Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Moccia

Klamauk, Satire & jede Menge Gags

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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon DrDjangoMD » 22. Apr 2012, 13:15

Blap hat geschrieben:Ergebnis: Krämpfe bis zum Magendurchbruch (siehe DrD.) (...) Therapie: Darf man sich über Nazis lustig machen? Nein, man muss!


Erstens: Ja, es fällt mir nicht allzu leicht über dieses Thema zu schreiben, ABER: Dass man sich prinzipiell darüber lustig macht, habe ich nie verdammt. Der Inhalt ist in diesem Film für mich keineswegs so schlimm wie die Art wie er vermittelt wird. Und wie ich schrieb, ich mochte in diesem Speziellen Film viele Szenen mit den Archievaufnahmen und ich mag viele andere Komödien die sich damit auseinandersetzen, aber ich kann keinen Sinn darin sehen, es mit solchen grimmen, dezidiert unlustigen Praktiken wie Russischem Roulette oder den Szenen mit Celentano als Bühnenmagier, zu unterlegen. Der Film versagt für mich einfach als Komödie. Und da ist es vollkommen egal ob die zentrale Figur Hitler oder der freundliche Milchmann von Nebenan ist.
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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon Blap » 22. Apr 2012, 13:17

DrDjangoMD hat geschrieben:Dass man sich prinzipiell darüber lustig macht, habe ich nie verdammt.


Nicht prinzipiell. Prinzipienreiterei ist die Vorstufe zum Faschismus.

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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon ugo-piazza » 22. Apr 2012, 21:29

Ich muss beiden Seiten recht geben:

Natürlich darf man sich über Nazis lustig machen. Aber mit Onkel Addi konnte ich recht wenig anfangen. Zu spezieller italienischer Humor? Nello, bitte übernehmen Sie!
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon Adalmar » 22. Apr 2012, 22:32

ugo-piazza hat geschrieben:Natürlich darf man sich über Nazis lustig machen.


Ganz gelungen finde ich es in "Schtonk" von Dietl, was natürlich zum großen Teil auch eine Satire über den Umgang mit dem betreffenden Erbe ist. Die Voraussetzung dafür, dass so etwas gelingt, ist, dass die Gags auch zeigen, dass der Autor bzw. Regisseur sich überhaupt mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Wenn in einem Film Hitler auf einer Bananenschale ausrutscht, ist das auch nicht lustiger, als wenn sonstwer ausrutscht. Viele Leute lachen aber in ersterem Fall offenbar aus reinem Pflichtbewusstsein. Finde es auch reichlich albern, dass jedes Mal, wenn eine Komödie über Nazis gebracht wird, in den Feuilletons eine Pseudodiskussion initiiert wird, ob man sich denn darüber lustig machen dürfte. Man sollte mal lieber darüber diskutieren, ob man jeden noch so schlechten Witz, der denkbar ist, auch unbedingt mit Nazis machen muss. Wenn ich z. B. lese, dass Hitler in "Mein Führer" (Quo vadis, Helge?) beim Reden mit Essen spuckt oder in sonstigen sinnfrei-peinlichen Situationen gezeigt wird, muss ich das echt nicht sehen, einfach weil es generell unlustig ist. Weil man das theoretisch mit jeder geschichtlichen Figur machen könnte, und es wäre immer gleich blöde. Bei Hitler ist es dazu auch noch so billig, da man da einen maximalen Konsens erzielen kann und keiner sich traut, irgendeinen noch so schlechten Führer-Gag zu kritisieren, da es ja so aussehen könnte, als wollte man Hitler in Schutz nehmen. Jede andere geschichtliche Figur (und sei es irgendein anderer Diktator und Kriegstreiber) hätte im Zweifelsfall noch eher irgendeinen Fürsprecher, der sich trauen würde, die mindere Qualität des Humors zu kritisieren. Hitler ist daher ein ideales Ziel für schlechten Humor aller Art und für feige Filmemacher, die nicht riskieren wollen, Verrisse zu ernten, weil es in den Feuilletons Fans der jeweiligen historischen Figur gäbe. Natürlich gibt es nach wie vor ein paar Hitlerfans, aber die werden sowieso nicht ernstgenommen. Also bitte mal entweder niveauvolle Witze jenseits billigen Slapstick-Niveaus oder mal andere historische Epochen und Persönlichkeiten, am besten natürlich beides.
Auch der "Große Diktator" ist zwar ein gut gemachter Film, zeigt aber im Grunde vorrangig typischen Chaplin-Slapstick, der zwar als Slapstick gesehen auf Top-Niveau ist, aber inhaltlich oberflächlich bleibt. Als gelungene Nazi-Satire würde ich den Film nie betrachten, da ernstzunehmende Bezüge zur Ideologie fehlen, die über kindlich wirkendes Spielen mit der Weltkugel und Nonsens-Rederei hinausgehen.
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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon ugo-piazza » 22. Apr 2012, 23:08

"Mein Führer" hatte in der Tat so einige Szenen, die ziemlich peinlich wirkten.

Zum "großen Diktator" ist allerdings anzumerken, dass zu dem Zeitpunkt ja das ganze Ausmaß der Hitlerschen Verbrechen noch nicht allgemein bekannt war und Chaplin selbst ja geäußert haben soll, das er den Film nicht so gemacht hätte, wäre ihm das alles bereits bekannt gewesen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Kunst im Leben ist es, immer einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.


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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon DrDjangoMD » 23. Apr 2012, 09:20

ugo-piazza hat geschrieben:"Mein Führer" hatte in der Tat so einige Szenen, die ziemlich peinlich wirkten.

Zum "großen Diktator" ist allerdings anzumerken, dass zu dem Zeitpunkt ja das ganze Ausmaß der Hitlerschen Verbrechen noch nicht allgemein bekannt war und Chaplin selbst ja geäußert haben soll, das er den Film nicht so gemacht hätte, wäre ihm das alles bereits bekannt gewesen.


Außerdem funktioniert "Der Große Diktator" in meinen Augen im Gegensatz zu "Mein Führer" auch als Komödie. Ich würde mich nicht über "Der Große Diktator" beschweren, da mich der herrliche Slapstick darüber hinweggetröstet hat, dass sie keine perfekte Nazi-Satyre geliefert haben (im Gegensatz zu "Mein Führer" den ich als in allen Beziehungen versagend eingestuft habe :pfeif: ).

Und um mich wieder ellegant aus dem Off-Topic herauszuwinden: Das finde ich auch das Problem bei "Onkel Addi". Ich sage dies nochmal, da einige (@blap: :nixda: ) es offenbar nicht kapieren und gleich wirre Theorien über Prinzipien und Faschismus zum Besten geben: "Onkel Addi" war für mich eine miese KOMÖDIE. Zum Teil weil er so düsteres Zeugs beinhaltete (nicht nur Nazispezifisches auch anderes) und da ist es VOLLKOMMEN EGAL, ob er jetzt in den 1940er Jahren spielt oder im 17. Jahrhundert, er wird für mich immer eine miese KOMÖDIE bleiben. Wenn ihr mir da nicht zustimmt, bitte sagt eure Meinung, aber hört auf den Film auf dieses eine Thema zu reduzieren.
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Re: Onkel Addi - Gib dem Führer Saures - F. Castellano/G. Mo

Beitragvon Blap » 23. Apr 2012, 12:41

Jetzt nicht abwiegeln... :lol:
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