Der Heros in tausend Gestalten - Joseph Campbell

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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon purgatorio » 10. Mär 2012, 10:47

der Doc Nummero Duo könnte uns ja bei Gelegenheit einmal etwas genauer über Joseph Campbell und den HEROS IN TAUSEND GESTALTEN aufklären. Immerhin sind einige Filme nach dessen Grundmuster gestrickt. Mad Max zum Beispiel. Doc, kannst du bitte?
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon DrDjangoMD » 10. Mär 2012, 11:50

purgatorio hat geschrieben:der Doc Nummero Duo könnte uns ja bei Gelegenheit einmal etwas genauer über Joseph Campbell und den HEROS IN TAUSEND GESTALTEN aufklären. Immerhin sind einige Filme nach dessen Grundmuster gestrickt. Mad Max zum Beispiel. Doc, kannst du bitte?


Es gibt außer Bruce noch einen berühmten Campbell :? Ehrlich gesagt hat dieses Buch in meinem gesamten Studium noch nicht mal Erwähnung gefunden, aber was Wikipedia darüber zu sagen hat ist mehr als interessant, ich kann ja mal schaun ob wir's in unserer Bibliothek haben, dann führe ich's mir gern zu Gemüte :nick:
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon purgatorio » 10. Mär 2012, 12:56

DrDjangoMD hat geschrieben:Es gibt außer Bruce noch einen berühmten Campbell :? Ehrlich gesagt hat dieses Buch in meinem gesamten Studium noch nicht mal Erwähnung gefunden, aber was Wikipedia darüber zu sagen hat ist mehr als interessant, ich kann ja mal schaun ob wir's in unserer Bibliothek haben, dann führe ich's mir gern zu Gemüte :nick:


:shock: Du verarscht mich, oder? Viele gute, ja viele der besten Filme überhaupt, basieren auf Campbells Ausführungen. Ich hatte da mal reingelesen, im Grunde tut er folgendes: er vergleicht eine unglaubliche Menge an Legenden und Märchen aus aller Welt und legt genau die Strukturen offen, die überall, also kultur- und religionsübergreifend als spannend und angenehm empfunden werden. Dadurch erarbeitete er eine Art Katalog, welche Kriterien eine gute Geschichte, die überall verstanden und gemocht wird, haben muss. Campbell und Lucas waren übrigens sehr gute Freunde. ;)
Also soweit ich das einschätzen kann, solltest du dich unbedingt mal damit befassen. In Wien könnte man dann wahrscheinlich klugscheißen auf extrem hohem Niveau, im englischsprachigen Ausland gehört das Wissen um Campbell meiner Einschätzung nach aber zum Standart-Repertoir. Muss man kennen :nick:
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon buxtebrawler » 10. Mär 2012, 14:21

purgatorio hat geschrieben:Ich hatte da mal reingelesen, im Grunde tut er folgendes: er vergleicht eine unglaubliche Menge an Legenden und Märchen aus aller Welt und legt genau die Strukturen offen, die überall, also kultur- und religionsübergreifend als spannend und angenehm empfunden werden. Dadurch erarbeitete er eine Art Katalog, welche Kriterien eine gute Geschichte, die überall verstanden und gemocht wird, haben muss.


Also der Entdecker der Mainstream-Formel?
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon purgatorio » 10. Mär 2012, 14:31

buxtebrawler hat geschrieben:
purgatorio hat geschrieben:Ich hatte da mal reingelesen, im Grunde tut er folgendes: er vergleicht eine unglaubliche Menge an Legenden und Märchen aus aller Welt und legt genau die Strukturen offen, die überall, also kultur- und religionsübergreifend als spannend und angenehm empfunden werden. Dadurch erarbeitete er eine Art Katalog, welche Kriterien eine gute Geschichte, die überall verstanden und gemocht wird, haben muss.


Also der Entdecker der Mainstream-Formel?


ein bisschen banal, um ehrlich zu sein. Aber so würde er auch dich als Mainstream-Fetischisten enttarnen, da offenbar jeder derartige Grundstrukturen als angenehm empfindet :P
Vielleicht wendet uns der Doc2, nachdem er sich eingelesen hat, mal diese Formeln auf Giallo-Streifen an, oder auf Kannibalenfilme. Oder auf Poliziescos. Bei HÖLLE VOR DEM TOD könnte das durchaus funktionieren. Wenn's klappt, behält der Meister recht. Und dein Spott verhallt :nick:
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon Marcus Daly » 10. Mär 2012, 19:36

purgatorio hat geschrieben:Ich hatte da mal reingelesen, im Grunde tut er folgendes: er vergleicht eine unglaubliche Menge an Legenden und Märchen aus aller Welt und legt genau die Strukturen offen, die überall, also kultur- und religionsübergreifend als spannend und angenehm empfunden werden. Dadurch erarbeitete er eine Art Katalog, welche Kriterien eine gute Geschichte, die überall verstanden und gemocht wird, haben muss. Campbell und Lucas waren übrigens sehr gute Freunde. ;)
Also soweit ich das einschätzen kann, solltest du dich unbedingt mal damit befassen. In Wien könnte man dann wahrscheinlich klugscheißen auf extrem hohem Niveau, im englischsprachigen Ausland gehört das Wissen um Campbell meiner Einschätzung nach aber zum Standart-Repertoir. Muss man kennen :nick:


Ich habe das Buch selber noch nicht gelesen. Steht aber auf meiner Wunschliste. Soweit ich die Lage überblicke basieren so gut wie ALLE Hollywoodfilme seit KRIEG DER STERNE auf der von Campbell entdeckten "Heldenreise". Interessanterweise hatte Campbell zuvor unter anderem die Werke C.G. Jungs ins Englische übersetzt und somit wohl erst in den USA bekannt gemacht.

Und Jungs "Archetypen" dürfte eines der Grundlagenwerke für Campbells eigene Arbeiten sein. Im Prinzip geht es wohl beiden darum, dass bestimmte Figuren und Geschichten innere Entwicklungsprozesse wiederspiegeln, weshalb diese Geschichten auch universell verstanden werden. Und genau dies macht den Erfolg Hollywoods aus. Denn alleine in Europa werden deutlich mehr Filme, als in den USA produziert. Aber in der Verbreitung ist Hollywood halt weltweit die Nr. 1.

:opa: :ugeek: :mrgreen:
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Re: Welchen Film habt ihr zuletzt gesehen?

Beitragvon purgatorio » 10. Mär 2012, 20:10

joar... irgendwie so :mrgreen:
wie gesagt, ich hatte nur mal reingelesen...

Im Grunde aber schon eine spannende Angelegenheit, die für Filmkenner und ebenso auch für Filmwissenschaftler durchaus mal von Interesse sein sollte. Wenigstens in Grundzügen ;)

EDIT
Ich denke auch, dass das Grundschema der Heldwerdung auch noch weiter reduziert werden kann auf den Kampf von (relativ) gut gegen (ziemlich) böse. Das funktioniert dann auch mit Antihelden.
Zumal Campbell zwar von Hollywood stark rezipiert wird, im Grunde aber nicht darauf zu beschränken ist. Es geht ihm ja nicht um gute (Film-)Geschichten und wie diese aussehen sollten, sondern darum, was unter welchen Bedingungen als gut, glaubhaft, dramatisch und spannend empfunden wird. Wie oben schon einmal notiert, halte ich das auch bei außeramerikanischen Filmen für anwendbar. Auch Antihelden durchlaufen eine Kartharsis. Wenn sich der Doc Nummero Duo eingearbeitet hat (Semesterferien kann man ja auch sinnvoll nutzen) wird er uns das bestimmt erklären :nick: :thup:
Zuletzt geändert von purgatorio am 10. Mär 2012, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Der Heros in tausend Gestalten - Joseph Campbell

Beitragvon purgatorio » 10. Mär 2012, 20:49

DER HEROS IN TAUSEND GESTALTEN - Joseph Campbell

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Taschenbuch: 456 Seiten
Verlag: Insel Verlag
ISBN-10: 3458342567
ISBN-13: 978-3458342564

Inhalt (via):
Apollo, der Froschkönig aus dem Märchen, Wotan, Buddha und zahlreiche andere »Helden« aus Volkssagen und Religionen – sie alle lassen sich auf den einen Heros zurückführen, den Ursprung aller Mythen. Und gleichzeitig stellen sie verschiedene Versionen und Ausformungen des Heldentypus dar. Durch umfassende Vergleiche und Deutungen bringt Campbell die Eigenheiten, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede dieser zeitlosen Symbole ans Licht. »Der Heros in tausend Gestalten« ist ein unumgängliches Standardwerk der Mythenforschung – ein Handbuch über die Helden der Menschheitsgeschichte und deren Bedeutung, das auch dem interessierten Laien die Geschichte des Heros verständlich nahebringt.


»Auf beeindruckende Art und Weise gelingt es Joseph Campbell in seinem Werk Der Heros in tausend Gestalten eine gigentische und schier unüberblickbare Fülle von Heldengeschichten aus allen Zeiten und aller Welt sinnvoll zu ordnen und zusammen zu stellen.«
(Gisela Stummer academicworld.net )
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Re: Der Heros in tausend Gestalten - Joseph Campbell

Beitragvon purgatorio » 2. Jan 2013, 10:28

Netter Animationsfilm, der die Kernthesen von Campbell ansprechend illustriert. Die 4,5 Minuten kann man ruhig in seine Grundlagen-der-Storytelling-(Aus-)Bildung investieren. Und alle, die dann angebissen haben, können ja immernoch das Buch lesen 8-)

What makes a hero?
www.youtube.com Video From : www.youtube.com

(via nerdcore)
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Re: Der Heros in tausend Gestalten - Joseph Campbell

Beitragvon Adalmar » 2. Jan 2013, 12:47

Das Problem bei solchen Darstellungen ist, dass ein Schema erarbeitet wird wie Campbells "Monomythos", das dann bei jeder als Beispiel herangenommenen Geschichte so lange verbogen wird, bis es mehr schlecht als recht passt. Bei Campbell macht jeder Held eine "Reise" in eine übernatürliche Welt oder so was durch. Z. B. steht bei Wikipedia, dass es in der Odyssee drei Reisen gebe: Die des Odysseus, der durch die Weltmeere irrt, die des Telemachos, der nach ihm sucht, was ja beides in Ordnung ist. Aber auch dass Odysseus' Frau Penelope zwanzig Jahre zu Hause sitzt und auf ihn wartet, ist für Campbell eine "Reise". Eine Reise durch die Zeit. :doof:

Zitat Wikipedia/Campbell:
Late in his life, Campbell had this to say:
“All of the great mythologies and much of the mythic story-telling of the world are from the male point of view. When I was writing The Hero with a Thousand Faces and wanted to bring female heroes in, I had to go to the fairy tales. These were told by women to children, you know, and you get a different perspective. It was the men who got involved in spinning most of the great myths. The women were too busy; they had too damn much to do to sit around thinking about stories. [...]

In the Odyssey, you'll see three journeys. One is that of Telemachus, the son, going in quest of his father. The second is that of the father, Odysseus, becoming reconciled and related to the female principle in the sense of male-female relationship, rather than the male mastery of the female that was at the center of the Iliad. And the third is of Penelope herself, whose journey is [...] endurance. Out in Nantucket, you see all those cottages with the widow's walk up on the roof: when my husband comes back from the sea. Two journeys through space and one through time.


Ich weiß nicht, was Campbell zur Ilias geschrieben hat, aber da sehe ich überhaupt nicht, wo sein Heldenschema passen sollte. Zudem impliziert sein Schema ja ein Happy End, auch da fällt schon mal vieles raus wie etwa der Nibelungenmythos, dessen Helden und Heldinnen (zumindest fast, je nach Version) alle tragisch enden.
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