Malizia - Salvatore Samperi (1973)

Klamauk, Satire & jede Menge Gags

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Malizia - Salvatore Samperi (1973)

Beitragvon reggie » 22. Jan 2014, 16:15

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Score: Fred Bongusto
Darsteller: Laura Antonelli, Gianluigi Chirizzi, Alessandro Momo, Turi Ferro, Tina Aumont

Die Frau von Ignazio einem Stoffhändler, Stirbt unerwartet.
Kurz vorher hatte diese noch ein neues Dienstmädchen (Antonelli) eingestellt.
Diese bringt Schwung und einige Turbulenzen in den Altag der Familie.
Denn die 19 und 15 Jährigen Söhne verkucken sich in das hübsche Hausmädchen.
Der 19 Jährige versuchts direkt, wenn es sein muss mit Gewallt, aber das Funktioniert nicht, weshalb er sein interesse verliert.
Der 15 Jährige Nino noch sehr unerfahren, steckt ihr immer Heimlich rote Rosen in die Jacke.
Dann denkt der Vater darüber nach das Hausmädchen zu Ehelichen, somit zerbricht eine Welt für Nino.
Er spielt einige Derbe spiele mit dem Hausmädchen...
Zudem ist da noch der kleinste Sohn , sowas von aufgedreht und ungehorsam ...
Ach und die Schwiegermama die auch ihr ja zur Hochzeit geben müsste...
Es gibt da noch viel mehr wie den dicklichen Kumpel, dessen Dumme Schwester (Genial Tina Aumont :lol: ) aber das würde den Rahmen hier sprengen...

Hui ein genialer Intelligenter Film! Keine richtige Komödie die eine lustige szene an die andere reiht. Eigentlich ist der Film sehr ernst und bringt nur durch den kleinsten einige komische momente mit rein.
Eigentlich könnte man den Film eher in die Drama ecke packen?? Denn es ist auch ein Film über den unverstandenen 15 Jährigen Nino.
Der Film ist ja auch als Erotik gelistet, das liegt natürlich am Hausmädchen das allen den Kopf verdreht, auch den zuseher. Und auch an zwei sehr Erotischen Nacktszenen der Haupterstellerin Frau Antonelli. Der Junge Nino bringt sie soweit das sie sich vor ihm und seinem Kumpel auszieht...
Kann man nicht beschreiben, muss man gesehen haben 8,5/10

Ach und die Darsteller will ich auch noch erwähnen! "Alessandro Momo" der mir schon in "Duft der Frauen" Super gut gefallen hat. Er ist der junge Rekrut der den Blinden führt. Schade das er nicht mehr Filme gemacht hat...
Ja und der Tolle "Gianluigi Chirizzi " der mir das erste mal in "Blue Jeans" positiv aufgefallen ist. Der ex zuhälter von der Guida war er da. Den meisten dürfe er aber aus dem "HorrorSex Nachtexpress" und Bianichis "Rückkehr der Zombies" bekannt sein. Danach war auch für ihn schluss, warum auch immer schade...
Naja und zur Antonelli brauch ich ja nichts sagen! Zucker!

Es gibt übrigens sogar ein Remake/Fortsetzung ? was weis ich mit den gleichen Darstellern! Schimpft sich "Malizia 2000" ist aber nicht verfügbar.

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Kommt ja demnächst von CMV, darum wollte ich mal etwas zum Film schreiben!
Damit auch fleißig gekauft wird und CMV vielleicht weitere solche Perlen bringen.
Denn genau diese art Film liebe ich und würde ich begrüßen wenn da noch mehr kommen würde!
Zuletzt geändert von reggie am 22. Jan 2014, 22:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon sergio petroni » 22. Jan 2014, 18:25

reggie hat geschrieben:Diese bringt Schwung und einige Turbolenzen in den Altag der Familie.


Ich hoffe ja, daß der kommende auch ein Turbo-Lenz wird! 8-)
DrDjangoMD hat geschrieben:„Wohl steht das Haus gezimmert und gefügt, doch ach – es wankt der Grund auf dem wir bauten.“
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon reggie » 22. Jan 2014, 22:18

Nö ein Turbu - Lenz...

Im übrigen in der Top Ten der beliebtesten Rechtschreibfehler :kicher:
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon buxtebrawler » 22. Jan 2014, 22:35

Danke für die Vorstellung, reggie, werd ich mir anschaffen.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon Captain Blitz » 24. Jan 2014, 09:02

Ich tue mich ein wenig schwer mit solchen Filmen. Ist das so ein typischer Eis am Stiel Humor? "Hihi, da hat jemand Penis und Mumu gesagt, hihi! Kicher, kicher!" :kicher: Oder was würde mich grundsätzlich bei solchen Filmen erwarten? Da geht es mir eher um ein paar grundsätzliche Dinge. Sicher, ich lese hier die Kritiken, aber so ganz weiß ich immer noch nicht, mit was ich zu rechnen habe. Erotik-Komödie (ist einfach nicht so ganz mein Genre), irgendwas in Richtung "Lass jucken, Kumpel!" auf Italienisch? HILFE!
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon reggie » 25. Jan 2014, 00:41

Hi, Junge wird erwachsen, entdeckt die weiblichen Reize. Die daraus resultierenden Geschehnisse machen den Humor aus.
Kein "Eis am Stil" Humor, keine Klamotte! Nix mit Klamauk, also keine Sorge ;)
Weit weniger Komödie , mehr ein Normaler Spielfilm ;)
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon Arkadin » 10. Jun 2014, 15:25

Nach dem überraschenden Tod seiner Frau, bleibt der reiche Stoffhändler Don Ignazio (Turi Ferro) allein mit seinen drei Söhnen, dem 18-jährigen Antonio (Gianluigi Chirizzi), dem 14-jährigen Nino (Alessandro Momo) und dem 9-jährigen Enzio, zurück. Daher nimmt er gerne die Hilfe des neuen Hausmädchens Angela (Laura Antonelli) in Anspruch, die noch von der verstorbenen Frau des Hauses eingestellt wurde. Bald schon versuchen sowohl Don Ignazio, als auch seine Söhne Antonio und Nino bei dem schönen Hausmädchen zu landen. Besonders Nino hat sich unsterblich in Angela verliebt. Doch als sich herausstellt, dass der Vater das Rennen gemacht hat und Angela zu heiraten gedenkt, wird Nino ihr gegenüber immer feindseliger…

Die Commedia Sexy al‘Italia ist nicht unbedingt mein favorisiertes Genre. Deshalb bin ich dem Film „Malizia“, der allgemein diesem Genre zugeschrieben wird, zunächst skeptisch begegnet. Zeichnen sich italienische Komödien, insbesondere die Sex-Komödien, doch in der Regel durch eine große Derbheit und vor allem lärmende Lautstärke aus, die meinem Verständnis von Humor diametral entgegen laufen. Und der Beginn von „Malizia“ schien meine schlimmsten Vorurteile dann auch gleich zu bestätigen. Die Frau des Hauses ist verstorben und liegt aufgebahrt im Wohnzimmer, wo sich auch prompt eine fette Fliege auf ihr Gesicht setzt, alle übertrieben am Seufzen und Jammern sind und der kleine Sohne sich mit einer fürchterlichen deutschen Synchronstimme beschwert, er können nun nirgendwo mehr mit seinem Fußball spielen. Kurz darauf verursacht er dann einen Brand, indem er die Kerzen neben der Bahre umschießt. Doch dieser derbe Beginn täuscht. “Malizia“ ist keine deftige Sexkomödie zum auf die Schenkel schlagen, sondern ein vielschichtiger und eher leiser Film. Ich würde ihn – trotz einiger humorvoller Passage in der ersten Hälfte – noch nicht einmal eine Komödie nennen. Es ist ein “Coming-of-Age”-Film und zwar kein heiterer, sondern einer, der sich langsam in eine Art Psychothriller entwickelt.

Die Prämisse erinnert ein wenig an Louis Malles “Herzfilmmern“, der vor kurzem ebenfalls bei CMV veröffentlicht wurde. Hier wie dort geht es um einen Jungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, der eine neue Welt betritt und seine Gefühle noch nicht so recht einordnen kann. In beiden Filmen gibt es zudem ein starkes ödipales Motiv. In “Herzflimmern” ganz wortwörtlich, in „Malizia“ tritt der Sohn beim Bemühen um das Objekt der Begierde in Konkurrenz zu seinem Vater. Beide jugendlichen Helden haben zwei Brüder und kommen aus einer gutbürgerlichen Familie. „Herzflimmern“ spielt in den 50er Jahren und auch „Malizia“ scheint, obwohl dies nie erwähnt wird, in einer nahen Vergangenheit zu spielen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. “Malizia”s zunächst leicht-flockiger Ton wird im Laufe des Filmes immer dunkler. Ist Nino zunächst nur ein verliebter Jüngling, der versucht seinen Vater und seinen ebenfalls an dem Hausmädchen Angela interessierten Bruder auszustechen, so bekommt er zunehmend psychopathische Züge. Wenn er das Hausmädchen Angela ständig gegen ihren Willen befummelt oder sich immer neue Arten ausdenkt sie zu erniedrigen, dann fühlt man sich zunehmend unwohler. Wenn er dann noch seinen kleinen Bruder Enzo für seine bösen Pläne missbraucht, kann man kaum noch Sympathie für ihn empfinden.

Alessandro Momo, der an einen sehr jungen Michele Placido erinnert, spielt seine Rolle dabei so überzeugend, dass es einem regelrecht vor ihm gruselt. Natürlich stellt man sich auch die Frage, weshalb Angela all dies zulässt. Wirklich nur, um keinen Unfrieden in die Familie zu bringen, und ihre Beziehung mit dem Vater – immerhin bedeutet eine Heirat mit ihm einen nicht unbedeutenden sozialen Aufstieg – nicht zu gefährdenden? Scheint Angela die Spielchen auch bis zu einem bestimmten Punkt zu genießen? Hat sich zwischen Angela und Nino eine sado-masochistische Beziehung entwickelt, die Angela solche Lust verschafft, das diese sich in ihrer finalen Handlung unkontrolliert ihren ihre Bahn bricht? Oder nimmt sie den Akt berechnend vor, um Nino zum Schweigen zu bringen und sein Einverständnis für die Hochzeit zu erpressen? Beide Deutungen sind möglich und so erscheint auch das letzte Bild, welches einen Kuss zwischen Angela und Nino zeigt, ambivalent. Zeigt sie ihm hier ihre Dankbarkeit, dass Nino ihr durch seine „Erlaubnis“ den sozialen Aufstieg ermöglichte oder ist es ein stilles Einverständnis, dass sie ihre Beziehung fortsetzen können? Dies bleibt dem Auge des Betrachters überlassen.

Regisseur Salvatore Samperi konnte mit „Malizia“, der 1973 in Italien ein großer Erfolg war und die Karriere seiner Hauptdarstellerin Laura Antonelli befeuerte, seinen größten Triumph feiern. In der Folge blieb er dem Genre überwiegend treu. Allerdings finden sich in seiner Filmographie auch zwei Verfilmungen der „Sturmtruppen“-Comics, die scheinbar auch ganz gut liefen. „Malizia“ ist sehr elegant und schön gefilmt, wobei die von Vittorio Storaro geführte Kamera immer wieder Laura Antonelli umschmeichelt und sicherlich keinen kleinen Anteil daran hat, dass sie durch diesen Film zu einer Erotik-Ikone wurde. Für die eingängige Musik ist Fred Bongusto zuständig. Sein zunächst heiter-eingängiges Motiv wird mit Verlauf der Handlung immer Moll-lastiger und disharmonischer, was ein hübscher Effekt ist und das Driften des Filmes in den Bereich des Psycho-Dramas noch unterstreicht. Auch die Nebenrollen sind gut besetzt, auch wenn Stefano Amato als fetter rothaariger Junge und Angela Luce als liebestolle Witwe etwas zu grell gezeichnet sind. Dafür ist die entzückende Tina Aumont ein willkommener Blickfang. Hauptdarsteller Alessandro Momo wurde durch seine Rolle des Nino zum Star und spielte im nächsten Jahr neben Vittorio Gassman die Hauptrolle in „Der Duft der Frauen“. Leider starb er kurz nach Ende der Dreharbeiten zu diesem Film durch einen Motorradunfall.

Mittelpunkt des Filmes ist aber Laura Antonelli, die von Regie und Kamera in jeder ihrer Szenen ins rechte Licht gesetzt und umschmeichelt wird. Im Gegensatz zu den anderen italienischen Sex-Idolen zu dieser Zeit, wie Edwige Fenech oder zuvor Sophia Loren und Gina Lollobrigida, wirkt Antonelli beinahe zerbrechlich. Aber das ist nur der erste Eindruck, wenn man ihren schlanken, zarten Körper sieht. Doch betrachtet man sie länger, bemerkt man bald, dass sie dieser erste Eindruck gar nicht stimmt. Die Antonelli ist schlang, aber nicht dünn und an den richtigen Stellen offenbart sich eine ungeahnte Üppigkeit. Auch spürt man unter ihrer engelsgleichen, porzellanen Oberfläche einen starken Willen. Und dann dieser Blick. Etwas melancholisches, aber zugleich auch Willensstarkes umspielt ihre Augen. Dies kommt besonders in der Szene zum Ausdruck, in der Nino sie heimlich zwingt, seinen Vater zu verführen. Sie geht an dem Türspalt vorbei, hinter dem Nino sich versteckt und wirft ihm einen Blick mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Verachtung und wütendem Trotz zu, während sie beiläufig die Knöpfe ihrer Bluse öffnet. In einer anderen Szene zieht sie sich langsam aus und entblößt sich wissentlich vor den hinter einem kleinen Fenster versteckten Jungen. Die Art und Weise wie Antonelli dies spielt und Vittorio Storaro ihren perfekten Körper streichelt zählt für mich zu dem Erotischsten, was in der Filmgeschichte zu sehen war. Da ist Porcellos spontane Reaktion darauf durchaus verständlich.

Generell wird die Antonelli zum vibrierenden, erotischen Zentrum des Filmes und das weiß Salvatore Samperi auch ganz genau. Immer wieder wird der voyeuristische Blickwinkel gesucht. Der auf einer Leiter stehenden Antonelli unter den Rock geschaut, ihre schlanken, von zartem Nylon umschlungenen Beine zur Geltung gebracht und der schnelle Blick in den Ausschnitt erlaubt. Der Zuschauer wird also in die Position der männlichen Mitglieder der Familie La Brocca gebracht und kann so nur allzu gut nachvollziehen, wie das Dienstmädchen Angela den dreien den Kopf verdreht. Nach diesem Film man auch ein wenig in schöne Laura Antonelli verliebt. Mich hat diese dazu verleitet, im Netz mehr über die Antonelli erfahren zu wollen. Dadurch bin ich dann auf ihr trauriges Schicksal aufmerksam geworden. Bis 1991 war sie noch ein Star im italienischen Kino und drehte mit Salvatore Samperi und Turi Ferro einen Film namens „Malizia 2000“. Kurz danach fand man in ihrer Wohnung Kokain und sie wurde angeklagt, dies nicht nur konsumiert, sondern auch mit ihm gehandelt zu haben. Nach ihrer Verurteilung war ihre Filmkarriere ruiniert. Eine schrecklich schiefgegangene Schönheitsoperation 1993 tat das Übrige dazu, ihr Leben zu zerstören. Im Internet findet man ein aktuelles Paparazzi-Bild, welches eine dicke, alte Oma zeigt, deren Gesicht nur noch tiefste Verbitterung ausdrückt. Ich wollte, ich hätte dieses Bild nicht gesehen und könnte sie nur als Angela in Erinnerung behalten. Auf seiner Leiter stehend, den Blick auf ihre wohlgeformten Beine und einen verführerischen Po offenbarend. Und an diesen unbeschreiblichen Blick.

„Malizia“ beginnt als Komödie, nur um sich dann langsam in einer immer finsterer werdendes Coming-of-Age-Drama zu verwandeln. Der junge und leider viel zu früh verstorbene Alessandro Momo liefert dabei ein ebenso beeindruckendes, wie intensives Spiel ab, wenn er sich von einem pubertierenden Schwärmer langsam aber sicher in einen kleinen Psychopathen verwandelt, der es genießt mit dem von ihm heimlich verehrten Dienstmädchen Angela seine sadistischen Spielchen zu treiben. Dabei kann das Verhältnis zwischen den beiden durchaus ambivalent gelesen werden. Darüber hinaus funktioniert der elegant fotografierte Film aber auch als visuelle Liebeserklärung an die wunderschöne Laura Antonelli.

Screenshots: http://www.filmforum-bremen.de/2014/04/ ... n-malizia/
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Re: MALIZIA - Salvatore Samperi

Beitragvon jogiwan » 3. Aug 2014, 18:48

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Nach dem überraschenden Tod von Margherita erfährt der erfolgreiche Textilhändler Don Ignazio (Turi Ferro) am Tage des Begräbnisses, dass seine verstorbene Frau noch kurz vor ihren Ableben die hübsche Angela (Laura Antonelli) als Hausmädchen angeheuert hat und deutet das schicksalhafte Aufeinandertreffen des frisch verwitweten Mannes und der jungen Frau als Zeichen des Himmels. Angela ist ja auch nicht nur sehr attraktiv, sondern besonders fleißig und zuvorkommend und sorgt sich neben dem Haushalt und kulinarischen Meisterleistungen auch aufopfernd um dessen Kinder Antonio (Gianluigi Chirizzi), Nino (Alessandro Momo) und vor allem um das Nesthäkchen Enzio (Massimiliano Filoni), der mit dem Tod der Mutter am meisten zu kämpfen hat.

Schon wenig später ist nicht nur der wohlhabende Don Ignazio von der jungen Angela ganz begeistert - auch seine beiden Söhne Antonio und Nino buhlen offen um die Gunst der jungen Frau und es kommt neben kleineren Konkurrenzkämpfen auch zu ernsten Spannungen innerhalb der Familie. Während Don Ignazio plant, die junge Frau nach der Trauerphase zu seiner Gemahlin zu machen und Antonio daraufhin das Feld für seinen Vater räumt, beginnt der pubertierende Nino das Werben von Don Ignazio zu sabotieren und manipuliert auch den kleinen Enzio um seinen abergläubischen Vater und auch Angela unter Druck zu setzen, die den Jungen jedoch durchschaut.

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Als ein befreundeter Pfarrer Don Cirillo (Pino Caruso) und auch Don Ignazios herrische Mutter (Lilla Brignone) einer Vermählung nur mit dem Einverständnis der Söhne zustimmen wollen beginnt Nino seinen letzten Trumpf auszuspielen und beginnt in einer Mischung aus pubertärer Neugier und Zorn über die Zurückweisung Angela unter Druck zu setzen. Er stellt ihr weiter nach, verlangt Gefälligkeiten und beginnt sich auch sexuell der Frau zu nähern, während er nach außen hin den trauernden Jungen mimt, der den Tod seiner Mutter noch nicht verkraftet hat. Als Angela bemerkt, dass kein Weg an Ninos Einverständnis vorbeiführt beginnt sie, den Anforderungen nachzugeben und lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein, dass an einem gewittrigen Sommerabend seinen Höhepunkt findet…

„Malizia“ von Regisseur Salvatore Samperi über eine attraktive Haushälterin, die mit ihrer undschuldigen Art und erfrischender Natürlichkeit einem verwitweten Geschäftsmann und seinen Söhnen den Kopf verdreht, wird ja allgemein und eher fälschlicherweise dem erotischen Komödien-Genre zugerechnet, denn auch wenn der italienische Film durchaus ein paar humorvolle Momente vorzuweisen hat, ist der 1973 entstandene Streifen eher dramatisch ausgefallen und bietet eine zur Entstehungszeit sehr beliebte Mischung im Spannungsfeld von Arthouse-Drama, Sozialstudie, Coming-of-Age, Erotik und Komödie.

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Die eigentlich recht turbulente Geschichte ist auch sehr gelungen und schön in Szene gesetzt und huldigt nicht nur der weiblichen Schönheit Laura Antonelli in einer ihrer ersten Hauptrollen, sondern zeigt auch auf augenzwinkernde Weise das männliche Balzverhalten und Auswüchse von Aberglauben bis gegen Ende der Streifen fast schon in Richtung Psychodrama tendiert. „Malizia“ ist dabei mal eher leicht, dann wieder etwas schwerer und schlängelt sich gekonnt an allen Genre-Schubladen entlang und bietet Momente des Humors und dramatische Entwicklungen genauso wie den unbeschwerten Umgang mit erwachender Sexualität, Neugier, das jugendliche Austesten von Grenzen bis hin zu ungleichen Machtspielen zwischen einem pubertierenden Jungen und einer erwachsenen Frau.

Samperis Streifen erinnert inhaltlich an den erst kürzlich ebenfalls von CMV-Laservision veröffentlichten „Herzflimmern“ von Louis Malle, der mit erwachender Sexualität, wohlsituierten Elternhaus, Zeitkolorit und kontroversen Handlungsverlauf auch starke Parallelen aufzuweisen hat. Wo Malle jedoch mit dem Thema Inzest ein weit wilderes Thema aufgreift, zeigt Samperi einen Pubertierenden, der die hübsche Hausangestellte sexuell bedrängt und seine Machtsituation ausnutzt. Dabei lässt Samperi seine Geschichte aber wohl auch etwas vage und überlässt es auch dem Zuschauer zu entscheiden, inwieweit das Gezeigte real oder lediglich der Fantasie des Jungen entsprungen ist.

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Zwar könnte man die Geschichte heutzutage wohl auch nicht mehr so bringen und auf heutige Verhältnisse umgelegt wirkt die Geschichte von „Malizia“ auch sicher eher befremdlich, aber gerade in der Schaffensperiode der frühen Siebziger gibt es ja eine ganze Reihe von Filme die sich mal mehr und mal weniger feinfühlig mit dem Erwachsen der Sexualität von Kindern und die Sichtweise erwachsener Menschen darauf beschäftigt. Samperis Streifen ist jedoch nicht auf Skandal ausgelegt und auch dank humoristischer Momente muss man den kurzweiligen und international mehrfach ausgezeichneten Streifen auch nicht verbissen ernstnehmen, der im Jahr 1993 mit „Malizia 2000“ unter demselben Regisseur und den beiden Hauptdarstellern Antonelli und Ferro sogar so etwas wie eine Fortsetzung erhielt, die jedoch außerhalb Italien offensichtlich nicht veröffentlicht wurde.

Inhaltlich und inszenatorisch ist der Film ja sehr gut ausgefallen und war im Jahr 1973 auch im Rennen um den Goldenen Bären im Spiel, der letztendlich jedoch an den indischen Beitrag „Ferner Donner“ von Satyajit Ray ging. Darstellerisch ist „Malizia“ ebenfalls sehr gut besetzt und bietet neben einer bezaubernd aufspielenden und unschuldig wirkenden Laura Antonellli in einer ihrer ersten Hauptrollen auch den damals knapp sechszehnjährigen Alessandro Momo, dessen aufstrebender Stern am Schauspielhimmel durch einen Motorradunfall im Jahre 1974 jäh beendet wurde. Neben den Beiden agieren aber Turi Ferro, den man eher aus zahlreichen Polit-Thrillern kennt und der vielbeschäftigen und optischen Aufputz Tina Aumont, sowie Gianluigi Chirizzi, den der aufgeschlossene Genre-Freund wohl vor allem aus dem Zombie-Kracher „Die Rückkehr der Zombies“ gut in Erinnerung hat.

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CMV-Laservision präsentiert den mehrfach preisgekrönten, italienischen Streifen, der im Jahre 1973 auch in den deutschen Lichtspielhäusern gelaufen ist in sehr schöner Bild- und Tonqualität, wobei es neben der deutschen Synchronisation auch die italienische Sprachfassung, jedoch ohne deutsche Untertitel auf die Scheibe geschafft hat. Über die Freigabe mit FSK18 lässt sich sicher streiten und als Fan hat man ebenfalls die Wahl zwischen kleiner Hartbox und Amaray, wobei sich beide durch geschmackvolles Design auszeichnen und auch in Punkto Bonusmaterial nicht unterscheiden, dass mit Trailern und Bildergalerie auch eher spärlich ausgefallen ist.

Unterm Strich bleibt ein Streifen im Spannungsfeld von Drama, Komödie, „Coming-of-Age“ und Erotik, der Fans von eher anspruchsvollen Arthouse-Produktionen auch nicht enttäuschen sollte. Eine leichtfüßige Sexklamotte und nackte Haut sollte man sich hingegen nicht erwarten und für einen humorvollen Unterhaltungsfilm ist „Malizia“ wohl insgesamt auch zu dramatisch geworden. Samperis Streifen spricht dann auch eher Leute an, die sich in allen bezeichneten Ecken der Filmlandschaft zuhause fühlen und insbesondere Fans von italienischen Produktionen kommen in dem Werk von Salvatore Samperi sicherlich auf ihre Kosten. Ich bin ja generell ein sehr großer Fan von Genre-übergreifenden und kontroversen Werken aus den Siebzigern und von meiner Seite gibt es dann auch keine Beanstandungen.

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Re: Malizia - Salvatore Samperi (1973)

Beitragvon buxtebrawler » 13. Okt 2015, 18:18

„Ich hab‘ so meinen eigenen Geschmack!“

Eine eigenwillige Melange aus Erotikkomödie und Coming-of-Age-Drama brachte der italienische Regisseur Salvatore Samperi („Sturmtruppen“) im Jahre 1973 mit „Malizia“ hervor, in dessen Mittelpunkt er die bildhübsche Laura Antonelli („Das nackte Cello“) stellte.

Überraschend ist die Frau des wohlhabenden Don Ignazio (Turi Ferro, „Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!“) verstorben und hat neben ihrem Mann die drei Söhne Antonio (Gianluigi Chirizzi, „Kesse Teens - Die erste Liebe“), Nino (Alessandro Momo, „Der Filou“) und Enzio (Massimiliano Filoni, „Mister Billion“) zurückgelassen. Doch kurz vor ihrem Tod hat sie die Haushälterin Angela (Laura Antonelli) eingestellt, die nun den Herren des Hauses den Kopf verdreht. Schon bald hegen Don Ignazio und Angela Heiratspläne, doch hat sie die Rechnung ohne den pubertierenden Nino gemacht, der gern seine ersten sexuellen Erfahrungen bei Angela sammeln würde. Manipulativ beginnt er, Angela unter Druck zu setzen…

„Wir haben uns überhaupt nichts zu sagen, ich und Freud!“

Ja, der kleine Nino ist schon von der tolldreisten Sorte, geht z.B. unmittelbar zu Beginn des Films bereits einer älteren Dame im Auto an die Muschi. Der frühreife Bengel trinkt und raucht und prahlt mit angeblichen Sexgeschichten mit Angela, nachdem er sie kennengelernt hat. Doch der Film mit der tollen Titelmelodie und der voyeuristischen Kameraführung ist keine schlüpfrige Sex-Klamotte, sondern lange Zeit so etwas wie eine komödiantische Sozialstudie am Beispiel eines wohlhabenden süditalienischen, sich nach außen hin bieder katholisch gebenden Haushalts, in dem die verstorbene Frau offenbar kaum vermisst wird und sich stattdessen alles auf die neue Haushälterin zu stürzen scheint. Angela wird von allen begafft, die Herren des Haushalts achten plötzlich verstärkt auf Körperpflege. Der älteste Sprössling Antonio bändelt mit ihr an, worauf Nino mit entsprechender Eifersucht reagiert.

Doch die Grundstimmung des Films bleibt zunächst beschwingt, vermittelt ein Lebensgefühl von leidenschaftlichem Temperament und Aufbruchsstimmung, von Neugierde und Lebensfreude. Erfrischend natürlich wirkt der Umgang der Jünglinge untereinander, spitzbübisch und charmant frech ihr Entdecken der Sexualität und der Frauenwelt. Als eine ältere Witwe (Angela Luce, „Wer hat Euch bloß den Führerschein gegeben?“) Nino zu verführen versucht, tauscht er sich kurzerhand gegen seinen dicken rothaarigen Kumpel (Stefano Amato, „Die Bumsköpfe“) aus. Schließlich jedoch wird die Stimmung ernster, denn als Nino Angela offen sexuell zu belästigen beginnt, testet er Grenzen aus, indem er sie überschreitet. Angela kommt mit dem Familienoberhaupt zusammen, was indes in der Tat weniger wie eine Heirat aus Liebe anmutet als vielmehr wie eine Absprache aus gegenseitiger Abhängigkeit heraus: Don Ignazio hat wieder eine attraktive Frau an seiner Seite, die zudem den Haushalt schmeißt und sich um die Kinder kümmert, sie hingegen profitiert vom finanziellen Wohlstand der Familie. Vor diesem Hintergrund dürfen sich Zweifel regen, ob es ihr wirklich so unangenehm ist, unterm Tisch von Nino befummelt zu werden…

Zunehmend beginnt die Kamera, Angelas Reize offensiver einzufangen, inszeniert ihre Entkleidung betont erotisch. Dass sein Freund dabei zusieht, macht Nino einmal eifersüchtig, woraufhin er sie gar als „Nutte“ beschimpft. Als Don Ignazio reichlich unbeholfen vorehelichen Sex einzufordern versucht, wehrt sie sich jedoch entschieden. All dies sind Zeichen für einen vollkommen unnatürlichen Umgang mit der Sexualität. Je weniger Nino Angela allein für sich besitzen kann, desto höher werden seine Besitzansprüche. Seiner Enttäuschung darüber verleiht er Ausdruck, indem er sich Angela gegenüber verächtlich verhält, die Schuld auf sie abzuwälzen versucht. Angela wiederum befindet sich faktisch in einer Art Abhängigkeit von Nino, ist von ihm erpressbar und muss deshalb einiges über sich ergehen lassen. Noch stärker aber empfindet sie offenbar Abscheu beim Gedanken an Sex mit ihrem Verlobten, ist jedoch bereit, ihn als eheliche Pflicht über sich ergehen zu lassen – aber eben ausdrücklich erst nach der Eheschließung. Die Absurdität des Ganzen findet Entsprechung in der nach wie vor weniger tiefschürfend-dramatischen Art der Inszenierung Samperis, die weiterhin eher eine komödiantische Lesart gestattet – wenn auch mit einigen Abstrichen.

Ästhetischer wie dramatischer Höhepunkt des Films ist schließlich die Szene, die davon eingeleitet wird, wie Nino Angela zwingt, sich auszuziehen. Sie flucht und zetert, Licht spendet lediglich Ninos Taschenlampe. Aus dieser besonderen Situation holt Samperi mittels Point-of-View-Perspektiven und Lichtspielereien eine künstlerische Visualisierung heraus, die dem gerecht wird, was passiert: Angela findet Gefallen daran und dreht den Spieß um, in der Konsequenz schlafen beide endlich miteinander. Am Ende heiratet sie – natürlich! – dennoch Ninos Vater, treibt’s jedoch heimlich weiter Nino, richtet sich in diesem Arrangement sozusagen pragmatisch bis gemütlich ein, um auch auf ihre Kosten zu kommen.

So bringt Samperi mit „Malizia“ die Verlogenheit manch südländischer katholischer Familie und ihrer bzw. gesellschaftlicher Moralvorstellungen zum Ausdruck, plädiert dabei auch ein wenig für sexuellen Entdeckerdrang und bricht eine Lanze für kreative Dreiecksbeziehungen unter „Sachzwängen“; all das indes nicht, ohne die problematischen Seiten ebenfalls zu beleuchten. Beleuchtet, nein, regelrecht illuminiert wird vor allem aber die wunderbare Laura Antonelli, die hier als strebsame und fleißige, dabei niedliche, Schutzbedürftigkeit ausstrahlende junge Frau in Szene gesetzt wird, der ihr eigener Sex-Appeal gar nicht bewusst zu sein scheint. Neben ein, zwei overactenden Rollen agieren alle Darsteller seriös und beweist auch Antonelli ihr schauspielerisches Talent, das sich oftmals gerade auch in subtiler Mimik äußert. Sie ist es auch, die „Malizia“ seine Sinnlichkeit verleiht und somit zu einem vielleicht nicht zwingend herausragenden, aber für Freunde des italienischen Kinos mit reichlich Lokal- und Zeitkolorit angenehmem, sympathischem Erlebnis mit viel mediterranem Charme macht.
Onkel Joe hat geschrieben:Die Sicht des Bux muss man verstehen lernen denn dann braucht man einfach viel weniger Maaloxan.

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