenebrarum » 6. Okt 2011, 16:02

@ purgatorio

Okay, ganz ehrlich ... In meinem Skript werden auch Filme genannt, die ich nie gesehen habe. Geht gar nicht anders. Die genannten, ca. 100 Jahre alten Werke sind heute kaum noch aufzutreiben. In Deinem Fall wird das wohl ein Problem. Bei meinem Buch war es ja so, dass ich lediglich kurz darauf hinweisen wollte, in welchen Filmen und zu welchen Zeiten Kannibalismus bereits ein Thema war. Ich denke, dass meine Recherchen intensiv und umfassend genug waren, um in dem Rahmen über diese Filme zu berichten. ABER: Ich habe in einer Fernsehreportage über Kannibalismus mal eine kurze (nur wenige Sekunden dauernde) Szene aus einem dieser Filme gesehen. Ich denke es war einer der Goona-Goona-Filme oder so, aber das war schon interessant und faszinierend. Hätte den Film und andere vergleichbare Werke schon mal gerne komplett gesehen und Bezüge zu den modernen Kannibalenfilmen herausgearbeitet, bzw. analysiert, wie sich die italienischen Filme hinsichtlich der Darstellung von Kannibalen unterscheiden.

Und JA, da kommt ggf. eine Menge Arbeit auf Dich zu. Blöd auch, dass Du Dich im Grunde schon darum kümmern solltest, bevor das Thema offiziell akzeptiert wird. Die drei Monate danach sind ja doch sehr knapp bemessen. Wenn Du aber Pech hast und das Thema abgelehnt wird, war die Arbeit umsonst.
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon purgatorio » 6. Okt 2011, 16:21

tenebrarum hat geschrieben:Okay, ganz ehrlich ... In meinem Skript werden auch Filme genannt, die ich nie gesehen habe. Geht gar nicht anders. Die genannten, ca. 100 Jahre alten Werke sind heute kaum noch aufzutreiben.
(...)
Und JA, da kommt ggf. eine Menge Arbeit auf Dich zu. Blöd auch, dass Du Dich im Grunde schon darum kümmern solltest, bevor das Thema offiziell akzeptiert wird. Die drei Monate danach sind ja doch sehr knapp bemessen. Wenn Du aber Pech hast und das Thema abgelehnt wird, war die Arbeit umsonst.

Zum ersten: darauf wird es prinzipiell immer hinauslaufen, wenn man sich thematisch in einem so weiten Feld aufhält und dann in der Chronologie an Punkte/Beispiele/Filme gelangt, die einfach nirgends zu finden sind. Da werden Verweise und Hinweise reichen müssen - auch in der wissenschaftlich legitimierten Fachliteratur.

Zum zweiten Punkt: Ja, drei Monate sind knapp! Und ja, ein gut vorbereitetes Thema, dass abgelehnt wird ist mehr als ärgerlich. Aber in diesem Fall hier kann die Idee ja immernoch fixiert bleiben und zu späterem Zeitpunkt neu aufbereitet werden. Sie wird ja in dem Fall nicht abgelehnt, weil wissenschaftlich irrelevant sondern weil für mich eventuell nicht fachrelevant. Mir ist schon klar, dass mir lediglich die "Fachrelevanz" das Genick brechen könnte (und eventuell das Werbeverbot). Am Prüfer dürfte es nicht liegen :)
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon purgatorio » 6. Okt 2011, 19:45

Hat jemand hier die ältere (oder eventuell schon die neue) Auflage von "Cannibal Holocaust and the savage cinema of Ruggero Deodato" von Harvey Fenton, Julian Grainger und Gian Luca Castoldi gelesen? In der Beschreibung von Jogi im entsprechenden Thread sieht's mir eher nach einem Buch über Deodato mit leicht irreführendem Titel aus. Wo liegt denn nun der thematische Schwerpunkt?
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon jogiwan » 6. Okt 2011, 20:03

ich habs noch nicht im Detail gelesen, aber es geht wohl um das gesammte, bisherige Schaffen von Herrn Deodato, wobei jeder Film vorgestellt wird. Thematisch und Bild-technisch wird "Cannibal Holocaust" zwar der meiste Platz eingeräumt, allerdings scheint der Text nach dem ersten Überfliegen nicht zu sehr in Detail zu gehen. Interviews und massig Bildmaterial sind auch vorhanden. Tiefergründige Abhandlungen seiner Filme darf man sich angesichts der ca. 30 vorgestellten Filme jedoch nicht vorstellen. Schön ist das Buch aber allemal!
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Re: Diskussionsthread: Kannibalen in einschlägiger Fachliter

Beitragvon tenebrarum » 7. Okt 2011, 00:47

Das Buch durfte schon damals nicht in meinem Regal fehlen (die alte Erstauflage, nicht die erweiterte Version), als ich noch lediglich Fan der Filme war. Später, als ich an meinem Kannibalenfilmbuch gearbeitet habe, musste ich es natürlich nochmal durcharbeiten. Für die Biographie zu Deodato war es dann auch okay, obwohl man filmographische Angaben heutzutage auch im Netz findet. Natürlich wird Cannibal Holocaust hervorgehoben ... das ist vergleichbar mit Gone with the Wind in Selznick's Hollywood. Diese Filme sind einfach die Hauptwerke ihrer Schöpfer. Der Hinweis im FABpress-Buch, der Film würde besonders viel Raum einnehmen, da man SÄMTLICHE Aspekte abdecken wollte, ist aber ein wenig geprahlt. Als Basisliteratur zu Deodato völlig okay und mit netten Fotos versehen (wobei ich das Layout mit den für FABpress typischen Briefmarkenbildchen nicht so toll finde), aber - ohne falsche Bescheidenheit - über Cannbial Holocaust erfährt man in meinem Magazin weitaus mehr.

Irreführend und somit etwas ärgerlich finde ich den Titel des Buches. Zunächst mal hat Deodato doch EINIGE Filme gedreht. Und dann passen längst nicht alle Filme zum Hinweis auf das "wilde Kino" des Rugero Deodato. Immerhin sind auch seine Fernseharbeiten drin (wenn auch in der alten Auflage nur kurz besprochen), aber WILD war der alte Mann da schon lange nicht mehr.

Da das einzige mir bekannte (und das auch nur vom Titel her) Buch zum Gesamtwerk des Regisseurs nur in italienischer Sprache vorliegt, sollten Deodato-Fans und Interessierte das Buch selbstverständlich haben. Und verglichen mit den deutschen Veröffentlichungen eines bestimmten Verlags, der in erster Linie hinsichtlich der Menge der Rechtschreibfehler rekordverdächtig ist, ist das Buch von FABpress natürlich ein Meisterwerk. :)
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