Was? - Roman Polanski

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Was? - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 6. Feb 2012, 16:19

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Originaltitel: What?

Herstellungsland: Italien / Deutschland / Frankreich (1972)

Regie: Roman Polanski

Darsteller: Sydne Rome, Marcello Mastroianni, Hugh Griffith, Guido Alberti, Gianfranco Piacentini, Carlo Delle Piane, Mario Bussolino, Henning Schlüter, Christiane Barry, Pietro Tordi, Nerina Montagnani, Mogens von Gadow u. A.

Die junge Amerikanerin Nancy reist per Anhalter durch Europa. Vor den Handgreiflichkeiten einiger Papagalli flüchtet sie in eine italienische Villa am Meer, die einem ebenso alten wie schwerreichen Sonderling gehört. Die luxuriösen Räume werden von einer Schar exzentrischer Nichtstuer bevölkert, die lediglich noch von ausgefallenen Sex-Spielen motiviert werden können. Der ehemalige Zuhälter Alex zum Beispiel streift sich ein Tigerfell über und läßt seine Partnerin die Peitsche schwingen. Bereitwillig, aber ziemlich unbeteiligt, läßt Nancy alle Verrücktheiten über sich ergehen...


Quelle: www.ofdb.de
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 6. Feb 2012, 16:19

Nach seiner Macbeth-Inszenierung, aber noch vor „Chinatown“ drehte Roman Polanski („Rosemaries Baby“) mit „Was?“ 1972 einen Film in deutsch-französisch-italienischer Koproduktion, der bei seinen Fans und Kritikern für Stirnrunzeln sorgte. Äußerlich eine leichte, frivole, naive Sommerkomödie, ergibt die Handlung um die junge US-amerikanische Touristin Nancy (Sydne Rome, „Ein süßes Biest“), die in Italien vor Vergewaltigern in ein luxuriöses Anwesen flüchtet und dort auch auf allerlei verschrobene Klientel trifft, keinerlei Sinn.

Eine mögliche Interpretation ist laut Sekundärliteratur die einer Parodie auf die Sexfilme der 1970er, von denen ich aber zu wenig kenne, um das beurteilen zu können. Andererseits wird dafür in dieser an sich sehr schlüpfrigen Komödie dann doch zu wenig gevögelt – oder ist das bereits Teil der Parodie? Hält man sich nicht lange mit der Sinnfrage auf, lässt sich „Was?“ aber durchaus als leichter Sommerfilm genießen, der in sonnendurchfluteten Bildern eine stets mindestens halbnackte Sydne Rome durch die lasterhafte Dekadenz der dem schönen Leben frönenden Villenbewohner flitzen lässt, dabei Gestalten wie den tuntigen Alex (Marcello Mastroianni) kennenlernt, der mit ihr seine skurrilen Sexfetische auslebt, am zweiten Tag feststellt, dass sich viele Ereignisse déjà-vu-artig wiederholen und schließlich auf den todkranken Hausherren trifft, dessen Erbschaft anzutreten offensichtlich die degenerierte Menschenansammlung um ihn herum kaum erwarten kann. Brav notiert sie all das in kurzen Sätzen in ihr Tagebuch.

In seiner Ver- bzw. Entrücktheit hat „Was?“ beinahe etwas von „Alice im Wunderland“ bzw. geht gar weiter, wenn Dialoge keinerlei Sinn ergeben oder gar nicht erst stattfinden, weil die Protagonisten lediglich Monologe halten, Handlungsstränge nur scheinbar aufgegriffen werden, denn im weiteren Verlauf kommen sie überhaupt nicht mehr vor, und wann immer der Zuschauer glaubt, einen roten Faden erkennen zu können, er schnell wieder Lügen gestraft wird. Möglicherweise ist dies auch Polanskis Art, das sinnbefreite, parasitäre Leben dekadenter Reicher aufs Korn zu nehmen. Wie auch immer dem sei, nicht zuletzt aufgrund seiner guten Schauspieler (u.a. Polanski mit blauem Auge) macht es Spaß, dem debilen Treiben zu folgen und dass es eben ein Polanski ist, macht die irritierende Sichtung auf ihre Weise interessant.
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon Nello Pazzafini » 10. Feb 2012, 23:49

schön gesagt Bruxti, also hat er dir sogar irgendwie gefallen?
Schön wenn dies dem so ist, bei so speziellen Fällen muss man echt in der stimmung sein, einfach mit nem kühlen, alkoholischen getränk, vielleicht sogar grad in der winterzeit einfach sich in dieses Anwesen mit all seinen Verrückheiten und der Sommerhitze reinfallenzulassen ist definitiv die beste Art dieses eigenwillige Werk aufzunehmen und irgendwie geniessen zu können. Kann man aber irgendwie schwer benoten, was? :lol:
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 10. Feb 2012, 23:53

Nello Pazzafini hat geschrieben:schön gesagt Bruxti, also hat er dir sogar irgendwie gefallen?
Schön wenn dies dem so ist, bei so speziellen Fällen muss man echt in der stimmung sein, einfach mit nem kühlen, alkoholischen getränk, vielleicht sogar grad in der winterzeit einfach sich in dieses Anwesen mit all seinen Verrückheiten und der Sommerhitze reinfallenzulassen ist definitiv die beste Art dieses eigenwillige Werk aufzunehmen und irgendwie geniessen zu können. Kann man aber irgendwie schwer benoten, was? :lol:


Irgendwie schon, ja. Etwas zu lang, ein paar rote Heringe zuviel, aber seine Sommerstimmung kommt auf jeden Fall rüber und hat mich im Doppelpack mit "Sonne, Sand und heiße Schenkel" bei Minusgraden erwärmt. 8-)
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon Arkadin » 11. Feb 2012, 21:50

buxtebrawler hat geschrieben:Möglicherweise ist dies auch Polanskis Art, das sinnbefreite, parasitäre Leben dekadenter Reicher aufs Korn zu nehmen. Wie auch immer dem sei, nicht zuletzt aufgrund seiner guten Schauspieler (u.a. Polanski mit blauem Auge) macht es Spaß, dem debilen Treiben zu folgen und dass es eben ein Polanski ist, macht die irritierende Sichtung auf ihre Weise interessant.


Der Schlüssel liegt wohl darin, dass Polanski zu der Zeit nicht nur extreme mentale Probleme hatte, sondern auch ständig auf Droge war. Was ihn u.a. dazu verleitete zu glauben, dass er mit "Was?" sein Meisterwerk abliefert.

IMDb hat geschrieben:When producer Robert Evans was trying to coax Roman Polanski to direct Chinatown, he found Polanski thoroughly absorbed with this film, to the extent that he had bought a 50% share in it. Evans eventually lured Polanski by saying that whatever "What" made in its opening week, he would pay him as his salary for directing "Chinatown". Polanski readily agreed to this, expecting "What" to do well as he considered it the best thing he had done up to that point. Unluckily for Polanski, "What" only grossed $64 on its first week.


Na ja, ich bin mit dem Film absolut nicht warm geworden. Ich sehe gerade, dass ich ihm 5/10 gegeben hatte. Ich habe ihn aber schlechter in Erinnerung.
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon mike siegel » 24. Feb 2012, 12:01

Neben CUL-DE-SAC mein Lieblings-Polanski.
Schaue ihn nur bei mind. 30 Grad Aussentemperatur, oft auch in Gesellschaft (nie mit Männern, nur mit sinnlichen gutaussehenden Frauen). Am liebsten im Kino, zuletzt auf dem Münchner Filmfest (sehr heiss, draussen ist einem das Bier verdampft. Und kurz vorher noch Polanskis ehemaligen Schwager in einem Antiquariat getroffen).

Ist ähnlich wie KILL BILL 1 für mich ein Paradebeispiel für bestmögliche Regie - aus einem Spitzendrehbuch etwas zu zaubern ist vielen möglich, aber aus solch dünnen Geschichten etwas derart einzigartiges auf die Leinwand zu bringen, das obliegt nur wenigen.

Muss man aber schon einen Draht dazu haben, klar. Etwa einen leicht frivolen exzentrischen Charakter. Ich wär' dort gleich eingezogen ..
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon Nello Pazzafini » 25. Feb 2012, 11:09

:D also eingezogen wär ich dort auch sofort! Du hast da bei der Sichtung alles richtig gemacht, frivol exzentrisch muss man auf alle fälle sein um dieses werk geniessen zu können.
Werde den film nächsten sommer bei über 30 grad nochmal sichten, ich denke das ist wirklich optimal. Ich hatte ja meine sichtung genau umgekehrt bei -15 - aber auch da hat der film etwas in mir entwickelt :D
auf alle fälle ein sehr spezielles werk von Polanski!
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon Onkel Joe » 10. Mär 2012, 01:14

Ähm, ich muss gestehen das ich diesen Film nie gesehen habe.Hat da jemand mal nen rip oder so?
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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon buxtebrawler » 10. Mär 2012, 01:39

Onkel Joe hat geschrieben:Ähm, ich muss gestehen das ich diesen Film nie gesehen habe.Hat da jemand mal nen rip oder so?


Die Koch-Scheibe ist schon für 'nen Fünfer zu haben ;)
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: Was? - Roman Polanski

Beitragvon Onkel Joe » 10. Mär 2012, 10:24

buxtebrawler hat geschrieben:
Onkel Joe hat geschrieben:Ähm, ich muss gestehen das ich diesen Film nie gesehen habe.Hat da jemand mal nen rip oder so?


Die Koch-Scheibe ist schon für 'nen Fünfer zu haben ;)


Mag sein, ist die scheibe den diesen 5er wert??
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